Schwere Jahre nach Kriegsende 1945 bis 1947. Belastungen für die Bauern.

Dr. Alfons Kraus

Schwere Jahre nach Kriegsende 1945 bis 1947.

Belastungen für die Bauern.

Der nach dem Krieg als Bürgermeister gewählte Hauptlehrer Karl Heinrich  wurde bald abgesetzt, und für die bevorstehende schwere Zeit der unbelastete Sozialdemokrat  Hans Mittermeier von der Militärregierung als Bürgermeister  eingesetzt.

Was Mittermeier in den kommenden Jahren auftragsgemäß zu vollziehen hatte, erfahren wir in folgenden Beiträgen.

 

Mittermeiers  Amtsstil war  entschieden und rigoros.

Wohl selbst unter Druck der Kreisbehörde, nahm er die wiederum gedrückten Bauern von Abbach, die namentlich wegen Pflichtvergessenheit angeschwärzt waren, in einem Schreiben an den Herrn Direktor Meitzner, Landwirtschaftsstelle Regensburg,  in Schutz[1].

 

In einem Antwortbrief des Bürgermeisters Mittermeier vom 26.4.1946 an das Bayerische Staatministerium für Ernährung u. Landwirtschaft-Landesprüfstelle z.B. heißt es:

„Betreff  Getreideablieferung.

Nach nochmaliger Aufforderung  meinerseits erklärten  alle Landwirte von Bad Abbach, ihr Äußerstes getan zu haben.

Verschiedene haben das Soll über(ge)liefert, so z.B. Seidl-Weichs um 70 Ztr.. (...) Ich selbst bin ja kein Landwirt und kann auch nichts abliefern. Habe aber in Bauernversammlungen eindringlich auf die Lage  und Pflicht hingewiesen, mehr zu tun, war nicht möglich.

Wenn wir nicht durch die Kampfhandlungen so bitter leiden hätten müssen, wären wohl alle Wünsche in Bezug auf Ablieferung weit übertroffen worden.“[2]

 

Am 26.7.1946 wurden die Bauern  wiederum vom Ernährungsamt in Regensburg, Maxstraße, wegen der Ablieferung von Gemüse und Schlachtvieh  in die Pflicht genommen. Die Bürgermeister wurden angehalten, an die Schlachtviehablieferungspflicht  zu erinnern und zwangsweise einzuschreiten. Dieses Mal war auch gleich das Muster eines „Beschlagnahmebescheids“ beigeheftet.[3]

 

Offenbar  fruchtete diese Exhortation nichts, und der nächste Lukas folgte am 1.8.1946:

„Die Schlachtviehablieferung im Monat Juli war außerordentlich unbefriedigend. (...) Der Bedarf der Stadt Regensburg  an Fleisch  konnte dadurch  in den letzten Wochen nicht mehr gedeckt  werden. Nach den bei mir  vorliegenden Meldungen  des Viehhandels, der Genossenschaft, sowie der Landmetzger,  wurde auch in Ihrer Gemeinde das Liefersoll für Juli  nicht annähernd erfüllt.

Nachdem  unter Berücksichtigung  der gegenwärtigen Versorgungslage die  Gesamtschlachtviehumlage dringend benötigt wird, hat Ihre Gemeinde das im Juli zu wenig gelieferte Vieh  im August nachzuliefern. Diese  Lieferung hat zusätzlich  zu dem Ihnen  bereits mitgeteilten  Kontingent für August zu erfolgen.

Es ist anzunehmen, dass Sie dieses Vieh  auf freiwilligem Weg nicht mehr aufbringen. In diesem Fall ist dann  von Ihnen auf Weisung des Bayer. Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Beschlagnahme durchzuführen.

Hierzu haben Sie einen Sachverständigen  aufzustellen und mit  dem  für Ihre Gemeinde  zuständigen Viehhändler  oder Obmann der Viehverwertung Stallbegehung  durchzuführen. Dem Ablieferungsverweigerer ist ein  Beschlagnahmebescheid auszuhändigen. (...) Die herauszunehmenden Tiere sind listenmäßig  festzuhalten. (...) Zu erfassen sind  in erster Linie schlechte Milchkühe, krankheitsverdächtige Tiere und ungekörnte Bullen. Notfalls muss auch anderes Vieh herangezogen werden. Auf alle Fälle  muss diese Aktion  sofort durchgeführt  und vor allem darauf gesehen   werden, dass bereits zum nächsten Schlachtviehmarkt in Regensburg  genügend Vieh angeliefert wird.

Die Obmänner des Bauernverbandes sind zur Lösung  dieser Aufgabe ebenfalls heranzuziehen.“[4]

 

Am 27.9.1946 meldete das Ernährungsamt in Regensburg  dem Bürgermeister von Bad Abbach, dass aus seiner Gemeinde vorläufig 135 Stück Schlachtvieh und 45 Stück Nutzvieh abgeliefert wurden.

Von Seidl und Schulz 1 Ochse, 1 Kuh, 5 Bullen, 1 Färse.

Zirngibl 1 Kuh, 1 Färse.

Höign 3 Kühe.

Aumeier Nikolaus 1 Ochse, 2 Kühe.

Schanz 1 Kuh.

Hönig Johann 1 Ochse, 2 Kühe.

Ipflkofer 1 Kuh.

Meier Max 2 Kühe.

Mayer Josef 1 Ochse, 1 Bulle.

Aumeier Ottile 1 Kuh.

Alle übrigen Bauern nichts !

 

Ergänzend wurde hinzugefügt.

Das erfasste Nutzvieh wird durch die Kommission  zunächst sichergestellt. Die Ablieferung des Nutzviehs  hat auf Abruf zu erfolgen. Neben den Rinderbeständen  müssen außerdem auch noch  die Schweinebestände überprüft werden. Diejenigen

Schlachtschweine, die nicht für die Selbstversorgung  benötigt werden, werden ebenfalls sichergestellt und für einen bestimmten Termin  zur Ablieferung  herangezogen. Die Kommission hat auch den Bestand  und die voraussichtliche Ablieferung an Kälbern festzustellen.“

Es wird auch gemeldet, dass nun auch Lieferverpflichtungen nach Ausserbayern erfüllt werden müssen.[5]

 

Am 17.12.1946 war der Rindviehauftrag erledigt, und in der Liste an das Ernährungsamt in Regensburg  wird gemeldet: „Zur Ablieferung noch bereit gestellt:

Seidl und Schulz     41 Stück                               2 Bullen z. Zucht

                                                                       1 Kalbin B 400 kg. Januar

Zirngibl                  20 Stück                             1 Jungbullen z. Zucht

                                                                       3 Schweine Mai

Bad Hotel              15 Stück                             Soll erfüllt

Lindinger                7 Stück                             1 Schlachtkuh Januar

Meier Max             14 Stück                             1 Schlachtkuh Februar

Islinger                  6 Stück                             ?

Gassner                 6 Stück                             1 Nutzkuh

                                                                       1 Schwein April

Schanz Otto          10 Stück                            1 Kuh sofort

                                                                       2 Schweine Februar

etc.“ [6]

 

Ende 1946  ging es an die Ablieferung von Kartoffeln. Eine Aufforderung  des Bürgermeisters Anfang November „An die Gutsbesitzer  und Landwirte von Bad Abbach“ verlautete: „(...) stelle ich das ebenso höfliche, wie dringende Ersuchen, anzugeben, was sofort an Speisekartoffeln lieferbar ist.

( mit seiner groben Art gegenüber den Bauern hatte sich Mittermeier offenbar verschätzt, und so schlug er höflichere Töne an).

Bad Abbach muss in kürzester Frist 1000 Ztr. Speisekartoffel liefern, selbst  wenn die Mieten geöffnet werden müssen.

Bis längstens am 6. November, vormittags 9 Uhr, muss ich der Fahrbereitschaft in Kelheim fernmündlich melden, wann  und wo die Kartoffeln abgefahren werden können. Das  Abfahren übernimmt die amerikanische Militärregierung“.

 

Es folgte die namentliche Liste der aufgeforderten Betriebe:

Namen

bereits geliefert /Zentner

geliefert kann werden / Ztr.

Seidl und Schulz

1869.80

  -

Schanz

612

  -

Triebswetter

200

jetzt unmöglich

Hönig

217

ungefähr 70 Ztr.

Ipflkofer

217

jetzt unmöglich

Höign&Linxen

200

jetzt nichts

Aumeier Nik

355

jetzt nichts

Mayer Josef

150

     

Meier Max     

  -

      -

Kiermeier

130

     

Aumeier Franz

120

     

Buffler

  -

      -

Wagner Hans

  -

      -

Islinger Gg.

75

     

 

Es ließen sich 3145,80 Ztr. einkassieren.[7]

 

Am 12. November 1946 wurde dem Ernährungsamt in Regensburg dann das Kartoffelablieferungskontingent  1946 mitgeteilt. Es heißt in dem Schreiben:

„Außer den an die Baywa von unseren Landwirten abgegebenen Kartoffeln, lieferten dieselben gegen Einkellerungsscheine laut  Unterlagen 71 800 kg Kartoffel:

Schanz                                    10 200 kg

Triebswetter                              5550

Islinger                                      2650

Bad Hotel                                  7650

Meier Max                                  7125

Gassner                                     1125

Zirngibl                                     2800

Amann M.                                 1175

Fischer Rudolf                           1250

Hönig Johann                            1150

Seidl-Schulz                              9450

Kiermeier Theres                       6175

Aumeier Nikolaus                      8275

Ipflkofer                                    7275

 

Es war hinzugefügt: „Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir,  an Sie mit der Bitte heranzutreten, ob es nicht möglich wäre, mir einen Schein für eine Sense zuzuteilen.“[8]

 

 

Es folgte das extreme Hungerjahr 1947

Es liegt eine „Hofbegehungsliste 1947“ und eine Kartoffellieferliste vor. In ihr sind alle landwirtschaftlichen Groß- und Kleinbetriebe mit Wohnort und Hausnummer vermerkt. Ausgewiesen war die Ablieferung von

Brotgetreide

Gerste

Hafer

Kartoffeln

Mit der Untergliederung:  Liefersoll – abgeliefert – noch zu liefern. Alles in Doppelzentnern aufzuführen.

 

Für Seidl und Schulz (lfd. Nr..39) z.B. lesen wir: [9]

Brotgetreide

Liefersoll

abgeliefert

noch zu liefern

413.30

432

-

Gerste

49

155

-

Hafer

47.50

20

27.50

Kartoffeln

525

937.15

-

 

Der Begleittext lautet: „Herr Direktor Meitzner teilt mir mit, dass auf Weisung der Militärregierung demnächst eine Kommission erscheinen wird, die eine Stallbegehung  vorzunehmen hat. Dabei muss sämtliches  Schlacht- und Nutzvieh erfasst werden, welches bis einschließlich  31.1.47 abzuliefern ist.  Der Gesamtviehbestand  muss um generell 7 %  vermindert werden (...).

Die Gutsbesitzer und Landwirte ersuche ich um eine Aufstellung, was sie in der Zeit vom 1.7.46 bis 31.1.47 abgeliefert haben.

Je genauer mir diese Aufstellungen zugehen, desto wirksamer werden unsere Stallungen in Schutz genommen werden können. Ich bitte Sie deshalb um eine umgehende und genaue Angabe.“

 

Es türmten sich im Jahre 1947 Probleme auf, die man sich 2009,  sogar in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession, gar nicht mehr vorstellen kann.

So mahnt Bürgermeister Mittermeier Ende 1947:

„Achtung, Landwirte! Die Versorgung der Pferde der Lohnfuhrwerksbesitzer ist sehr gefährdet.

Das Landratsamt fordert im Auftrag der Militärregierung sämtliche Landwirte des Kreises auf, Hafer, Heu und Stroh, wenn auch in kleinsten Mengen, zur Ablieferung bereit zu stellen.“

Es wurden in einer Liste alle Groß- und Kleinlandwirte  abgefragt und aufgefordert.

Das Ergebnis war eindeutig: „Nichts mehr vorhanden, sämtliche Futtermittel abgeliefert, alles verbraucht.“ .[10]

 

Die Aufforderung zur Abgabe von Enten und Gänsen  vom 12.11.1947 mutet  schon recht makaber an. Hat das noch mit Notversorgung zu tun? Oder wer sollte mit Gänse- oder Entenbraten verwöhnt  oder bestochen werden?

Auf Grund der Angaben in der Zwischenzählung  und der Meldung des Bürgermeisteramts Abbach an das Ernährungsamt in Regensburg vom 24.9.1947

gab es in Bad Abbach nur mehr 5 Geflügelbesitzer:     

 

abzuliefern

 

Englmann meldete 7 Gänse,                                                    1 Tier                         

Hannesschläger 5 Gänse,2 Enten,                                            1 Tier

Berghofer  6 Gänse, 5 Enten                                                   3 Tiere

Fischer Rudolf 6 Gänse 4 Enten                                              2 Tiere

Zirngibl 12 Gänse                                                                   3 Tiere

 

Die Ablieferungsbereitschaft war in den Keller gesunken. Es heißt in dem Schreiben:

„Fischer gibt an, die Gänse sind ihm gestohlen worden.

Zirngibl Hedda gibt an, nur abzuliefern, wenn alle anderen auch abliefern.“ [11]

 

Als Aufkäufer wurde Peter Ritter eingesetzt.

 

Das Ernährungsamt startet die Aktion von Neuem:

„Es sind nur 5 Tiere (Gänse und Enten) frei. Von den übrigen werden 50% beschlagnahmt.

Es folgen die Namen der betroffenen Bauern.

Das beschlagnahmte Geflügel ist geschlachtet, trocken, sauber gerupft, geschlossen  bis spätestens 31.12. 1947 bei Ritter abzuliefern.

Auch die Federn aller geschlachteten Gänse und Enten  sind, wie vorgeschrieben, per Gans 150 g, per Ente 100 g, bei Ritter abzuliefern. .[12]

 

Abschließend führe ich noch ein Schreiben  des Bürgermeisters Mittermeier  an den Herrn Assessor Albert beim Landratsamt Kelheim  vom 9.2.1948 an. In diesem Schreiben heißt es: „ Mit Nachstehendem komme ich Ihnen beim letzten Amtstag geäußerten Wunsch nach und sende Ihnen einen Auszug unserer Aufstellung über „Soll u. Ablieferung“ aller  schlechten  und böswilligen Ablieferer“ . Es folgen die Namen. Abgeliefert sollten werden Brotgetreide, Hafer, Gerste und Kartoffeln.

 „Es handelt sich mit wenigen Ausnahmen um unsere kleinen und kleinsten Landwirte mit Kuhgespannen, die auch teils schlechte, weit entfernt liegende Felder zu bearbeiten haben. Vielfach wird von diesen auch geklagt, dass sie Jahre lang keinen Kunstdünger erhielten und vollkommen ausgelaugte Felder besitzen.

Vielleicht wäre mit einer erhöhten Einfuhr an Kunstdünger,  Öl und Kraftfutter der deutschen Landwirtschaft und dem  deutschen Volk mehr gedient, als mit der dauernden Einfuhr an Getreide, Mehl etc. (...)“ Es folgen die abgelieferten Mengen aus Abbach.

 

„Zur Zeit wird bei Zirngibl und Seidl Weichs noch gedroschen. Haben diese ihr ganzes Soll geliefert, dürfte der Prozentsatz noch  gesteigert werden. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die kleinen, schlechten Ablieferer  nicht eine ernste Mahnung verdienen.

 

Das festgesetzte Soll in Kartoffeln werden wir kaum zu 100% erreichen, es sei denn, dass uns durch das Speisekammergesetz die letzte Kartoffel aus dem Keller geholt wird.“[13]


[1] Siehe Brief Mittermeiers v.1.3.1946 an Direktor Meitzner, Landwirtschaftsstelle Regensburg. Archiv X.21.1.2.c.

 

[2] Brief Mittermeiers vom 26.4.1946 an das Bayer. Staatsministerium für Ernährung und

     Landwirtschaft-Landesprüfstelle. Archiv  a.a.O.

 

[3] Schreiben des Ernährungsamts Regensburg vom 26.7.1946. Archiv a.a.O.

 

[4] Folgeschreiben vom 1.8.1946. Archiv a.a.O.

 

[5] a.a.O.

 

[6] Eingesandte Liste vom 17.12.1946. Archiv a.a.O.

 

[7] Ablieferungsliste Anfang Nov. 1946. Archiv a.a.O.

 

[8] Schreiben vom 12.11.1946 an das Ernährungsamt. Archiv a.a.O.

 

[9] Listen vom Frühjahr 1947. Archiv a.a.O.

 

[10] Liste von Ende 1947. Archiv a.a.O.

 

[11] Liste vom 12.11.1947. Archiv a.a.O.

 

[12] Schreiben o.D. Archiv a.a.O.

 

[13] Schreiben Mittermeiers an  das Landratsamt Kelheim v. 9.2.1948. Archiv a.a.O.