Kindergärten in Bad Abbach von Maria Weigert (1901) bis heute

Dr. Alfons Kraus, Archivar

 

Eine couragierte und fortschrittlich denkende Bürgerin Abbachs war Maria Weigert. Sie muss als geistige Urheberin der Kindergartenbewegung in Bad Abbach  betrachtet werden. Schon um die Wende vom 19. zum 20.Jh. gab sie den Anstoß in diese heute höchstaktuelle soziale und pädagogische Richtung, die wegen der weiteren Förderung und der Erweiterung der Hort- und Tagesstätten- Einrichtungen die Gemüter in der großen Politik erhitzt.

Den betreffenden Brief Weigerts „An den hochlöblichen Gemeinde-Ausschuß Abbach“ bringe ich daher im Wortlaut:
„Auf Anregung des Hochwürdigen Herrn Pfarrers Glas dahier, wäre ich gesonnen,  eine Kleinkinderbewahranstalt zu errichten und stellt  Unterfertigte hiermit das Ersuchen an den hochlöblichen Gemeinde Ausschuß Abbach, derselbe möge ihr zu diesem Zwecke ein Lokal des ehemaligen Gaishauses überlassen.

Ihr Gesuch begründet die Antragstellerin damit, dass von  verschiedenen Seiten die Einrichtung besagter Anstalt als sehr nützlich begutachtet wurde und der betreffende Platz vor dem genannten Hause sich als Spielplatz vorzüglich eignen würde.

Zur Einrichtung der Anstalt erhielte die Gesuchstellerin die Unterstützung  des „Frauenvereins zur Förderung der Landkrankenpflege“ sowie einiger persönlicher Gönner.

Als Bezahlung für die Beaufsichtigung der Kinder wären von den Eltern  derselben  pro Kind und Woche 20 Pf. zu entrichten.

Die Beaufsichtigung geschähe in den Stunden 8 – 11 Uhr vormittags und 12 – 6 Uhr nachmittags.

Unterfertigte bittet hiermit den Hochlöblichen Gemeinde-Ausschuß, ihr Gesuch zu befürworten und erhofft die Gewährung desselben.
In dieser Erwartung zeichnet gehorsamst Maria Weigert. Abbach 4.November 1901.“1

Das Begehren und der Vorschlag der Maria Weigert wurde nicht sofort realisiert. Es brach der 1.Weltkrieg (1914 – 1918) aus, der seine eigenen Fakten schuf. Aber das Problem der Kinderbetreuung  stand ab jetzt  vorrangig auf der Tagesordnung. Es folgte die Zeit der Inflation und brennender Geldsorgen. Man schaute angestrengt nach Einnahmequellen. Da erinnerte man sich  eines ganz eklatanten Missstands: Der größte Arbeitgeber Abbachs, das Zementwerk in Alkofen, zahlt nach Abbach keine Einkommenssteuer und keine Gewerbesteuer. Dieser Zustand musste sich ändern! Darum schickte man einen Brief an das Bezirksamt Kelheim mit der Bitte um einen wirksamen Rat: „Das Portlandzementwerk Abbach hat seinen Sitz in der Gemeinde Lengfeld. Der weitaus größte Teil der Arbeiterschaft dieses Werkes  hat seinen Wohnsitz in Abbach und bildet hinsichtlich  der Wohnungsbeschaffung, des Schulbesuchs der Kinder, der bereits eingeführten Notstandsmaßnahmen, der Unterstützung durch die Armenkasse, eine ganz beträchtliche  Belastung der Gemeinde. Die Gemeinde Abbach bezieht aber aus der Steuer (Einkommens-, Umsatzsteuer) nicht den geringsten Vorteil. Dieser fällt restlos der Gemeinde Lengfeld zu. Es wird um Mitteilung gesetzlicher Handhabe gebeten, auf Grund welcher die Gemeinde Abbach in die Lage versetzt ist, einen Anspruch auf entsprechende Entschädigung bzw. Zuweisung mit Recht und Erfolg erheben zu können. (...).“2

Die Änderung dieses Missstandes  brachte die Einführung der Einkommenssteuerergänzungsabgabe durch das neue Landessteuergesetz.
Aber schon 1923 behalf man sich zunächst mit einer Notlösung, die die Gemeinde nichts kostete: „Der Kinderbewahranstalt wird der  Sitzungssaal in seinem bisherigen Zustand zugewiesen. Die Akten und Bücher bleiben natürlich unangetastet. Für Heizung und Reinigung hat die Bewahranstalt selbst aufzukommen.“3

Es sei darauf hingewiesen, dass der Rathaussaal in der Schule auf der Schulbruck gemeint war.

1925, als sich die Weimarer Republik stabilisierte und die pädagogische Wissenschaft ihren Fortschritt nahm, machte man Ernst mit dem Kindergarten: „Die zwei Bürgermeister spreche wegen eventuellen Betragsleistungen  mit den Fabrikleitungen, deren Arbeiter ihre Kinder zur Bewahranstalt schicken.“4

Noch im gleichen Jahr entschloss sich der Gemeinderat, eine eigene Kinderbewahranstalt zu bauen. Sie sollte auf dem Grundstück des ehemaligen Alzinger Anwesens auf der Schulbruck entstehen (heute Steueuer). Es gingen die Unterlagen (Plan mit Protokollabschrift v. 16.02.1925) an das Bezirksamt Kelheim mit der Bitte, das Gelände auf seine Eignung zu untersuchen.5

Das Bezirksamt war einverstanden. Der Bau, in den auch der Rathaussitzungssaal und eine Schwesternwohnung integriert sein sollten, wurde auf 16.560 RM veranschlagt.  Schon im März 1925 wurde dieser Plan aber verworfen. Man hatte stattdessen den Sommerkeller des Alfons Schreiner mit dazugehörigem Garten, den sog. Diriglkeller, um 6000 RM  (jetzt evangelische Kirche) gekauft.

Nun begann die Geschichte des Kindergartens unter der Trägerschaft des 1926 gegründeten St.Nikolausvereins, mit einem Neubau an dieser Stelle. Die Betreuung der Kinder übernahmen ab 1934 Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen, die im gleichen Hause auch eine Nähschule unterhielten und im Ort die Kranken betreuten. 1952 wurde ein größerer Raum als Kinder-Tageskrippe angebaut.

Die Geschichte dieses Kindergartens, besonders seinen Kampf ums Dasein und die Kabale, verursacht durch die systemhörigen Naziführer von Abbach während der Zeit des 3.Reiches im Detail zu schildern, wäre aufgrund der Unterlagen6 gut möglich. Es würde aber im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen.

In den 1980er Jahren zog der Kindergarten von der Stinkelbrunnstraße in den Neubau am Krankenhausberg, auf das Gelände des ehemaligen Bezirkskrankenhauses. Er führt den Namen St.Nikolauskindergarten unter der Trägerschaft der katholischen Pfarrei. Der Bedarf an Kindergartenplätzen schwoll an. So war es durchaus folgerichtig, dass die Gemeinde mit dem Bau eines zweiten Kindergartens reagierte. Am 28.Mai 1993 wurde der Kindergarten „Arche Noah“ eingeweiht. Er liegt im Ortsteil Goldtal und befindet sich in der Trägerschaft der evangelischen Pfarrei. Der Ort war damals auf 8200 Bewohner angewachsen und die Entwicklung der Einwohnerschaft wies nach oben.

Der 1978 eingemeindete Ortsteil Lengfeld  benützte zunächst  das Gebäude der ab 1977  leerstehenden Schule als Kindergarten. Er wurde unter dem Namen „Sancta Maria“ eingerichtet und wegen des steigenden Bedarfs 1990  erweitert. 1995 wuchs die Kinderschar auf drei Gruppen an, und so war ein nochmaliger  Um- und Erweiterungsbau notwendig, der am 28.April 1996 eingeweiht wurde und in der Trägerschaft  der Kirchenstiftung Lengfeld/Pfarrei Teugn steht.

Nun steht die Marktgemeinde bei 12.500 Einwohnern. Es leben hier sehr viele junge Familien mit reichlich Kindern. Der Marktgemeinderat unter Führung des neuen Bürgermeisters Ludwig Wachs musste wieder reagieren. Es wurde ein vierter Kindergarten  mit dem Namen „Sankt Christophorus“ neben der Grundschule gebaut. Die Trägerschaft übernahm wieder die katholische Pfarrei. Die Einweihung fand am 26.Oktober 2003 statt. Kaum hatte man den Betrieb aufgenommen, zeigte sich ein Bedarf an Hort- und Tagesstättenplätzen. Es war ein glücklicher Umstand, dass das Gelände einen Anbau zuließ, der 2007 eingeweiht wurde.

Seit 2007 gibt es im Markt Bad Abbach einen fünften Kindergarten, den Bad Abbacher Moosmutzel. Dieser Kindergarten ist ein sogenannter Waldkindergarten, bei dem die Kinder unter pädagogischer Betreuung die Natur als ihr Spiel- und Erfahrungszimmer nutzen. Kinder können so ihre Kreativität und Wissen in der Natur austesten und erleben. Angesiedelt ist er in einem Waldstück nahe Lengfeld.

So hat der Markt Bad Abbach unter großen Anstrengungen, jetzt allerdings gut unterstützt mit öffentlichen Geldern, den Ruf eines kinderfreundlichen Ortes erworben, der sein Gewicht als Wohnort mit gehobener Lebensqualität ständig steigert.

 

1 Brief der Maria Weigert an den Gemeindeausschuß vom 4.11.1901 Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.
2 Schreiben des Marktgemeinderats Abbach an das Bezirksamt Kelheim v. 01.06.1922. Archiv von bad Abbach XI.21.2.2.
3 Ratsprotokoll v. 05.08.1923.
4 Ratsprotokoll v. 16.01.1925.
5 Schreiben der Gemeinde an das Bezirksamt v. 18.02.1925. Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.
6 Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.  / Kopien im Akt Nikolausverein. Hängekartei
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