03. November 2026
Neues Fernrohr eröffnet faszinierende Einblicke in die Vogelwelt der Freizeitinsel
Bad Abbach | 03.11.2026 | Natur erleben und Artenvielfalt entdecken: Auf dem Vogelbeobachtungsturm auf der Bad Abbacher Freizeitinsel wurde ein fest installiertes Fernrohr angebracht. Damit können Besucherinnen und Besucher die heimische Vogelwelt künftig noch besser beobachten und die besondere Natur dieses Gebietes aus nächster Nähe erleben.
Möglich wurde die Anschaffung des Fernrohres durch die gemeinsame Finanzierung vom BUND Naturschutz Ortsgruppe Bad Abbach, dem Markt Bad Abbach und der aufgelösten parteiübergreifenden Wählergruppierung Zukunft Bad Abbach e.V. (die Gruppierung spendet ihr verbliebenes Vermögen an verschiedene Projekte).
"Das Fernrohr ist eine echte Bereicherung des ohnehin schon wertvollen Vogelbeobachtungsturms, der bereits bei Naturliebhabern über die Landkreisgrenze hinaus beliebt ist – eine Bereicherung jeder Exkursion." erklärt Franz Ameismeier, BUND Naturschutzmitglied und Naturguide. Bürgermeister Dr. Benedikt Grünewald freut sich über den faszinierenden Weitblick. "Der Bauhof wird noch eine Erhöhung bauen, dann können auch die Kleinen unsere großartige Natur bestaunen und entdecken."
Die Freizeitinsel ist weit mehr als ein beliebtes Naherholungsgebiet. Eingebettet zwischen den zwei größeren flankierenden Gewässern und mehreren wassergefüllten Kiesgruben befindet sich hier ein wertvoller Naturraum mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt. Landwirtschaft, Kiesabbau, Sport- und Freizeitangebote sowie Veranstaltungen prägen die Nutzung des Gebietes. Gleichzeitig finden sich zahlreiche ökologisch wertvolle Lebensräume, die einen besonderen Schutz verdienen.
Der Auwaldbereich beidseits der Donau ist Teil des europäischen FFH-Gebietes „Donau von Poikam bis Regensburg“. FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) dienen dem Erhalt gefährdeter Lebensräume und deren Tier- und Pflanzenarten, sie sind Bestandteil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Die besondere ökologische Bedeutung der Freizeitinsel ergibt sich vor allem aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Lebensräume. Dazu zählen die beiden großen Gewässer – der durch die Schifffahrt verkehrsberuhigte Donauarm und der Abschnitt des Main-Donau-Kanals –, der Auwald sowie renaturierte Kiesgruben. Letztere bieten mit Steilhängen, Flachwasserzonen, sumpfigen Bereichen sowie Kies- und Sandflächen vielfältige Rückzugs- und Lebensräume. Auch die angrenzenden Kalkfelsen der Oberndorfer Hänge, die unter anderem als Brutplätze dienen, und extensiv genutzte Wiesenflächen tragen zur ökologischen Vielfalt bei. Die Kiesgruben und die Oberndorfer Hänge gehören zum Naturpark Altmühltal.
Rund 100 Vogelarten sind hier heimisch
Besonders für Vogelfreunde ist die Freizeitinsel ein lohnendes Beobachtungsgebiet. Rund 100 verschiedene Vogelarten, darunter Ganzjahres- und Zugvögel, kommen hier und auf den angrenzenden Flächen vor. Davon sind ca. 30 Arten entweder laut der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt (z.B. Bienenfresser, Eisvogel, Drosselrohrsänger, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Bekassine, Bienenfresser, Uferschwalbe, Schwarzspecht, Grauspecht, Grünspecht, Wendehals, Blaukehlchen, Bruchwasserläufer) oder fallen in die Vogelschutzrichtlinie des Europäischen Parlaments (z. B. Rostgans, Sperber, Rotmilan, Buntspecht, Neuntöter, Zaunkönig, Gartenbaumläufer). Hier befindet sich das dichteste Brutgebiet der Nachtigall und fünf Spechtarten sind hier heimisch (Bunt-, Grün-, Mittel-, Schwarzspecht und der Wendehals).
Neben der Vogelwelt bietet das Gebiet zahlreichen weiteren Tierarten, darunter Insekten, Spinnen, Amphibien und Reptilien, einen geeigneten Lebensraum. Auch botanisch hat die Freizeitinsel Besonderheiten zu bieten. Dazu gehören beispielsweise die Nestwurz und die Wildform der Weiß-Gelben Trockenblume, die zu den besonders streng geschützten Pflanzenarten zählt. Eine geführte Exkursion, z. B. eine Vogelstimmenwanderung, ist ein Highlight für alle Naturinteressierten.
Mit dem neuen Fernrohr auf dem Vogelbeobachtungsturm wird diese außergewöhnliche Naturvielfalt nun noch besser erlebbar, sind sich auch Dr. Richard Pickl (BUND Naturschutz) und Dr. Friedrich Begemann (ehemals Zukunft e.V.) einig. Es lädt dazu ein, innezuhalten, genauer hinzusehen und die heimische Tierwelt zu entdecken. So wird das Bewusstsein für den Wert und die Schutzbedürftigkeit dieses besonderen Naturraums gestärkt. Denn die Freizeitinsel ist ein Juwel und zeigt eindrucksvoll, dass Naherholung und Naturschutz hier unmittelbar nebeneinander bestehen und gemeinsam einen wertvollen Lebensraum bilden.
Naturschutz bedeutet jedoch nicht nur Bewahren, sondern auch gezielte Pflege. So müssen verbuschte, also zu dicht bewachsene Sekundärbiotope regelmäßig ausgelichtet werden. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachstellen. Denn nur durch eine angepasste Pflege lassen sich wertvolle Lebensräume erhalten und Brutreviere, z. B. für Bodenbrüter und andere seltene Arten sichern – wie aktuell beispielsweise für das Blaukehlchen nötig.
Bildunterschrift von links: Franz Ameismeier, Dr. Richard Pickl, Dr. Benedikt Grünewald, Dr. Friedrich Begemann
Text: Franz Ameismeier und Manuela Wahode | Foto: Manuela Wahode
