Wie (Bad) Abbach das Königreich begrüßte

Dr. Alfons Kraus

Man könnte nicht behaupten, dass die Abbacher über den Amtsantritt des  neuen Landesvaters, des Kurfürsten Max IV. Josef, um 1800, besonders glücklich gewesen wären. Sie waren nach Karl Theodor gebrannte Kinder! Aber gewiss hat es ihren Stolz beflügelt, als sie ihn auf der Karriereleiter trotz Napoleons Hilfe eine Sprosse höher stolzieren sahen.

Man kannte den Slogan „Wir sind Weltmeister ( der Herzen)“ noch nicht, oder gar „Wir sind Papst“! Aber immerhin dachten und fühlten fast alle: „Wir sind ein Königreich“!

Die kleinen Leute konnten sich zwar keine Hoffnung machen, dass sich jetzt der soziale Himmel öffnen würde.  Wegen des  freigeistigen Ministers Graf Maximilian von Montgelas hatte sich die weiß-blaue Seligkeit sehr verflüchtigt. Dieser hatte den Bayern ihre Feste  genommen, ihre Lebensweise und Lebenslust  ausgezehrt.  Erst nach seinem Hinauswurf  am 2.  Februar 1817 konnte Max I. Josef, wie er sich ab 1806 als König nannte, seine Vaternatur ins Spiel bringen: Er war ja eigentlich   „ein König, der alle Tage um sechs Uhr aufstand und um zehn Uhr zu Bett eilte, für jeden zu sprechen war und es mit jedem gut meinte, nicht schwelgte und trank, aber derben Witz liebte, breites Lachen und handfeste Grobheiten (...)“.[1]

 

Bildnis Max I. Josef auf einer Medaille (Archiv Bad Abbach)

 

Richten wir endlich  unseren  Blick auf die  aufjubelnde Abbacher Seele des Jahres 1806 :  Dabei hilft uns komischer Weise ein Eintrag in der Kammer Rechnung  des Jahres 1805.Es handelt sich wohl um einen Nachtrag an falscher Stelle.

 

„Zur Feier des von unserem verehrten Landesvater  aufgenommenen Königstitel und gemäß Amtsschreiben  des gnädigsten  Landgerichts Kelheim erhielten wir nachfolgende Proklamation: Es  sollen alle Kräfte des Marktes aufgeboten werden.

Wir kauften folglich 10 Pfund Pulver zu je 50 Kreuzer zur Abschießung der Stückl, dann  1 ½ Pfund  zu 1 Gulden  6 Kreuzer. Für die brangernden Kinder verschafften wir 20 Limonien  und Sträuße zu 2 Gulden 6 Kreuzer. Den Schützen wurde um 2 Gulden 45 Kreuzer Trunk gereicht. Die Musikanten erhielten zwei Gulden, der Paukenträger 12 Kreuzer.“

Hier durfte also wieder einmal gefeiert werden. Feiern wir die Feste, wie sie fallen und verschleiern wir unbekümmert  unsere Not!

Endlich sollte ich den  „brangernden Kindern“ mein Augenmerk schenken. Aus dem eigenen Sprachgebrauch kenne ich das Wort „brangen“ noch im Zusammenhang mit dem „Prangertag“. Im Volksmund war zu meiner Kinderzeit das Fronleichnamsfest der Prangertag. Fast keiner gebrauchte ein anderes Wort. Aber heute wird es eher selten gebraucht. Da ziehe ich ratsuchend den alten Wasserzieher aus meiner Lehrerzeit heraus. Hier finde ich: prangen, mittelhochdeutsch brangen = sich zieren, prahlen; mh. prank = Prahlerei,. Prunk; Prangertag (Steiermark) = Fronleichnam; urv. lit. brangus = teuer[2]

Am Proklamationstag  wurde also auch in Abbach fröhlich gefeiert, indem man sich und die Umwelt in Prunk versetzte, mit Kränzen auf dem Haupt, mit dem schönsten Kleid gewandet, in einer Welt von Blüten und Blumen, wie sie die Jahreszeit hergab, mit geschmückten Häusern und wehenden Fahnen.

Es war schön, dass wir jetzt ein Königreich waren!

Max I. Josef

Aus Bucher, Reinhold, Cham. Die bayerischen Bürgermeistermedaillen (...)                                             

 


[1] Hubensteiner, Benno. Bayerische Geschichte. Jubiläums-Sonderausgabe 1980. S.258.

[2] Wasserzieher, Ernst. Woher? Ableitendes Wörterbuch der  deutschen Sprache .Ferd. Dümmlers V. Bonn 171963, S. 339.