Wie die Begegnung so die Bewegung, oder freundliche Zuwendungen zur gegebenen Zeit.

 

Dr. Alfons Kraus

Wie die Begegnung so die Bewegung,

oder freundliche Zuwendungen  zur gegebenen Zeit.

 

Man schrieb das Jahr 1776. Seine Exzellenz, der Herr Rentmeister zu Straubing, Baron von Lerchenfeld, sein Wohnsitz war das nahe Köfering bei Abach, war im Tode verblichen. Er war dem hiesigen Markt und Landgericht freundschaftlich zugetan. Folglich erhielt der hiesige Kammerer aus der Landschaftskanzlei Straubing in diesem Jahr noch eine Abgabenrückerstattung in Höhe von 88 Gulden. Freudig und dankbar ließ man sich dieses Entgegenkommen natürlich auch etwas kosten:

Der Kanzlei in der Regierungsstadt, wer auch immer das in Persona war,  vermachte man dafür 3 Gulden 36 Kreuzer, dem Landschaftssekretär Wild 5 Gulden. Für den abgeschiedenen Herrn Rentmeister, Baron von Lerchenfeld, ließ man in Abach ein heiliges Seelamt mit Vigil und Libera lesen.

Für weitere nützliche Beziehungen nach dem bitteren Todfall sorgte man auch gleich vor. In den Akten heißt es:

„Man hat dem neu eingeführten  Herrn Rentmeister in Straubing untertänigst aufwarten wollen und an einem hohen Ort (wieder) 3 Gulden 36  Kreuzer hergegeben, an einem anderen hohen Ort 7 Gulden 20 Kreuzer und noch einmal 24 Kreuzer. Dem Josef Fratz, Regierungsdiener, ein Neujahrsgeschenk von 1 Gulden.(...)

Bei der zweimaligen Durchreise seiner Hochfreiherrlichen Gnaden, des jetzigen Herrn Rentmeisters, hat man die Stückl und Böller abschießen lassen, und da die Musikanten  meistens  nicht zu Hause waren, hat man sie wenigstens das letzte Mal blasen lassen und für das Beschaffen des Brennholzes (wohl zur Illumination, A.d.V.) 2 Gulden 14 Kreuzer bezahlt.“ Das Pulver kostete extra 2 Gulden 56 Kreuzer.1

 

Benno Hubensteiner schreibt in seiner Geschichte , dass in dieser Zeit fast alle Pflegegerichte in Bayern in adeligen Händen waren, und die Aufklärer hätten mit Recht höhnen können:

„Hof, Regierung und Landschaft seien für die Edelleute  nur Weinfässer, die sie nach Belieben anstächen, um sich daraus ihren  Trunk zu holen.“2

 

Diese böse Mentalität war, wie man feststellen kann, überall üblich, auch an den Rentämtern war sie nicht spurlos vorübergegangen. Sogar der Abacher Rat beteiligte sich, wie man auch sieht, an dieser Art der Problembewältigung. Der Verantwortliche hier am Ort war Mathias Karl, Amts Cammerer, Bierbräu und Rechnungsführer. 3

 

Der Nachfolger des Max III. Josef, Karl Theodor, versuchte 1799 zwar durch zwei Mandate die Korruption zu bekämpfen. Er war aber selbst wegen seiner Affären mit Tänzerinnen und Bürgerstöchtern kein gutes Vorbild. 4 Er hatte ungezählte Kinder gezeugt, für die er wegen ihrer Anzahl die Alimente nur schwer aufbringen konnte. Er kompensierte dies mit Adelsbriefen und anderen Bequemlichkeiten.

Ob es so etwas heute auch noch gibt?

 


1 Kammer Rechnung Abach 1776 S. 41v – 42; 43v.

2 Hubensteiner, Benno. Bayerische Geschichte. Jubiläumsausgabe 1980, S. 203.

3 Kammer Rechnung Abach 1776, Titelseite.

4 Hubensteiner, Benno.a.a.O. S.226.