Jede Zeit hat ihre Probleme - Die Ungarische Rinderseuche

Dr. Alfons Kraus

16.8.1762. Es wechseln zahlreiche Schreiben zwischen dem  Markt Abach , dem Landgericht da hier, der Regierung in Straubing und auch dem „Ehrmäßigsten, Fürsichtigsten , Ehrsamen und Weisen, Churfürstlichen, Geliebten Herrn  Maximilian Josef“ betreffs einer schrecklichen Heimsuchung, die den Markt und den  Umkreis getroffen hat, nämlich bezüglich einer Viehseuche. Zu diesem Zeitpunkt hatte die bösartige, ansteckende Hornviehseuche bereits ganz Bayern im Griff. Als Grund sah man die all zu große und lange Hitze im verflossenen Sommer an. Es war fast kein Gras auf der Weide. Die Tiere hätten viel Staub, Spinnweben und andere Unreinlichkeiten gefressen, Futter sei ohne Saft und Kraft gewesen. Die kümmerliche Kost habe eine scharfe Säure im Magen und in den Gedärmen erzeugt. Das Vieh habe vor allem nicht mehr genug zu saufen bekommen.  Es sei zuerst traurig da gestanden und hätte die Ohren hängen lassen; dann hätte es  gar nicht  mehr gefressen und wiedergekaut. Aus dem Maul sei große Hitze und unangenehmer Geruch entwichen. Es hätte auch  das wenige stinkige Wasser nicht mehr hinunter gebracht. Am Schluss seien Reißen und  Schmerzen aufgetreten. Die Viecher hätten mit den Füßen gestampft und gescharrt. Schließlich seien sie  vor Mattigkeit hingefallen  und krepiert.

 

Den Ursprung  der Seuche vermutete man in Ungarn und sie habe sich  bei den Hin- und Wiederzügen der Reichsarmee ausgebreitet, und auch weil sich die Viehhändler das Schlachtvieh aus den großen ungarischen  Rinderherden besorgt hätten, hätten dorthin üppige Kontakte bestanden.

 

Die Regierung reagierte mit einer Instruktion, wie man sich mit dem gesunden, erkrankten und wirklich krepierten Vieh zu verhalten habe. Verstöße dagegen wurden schwer bestraft. Viehmärkte wurden allgemein verboten.

 

Am 7. Oktober  1762 wurden in Abach noch 68 gesunde Rinder gezählt, aber auch 57 krepierte, 23 geschlagene (notgeschlachtete, A.d.V) und 6 z. Zt. noch kranke. Am 21. Oktober versichert der Cammerer im Auftrag der Gemeindeverwaltung an das hiesige Pfleggericht, dass alle nötigen Vorkehrungen getroffen seien: kranke Tiere seien separiert, dürften nicht mehr geschlachtet und genossen werden. Ställe und Wässer  würden gesäubert. Bei Zuwiderhandlungen müssten die Bauern mit empfindlichen Strafen rechnen. Man habe alles Nötige also veranlasst.

 

Am 29. Oktober signalisierte der Markt Abach an das Pfleggericht  etc.  Entwarnung:

 „ (..)betreff  der Viehseuche  (..) haben wir berichten wollen, dass, Gott sei höchster Dank gesagt, dem Ansehen (Anschein , A.d.V.) nach, die Viehseuche in hiesigen Markt aufgehört haben müsse, weilen schon viele Stück Vieh anderwärtig hergebracht worden seint, welche bis dato  frisch und gesund sich befinden , folgsamb (folglich, A.d.V.) seither keine Curativ- und Präservativmittel zu gebrauchen  vonnöten gewesen. Sollte aber, Gott verhüte es,  sich wieder eine Veränderung ergeben, wird man nicht ermangeln, Ihrerselben zu überberichten. Bis dahin aber aus Gehorsam empfohlen. (..) Euer Gestreng Gehorsamer  Cammerer etc.“ Rindviehseuchen traten auch in der Folgezeit  immer wieder auf:

Am 4. Dezember 1817 schrieb das Königlich Bayrische Landgericht in Kelheim  im Regenkreise  an das Bürgermeisteramt in Abbach:

„Da in Schierling  und der sonstigen Gegend eine Seuche  unter dem Rindvieh herrschet, so kann zum nächsten Markte, dem 7. d. Mts. zu Abbach vom rechten Donauufer kein Rindvieh zugelassen werden. Das Bürgermeisteramt hat daher durch Aufstellung von Posten der Landwehr jedes Rindvieh von dieser Seite zurückzuweisen.“

Am 1. April 1819 erteilt das Landgericht dem Markt Abbach eine Rüge: „ Da nach vorliegender Anzeige der Magistrat des Marktes Abbach sich unterfangen hat, am 28. März  Rindvieh auf dem Markte zuzulassen, da doch  wegen  der im hiesigen Landgerichts-Bezirk herrschenden Viehseuche  aller Verkehr strengstens verboten ist, und dieses Verbot nicht nur am 13. Dez. v. J. im Markte Abbach  öffentlich verrufen, sondern auch unterm 13. Jänner l..J. wiederholt wurde,  so hat sich der Magistrat binnen 8 Tagen  standhaft (ohne Verzug, A.d.V.) zu verantworten, warum dieses oberpolizeiliche Verbot nicht geachtet wurde.“[1]



[1] Archiv 8.2.2.VII.2.