Wie 100 Walnussbäume auf den Schlossberg von Abbach kamen - zum Herbst 2012

In einem Gemeindebeschlussbuch[1] von Abbach  der Jahre 1878 bis 1895  fand ich folgenden Eintrag:

„Bei heutiger Ausschusssitzung erstattete  H. Bürgermeister Koller Bericht  über die nebenstehende Handlung (Anpflanzung des Schlossberges mit Bäumen).

Unter seiner persönlichen Leitung wurden  Freitag, dem 8.und Samstag  den 9. März  mit Beihilfe  des  Sattlermeisters  Paul Kiefersauer, des Gemeindedieners Georg  Meier, und des Maurersohnes  Josef Lintner, sämtliche von Abbach, die Anpflanzung des Schlossberges mit 100 Stück  Nussbäumen  begonnen. Die Bäume stammen aus der Gärtnerei der Herren Walten in Speier und kosteten pro Stück 50 Pf.

Mögen diese Bäume wachsen und gedeihen zur Verschönerung unseres Marktes und zum Nutzen der Gemeinde.

Marktsverwaltung Abbach, Koller, Bürgermeister.“

 

Mit Sicherheit erfüllte sich dieser Wunsch des Herrn Bürgermeisters, weil  ich  unter den Verifikationen (= Einnahmenbelege)  des Jahres 1932/33[2] fand, dass die Gemeinde einen Posten Walnüsse zu 5,80 Mark verkaufte.

 

In der Ausschusssitzung  am 31. März 1878 ergänzte der Gemeindeschreiber im Sitzungsprotokoll: „Zugleich übergab  Herr Bürgermeister Koller die am Schlossberg auf seine Kosten angepflanzten Nussbäume als Eigentum der Gemeinde den anwesenden Ausschussmitgliedern. Diese nahmen dieses Anerbieten mit Freude und Dank an und versprachen  für die Pflege Sorge zu tragen“[3]

 

Ich selbst  kannte als Bub noch eine Menge dieser Nussbäume  auf dem Schlossberg. Durch die  Parzellierung und Bebauung der sog. „Badfelder“ in der heutigen Siedlung „Hinter der Vest“ gerieten viele dieser Bäume am Berghang in Privatbesitz, und es wurden alle bis auf einen einzigen beseitigt. In der Nähe des  Hungerturms hat sich bis heute  ein einziger dieser Bäume erhalten. Drei bis vier der Veteranen sollen sich noch an anderer Stelle am Schlossberg befinden, wie mir gesagt wurde.

 

Früher gehörte zu  jedem größeren Bauerngehöft in und um Abbach ein eigener Nussbaum.

Mein Großvater Josef Schmidbauer von Saalhaupt besaß deren zwei. Einer von ihnen hatte einen Stammumfang, dass ihn nur zwei Personen  mit ausgestreckten Armen umfassen konnten. In normalen Nussjahren betrug die Ernte um die drei Zentner. Die Nüsse wurden gewaschen, und wenn die Herbstsonne es zuließ, in Getreidereitern (Sieben) getrocknet. Dann wurden sie auf dem Getreidespeicher aufgeschüttet.

 

Der Walnussbaum erreicht eine Höhe von bis zu 30 Metern. Seine ursprüngliche Heimat  ist Südeuropa und das westliche Asien. Der Name schon weist  auf Norditalien oder Südtirol hin. (Siehe welsche Nuss!) Die Krone ist weitausladend, die Borke ist silbergrau und im Alter rissig. Die Blätter duften aromatisch. Die männlichen Blüten stehen in   dicken Kätzchen beisammen, die weiblichen sind unscheinbar und befinden sich an den Spitzen der einjährigen Triebe.

Die kugeligen Früchte  erreichen bis zu fünf Zentimeter Durchmesser. Das Fruchtfleisch ist grün und gerbstoffreich und schließt  einen stark gerunzelten Steinkern ein, der als Walnuss in unsere Hände und in den Handel kommt[4]. Wenn man zum Öffnen der Nuss am grünen Fruchtfleisch manipuliert, hinterlässt der Saft schwer zu beseitigende Spuren an Händen und eventuell an der Kleidung. Daher ist Vorsicht geboten. Normalerweise öffnet sich die Nuss von selbst, wenn sie in reifem Zustand zu Boden fällt.

 

Der unten abgebildete Nussbaum  ist heuer 18 Jahre alt, Der Baum wird mich  wohl überleben! Ich schenkte ihn ja ohnehin Kindern späterer Generationen ! Ich konnte jedoch heuer (2012) erstmals 43 Nüsse ernten.

 

Den folgenden Nussbaum setzte ich zum „Jahr des Walnussbaumes“ am 1. Mai 2010. Drei Jahre vorher säte ich eine Walnuss in den Boden von Bad Abbach.

Es war mir bewusst:

„Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, bringt es   keine Frucht“ ( NT: Mk. 4,26; Lk. 13,18)

„Der Saat- und Wachstumsvorgang  ist in vielen Völkern mit religiösen Vorstellungen verbunden. Besonders das Weizenkorn (wie jedes Samenkorn, A.d.V.) ist Symbol dafür, dass aus Tod und Zerstörung neues Leben und sogar reiche Frucht entstehen kann.“[5]

Alljährlich den Tag des Baumes zu feiern, ist ein lobwürdiger Brauch und er passt  in unser ökologisches Denken.

Den Baum unten  habe ich vor 8 Jahren gesät.

 

 

In nördlicheren Gegenden Deutschlands gedeihen Walnussbäume nicht. Ich versuchte die Ansiedlung  in der Oberpfalz (Hirschau) und in Oberfranken (Marktredwitz). Die Bäume wuchsen zwar, aber wegen des raueren Klimas blühten sie zwar, aber die  Blüten erlagen späten Frösten.


[1] Beschlüse der Marktverwaltung Abbach 1877-1895. Archiv 8.6.1.

 

[2] Verifikationen 1932/33, Beleg 7. Archiv  XXII.14.6.

 

[3] Beschlüsse der Marktsverwaltung Abbach, 31.März 1878. Archiv a.a.O,

 

[4] Vgl. Großes Lexikon in Wort und Bild, Bd.12. Intermedia produktions- medienservice GmbH Tübingen

   Überarbeitung 1979, Wissen V. Herrsching., S. 5126.

 

[5] Reinhardt, Mario. Google, relibex, Weizenkorn, S.1.