Wohltätige Bruderschaften und Stiftungen in (Bad) Abbach

Dr. Alfons Kraus

Herbst 2008

 

Wohltätige Bruderschaften und Stiftungen in (Bad)Abbach

 

1.  Die Marktkirchenstiftung zum heiligen Christoporus 1470 und

die Corporis Christi- (Fronleichnams) Bruderschaft 1669

 

Schon die Namengebung der  1470 gegründeten  Stiftung bei der Marktkirche zeigt die sozial-karitative Ausrichtung an.

Christophorus galt immer schon als einer der 14 Nothelfer.

Man muss auch festhalten, dass es nicht eine kirchliche Behörde des Bistums oder der Pfarrei war, die hier initiativ wurde oder als Träger fungierte, sondern die Marktbürgerschaft, die auch bis in die 1960er Jahre die Baulast für die Marktkapelle trug.

 

Der Ortschronist  Gandershofer verweist uns auf den Zweck der Stiftung:

„Alten, gebrechlichen Personen war der weite, ermüdende Gang zur St. Nikolaus Pfarrkirche auf dem Abhange des Schlossberges dahier, welche ursprünglich die Burgkirche  mag gewesen seyn (...), längst beschwerlich gewesen, und der Gemeinsinn der Bürger beschloß daher in diesem Jahre, in  Mitte des Marktes dem hl. Christoph zu Ehren eine Kapelle aufzuführen, wozu im J. 1484 ein Beneficium gestiftet, (...)“.[i]

 

Wir heutigen Medienkonsumenten können nicht mehr nachvollziehen, was der Besuch der Gottesdienste jungen und erst recht alten Leuten bedeutete. Sie erfüllten durch ihn nicht nur eine religiöse Pflicht, was natürlich auch sein Gewicht hatte, sondern es war die seltene Abwechslung im täglichen Einerlei, in dem es nichts zu lesen oder fern zu sehen gab. Die Predigten, Andachten und Zeremonien trugen zur Kurzweil und Kommunikation bei. Die Stiftung bei der Marktkirche  leistete auf diese Weise einen unschätzbaren Beitrag im sozialen und kulturellen Leben  der Marktgemeinde.

In den Jahresrechnungen  der Christophorus Bruderschaft, die hier ab 1665 bis 1807 vorliegen, wurde z. B. für das Jahr 1666 festgehalten: Aktivrest aus den Vorjahren:       539 Gulden 17 Kreuzer 1 Heller.

Von den Einnahmen mussten die Ausgaben für den Gottesdienst bestritten werden und die Ausgaben zur Erhaltung der Kapelle. Der Rest floss an die Armen.[ii]

 

Greifen wir einige Beispiele der Wohltätigkeitsarbeit im praktischen Vollzug heraus:

 

„Auf Besoldung“: Dem Schulmeister sein Jahresbesoldung 3 Gulden. (Dieser Posten erscheint auch in den folgenden Jahren unverändert unter den Ausgaben. Man muss  daran erinnern, dass der Lehrer dieser Zeit zusätzlich einen bürgerlichen Beruf ausübte. Lehrer Lorenz Schindlböck z.B. war bis zum Tod 1816 Bäcker und Lotteriebetreiber; seine Witwe  Katharina verdiente sich ihr Brot mit Schnapsbrennen. A.d.V.) . u.v.m.

 

Man kann es als Ergänzung des Stiftungswirkens bei der Marktkirche betrachten, als am 15. Januar 1669 zusätzlich die Corporis Christi Br1,2,3,uderschaft  tätig wurde. Sie hatte ursprünglich zwar nur eine religiöse Zielsetzung,[iii] und die Erträgnisse der Stiftungsgelder sollten zuerst dem Gottesdienst (Kultus) zur Verfügung stehen. Dann aber ergab es sich, dass der überwiegende finanzielle Anteil in karitative und gemeinnützige Aufgaben und Angelegenheiten floss.

 

Eine differenzierte Aufstellung, in welcher Intention einst Zustiftungen zur Hochlöblichen Erzbruderschaft Corporis Christi erfolgt sind, beweisen Stiftungs- und  Verwendungslisten vom 30.12.1807. Es werden  Institutionen und Personen namentlich aufgeführt, die als Guttäter der Bruderschaft vermerkt sind, und wie hoch die Verbindlichkeiten der Zustifter auf Grund der Guttat waren.

 

2. Die Parth´sche Stiftung 1564

 

Die wohl  am nachhaltigsten wirkende Stiftung des ausgehenden Mittelalters ist das Vermächtnis des Ochsen- und später Engelwirts Georg Parth.

Er stiftete der hiesigen Bürgerschaft in aller Form mit einem Stiftungsbrief fünf Äcker in bester Lage Abachs zur Ehre des Dreifaltigen Gottes und der seligen Jungfrau Maria, für sein eigenes Seelenheil und das seiner Vorfahren und vor allem auch zum Nutzen der Armen des Ortes.[iv]

 

Gandershofer  berichtet in seiner Chronik über dieses Ereignis für das Jahr 1564: „Noch ist bei diesem Jahre zu bemerken, dass der hiesige Bürger Georg Parth zum Behufe einer Armenspende  und eines Jahrtages  zu der hiesigen Markskapelle 4 Äcker  und einen Wiesfleck vermachte. Dem Schulmeister waren dabei sechs, dem Custos oder Kirchendiener  zwei Regensburger Pfennige ausgesetzt.“[v]

 

Die sozial-karitative Arbeit umfasst Leistungen dieser Art:

Die Summe von 6 Gulden 21 Kreuzer 24 Heller wurde 1785 an 31 namentlich genannte bedürftige Personen, sog. Hausarme, verteilt, wie z.B. die  alte Gassnerin 6 kr, an die alte Pickin 6 kr, an Schmidmeiers Wittib 6 kr, an Florian Plankens Eheweib 10 kr  etc. Unter ihnen befinden sich Taglöhner, Austrägler, der Kleinhirt, eine Vogelfängerin, Bresthafte aller Art, insbesonders zwei Blinde.

1789   steht die Summe von 39 Gulden 14 Kreuzer 4 Heller zur Verteilung an die Hausarmen  zur Verfügung.

Die verfügbare Summe richtet sich von Jahr zu Jahr nach dem Getreidepreis. Die Höhe der Summe  hängt von der Zahl der Bedürftigen ab. Im Falle des Misswuchs musste auf die zurückbehaltene Reserve rekurriert werden.

Auf der Liste stand immer auch der Ankauf von Schulbüchern, das Schulgeld für Waisen und andere arme Kinder. Ganz allgemein wurde jeweils der Schulfond und das Armenhaus mit einer Spende bedacht.

Listen dieser Art liegen bis zum Jahre 1803, dem Jahr der Säkularisation, vor.[vi]

 

Die Stiftung zeigte noch bis gegen Ende des 19. Jh. Wirkung, nachdem sie  1817 in  das Schulbenefizium eingegliedert wurde, was Belege späterer Jahre beweisen.

 

 

3. Die Stiftung der Eheleute Anna und Josef Bauer von Weichs 1857

Zum Verständnis  der folgenden Stiftung der Eheleute Bauer im Jahre 1856 glaube ich daran erinnern zu sollen  (s.o.!), dass es seit Bestehen der Marktskirche zum hl. Christophorus in Abbach im 15. Jahrhundert dort auch ein Frühmeßbenefizium gab.  Die Kirche  gehörte dem Markt Abbach, und dieser leistete sich einen eigenen Frühmesser, der dort für die lebenden und verstorbenen Abbacher Bürger täglich eine Messe zu feiern hätte. Dessen wirtschaftliche, später finanzielle Ausstattung war jedoch immer so dürftig, dass der Mann je nach persönlichen Eigenheiten mit seinem verfügbaren Fundus nur recht und schlecht auskam, ja sogar zum Essen von Haus zu Haus weitergereicht wurde und manchmal auch über Gebühr im Wirtshaus verweilte. Über diesen Zustand gab es von Seiten der Pfarrer oftmalige Klagen beim Bischöflichen Ordinariat.

Im Jahre 1817 sollte das Bildungswesen in Abbach angehoben und zu diesem Zweck  ein geistlicher Schullehrer eingestellt werden. Man erkämpfte sich  in  zähem Ringen mit dem Ordinariat und der Regierung in München das Recht, ein Schulbenefizium zu errichten. Voraussetzung war aber, dass die Gemeinde die nötige Fundierung für den Geistlichen von mindestens 100 Gulden Jahreseinkommen  nachwies.

Krampfhaft kratzte die Gemeinde alle Geldquellen zusammen, um diese Marke sogar zu überschreiten. Es wurde die Fundierung des Frühmeßbenefiziums mit einbezogen, die Barth`schen Schenkungsgründe, Einkünfte aus Nebentätigkeiten wie Orgelspielen, ein Zuschuss der Gemeinde. Aber immer blieb die Finanzdecke des Schulbenefiziaten, wie er jetzt hieß, sehr schmal.

Zustiftungen und  Schenkungen betuchter  Abbacher Bürger, besonders vor ihrem seligen  Abschied aus diesem Leben, zur Sicherheit für das jenseitige Heil und Bestehen, waren daher herzlich willkommen. Nach damaligem treu katholischem Verständnis konnte man da Zeit seines Lebens schon etwas Effektives tun, zwar treu der Paulinischen Ansicht, dass wir aus dem Glauben allein das Heil fänden (Siehe Ansicht der Reformatoren!), aber auch eingedenk der Forderung des Jakobusbriefes, dass der Glaube durch Werke sichtbar werde.

In solchen Zusammenhang ist die folgende  Schenkung in Höhe von 5000 Gulden  in Obligationen  der Eheleute Bauer einzuordnen. Sie waren offenbar fromme Bauersleute, die 1854 ihren Hof in Weichs an Caspar Hölzl verkauft hatten und nun als Privatiers in Abbach saßen und zu alledem auch noch erkannt hatten, dass Bildung ein unverzichtbares Gut eines Gemeinwesens darstellt.

Am 16. Juli des Jahres  1857 teilte der damalige Pfarrer Martin Otto, der Erbauer der jetzigen Pfarrkirche, ein wirtschaftlich ausgefuchster Pfarrpfründeverwalter, der privat aber im Konkurs verstarb, dem verehrlichen Frühmessbenefizium mit, dass er aus dem Ordinariat  einen höchst erfreulichen Brief erhalten habe. Der Text des Briefes laute:

„Das bischöfliche Ordinariat Regensburg hat durch die k. Regierung  von Niederbayern unterm 4/8 ten Juli l.J. Mittheilung erhalten, dass  die Josef u. Anna  Bauer`schen  Eheleute z.Z. in Abbach eine Stiftung  von 5000 Gulden  in Obligationen zum Frühmeßbenefizium  in Abbach gemacht und sich hierfür jede Woche  eine hl. Messe  mit Abbetung  von 5 Pater noster  und Ave Maria mit einem

Credo bedungen haben. Wir acceptieren Oberhirtlicher Seits und confirmieren diese wohltätige Stiftung zur Aufbesserung   des genannten gering dotierten Benefiziums

und verpflichten den jeweiligen Benefiziaten zur Erfüllung der sigulierten Obliegenheit. (...).“[vii]

Es ist nicht uninteressant, sich den Schenkungsvertrag vom 9. November 1856, der  von den Hausbesitzerseheleuten Bauer, dem Schulbenefiziaten  Josef Straubinger  und Bürgermeister Benedikt Zirngibl firmiert wurde, selbst anzuschauen:

 

Die 5000 Gulden resultieren aus

1. Schuldschein der Sebastian und Anna Tafelmaier, bürgerliche Metzger,    2.500 fl                                                                                                                                        2.500 fl

2. Schuldschein der Alois und Creszentia Preißer, Müllerseheleute                1.400 fl

3. Schuldschein der  Michael und Theres  Limmer, Zimmermeistereheleute     700 fl

4. Schuldschein  der Wolfgang u. Anna Maria Hirmer, Bauerseheleute             400 fl

 von Großberghofen bei Thaldorf                                                                         400 fl

 

Die jährliche Verzinsung betrug 4 %.

Als Begründung der Schenkung wurde angeführt:

„Da wir zunächst  zur Begründung einer besseren  Subsistenz  des zeitlichen Benefiziaten  und zu dem Zwecke, demselben  die Haltung  eines Schulgehilfen zu ermöglichen, der ihn des für einen Priester mehrfach unlieben  Geschäfts des Schulhaltens ganz entheben  würde, diese Stiftung machen, so soll diese unsere Schenkung  nur insoweit  eine donatio sub modo sein, als der jeweilige Benefiziat die Auflage hat, (...).“

Dann folgen die  geistlichen Verpflichtungen. [viii]

 

 

Dieses Papier spielte im Jahre 1877 noch einmal eine große Rolle:

Man sah voraus, dass das Junktim Schuldienst und Kirchendienst  unter der neuen Reichsregierung nicht mehr lange zu halten war. Deshalb entstand ein Streit darüber, wer  im Falle der Trennung in dem Genuss dieser Schenkung bleiben soll:

Die Kirche meinte, die Stiftung sei ausschließlich  für den Zweck des Messelesens gemacht worden, die Gemeinde erinnerte sich an die Absicht der Stifter, einen Hilfslehrer zu ermöglichen.

Man einigte sich schließlich auf die Teilung  des Nießnutzes.

Am 15.8. 1884 kam es dann auch zur endgültigen Teilung von Kirchendienst und Schuldienst.

Die Eheleute Bauer  hatten hinreichend dafür gesorgt, dass ihr Seelenheil durch derartige Manipulationen nicht gefährdet werde.  Am 17. März 1857  stiftete Josef Bauer, schon Hausbesitzer von Abbach,  eine Stiftsmesse mit dem Capital von 210 Gulden, mit dessen Zins von 3 ½ %  in der Marktskirche  St. Christophorus für das Seelenheil  seines verstorbenen Eheweibes  Anna, und dereinst  auch für sein Seelenheil,  vier hl. Quatembermessen, nämlich an Josefi und Annatag, am Heiligen Abend und Schmerzhaften Freitag, gelesen werde.

Der Benefiziat sollte 3 fl 12 x erhalten,

der Messner                     24 x

und jeder Ministrant        4 x.

 

 

 

In  einem weiteren Papier  des Benefiziums kann man lesen:

„Bauer Josef und Anna 52 Wochenmessen beliebig, wann und wo zu lesen, zum Benefizium gestiftet mit ausdrücklicher Bestimmung der Selbstverwaltung.“

Dass die Messen auch getreu gehalten wurden, dafür liegt eine  sorgfältig  geführte Liste vor, auf der der  Benefiziat die Persolvierung seiner Schuldigkeit nachwies.

 

Wir anerkennen diesen Vollzug frommen Glaubenshandelns und hoffen, dass auch nicht so gut gestellte Menschen guten Willens der Seligkeit  teilhaftig werden, eingedenk der Schrift, die uns das Gleichnis von der armen Witwe und vom Reichen  mit seiner angemessenen Hilfspflicht ins Gedächtnis ruft.

 

 

 

4. Stiftungen in unserer Zeit

 

Die Zeit bringt immer wieder sozial denkende und handelnde Menschen hervor.

Das Ehepaar Liselotte und Dr. Hermann Hahnemann errichtete, nachdem es selbst kinderlos geblieben war,  am 20. August 1998  die „Dr. Hermann und Liselotte Hahnemann-Stiftung“ zu Gunsten der Mission der Weißen Väter in Afrika zur Linderung materieller und geistiger Not dortiger Menschen.

Es sollten Brunnen gegraben, Kinderheime und Schulen gebaut, Aidshospize und Mensen errichtet, und Flüchtlinge sozial aufgefangen werden. Das Stiftungsvermögen beträgt ca. 3 Millionen Euro.

Liselotte Hahnemann starb 1995, Dr. Hermann Hahnemann 1998. Die Stifter  ruhen auf dem neuen Friedhof an der Römerstraße.

 

 

In  diese Tradition  traten  am 14. Oktober 2002 auch Adolf und Erna Angrüner ein. Sie errichteten eine Stiftung des bürgerlichen Rechts in Bad Abbach mit dem Zweck der Förderung  der Jugend, Sport und Kultur.

Adolf Angrüner starb  am 6. Oktober 2006, seine Ehefrau Erna war ihm  am 6.September 2005 im Tod vorausgegangen. Sie ruhen auf dem Bergfriedhof.

 

 


1 Vgl. Gandershofer, G.M. Chronik des Marktes und Badeortes Abach. Regensburg           1832. Reprint 1986, S.32 f.

[ii] Khürchen Rechnung Abach de Anno 1666 S. 2-13.

[iii] Vgl. Pfarrer Martin Otto. Bericht. 24  Seiten: Beschreibung der Pfarrei Abbach,     1861, Bischöfliches Zentralarchiv Rgbg. Signatur 82.

    

[iv] Parth, Georg. Stiftungsbrief, 1564. 2 Abschriften. Archiv von Bad Abbach

    8.4.2 (II,1),

    Vormerkungsbuch  der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach 1801, S.12 1/8.

     Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

[v] Gandershofer.G.M. A.a.O. S.50.

[vi] Jahresabrechnung der Parth´schen Stiftung  1777 bis 1803. Archiv von Bad Abbach

    8.4.2 (II.1).

[vii] Schreiben des Bischöflichen Ordinariats Regensburg an das katholische Pfarramt Abbach

vom 10. Juli 1857. Archiv 7.4.1.b.

[viii] Schenkungsvertrag v. 9.11.1856. Archiv a.a.O.