Kurfürst Karl Theodor war zu einer Besichtigungstour in Ab(b)ach, 1789

Bekanntlich wurden im Jahre 1793 für die fast unpassierbare Straße Regensburg/ Augsburg die überhängenden Felsen am Ortsausgang, wo heute die Löwen stehen, gesprengt. August Graf von Törring  ließ dem „besten Fürsten“ Kurfürst Karl Theodor zu Ehren trotz Wirtschaftskrise die monumentale Steintafel anbringen, die man heute noch lesen kann. In keinem Abbacher Geschichtsbuch ist jedoch vermerkt, dass sich Karl Theodor persönlich von der Notwendigkeit der Baumaßnahme vor Ort überzeugt hat. Diese Lücke will ich heute schließen, indem ich einen Eintrag im Kammer Rechnungsbuch des Jahres 1789 zitiere:

„Da man in Erfahrung gebracht, dass seine Churfürstliche Hoheit, der Erlauchteste und Gnädigste Landesvater  hier durchreisen sollte, hat man zur untertänigsten Aufwartung die Schützen abgeordnet. Auch hat man nach Hohengebraching geschickt, um größere Stückl zu beschaffen.  (.) Man Hat um 6 Gulden Pulver verschossen. Die Schützen und Musikanten haben zudem 10 ½ Gulden verzehrt. Nachdem die Böller abgeschossen waren, musste man sie wieder nach Hohengebraching zurückbringen. Für eine glückliche Rückreise des Fürsten ließ man am 19. Januar  ein Lobamt halten.“[1]

Damals war eine Rückreise nach München offenbar nicht so  ganz beschwerdefrei und gefahrlos. Es gab ja noch keinen  Zug oder gar ein Auto, wo man diese Strecke hätte in einer Stunde meistern können. Da war man vielleicht ein bis zwei Tage  mit der Kutsche unterwegs. Terrorranschläge gab es schon früher und auch damals noch. Es war das Jahr, in dem in Frankreich die Revolution ausbrach! Da war das Lobamt um göttlichen Schutz schon angebracht.

Die beiden Löwen an der anderen Straßenseite wurden erst Jahre später errichtet, etwa um 1800. Zu dieser Arbeit holte man den Hofbildhauer Franz Xaver Muxel aus München. Der wollte zuerst einen Kapfelberger Stein für die beiden Löwen bearbeiten. Dieser Stein erwies sich aber als untauglich, weil er zu porös ist. Der Bildhauer wandte sich dann den Kelheimer Steinbrüchen zu, wo er dann auch das passende Material fand.

Im Kampf um Abbach, im April 1945, wurden die 2 Löwen von der Waffen-SS zerstört, am 3. November 1978 14.00 Uhr wurde das Denkmal neu eingeweiht, nachdem es vorher wieder hergestellt worden war.

Ich zitiere noch  einen Brief  von Siegfried Langer, Wien 5,  vom 26.10.1929 an den Markt Abbach, wie sich die Straßenverhältnisse bei Abbach vor den Felsenspengungen darstellten.Er schreibt:

„Abbach, unfern Regensburg.(...) liegt im Mittelpunkte einer reichen Landschaft. Die Donau, von ungeheueren Felsenmassen aufgehalten, macht daselbst eine rasche Wendung  gegen Norden und bildet zwei Thäler, die zu den schönsten gehören, welche der Strom durchrauscht. In früheren Zeiten wand sich ein schmaler, kaum sechs Fuß breiter Fahrweg[2] an dem thurmhohen  Ufer hin, und Fälle waren so selten nicht, dass Wagen und Ross und Führer hinab in die Fluten stürzten. Manches eingehauene Kreuz gab davon Zeugnis, und die  an den gefährlichsten  Stellen  aufgerichteten  Heiligen- und Marienbilder  konnten nicht helfen. Vor 70 (140.A.d.V.) Jahren, unter dem Bayern Herzog (Kurfürst, A.d.V.) Carl Theodor, wurde die Felswand bis zu  einer Höhe  von 180 Fuß weggesprengt, und aus dem halsbrechend engen Pfade entstand  eine breite, sichere Chaussee. Die Leitung des Baus besorgte der Ingenieroberst Riedel, und die Dankbarkeit der Umwohner, an deren Spitze  ein Graf von Töring trat,  setzte jenem und dem Fürsten, der das Werk angeordnet, das schöne, einfache Denkmal.- „Furchtbar ist der Strom“, hieß es  sonst, „ er dürstet nach Blut und will jährlich sein Opfer.“  Jetzt zieht er  in stiller Majestät am Fuße des gebändigten Gnomen hin. – Nicht weit von diesen Denkmal ist  die interessante Stelle, wo der Kanal mündet, welcher den Main  mit der Donau zusammenknüpft und Carls des Großen Idee verwirklicht.“ (hier ist noch der alte Main-Donau Kanal gemeint, der bei Kelheim mündet, A.d.V.) (Archiv 14.3.2)

 

Der Stich wurde von Herrn Dr. Helmut Beckstein, Bad Abbach, zur Verfügung gestellt.

 


[1] Kammer Rechnung 1789, S. 49v

[2] = 6x ca 30 cm = ca 2m.