Zistererhaus – ein Schandfleck am Ortseingang? Abbachs Tore bis in das 19.Jahrhundert

Dr. Alfons Kraus, 27.05.2008

Gewiss ist, dass das alte Haus im gegenwärtigen Zustand keinen einladenden Eindruck macht. Es wurde eben von der letzten Besitzerin Johanna Zisterer, die das Haus von ihrem 1878 geborenen Vater geerbt  hatte, als 1915 geborene, 2007 verstorbene, sehr alte Dame im Outfit nicht mehr absonderlich verhätschelt und dem Zahn der Zeit überlassen.

Nach dem Tod von Frau Zisterer stand das Haus einige Monate leer und sollte dann durch  die Kreissparkasse Kelheim versteigert werden.
Am 05.September 2007 wurde das Anwesen in der Kaiser-Heinrich-II-Straße 6 nach seiner Denkmaleigenschaft geprüft und als Denkmal  erkannt. Es wurde anschließend in die Denkmalliste aufgenommen. Seit dieser Zeit gestaltet sich die Veräußerung wegen der zu erwartenden Baulast natürlich sehr schwierig. Mangels Erben gehört das Haus jetzt dem Freistaat Bayern und wird vom Finanzbauamt Würzburg verwaltet. Dieses hat mit Maßnahmen der Bausicherung das Aussehen dieses Hauses nicht gerade gesteigert.

Die Denkmalschutzbehörde stufte es jedenfalls als „Wohn- und Geschäftshaus, zweigeschossigen, verputzten Bruchsteinbau in Jurahaus-Bauweise mit flach geneigtem Satteldach, Ende 18.Jh.“1 ein.

Die Einwohner von Abbach nehmen natürlich Anstoß am gegenwärtigen Zustand und erhoffen sich eine baldige Veränderung zum Besseren durch einen Interessenten. Im Herbst 2008 scheiterte ein erster Versteigerungsversuch zum Aufgebotspreis von über 100.000.- EUR.

Ich als Archivar möchte durch einen Rückgriff auf die interessante Geschichte des Hauses und seine nahe Umgebung ein wenig Verständnis und Geduld bei den Mitbürgern wecken.

Nach Aktenlage war der Vorbesitzer der 1816 geborene Privatier Josef Gleißl. Nicht lange zuvor musste das Haus gebaut worden sein, weil es an der Stelle steht, wo bis  kurz vor 1800 das Torhäusl zum „Regensburger“ oder „Unteren Tor“ stand. Dieses Tor existierte 1759 noch, wie ein amtlicher Prospekt von Abbach ausweist.2

1763 stürzte es ein und wurde dann vollends abgetragen.3
Aus den Kammerrechnungen des 17.Jh. fand ich heraus, dass im Torhäusl früher der Marktdiener wohnte, der aber 1679 ausquartiert wurde, weil man das Häusl als Wachstube brauchte und auch der Plasterzoll-Einnehmer dort seinen Platz beanspruchte.


28.12.2011

Das „Zistererhaus“ wurde nach einigen vergeblichen Versteigerungsversuchen  von der  Raiffeisenbank in Bad Abbach erworben. Eine Restmauer des Regensburger Tores z.T. aus Grünsandstein, z.T. aus Kalkstein wurde für die Erweiterung  eines  Parkplatzes der Bank  sogleich abgerissen. Nun kann man aber die Rückseite des unter Denkmalschutz gestellten „Zistererhauses“ deutlich sehen.

Der im Bild festgehaltene Teil  ist  sicher ein  Überbleibsel des  uralten Torhäusls. Nach dem Abriss des Regensburger Tores 1763 wurde bald darauf das sog. „Zistererhaus“ errichtet, in das die abgebildete Wand des Torhäusels integriert wurde. Die Fenster  wurden beim (Neu)bau oder Umbau  zum Teil neu eingefügt. Sie hatten vorher runde Bögen. Außerdem wurde ein Balkon gegen Osten und ein Anbau für Aborte oben und im Parterre angefügt, was man an einem geraden Mauerriss an der Nordseite sehen kann.

Fotos: Dr. Kraus - 28.12.2011

Das „Regensburger“ oder „Untere Tor“, musste man über eine Zugbrücke mit einem Schlagbaum passieren. Unter der Brücke befand sich ein mächtiger „Wasserschlund“, der von der Donau her und aus dem Gemlinger Bach (Lugerbach) gspeist wurde. Um den Schlund und die Brücke in Ordnung zu halten, musste die Gemeinde nach Hochwassern, nach Eisstößen und ungewöhnlichen Wildwassern immer empfindlich viel Geld zur Instandsetzung ausgeben.
Nebenbei sei erwähnt, dass es noch vier weitere Tore in Abach gab:
Das Tor zum Churfürstlichen Schloss in der Nähe der heutigen Kapelle beim Pfaffenzeller Haus.

Das „Donautor“ auf dem Platz, wo heute das Kaiser Heinrich Denkmal steht. Es war mehr oder weniger nur ein eisernes Gittertor und man muss bedenken, dass die Donau bis an den Ortskern reichte, weil der Deich (Damm) erst um 1930 erbaut wurde.

Das Tor beim Wildbad, auch Oberes Tor genannt. Es stand am oberen Schlund, der Mündung des Peisinger Mühlbaches in die Donau, an der späteren Augsburger Straße. Über den Schlund führte eine Zugbrücke, die an einer Mauer links und rechts aufgehängt und vom Pflastezoll Einnehmer manipulierbar war.
Dann gab es noch das Tor bei der Vorderen Mühle (Heute Torhausplatz; Anwesen der Maria Fischer). Dieses musste man passieren, wenn man von Weichs, Saalhaupt oder Peising kam. Die einmündenden Wege darf man sich noch nicht als ausgebaute Straßen vorstellen. Diese Baumaßnahmen erfolgten erst im 19. und 20Jh.. Vor dem Tor hatten wir wieder eine Zugbrücke über einen Schlund. Der Schlagbaum war an einer Mauer rechts und links befestigt. 1679 wurde dort ein neues Wachthäusl aufgestellt.

Es gab das ganze Jahr über drei angestellte Torwarte in Abbach, die den Pflasterzoll einhoben. Über ihre Tätigkeit und Einnahmen sind sehr viele, säuberlich geführte Abrechnungslisten vorhanden. Die Gebühren waren nach Gespann, Fuhrwerk und Ladegut gestaffelt.

 

 

 .Die Ansichtskarte handelt von der Feier des 25jährigen Gründungsfests der "Schützengesellschaft Abbach" am 11./12. Juni 1899

 

 

12.10.2012

Herr Breindl aus Sinzing  teilte mir in einem Telephonat mit, dass er die Ladeneinrichtung der „Zistererhanni“ dem Finanzbauamt in Würzburg abgekauft habe. Diese sei nicht einfach nach Dünzling „verschwunden“.

 

25.01.2013

Dem Zistererhaus scheint nun das letzte Stündlein geschlagen zu haben. Die MZ vom 25.01.2013 ( S.48) berichtet, dass der Bad Abbacher Bauausschuss dem Abriss zugestimmt hat. Josef Hofmeister: „Es tut dem Ort gut, wenn wieder ein Schandfleck wegkommt.(...)“. Gemeinderat und Kulturausschussvorsitzender des Marktrates Hermann Seidl-Schulz, der der Promotor der Aufnahme des Zistererhauses in die Denkmalschutzliste war: „Die Raiffeisenbank habe eine solche wirtschaftliche Bedeutung in Bad Abbach, dass man sich dem Abbruch nicht entgegenstellen könne. (...)“. (a.a.O.).

14.05.2013

Die MZ titelt: "Der Bagger darf anrücken". Auch das Landratsamt hat die Genehmigung zum Abriss erteilt. Am 16.05 ist das Zistererhaus dem Erdboden fast gleichgemacht. Was hat der "Denkmalschutz" geschützt?

1 Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Bescheid an den Markt  Bad Abbach  vom 06.11.2007
2 Nach einem Plan von 1759 existierte das Tor noch. Archiv von Bad Abbach XVIII.22.2
3 Cammer Rechnung 1763, S. 49