In welcher Beziehung die Bauern zu Weichs zur jeweiligen Herrschaft auf der Abbacher Burg standen. Wie es nach der Säkularisation ( 1803) weiter ging. Teil 2

Dr. Alfons Kraus

12. Die Reihe der Bauern zu Weichs – Übersicht

 

Die Besitzverhältnisse auf Weichs 1 sind von  dem Herzogsurbar von 1629 an bis zur  Vereinigung von Weichs 1 mit Weichs 2 durch Caspar Hölzl (1854) klar und sicher.

Der Hof Weichs 1 lag von Abbach aus gesehen auf der rechten Seite des Weges nach Saalhaupt, etwa an der Stelle, an der heute das Haus Frauenbrünnlstraße 30 (Heinrich Seidl-Schulz) steht.

Bei der folgenden Aufstellung ist zu beachten, dass die Notierungen zwar aus gesicherten Landgerichtsakten und Ratsprotokollen  des Archivs von Bad Abbach stammen, aber die Dauer der Zuständigkeit und Verantwortung  der ausgewiesenen Generation nicht  sicher angeben werden kann. Die Steuerpflichtigkeit könnte z.B. nach Besitzübergabe an den Nachfolger noch eine Weile darüber hinaus bestanden haben. Oder es lagen ganz einfach keine weiteren Notierungen vor.

  

Weichs 1, Curia

 

1629

                Scheuerer

 

1665; 1686

Johann     Scheuerer °° Anna

 

1702; 1721

Adam       Scheuerer

 

1726;1749;1763;

Georg      Scheuerer

Johann Schlauderer

1748;1778;1802;1806

Josef        Scheuerer

Johann Schlauderer

1811; 1812*

Michael   Scheuerer

 

1812 -  1822

Johann     Schlauderer

 

1823 - 1830

Johann     Schlauderers Witwe

 

1831 – 1854

Georg      Schlauderer °° Theres

 

 

 

 

Eine Einsichtnahme des ersten  bayerischen Grundsteuer Katasters von 1837 könnte  über diese Daten hinaus keine wesentlichen  Angaben – von genauen Aufmessungen abgesehen - über die Besitzverhältnisse in Weichs  ergeben. Die Aufmessungen erfolgten in der napoleonischen und nachnapoleonischen Zeit wegen der größeren Steuergerechtigkeit.

*Aus den fett gedruckten Zahlen können wir den nahtlosen Übergang von den Scheuerer auf die Schlauderer ablesen.

 

 

Die Besitzverhältnisse auf Weichs 2 ergeben sich aus der Annahme, dass wegen der eindeutigen  Besitzerlinie von Weichs 1, die durch die Familien Scheuerer und Schlauderer festgelegt ist,  alle anderen Notierungen, die in den Landgerichtsakten und Ratsprotokollen vorkommen, diesem Hof zugeschrieben werden müssen.

 

Es muss ferner angenommen werden, dass wegen der langen Zeit zwischen den  Notierungen des letztgenannten Pesl bis Josef Bauer (1715 – 1820) ein weiterer Besitzername  ausgefallen  sein könnte, aber nicht muss. Eine Einsichtnahme in den 1. Grundsteuer Kataster im Staatsarchiv in Landshut  könnte vielleicht eine Lücke schließen, muss es aber nicht.

Die nachfolgenden Besitzer lebten ab 1854  als  Inhaber der beiden vereinigten Höfe auf Weichs 2, an der Stelle, an der die heutigen Eigentümer leben und arbeiten. Die ehemals getrennten Gründe sind  heute zusammengelegt.

 

Weichs 2, Advocatia

 

Diese Stelle, die nach  der uralten Bezeichnung „Advocatia“  der Sitz des Vogts und somit auch  eine Rechtshilfe-Anlaufadresse gewesen zu sein scheint, verfügte selbstredend  auch über landwirtschaftliche Liegenschaften, da diese im Mittelalter weithin für die dort lebenden und arbeitenden Personen Lebensgrundlage waren, nachdem der Geldverkehr noch nicht so ausgeprägt war.  Sie könnten stärker als in Weichs 1 durch familienfremdes Personal bewirtschaftet worden sein.

PS. In der mit NN bezeichneten Lücke saß  kurzzeitig auch einmal ein  Scheuerer, der aber keine weiteren Spuren hintgerließ.

Um 1600

(Adam)           Amon

       1628

                       Cammermaier

       1673

                  (V)Waltermayer

       1700

Mathias          Pesl

       1705 ; 1715

Hans               Pesl

        -       -     -

      -                NN

       1820; 1850

Josef               Bauer            °° Anna

       1851; 1854

Josef               Wimmer

       1854 - 1873

Caspar            Hölzl              °° Anna

       1873  -1880

Georg             Eckmann        °° Sophie

       1880 - 1892

Leonhard        Blaimer          °° Rosina

       1893 - 1909

Johann            Grießmeier     °° Anna

       1910 - 1919

Hermann         Fiedler            °° Emma

       1920 - 1975

Johann            Seidl               °° Frieda

Ernst               Schulz            °° Theres

1913-1919      Pächter

 

 

Folgt die Ära Seidl-Schulz

       

1963 – 1975  Heinrich Doerfler

Generealbevollmächtigter durch Ernst Schulz und Frieda Seidl

1963    Arno Seidl-Schulz °° Erika

zuerst Pächter, dann Besitzer bis 1998

1983 Hermann Seidl-Schulz °°  Katrin

zuerst Pächter, ab 1998  Besitzer

 

 

 

13. Bezeichnende Ereignisse mit den Weicher Bauern aus  Abbacher Rats- und  Gerichtsprotokollen.

Ich muss vorausschicken, dass die folgenden Ereignisse  in dieser Geschichte nicht etwa den Schluss zulassen, zu sagen „ aha, so also waren die Weichser Bauern der

frühesten schriftlichen Zeugnisse, grob, derb, gewalttätig, verschmitzt, tölpelhaft, etc.“

Es handelt sich hier um  sehnsüchtig gesuchte Funde  aus zufällig noch vorhandenen Verhörs-, Rats- und Landgerichtsprotokollen, vorwiegend des 18. Jahrhunderts, die keineswegs den Anspruch der Vollständigkeit erheben wollen. Es ist auch davon auszugehen, dass die betreffenden Personen zufällig einmal  in dieser Form auffällig geworden sind, während sie sich möglicherweise in  ihrem übrigen Leben ganz anders verhielten.

Aber diese Schlaglichter sind auch nicht ganz   bedeutungslos in der Charakterisierung unserer aufgespürten Weichser Vorfahren und ein wenig auch der Zeitumstände.

 

Adam Scheuerer

klagt am 6.7.1702 vor dem Landgericht gegen  Simon Siebenbürger, Bürger und Bierbräu alhier.

„Siebenbürger hat  ihn, Adam Scheuerer, Bauern zu Weichs, ohne Ursach unerwartet über einen Stuhl hinuntergeschlagen.  Scheuerer wolle sich mit  Siebenbürger vergleichen, weil er keinen Schaden davongetragen habe. Siebenbürger müsse sich aber wieder wie ein guter Freund betragen.“

Antrag des Klägers:

„Siebenbürger solle  für den heutigen Vergleich  zwei Pfennige Gerichtskosten, Scheuerer drei Pfennige bezahlen, und man bitte um obrigkeitliche Ratifikation.“

Das Urteil lautete:

„Der Vergleich wird zwar obrigkeitlich ratifiziert, die Teile zu guten Freunden erklärt, der Siebenbürger wegen seines verübten Unrechttuns und seiner erwiesenen Hitzigkeit mit 1 Pfund Pfennig bestraft“[1]

Daraus sieht man, dass  Adam Scheuerer seine Zeit nicht vollständig in vollkommener Abgeschiedenheit in  der Einöde Weichs verbrachte, sondern auch  das Wirtshaus in Abbach aufsuchte. Der Bierbräu Siebenbürger wurde wegen seiner Hitzigkeit zwar bestraft, aber Scheuerer könnte ihn provoziert haben, was sich sicher beim Prozess herausgestellt hat, weil man sich sogar für den größeren Teil der Gerichtskosten zu Ungunsten Scheuerers entschied.

Die Richtigkeit des alten Spruchs, dass „der Apfel nicht weit vom Stamm fällt“, zeigt sich  am 29. Januar 1721.  Das Vokabular und die Rage der Tochter Adam Scheuerers  bei Gericht wegen eines Vorfalls  beim Tanz, scheint ihn zu bestätigen: 

„Doppelter Vergleich:

Franz Auer, lediger Schmiedsohn alhier, hat Elisabetha Scheuerin, ledige Bauerstochter von Weichs, dies Orts  beim Wallner, Bierbräu alhier zu Abbach, auf dem öffentlichen Tanzboden darum vier Maulschellen  versetzt, weil sie ihn  mit Verlaub  öfters  einen Hundsfott, Bierbuben und Sauschweif tituliert hat.

Sie haben sich aber gleich wieder  im Guten und dahin verglichen, dass er Auer  an heutigen Gerichtskosten  zwei Teile und die Scheuerin den 3. Teil  der Strafe  ohne Maßangabe abführen wollte. Künftighin wollten sie beide solche  Ungebühr unterlassen und vor Gericht baten sie  gemeinsam gehorsamst um die obrigkeitliche Genehmigung des Vergleichs.“

 

Darauf erging das Urteil, dass der Vergleich genehmigt werde, ihnen beiden die verübte Ungebühr  verwiesen, sie aber miteinander zu 1 Pfund Pfennig verurteilt würden .[2]

 

Die besagte Elisabetha, Tochter des Bauers Adam Scheuerer von Weix, wird  am 29.6.1738  aktenkundig, als sie als Witwe  den Michael Weickl, den Sohn  des Simon Weickl, Aman in Obertraubling, und seiner Mutter Margaretha heiratete.[3]

Elisabetha kam, wie man durch die Bezeichnung „Witwe“ sieht, nicht nur einmal, sondern zum wiederholten Male unter die Haube und ihre „öffentliche Wirksamkeit“ geriet ihr nicht zum Schaden.

Die Weichser Bauerntöchter waren sicher auch in einer Hinsicht nicht unattraktiv, die bei Bauern-Heiraten früherer und späterer Zeiten eine entscheidende Rolle spielte, die Mitgift.

1686 heiratete Eva die Tochter des Johann Scheurer, Bauer zu Weichs, und seiner Ehefrau Anna (siehe Reihe der Weichser Bauern: Johann vor Adam), den Peter Krammel, Sohn des Georg Krammel, ¼ Bauer zu Lengfeld. Aus diesem Hof stammte auch jener Peter Kraml, der 1733 die  Erbtochter des Eiglstettenhofes Gertraud Amon heiratete und das Geschlecht der Kramls in Eiglstetten begründete.

Ein  späterer Scheuerersohn, der Vater war vermutlich  Georg Scheurer von Weichs, heiratete eine Elisabetha,  Tochter  der  Wirtschaft und Landwirtschaft in Peising ( zu dieser Zeit war dies die einzige dortige Wirtschaft, später Kiendl, dann Kugler). Sie wird  in den Akten der Marktskapelle zum hl. Christophorus vermerkt, weil sie 1805 vier Quartalsmessen  zu 4 Gulden bezahlte, damit ein Frühmesser existieren kann. Sie wird  ausdrücklich „gewesene Wirtin von Peising“ genannt.[4]

An dieser Stelle sollte man in aller Kürze  auf den  bedeutenden Sachverhalt „Mitgift“ zu sprechen kommen.

In den Zeiten, als die Weichser Bauern  noch Urbarsbauern waren, hatte die Mitgift  nicht in erster Linie den Sinn, den wirtschaftlichen Zuwachs für den Betrieb, in den man einheiratete, zu fördern, sondern  entsprach eher einer sozialen Dimension.

Im Falle einer Heirat gab es vorher schon die Heiratsabrede, die Sicherheit bis ins Alter garantieren sollte. Sie wurde von den Eltern oder Verwandten beider Parteien getroffen. Das mitgebrachte Heiratsgut begründete einen Rechtstitel auf den Besitz des Partners bis zum Lebensende. Wenn die Ehe kinderlos bleiben sollte, und einer durch Tod abgeht, sollte, wenn nichts anderes vereinbart war, die frühere Familie bei einer

Neuregelung der Besitzverhältnisse einen beträchtlichen Teil der eingebrachten Mitgift zurückbekommen.

Der Empfang der Mitgift  wurde urkundlich quittiert, und es musste durch den Empfänger per Unterschrift versichert werden, dass er das erhaltene Geld oder Gut in bester Weise anlegen oder verwalten werde.[5]

Als jedoch die Weichser Bauern in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts  wie allerorten Eigenbauern geworden waren,  gewann mehr schon  eine Auffassung  Raum, die mit Sozial prestige  und  Betriebswirtschaft zu tun hatte und bis in die allerjüngste Vergangenheit griff: Liebe und Schönheit spielten auch eine Rolle, aber nicht ausschließlich. Diese mussten sich in Einklang  bringen lassen mit harten Talern, der Tagwerkszahl, dem Viehstand, den Gebäuden, dem Dunghaufen, dem Kalkül  der Eltern und dem großen Familienrat der Vettern und Basen[6]

Heute kümmern sich die Allerwenigsten um diese Komponeneten.

Nun ist die Sippe der Pesls auf Weichs 2 an der Reihe:

Im  Jahre 1700, dem 13.8.,  klagte  Matthias  Pesl  gegen Balthasar Artlieb.  Der Beklagte habe dem Kläger  unverschuldeter Weise beim Böheim Bierbräu bei einer Zeche  eine Ohrfeige verabreicht. Er verlange, dass ihm Artlieb zukünftig Frieden versichere, die Strafe sei ihm egal.

Der Artlieb aber verteidigte sich, dass Pesl ihn  mehrmals einen  Hundsfott  geheißen habe. Unleugbar habe er  nach Pesl vorsorglich geschlagen, aber nur in der Meinung, Pesl wolle ihm eine herunterhauen. Der Pesl sei von seinem Vorhaben

nur  durch anwesende Zechleute  gehindert worden. Er habe also bloß seinen Hut  herabgestoßen, dem Weiteren  widerspreche er, im Gegenteil, er selbst habe um Frieden und Sicherheit  gebeten.

Das ließ sich Pesl jedoch nicht gefallen, dass er  den Artlieb einen Hundsfott geheißen habe.

Und weil es länger so hin und her ging, wurde Artlieb wegen der unleugbaren Ohrfeige zunächst zu ½ Pfund Pfennig verurteilt und wegen der  Frage der Verbalinjurien wurde die Sache auf einen folgenden Termin vertagt.[7]

 

Kommen wir zu einem anderen Pesl:

Hans Pesl  klagt am 15.7.1705 gegen  den Bierbräu Johann Conrad Ammertsmann von hier, der als Säufer und Sakramentierer  bekannt war, mit Mitbürgern und der Behörde ständig im Clinch lag, dass jener, als er seinen Heimweg nach Weix antreten  wollte und gerade  aus dem Wirtshaus schritt, ihn  wieder in sein Haus geworfen und ihm ohne Ursache zwei Ohrfeigen verabreicht habe. Er habe ihm auch ein Bierkandl  hinaufhauen wollen. Er wolle in Zukunft Frieden und Sicherheit.

Ammertsmann  stellte dies nicht in Abrede, betonte aber, dass ihm Pesl hitzige Worte zugeschmissen habe, die Watschen seien zugegeben.

Das Gericht verurteilte ihn zu ½ Pfund Pennig.[8]

 

Am 23. September 1715 bittet Hans Pesl, Bauer zu Weichs, an Stelle seines Eheweibs, um obrigkeitliche Assistenz gegen Hans Valter und Benedikt Littich, beide Bürger und Metzger von Abbach.

 

Beide hätten ihnen zwei Kühe verkauft, die ihnen alle beide innerhalb acht Tagen  nacheinander „verreckt und nur mehr für den Schinder fällig  erfunden worden“ seien. Der Schaden könne nicht ihnen allein aufgehalst werden. Die Metzger sollten ihnen wegen der zwei tadelhaften Kühe die Unkosten erstatten, sie könnten ja an dem Ort Entschädigung suchen, wo sie die Kühe gekauft oder eingehandelt hätten.

 

Darauf wollten die beiden Beklagten aber durch ein  authentisches Attest beweisen, dass sie die beiden Kühe zu Niedermünster in Regensburg, also an einem gesunden Ort, gekauft hätten. Die Kühe seien beide  inmitten  von durchgehend gesundem Vieh gestanden. Nach so langer Zeit müssten sie hoffentlich keine Gewähr für die Kühe mehr leisten. Die Kläger hätten die erste Kuh 22 Wochen  und die zweite  über ein Viertel Jahr in ihrem Stall stehen gehabt und genutzt, ohne dass sie im Geringsten  beunruhigt gewesen seien  oder einen Mangel angezeigt hätten. Sie wollten von diesem Vorwurf und den Unkosten absolviert werden.

 

Das mit der Zeit stimme zwar, gaben die Pesls zu, aber beide Kühe seien ihnen beim Kauf schon etwas leer  und suspekt vorgekommen.

Die beiden Metzger entgegneten aber, sie seien seitdem schon öfter in das Haus  der Pesls zum Abkaufen gekommen und die Kühe könnten damals noch nicht  verreckt gewesen sein, weil beide innerhalb  von drei oder vier Wochen groß getragen und gekälbert  hätten.

Das  Gericht  erkannte eine so lange Gewährungsfrist nicht an, würdigte die beigebrachten authentischen Atteste und sprach die beiden Metzger frei.[9]

Wechseln wir von der linken wieder auf die rechte Straßenseite nach Weichs 1 !

Georg Scheuerer kann man wegen oftmaliger Präsenz am Landgericht  recht gut charakterisieren. Man hatte gegen ihn offenbar wegen seiner Gerichtsfunktionen Aversionen und versuchte, ihm immer wieder eins auszuwischen.

„Am 4. Oktober 1726  wird er von  dem Bierbräu Paul Puz und  dem Bäcker Benedikt Müller  mit einer Klage überzogen, weil er sie Hundsfott, Schelmen und Diebe genannt habe. Das ginge gegen ihre Ehre und sie verlangten Genugtung.

Dazu entgegnete Scheurer, Puz habe ihm eine Kuhschelle um den Hals hängen wollen. Wie er sich gewehrt hat,  habe ihn der Mitkläger Müller, damit Puz ihm die Schelle ungehindert umhängen könne, bei der Achsel gehalten. Auch hätten ihn beide öfter einen Hundsfott geheißen. Wegen dieser Dinge habe er unleugbar  die genannten Injurien ausgesprochen: „Schelmen und Diebe müssen für mich die sein, die mir die Kuhschelle umhängen  und mir nahe kommen wollen.“ Da habe Puz abgelassen. Er hoffe also, nichts verbrochen zu haben, weil er weiter niemand geschmäht habe.

Er protestiere und wolle  nichts als Satisfaktion für die ihm angehängten Betitelungen und  Friedenssicherheit.

Die Gegner spielten alles herab und  meinten, wegen einer solchen Kleinigkeit hätte Scheuerer sie nicht Schelmen nennen dürfen

Der Beklagte erwiderte dann, er habe in Frieden sein Bier  getrunken, und man hätte keine Ursache gehabt,  ihn mittels Umhängens einer Kuhschelle wie ein Vieh spöttisch herzunehmen. Es hätten die Uneinigkeiten  überhaupt unterbleiben können.

Da meinten die Kläger Puz und Müller, dass sie das Ganze nur als einen Spaß  verstanden hätten.

Da hatte aber das Gericht  wegen einer so mutwilligen Überklagung  seine Vorbehalte und eine andere Meinung. Der  Scheuerer  werde bei solcher Bewandtnis überhaupt nicht bestraft, die beiden anderen aber  je zu 1 Pfund Pfennig.“[10]

Am 29.10. 1731 war Gerichtstag, an dem eine Menge Bürger ihre Klagen gegen jedweden vortrugen. Auch Georg Scheuerer rechnete gleich mit  mehreren ab:

Balthasar Artliebs, Maurermeisters, älteste Tochter  habe sich unterstanden, seine Birnen herabzuschütteln. Deswegen hatte es schon zwei Gerichtstermine gegeben.[11]

Aber schließlich sah Scheuerer ein, dass das kein Klagegrund war und bot seine Freundschaft an.[12]

Gegen die Maria Winklmayerin war das aber anders, ebenfalls mit der Justina Aumayerin, beide Bürgerstöchter, gleich dazu  mit Agatha Bauerin, Großhüterin.  Sie hätten in seinem Kornfeld  zu seinem Schaden Gras und Korn abgeschnitten. Alle drei Delinquentinnen müssten  bestraft werden.[13]

Schon im März 1736 erschien Georg Scheuerer, Bauer von Weix, gegen Franz  Auer, Bürger und Schmid von Abbach, schon wieder vor dem Kadi.

„Jener habe ihn bei Stephan Frankl Cammerer und Bierbräu, im Rausch bezichtigt, seine Seele verschworen zu haben. Aus diesem Grund habe er diesen einen Schelm geheißen. Das gelte auch so lange, bis er vor dem Recht Genugtung erfahren habe. Auer entschuldigte sich damit, dass ihm im Rausch halt nichts  anderes eingefallen sei. Nachdem sie voneinander eigentlich nichts als Liebes und Gutes sagen könnten, bäten sie um Ratifikation eines Vergleichs.“ Das Gericht folgte dem Antrag. Der Auer wurde zu 1 Pfund Pfennig, der Scheuerer zu ½ Pfund Pfennig verurteilt.[14]  (PS. 1 PfundPfennig = ungefähr 1 1/3 Gulden )

Am 13.11.1739, kaum hatte sich der Gerichtsrauch verzogen, stand Scheuerer jetzt als Beklagter auf der Matte: Diesmal „hatte er Georg Rosenmayer, bürgerlichen Schreiner, einen S.V.  Hundsfott geheißen und dass er ihm den Hintern küssen solle.“

(NB.S.V. = salva vice (lat.) = so zu sagen)

Beide kamen nun überein  sich so zu vergleichen, dass Scheuerer zwei Teile der Strafe und Rosenmayer einen Teil zahlen wollten.

Das Gericht ermahnte beide, solche Witze in Zukunft zu unterlassen und verurteilte den Scheuerer zu 2 Pfund Pfennigen und den Rosenmayer zu einem.[15]

Es ging nicht immer, wie man schon sehen konnte, um Injurien, sondern immer wieder auch um Ökonomieschäden.

An besagtem 13.11.1739  wandte sich Georg  Scheuerer auch  gegen seinen Nachbarn, den Hintermüller Hans Reitinger. „Der habe zu seinem Schaden auf seiner Wiese  zwei Ochsen gehütet. So etwas müsse zukünftig abgestellt werden.

Der Hintermüller bezweifelte ein solches Handeln, aber wenn es schon passiert sein sollte, wolle er es fürderhin unterlassen.“

Das Gericht erkannte die Schuld des Hintermüllers offenbar an, und empfahl ihm, auf seine Ochsen besser aufzupassen. Die Strafe betrug 2 Pfund Pfennige.

Den letzten Fall vom 11.12.1740 möchte ich wegen  seiner Lustigkeit nicht unterschlagen:

Der Bauer Georg Scheurer zu Weix, klagt gegen  Franz Anton Bader, Rat und bürgerlichen Chirurg derorten. Kläger und Beklagter  hatten miteinander  gewettet. Das Pferd des Beklagten, ein Schimmel, sei keine 15 Faust hoch, behauptete der Scheuerer. Der Bader aber blieb auf seinen Standpunkt, sein Schimmel sei noch größer. Die Wette galt, der Wetteinsatz sollte 6 Gulden 20 Kreuzer  betragen. Es ging ans Messen. Der Chirurg staunte nicht schlecht – er hatte verloren. Aber als es ans Zahlen ging, wollte der nicht gerade stehen. Darum bat Scheuerer das Gericht  um Assistenz bei der Abtragung der Wettschulden.

„Es sei zwar wahr, gab der Beklagte zu, dass er mit Scheuerer  gewettet habe, und sein Schimmel sei nicht einmal 14 Faust hoch gewesen. Aber wenn der Scheuerer verspielt hätte, hätte dieser ihm ebenfalls nichts gegeben. Darum zahle er seinem Kläger weder wenig noch viel. Er bitte das Gericht um Absolution von der unerwarteten Klage.“

Das Gericht sah den Fall aber anders. Der Chirurg musste innerhalb von 14 Tagen  die 6 fl 20 X zahlen; der Scheuerer aber das Abschiedsgeld, wofür er sich selbst angeboten hatte.[16]

Am 26. Juni 1749 war Georg Scheuerer in einer delikaten Angelegenheit als Zeuge aufgerufen: Der Bericht darüber lautet:

„Unter heutigem Dato hat man auch einen Befehl  wegen des Badens und wegen des Hütens   unter der Kirchzeit  an Feiertagen  publiziert, endlich auch  wegen der verdächtigen Liegestätten beiderlei Geschlechts.  Der anwesenden Bürgerschaft hat man den Auftrag getan, dass sie sich in Konformität dessen gleichwohl selbsten außer Straf setzen soll.“[17]

Hieraus sieht man, dass die Scheuerers im 18. Jh. neben ihren privaten Händeln auch noch als  Mitglieder der Gerichtsorgane bei Erlassen und Verfügungen der Kommune als Zeugen gerufen wurden. Ob ihnen das immer nur Freunde zuführte?

Im Jahre 1748, am 29. April, wurde  eine Auseinandersetzung  des Inneren Rates und Biersieders  Josef Puchner  mit dem Gemeinderat  wegen der Biersatz (= Bierpreis) berichtet. Wegen seines  widerborstigen und  ungesetzlichen Verhaltens  wird er zu einer Geldstrafe verurteilt.

Er weigert sich aber, die Strafe zu zahlen und macht  in der Öffentlichkeit viel Wind gegen den Rat insgesamt.

„Wenn der Rat eine Strafe festsetze, könne er diese nicht durchsetzen. Wenn er sie trotzdem festsetze, sei das, wie wenn  ein Viehhüter sie verlange. Der entscheidende Mann sei ja immer  der Marktschreiber, und die Ratsfreunde  beschließen nach seinem Willen.

In Landshut und Straubing seien seine Strafen immer noch gemildert worden, und wenn er dort nichts erreiche, sei ihm der Weg nach München  auch nicht zu weit.

Gegen ihn könne man nichts. Auch ein Gerichtsscherge dürfe sein Haus nicht betreten. Er mache es wie die Bauern von Köfering gegen die dortige Gräfin. Sie hätten sich mit Erfolg nach München gewandt. Er halte den Rat nicht für gültig und für untauglich, sondern für einen Verwandtschaftsklüngel. Er lasse  sich auch schmieren, alles sei ein Schmierentheater. Vor allem kritisiere er, dass Vater und Sohn  Putz im Rat säßen.“

Der erste Zeuge, der auftreten musste, war des obigen Georg Scheuerers Sohn Josef Scheuerer aus Weichs. Er sollte sagen, was er an Lästerungen im Wirtshaus gehört hätte. Hier nun Auszüge aus seiner Aussage. Offenbar hatte er ein  gutes Gedächtnis.

Zu den Personalien:

„Josef Scheuerer, noch ledig, doch genügend  vogtbaren Stands, ungefähr 25 Jahre alt, zu Puchner weder verwandt noch verschwägert, durch den Ratsdiener ordentlich hierher verschafft, guten Leumunds. Er lässt sich  unterthänig zu Protokoll vernehmen, was der  Puchner  bei der am Sonntag stattgehabten  Handwerkszusammenkunft und auch schon lange zuvor einmal  mit dem jungen Putz  wegen der Biersatz  und anderen  Handwerkssachen  geredet hat.“

Und das sind die Einlassungen:

„Endlich ist Puchner zur Sache gekommen und hat sich also gegen den Rat vernehmen lassen: Der Rat hat mich  ja beim letzten Ratstag gestraft , aber ich zahle weiterhin keine Strafe. Der eingeschmierte Rat ist nicht im Stande, dass er mich strafen kann. Ich will weiter behaupten, dass er eingeschmiert ist. Der Marktschreiber  dirigiert den Rat und diktiert die Strafe, aber ich habe es ihm schon einmal angedroht, dass ich ihn  bei der Ratssitzung  vom Sessel herunterhaue,

darauf kann er sich verlassen. Er ist nur ein Schreiber und muss tun, was  man  ihm sagt. Es ist just mit ihm, wie wenn man einen Hüter aufnimmt.

Das  lasse ich mir einen Rat sein. Wo Vater, Sohn und heiliger Geist  darinnen sind. Gehört sich denn das, dass Vater und Sohn in einem Ort Ratsglieder sind? Wo findet man denn so etwas? Die Commission hat halt die Schmieralien genommen (...) Wenn der Rat schon so akkurat sein will, dann soll er auch die nächtlichen Vagierungen abstellen. Gehört sich das,   dass der Hans Punck mit bloßem Gewehr auf der Gassen herumläuft etc?“

Nach der Aussage Scheuerers folgen die zwei weiteren Zeugen, die die erste Aussage  bestätigen. Der Prozess kommt bei diesem Termin aber nicht zum Abschluss, sondern wird auf einen weiteren Termin vertagt.

Aus der Geschichte kann man den Schluss ziehen, dass Josef Scheuerer einen guten Leumund hatte und sich genau erinnern konnte. Auch zeigte er Rückgrat, gegen die Puchners, die sich nach den hiesigen Akten schon öfter als gerichtswendig, auffällig, großkotzig, ja manchmal sogar gewalttätig  aufführten.[18]

Josef Scheuerer  ging offenbar auch mit fremden Geldern akkurat  und  konsequent um, auch wenn er sich gegen die höchste moralische  und kirchliche Autorität  am Ort wenden  und sich möglicherweise der Kritik aussetzen musste.

So liegt  vom 29. Oktober 1778 ein Brief des gehorsamsten Kammerers und  Rats von Abbach an  Hochwürden und in Gott hochedel geborenen  Herrn Pfarrer Martin Mayr vor, dass der Kirchenprobst der würdigen St. Christophorus Marktskapelle Josef Scheuerer ausgerechnet habe, dass von der Pfarrei an die Marktskasse zu wenig  Geld abgeliefert wurde. Nicht 39 Gulden sei der Pfarrer schuldig, sondern  57.

Es sei Seine Excellenz Graf von Thöring  und der Benefiziat von Riedenburg zur Kur da gewesen und hätten Messe  gelesen. Die Differenz sei entstanden, weil für Wein nur 6 Gulden 40 Kreuzer und für Oblaten 2 Gulden bezahlt worden seien, in Wirklichkeit aber  der Halbjahresbetrag bei 15 Gulden 38 Kreuzer 5 Heller  gelegen sei. Auf den Differenzbetrag wolle man nicht  verzichten. Man gebe die alte unterschriebene Rechnung  zurück und empfehle sich seiner Hochwürden und Gnaden.[19]

Josef Bauer, eine in Weichs wegen seiner Bautätigkeit bereits erwähnte Persönlichkeit,  wurde im Jahre 1820 durch eine Mahnung  des Landgerichts Kelheim  aktenkundig.[20] Er wurde indirekt daran erinnert, dass er Gemeindsmann und Eskortmann in amtlichen Transportangelegenheiten sei.

Erst am 11. Februar 1820 war von Kelheim aus geregelt worden, wie mit aufgegriffenen Bettlern und Vaganten zu verfahren sei.

Wenn die Polizei solche Personen in Gewahrsam genommen hätte, müssten die Gemeinde- vorsteher sofort tätig werden und sie der Distrikt - Polizeibehörde  in Kelheim übergeben.

Die Ortsvorstände hätten aber immer eine Ausrede. Sie behaupteten entweder, sie seien gerade nicht zu Hause gewesen,  oder die Vaganten seien ihnen entlaufen, bis sie den zur Eskorte  bestimmten Gemeindsmann herbeigeholt hätten.

Deshalb müssten  in Zukunft die  Gendarmen die Übergabe  an den Eskortmann überwachen. Wenn die Bettler oder Vaganten zufällig zur Abendzeit aufgegriffen würden, sodass sie am selben Tag nicht mehr ausgeliefert werden könnten, so habe die Gemeinde für die  gesicherte Unterbringung zu sorgen, und der Gendarm habe nur die verfügte Aufbewahrungsfrist abzuwarten, dann müsse er sofort tätig werden.[21]

Der konkrete Ernstfall sollte nicht lange auf sich warten lassen. Dies ist das Protokoll der Einlassungen des Josef Bauer, das er auch unterschrieb:

„Es ist  wahr, dass mir Josef Bauer, ganzen Hofs Besitzer zu Weichs, vier dort  von der Gendarmerie auf einem Zettel aufgeschriebene Kinder  zum weiteren Transsport nach Kelheim mit einem sog. „Fresszettel“ als Vorweis übergeben wurden. Ich verweigerte die Annahme dieses Transportes aus folgenden Gründen:

1. Weichs gehört zu Ruralgemeinde  Schlossberg und ist  ¼ Stunde  von dieser entlegen. Ich sagte in diesem Fall  also, man solle  diese an den Ortsvorstand  am Schlossberg  überliefern. Den Zettel gab ich dem Überbringer, Gendarmen Reithmayer, zurück. Ich habe den Zettel auch nicht  unter die Türe geworfen, sondern ordentlich übergeben.

2. Die  hierher gebrachten  Vaganten werde ich nur  zum weiteren Transport übernehmen, wenn  die   von Regensburg ergriffenen Vaganten  nach Kelheim verlegt zu werden verlangen.

3. Auch der Markt  muss ihre im Marktbezirk  ergriffenen Vaganten und Bettler  durch die Landwehr Mannschaft  bis nach Kelheim transportieren, ohne in einer  betretenen Ortschaft  abgelöst zu werden, was oft passiert, indem  die Gendarmen sie bequem vor die Bräuhäuser setzten, wo sie trocken sitzen, und warten, bis sie in  dieses Haus zum Betteln kommen können, und dort dann aufgetrieben werden, wie es schon  mehrmals  beim Kraml  Bräu (in Abbach, A.d.V.) passiert ist.

4. Wenn aber von Seiten des königlichen Landgerichts  die Verfügung getroffen  wird, dass die Landwehr Mannschaft in der nächsten Ortschaft, z.B. in Lengfeld  abgelöst wird, so werde auch ich die auswärts  angetroffenen Vaganten und Bettler  übernehmen und bis dorthin zur weiteren  Transportierung liefern lassen. Das  ist meine Rechtfertigung, die ich zur Bekräftigung unterschreibe.“     

Diese selbstbewusste Entscheidung gefiel dem Landgericht offenbar nicht. Es fand sich veranlasst, den  Josef Bauer, ganzen Hofs Besitzer von Weichs, vorrufen zu lassen und ihn zu vernehmen, ob er obige Vaganten  zum Transporte übernommen, und warum er sie  nicht an das hiesige Landgericht abgeliefert habe.

Bauer erklärte sich dazu auf folgende Weise:

„Es ist richtig,  dass mir der Stations Kommandant Fischer vier wegen Bettel aufgegriffene Kinder, Namens Anna Maria Brandl, Xaver Brandl, Vitus Brandl und Anna Vogl vor einigen Tagen übergab, um selbe an den Magistrat Abbach  zum weiteren Transporte nach Kelheim abzuliefern. Er gab mir deshalb beiliegenden Vorweis an den Magistrat, und ich überlieferte selbe selbst dem Bürgermeister Scherer. Nach langem Hin und Her sagte Scherer, die Gendarmen hätten ihm keinen Transport aufzutragen, und die vier Kinder könnten seinetwegen hingehen, wohin sie wollten. Den Vorweis warf er hinter die Türe. Ich hob den Vorweis auf und ging nach Hause, weil ich den Befehl der Gendarmen richtig befolgt zu haben glaubte.“

Diese  Einlassung unterschrieb Bauer eigenhändig.

Er und Bürgermeister Scherer zeigten auf diese Weise, dass sie ein Herz für die notleidenden Kinder hatten, und dass ihnen Barmherzigkeit vor Recht  erging.

Zum Verständnis  der folgenden Schenkung der Eheleute Bauer im Jahre 1856 glaube ich vorausschicken zu sollen, dass es seit Bestehen der Marktskirche zum hl. Christophorus in Abbach im 15. Jahrhundert dort auch ein Frühmeßbenefizium gab.  Die Kirche  gehörte dem Markt Abbach, und dieser leistete sich einen eigenen Frühmesser, der dort für die lebenden und verstorbenen Abbacher Bürger täglich eine Messe zu feiern hätte. Dessen wirtschaftliche, später finanzielle Ausstattung war jedoch immer so dürftig, dass der Mann je nach persönlichen Eigenheiten mit seinem verfügbaren Fundus nur recht und schlecht auskam, ja sogar zum Essen von Haus zu Haus weitergereicht wurde und manchmal auch über Gebühr im Wirtshaus verweilte. Über diesen Zustand gab es von Seiten der Pfarrer oftmalige Klagen beim Bischöflichen Ordinariat.

Im Jahre 1817 sollte das Bildungswesen in Abbach angehoben und zu diesem Zweck  ein geistlicher Schullehrer eingestellt werden. Man erkämpfte sich  in  zähem Ringen mit dem Ordinariat und der Regierung in München das Recht, ein Schulbenefizium zu errichten. Voraussetzung war aber, dass die Gemeinde die nötige Fundierung für den Geistlichen von mindestens 100 Gulden Jahreseinkommen  nachwies.

Krampfhaft kratzte die Gemeinde alle Geldquellen zusammen, um diese Marke sogar zu überschreiten. Es wurde die Fundierung des Frühmeßbenefiziums mit einbezogen, die Barth`schen Schenkungsgründe, Einkünfte aus Nebentätigkeiten wie Orgelspielen, ein Zuschuss der Gemeinde. Aber immer blieb die Finanzdecke des Schulbenefiziaten, wie er jetzt hieß, sehr schmal.

Zustiftungen und  Schenkungen betuchter  Abbacher Bürger, besonders vor ihrem seligen  Abschied aus diesem Leben, zur Sicherheit für das jenseitige Heil und Bestehen, waren daher herzlich willkommen. Nach damaligem treu katholischem Verständnis konnte man da Zeit seines Lebens schon etwas Effektives tun, zwar treu der Paulinischen Ansicht, dass wir aus dem Glauben allein das Heil fänden (Siehe Ansicht der Reformatoren!), aber auch eingedenk der Forderung des Jakobusbriefes, dass der Glaube durch Werke sichtbar werde.

In solchen Zusammenhang ist die folgende  Schenkung in Höhe von 5000 Gulden  in Obligationen  der Eheleute Bauer einzuordnen. Sie waren offenbar fromme Bauersleute, die 1854 ihren Hof in Weichs an Caspar Hölzl verkauft hatten und nun als Privatiers in Abbach saßen und zu alledem auch noch erkannt hatten, dass Bildung ein unverzichtbares Gut eines Gemeinwesens darstellt.

Am 16. Juli des Jahres  1857 teilte der damalige Pfarrer Martin Otto, der Erbauer der jetzigen Pfarrkirche, ein wirtschaftlich ausgefuchster Pfarrpfründeverwalter, der privat aber im Konkurs verstarb, dem verehrlichen Frühmessbenefizium mit, dass er aus dem Ordinariat  einen höchst erfreulichen Brief erhalten habe. Der Text des Briefes lautete:

„Das bischöfliche Ordinariat Regensburg hat durch die k. Regierung  von Niederbayern unterm 4/8 ten Juli l.J. Mittheilung erhalten, dass  die Josef u. Anna  Bauer`schen  Eheleute z.Z. in Abbach eine Stiftung  von 5000 Gulden  in Obligationen zum Frühmeßbenefizium  in Abbach gemacht und sich hierfür jede Woche  eine hl. Messe  mit Abbetung  von 5 Pater noster  und Ave Maria mit einem

Credo bedungen haben. Wir acceptieren Oberhirtlicher Seits und confirmieren diese wohltätige Stiftung zur Aufbesserung   des genannten gering dotierten Benefiziums

und verpflichten den jeweiligen Benefiziaten zur Erfüllung der sigulierten Obliegenheit. (...).“[22]

Es ist nicht uninteressant, sich den Schenkungsvertrag vom 9. November 1856, der  von den Hausbesitzerseheleuten Bauer, dem Schulbenefiziaten  Josef Straubinger  und Bürgermeister Benedikt Zirngibl firmiert wurde, selbst anzuschauen:

Die 5000 Gulden resultieren aus

1. Schuldschein der Sebastian und Anna Tafelmaier, bürgerliche Metzger,  Abbach                                                                                                                                                                                                                                2.500 fl

2. Schuldschein der Alois und Creszentia Preißer, Müllerseheleute                1.400 fl

3. Schuldschein der  Michael und Theres  Limmer, Zimmermeistereheleute     700 fl

4. Schuldschein  der Wolfgang u. Anna Maria Hirmer, Bauerseheleute   

    von Großberghofen bei Thaldorf                                                                                                                               400 fl

 

Die jährliche Verzinsung betrug 4 %.

Als Begründung der Schenkung wurde angeführt:

„Da wir zunächst  zur Begründung einer besseren  Subsistenz  des zeitlichen Benefiziaten  und zu dem Zwecke, demselben  die Haltung  eines Schulgehilfen zu ermöglichen, der ihn des für einen Priester mehrfach unlieben  Geschäfts des Schulhaltens ganz entheben  würde, diese Stiftung machen, so soll diese unsere Schenkung  nur insoweit  eine donatio sub modo sein, als der jeweilige Benefiziat die Auflage hat, (...).“

Dann folgen die  geistlichen Verpflichtungen. [23]

 

 

Dieses Papier spielte im Jahre 1877 noch einmal eine große Rolle:

Man sah voraus, dass das Junktim Schuldienst und Kirchendienst  unter der neuen Reichsregierung nicht mehr lange zu halten war. Deshalb entstand ein Streit darüber, wer  im Falle der Trennung in dem Genuss dieser Schenkung bleiben soll:

Die Kirche meinte, die Stiftung sei ausschließlich  für den Zweck des Messelesens gemacht worden, die Gemeinde erinnerte sich an die Absicht der Stifter, einen Hilfslehrer zu ermöglichen.

Man einigte sich schließlich auf die Teilung  des Nießnutzes.

Am 15.8. 1884 kam es dann auch zur endgültigen Teilung von Kirchendienst und Schuldienst.

 

Die Eheleute Bauer  hatten hinreichend dafür gesorgt, dass ihr Seelenheil durch derartige Manipulationen nicht gefährdet werde.  Am 17. März 1857  stiftete Josef Bauer, schon Hausbesitzer von Abbach,  eine Stiftsmesse mit dem Capital von 210 Gulden, mit dessen Zins von 3 ½ %  in der Marktskirche  St. Christophorus für das Seelenheil  seines verstorbenen Eheweibes  Anna, und dereinst  auch für sein Seelenheil,  vier hl. Quatembermessen, nämlich an Josefi und Annatag, am Heiligen Abend und Schmerzhaften Freitag, gelesen werde.

            Der Benefiziat sollte 3 fl 12 x erhalten,

            der Messner                     24 x

            und jeder Ministrant          4 x.

 

In  einem weiteren Papier  des Benefiziums kann man lesen:

„Bauer Josef und Anna 52 Wochenmessen beliebig, wann und wo zu lesen, zum Benefizium gestiftet mit ausdrücklicher Bestimmung der Selbstverwaltung.“

Dass die Messen auch getreu gehalten wurden, dafür liegt eine  sorgfältig  geführte Liste vor, auf der der  Benefiziat die Persolvierung seiner Schuldigkeit nachwies.

 

Wir anerkennen diesen Vollzug frommen Glaubenshandelns und hoffen, dass auch nicht so gut gestellte Menschen guten Willens der Seligkeit  teilhaftig werden, eingedenk der Schrift, die uns das Gleichnis von der armen Witwe und vom Reichen  mit seiner angemessenen Hilfspflicht ins Gedächtnis ruft.

 

In  Weichs  kam es  1854 mit Caspar Hölzl und seiner Frau  Anna,  einem Bräuersohn aus Schierling, der wohl das entsprechende Kapital von zu Hause mitbrachte, zu grundlegend veränderten  Verhältnissen. Er war es, der die beiden Höfe Weichs 1 und 2 zusammenführte.

Die aus dem gleichen Hause stammende  Anna Hölzl, die 1854 in Schierling geboren wurde, heirate übrigens 1876 den Josef Kraml von Eiglstetten. Des Caspar Hölzls Tochter  Philomena heiratete den Gastwirt Anton Kindl von Peising. Auf diese Weise bestand, wie man es damals bezeichnete, eine wohlbegründete  Freundschaft zwischen Weichs zu  Kindl Peising und Kraml Eiglstetten.

Wie es den Anschein hat, war er ein Mann mit gutem Leumund und über seinen Hof hinaus hilfsbereit. Die Gemeinde Abbach-Schloßberg, zu der Weichs damals noch gehörte, übertrug ihm bald das Amt des Armenpflegers und Verwalters der Armenkasse.

In seinem Zuständigkeitsbereich lebte die Familie  Josef Gimpel. 1864 ist Josef Gimpel in der Conkurrenzrolle  der Gemeinde Abbach-Schlossberg noch eingetragen, zahlt aber außer

20 Kreuzer Steuern für sein Häusel keine anderen Lasten  mehr. 1865 ist er bereits aus der Liste  ausgetragen, weswegen man dies als sein Sterbejahr annehmen kann.[24]

Er hinterließ seine Ehefrau  Walburga als Witwe und die zwei  unmündigen Söhne Karl und Kurt in völliger Mittellosigkeit. Sie hatte in das Hüttl am Schlossberg hineingeheiratet, lebte zeitlebens in ärmlichen Verhältnissen, war aber  eine gut beleumundete Frau. Aber nun  als Witwe schien sie sowohl finanziell als auch erzieherisch  völlig überfordert.

Den älteren Sohn Karl  konnte sie zu Lebzeiten auf Kosten der Armenkasse noch in einer anderen Familie  unterbringen. Die Gemeinde zahlte für diesen die laufenden Kosten für den Unterhalt. Im Jahr 1873 z.B. waren  20 fl für Verpflegung,  an weiterem Kostgeld 36 fl, dann 3 fl 50 x für  Kleiderstoffe, 3 fl 48 x für Stiefel, 1 fl 24 x für deren Reparierung, für eine Kopfbedeckung  und Schulgeldbefreiung 51 x aus der Gemeindekasse fällig. [25]   

Ende 1872 starb zu allem Elend auch noch die Mutter Walburga, deren Begräbnis in der  Armenkasse vermerkt ist.[26]  Was blieb der Gemeinde sonst übrig, als sich der Kinder Karl und Kurt anzunehmen? Wegen Kurt  wird Caspar Hölzl 1873, im Jahr als er seinen Hof in Weichs an  Georg Eckmann weitergab, als Armenrat konkret in die Pflicht genommen:

Im Statutenbuch der Gemeinde Abbach-Schloßberg findet dieser Vorgang  seinen beredten Ausdruck:

„Schlossberg, 16. März 1873,

Erziehung des Knaben Kurt Gimpel.

Bei der heutigen Versammlung wurde über die Erziehung des Rubrikanten beraten, und es erklärte der Ökomom Kaspar Hölzl von hier, dass er denselben um 50 Gulden  jährlich in Kost und Miete nehmen und für eine gute Erziehung bestens Sorge tragen wolle.“[27]

Caspar Hölzl hatte eine schwierige Aufgabe übernommen, war er doch nicht mehr der Jüngste und der erzieherische Aufenthalt des Buben auf dem Gutshof in Weichs war bald zu Ende. Alle anderen Beteiligten fühlten sich entlastet. Die Aufgabe aber überforderte Caspar Hölzl offenbar, weil später Kosten der Unterbringung in Erziehungsheimen  anfielen und aus anderen Orten Klagen wegen Straffälligkeit  einliefen. Wegen der Zugehörigkeit  zur Gemeinde Abbach-Schlossberg, wo Kurt  und Karl Heimatrecht besaßen, entwickelte sich mindestens Kurt zum Fass ohne Boden.

An dieser Stelle unterbreche ich die Weichser Personalakten vorläufig, werde sie aber später mit den Namen fortsetzen, die dem Gedächtnis der Nachwelt gerade noch erhalten geblieben sind,  bzw. derer, die heute am Werke sind.

14.   Von der Existenz der Kirche St. Markus; ortskirchliche Obliegenheiten.

                   (Nach Diözesan- und Pfarrarchiv).

Es ist bezeichnend, wie schnell  auch markante Ereignisse im Gedächtnis der Menschen  verblassen. „Wir werden dir ein immerwährendes Andenken bewahren“, sagt man  beim Abschied von einem beliebten Menschen, wenn man ihn seiner letzten Ruhestätte übergibt.

Schon in den nächsten Jahren zeigt sich, dass Name Schall und Rauch ist, wenn nicht  ein besonderer Grund das Gedächtnis wach hält. Die Erinnerung überlebt eine Generation  nur in den seltensten Fällen.

 

Nun suchen wir nach dem Gedächtnis  an das  Bestehen einer richtigen Kirche in Weichs:

Bei meinen  Recherchen für diese Arbeit bemühte ich viele meiner noch lebenden Altersgenossen und befragte sie. Aber niemand konnte sich an eine Kirche an diesem Ort erinnern. Ob ich vielleicht die Straßenkapelle beim Hof  meinte, wurde immer wieder zurückgefragt. Diese traf mein Interesse natürlich nicht.

Auch ich selbst hatte früher noch nie Einschlägiges gehört. Nicht einmal die jetzigen Besitzer des Gutes Weichs konnten diese Erinnerungslücke schließen! Das Gotteshaus war im dunklen Schoß der Geschichte versunken.

Erst  Entdeckungen im Archiv füllten Bemerkungen und  Erzählungen der Vorfahren mit Inhalt  und Erinnerungszeichen und Merkmale an bestimmten Stellen im Hof schenken jetzt lebendigen Sinn.

An einer Wand im Inneren der Scheune z.B. ist mit blauer Farbe ein ca. 3 x 2 m großes Kreuz mit einer Pfeilspitze am Schaftende gemalt. Jetzt weiß man: Das ist ein Erinnerungszeichen an die alte, todgeweihte Kirche! Bis dorthin reichte sie; die Pfeilspitze markiert das erhabene Fundamentende der ehemaligen Kirche.

Wenn ich  mit diesem Bild im Gedächtnis die einzige, zufällig entdeckte Plan-Zeichnung von Abbach aus dem Jahre 1759 mit Weichs im Süden vergleiche, muss es wohl so sein. Auf dieser amtlich bestätigten Darstellung ist die Kapelle dargestellt.

Bild ( unbeziffert )

Kirche von Weichs mit den zwei Höfen. Aus der Planzeichnung von Johann Baptist Ruef. Burggeding von  Abach, 1759. Archiv 22.2.

Siehe Bild auf der Titelseite!

 

Dann  erhebt sich die  mit Verwunderung, ja sogar Unverständnis, vorgetragene Frage: „Wie konnte man eine Kirche abreißen – wie mutig, ja frivol musste der Mensch gewesen sein, der dies fertig brachte?“

Würde es heute geschehen, gäbe es kaum einen Einwand. Heute folgt alles dem Gesetz des Marktes. Die Kirche ist überflüssig und steht im Wege, darum wird sie abgeräumt!

Heute passierte solches in der Welt, ja sogar in Deutschland, schon  hundert Mal.

Der Hamburger Politologe Carsten Frerk  taxiert in der  „Financial Times Deutschland“  „den Wert der  35 000 evangelischen und katholischen Gotteshäuser  auf mehr als 44 Milliarden Euro. Der Betrieb der Kirchen  verschlinge jedes Jahr  Millionen, die die Katholiken  und Protestanten  nicht länger aufbringen könnten. Bis 2040, so Frerk,  müssen sich die beiden  Religionsgemeinschaften  von zwei Dritteln ihrer Gotteshäuser trennen: „Wo kein Bedarf ist, muss ich Filialen schließen.“[28]

 

 

Nicht nur zum praktischen, sondern auch zum theologischen Verständnis  fährt das Magazin fort: „Gott „lebt“ nicht in einem  eigens für ihn  errichteten Gebäude, sondern in dem, was darin geschieht, im Gottesdienst. Zu diesem Dienst sind  aber heute  immer weniger Menschen bereit, weil sie nicht mehr mit der Gegenwart Gottes in ihrem Leben rechnen. Wir sind Papst, aber keineswegs Kirche. (...)“[29]

 

War Hermann Fiedler  in seinem Denken und Handeln  nur  seiner Zeit vorausgeeilt? War ihm  des Bayers Stolz auf sein  Gotteshaus  wesensfremd, als er

1909/10 die Weichser Flur mit Blick auf den praktischen Umgang mit Grund und Boden bereinigte,  die Kirche und wohl auch die Gedenkkapelle am Kapellenfeld durch ein Kapellchen beim Hofeingang ersetzte?

 

Bei  Josef Schlicht, „Bayrisch Land und  Bayrisch Volk“ las ich:

„Auf seine  Kirche, sei sie nun Pfarrgotteshaus, Filialkirchlein, Feld-, Wies-, Holz- oder Hofkapelle, hält der Bayer die größten Stücke.

Will man ihm dick schmeicheln, so darf man ihm   nur rühmen: Ös habts  die schönst Kirch und dös schwerst  G`läut!“ Umgekehrt, das heißt ihn herausfordern. Mit seiner Kirche  hat er denselben Ehrenkitzel wie mit seinen Rossen.“[30]

Ein anderes Kapitel möchte ich noch ansprechen, bevor ich in den historischen Teil  meiner Überlegungen einsteige:

Die Kirche war dem Evangelisten Markus geweiht. Dieser starb um 66 n.Chr. den Märtyrertod. Am 25. April, seinem Namenstag, fand früher der feierliche Bittgang  um Felder

 

 

  und Wiesen statt. Für die Bauern ist er gelegentlich heute noch  ein wohlbeachteter Los- und Wettertag. Der Niederbayer sagt: „Am Markustag soll man keine Ochsen einspannen.“

Um 1700 ging man auch in Abbach an diesem Tage noch mit dem Kreuz  nach Weichs, wie das Notizen-Buch  der kath. Pfarrei berichtet.[31] Max I. Josef mit seinem Minister Montgelas  machte diesen Bräuchen zunächst den Garaus, bis Ludwig I. sie in beschränktem Maße wieder zuließ.

Heute konzentriert sich das Geschehen auf die Zeit vor Christi Himmelfahrt, vorausgesetzt, dass die Bittprozessionen in einer Pfarrei noch nicht abgeschafft wurden. „So eine Bittprozession war kein Spaziergang. Auf dem ganzen Weg wurde der Rosenkranz gebetet und der Segen von oben erbeten: „Dass du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, wir bitten dich o Herr“, und „vor Blitz und Ungewitter verschone uns, o Herr, (...)“. Aber auch Krankheiten und Krieg  sollten mit den Bittgängen  abgewehrt werden: „Höre gnädig unser Bitten, wende ab von unseren Hütten Krankheit, Krieg und Hungersnot, gib uns unser täglich Brot.“[32]

 

Als ich gestern,  am Montag in der Bittwoche 2009, von Denkendorf nach Pondorf unterwegs war, stellte ich fest, dass um 20 Uhr auf dem Radweg neben der Straße eine solche Bittprozession im Gange war, allerdings in verkümmertem Maße: Drei Mann; einer trug ein  Kreuz, die beiden anderen je eine rote Prozessionsfahne. Dahinter kein Mensch. Wacker, wacker!

Nun zur Historie der Markuskirche einige Fixpunkte, die ich finden konnte. Die ersten Anhaltspunkte sagen nicht, dass das Gotteshaus nicht schon früher existierte.

1280

Im zweiten Herzogsurbar Bayerns, wo die Abgaben  der Urbarsbauern an den Herzog geregelt sind, steht geschrieben: „Aber ze Weichs von der chirchen ze vogtreht LX schaeffein  frisching.“[33] (= aber zu Weichs von der Kirche nach dem Vogtrecht 60 junge Schafe).

            1589/90

Im Regensburger Visitationsprotokoll  wird berichtet: „Licet haec ecclesiae altare habeat consecrationis signum inviolatum nullum tam ibi sacrum amplius fit, sicuti et a longo tempore  omni  ornatu orbata et derelicta manet.“ [34]

 

(deutsch: „Obwohl der Altar in der Kirche ein  unverletztes Konsekrationszeichen hat, findet dort kein Gottesdienst mehr statt, so ist sie (die Kirche, A.d.V.) auch seit langer Zeit jeglichen Schmuckes  beraubt und liegt verlassen da.“)

            Um 1730

Die ursprünglich gotische Hof- und Wallfahrtskirche  zum hl. Markus und unserer lieben Frau zu  Weichs wurde wahrscheinlich wie das neu entstandene Wallfahrtskirchlein Frauenbrünnl barockisiert und mit einem Zwiebeltürmchen ausgestattet.

1759

Planskizze des Geometers Johann Baptist Ruef für die Regierung in Straubing. Die Kirche ist bildlich dargestellt.

 

1759, Januar 9

„Schuldbrief zu 25 fl.

Peter Permander, Bürger und Schuhmacher alhier zu Abach  und Margaretha, dessen Eheweib, selbst gegenwärtig und mit Andreas  Eydenhardt, Schulmeister als Beistand, bekennen hiermit für sich, all die Erben, Freunde und Nachkommen, dass ihnen von der würdigen St. Markus Kapellen  zu Weyx  25 fl  zu des Hauses Notdurft und speziell zur Reparierung  ihres zum Teil  eingegangenen Hauses  heutigen Datums  borglich  worden sind.

Geloben und verpflichten uns dann nach solchem nicht nur nach ¼ jährlicher  Aufkündigung, auch heimzuzahlender  alljährlichen 5 % igen  landgebräuchlichen  Verzinsung  für das Gotteshaus ihre Behausung  und das Gärtl  zu verpfänden.

Als wahrer Bürge  gelte  der ehrengeachtete Ambros Fux, auch Bürger und Maurermeister von hier, der die Bürgschaft freiwillig auf sich genommen und obrigkeitlich ausgelobt hat für sich und seine Ehewirtin Margaretha. Actum 9. Januar 1759.“[35]

 

Um 1760

Notizen-Buch der katholischen Pfarrei Abach:

„5. Weichs. Zwei ganze Bauernhöfe samt einem Gotteshaus. Alda ist eine Kapelle zu  Ehren des hl. Evangelisten Markus, wird aber drin Kirchweihfest gehalten.

Da in dieser Kapelle, ob selbe schon mit etlichen Mitteln versehen, jedennoch  das Jahr  nur einmal, nämlich am Fest des hl. Markus, wo die Pfarr  mit dem Kreuz dahin geht, ein Gottesdienst  gehalten worden, im Übrigen aber das ganze Jahr öd, das ist ohne hl. Messe, folgend ohne Ehre Gottes  und seiner heiligen  dagestanden.

Also habe ich im Jahre  1756 höchst dorthin die Vorstellung deswegen gemacht und erhalten, dass wenigstens alle Monat eine  hl. Messe  zu Ehren des hl. Markus sowohl für die lebenden als auch für die verstorbenen Wohltäter  gelesen und aus dem Guthaben dieser Kapelle bezahlt würde.“[36]

 

 

1775 November 20

„Borgen Stellung für Darlehen von St. Markus in Weyx.

Peter Permander, bürgerlicher Schuhmacher , will nun  für  die Land Schuld Obligation act. 26. Jenner 1759 der Scti. Marci Kapelln Weyx,  schuldige 25 fl, anstatt des verstorbenen Michael Paur einem früheren Porgen, neben  Georg Punk bürgerlichen Träxler, stellen, der  dann  diese Porgenschaft freiwillig  auf sich nimmt, und im Fall behinderter Gelter Zahler zu sein obrigkeitlich angelobt. Actum ut supra.“[37]

 

1776 November 12

„Schuldbrief zu 25 fl des Michael Weixlgartner von Zacharias Paur  und seiner Frau übernommen.

Zacharias Paur, bürgerlicher Wagner, und neben ihm dessen Ehewirtin Theresia, und zwar letzte  mit Franz Schmid, Kramer, Beistand leistend, selbst gegenwärtig, bekennen hiermit für sich , eröffnen  gegen männiglich, kraft  dieses Schuld- und Porgenschaftsbriefs, dass sie der würdigen Scti Marci Kapelle Weyx jene 25 fl, welche ihr Schwieger- und rechter Vater  Michael Weixlgartner  entnommen, bei  Einbeziehung ihrer Behausung schuldig geworden seien.  Geloben etc“.[38]

 

1776 November 16

„Handgelübde geleistet worden.

Zeugen Franz Schmid, Krammer und Lorenz Schindlbök, Schullehrer.

Schuldbrief zu 70 fl.

Annbella Thurmeierin, bürgerliche Hafnerswitwe unter Beistandsleistung[39]  Niklas Spark, bürgerlichen Hintermüller, bekennt  gegen männiglich  und in Kraft dieses Schuldbriefs, dass sie dem lobwürdigen Sct. Nocolai Pfarrgotteshaus 50 fl und der würdigen Sct. Marci  Kapelln Weyx 20 fl, zusammen 70 fl, schuldig ist. Etc.“[40]

 

 

1803

Markt in Abbach am 5. Sonntag nach Ostern.

 

„Spezification, was an dem bei dem Markt Abbach gehaltenen Markttagen  eingegangen. An Standgelt:

Hutmacher von Schierling                                                                                                        2 fl

Ein Kramer von  Stadt am Hof                       2 fl

Söckler von Neustadt                                                                                                                      2 fl

Nüssl von Affeking                                                                                                                         2 fl

Steimer von Kelheim                                                                                                                       2 fl

An der Kirch in Weyx                                                                                                              - -

Etc.

(Es folgt der Markt  am vorletzten Sonntag im September)

 

Churfürstliicher Markt  Abbach, Kammerer und Rat alda

 

Und dass kein Mehreres eingegangen, attestiert

Wolfgang Fuchs, Mauerer

Peter Parhofer Kammerer.“

 

NB. Kirchenpfleger war Johann Schlauderer von Weyx

In der Markuskirche zu Weyx fanden nach Gottesdienstordnungen in diesen Jahren auch Hochzeiten statt.[41]

 

1861 Oktober 16

 

Aus der Gottesdienstordnung  der Pfarrer Martin Otto 1838 – 1868  und Pfarrer  Franz Xaver Steinhauser 1869 – 1872.

 

„Am Mittwoch wird  dahier die Weix`sche  und Bruderschaftsmonatsmesse gelesen.“

„Dahier“ heißt zu Abbach.

Daraus kann man ablesen, dass die Kirche in Weichs  nicht mehr für den Kult benutzt wurde. Auch in der Diözesanmatrikel von 1860, sowie in der Pfarrbeschreibung  durch Pfarrer Martin Otto von 1861 kommt die St. Markuskirche in Weichs bei gottesdienstlichen Verrichtungen nicht mehr vor.[42]

 

1891 August 7

„K. Bezirksamt Kelheim

 

Betreff: Vermarkung der Distriktstraße Abbach – Saalhaupt.

Dem Ökonom Leonhard Blaimer in Weichs ist zu eröffnen, dass ihm die Abtragung der Böschung und die Anlegung einer Fahrt auf seine Felder rechts an der Kapelle unter der Voraussetzung gestattet wird, dass der Straßengraben  entsprechend  überbrückt, oder ein Betonrohr nach Anweisung  des Bezirksbautechnikers eingelegt werde.

Der Distrikt selbst  übernimmt  die Herstellung  der Überfahrt nicht, nachdem   Blaimer  ohnehin  an einer anderen Stelle eine Überfahrt  zu seinen Grundstücken hat. Die Vermarkung hat nun alsbald  zu  geschehen.“[43]

 

1891 September  4

 

„Königliches Bezirksamt Kelheim

Betreff: Bau der Distriktstraße Abbach Saalhaupt.

 

Nach der Erklärung vom 12. August l. Jhs. verweigert der Ökonom Leonhard Blaimer in Weichs  die Vermarkung und somit auch die Abtretung  des zur Distriktstraße Abbach-Saalhaupt nötigen Grund und Bodens solange, bis ihm  neben seiner Kapelle  ein Fahrtweg  zu seinem Acker  hergestellt und der alte Gemeindeverbindungsweg, soweit er nicht Bestandteil  der Distriktstraße geworden ist, förmlich auf Kosten des Distrikts  cultiviert ist.  Nachdem dem Leonhard Blaimer  auf seinen eigenen Wunsch  eine Fahrt nach seinen Grundstücken  statt rechts von der Kapelle links gegen den Hopfengarten zu  hergestellt, und an den alten  Gemeindewege, welcher übrigens  gar nicht sein Eigentum ist, mehr gemacht wurde, als Blaimer verlangte, erscheint sein neuerliches Verlangen nicht bloß in hohem Grade  ungerechtfertigt, sondern auch frivol und kann deshalb auf dasselbe  um so weniger eingegangen werden, als derselbe einer gütlichen Ausgleichung  geradezu aus dem Wege ging (.)“.[44]

 

 

PS. Es wird Zwangsenteignung angedroht. Aber Blaimer könne sich noch einmal äußern.

.

Es  ist hiermit bewiesen, dass die Kirche 1891 noch stand.

Es war die Periode des Leonhard Blaimer.

Nun folgt die Nachfolge durch Herrmann Fiedler:

 

1910 April 30

Im Ratsprotokoll entdecken wir als Gegenstand der Beratung des Marktgemeinderates „Bauplangenehmigung des Hermann Fiedler Weichs.“

„Gegen den vorgelegten Bauplan des Herrn Hermann Fiedler Gutsbesitzer in Weichs, Erbauung einer  Kapelle, besteht seitens der Gemeinde, keine Erinnerung.“

Es ist allgemein bekannt, dass es sich um die heutige Kapelle  an der Kreisstraße Abbach–Saalhaupt vor dem Wohnhaus des Hofguts handelt. Die Fiedlertochter Maria Ring ließ die Initialen ihres Namens in das Gitter an der Eingangstür zur Kapelle anbringen, wie sich Erika Seidl-Schulz noch erinnern konnte.

Es war  aber in Vergessenheit geraten, dass der Bau dieser  Kapelle  Voraussetzung der Abbruchgenehmigung für die St. Markuskirche war.[45]

Die Kapelle war mit Sicherheit nie  als Gedächtniskapelle für die Napoleonischen Opfer  von 1809 konzipiert worden. Sie war für die Initiatoren  ledigich  Ersatz  und Zugeständnis  für die gläubige und fromme Bevölkerung in der Gegend und zur Bewahrung der bürgerlichen Reputation.

 

 

1910 Juli 16

Bald darauf folgt als Gegenstand der Beratung  im Marktgemeinderat „der vorgelegte Bauplan des Gutsbesitzers Fiedler Weichs auf Umänderung des Getreidestadels“. Kurz und lapidar wird  erklärt:

„Gegen das Baugesuch  des Gutsbesitzers Hermann Fiedler in Weichs, Umänderung des Getreidestadels, besteht von Seiten der Gemeindeverwaltung  kein Bedenken.“[46]

Über das Wie und Wohin wurde nicht lange diskutiert. Es  gab nur die Möglichkeit der Erweiterung der Scheune in Richtung Distriktstraße. Wenn man  die Zeichnung aus dem Burggeding-Plan  von 1759 anschaut  und die Farbe der  Ziegelbedachung auf einer Luftaufnahme um 2000 überdenkt, sieht man  eindeutig, was geschehen war: Die St. Markuskirche  wurde 1910  weggeräumt. Das blaue große Kreuz an der Innenseite der Aussenwand der Scheune gegen Süden bestätigt, dass einst die St. Markuskirche bis dorthin reichte. Beim Abbruch der Kirche wurde das blaue Merkzeichen aufgemalt.

Bild 10

Photo von dem Kreuz an der Südwand in der Scheune

 

 

 

 

Ein interessantes Epitheton ergab sich im Verlauf meiner Recherchen:

Der gegenwärtige Pfarrer von Bad Abbach, Franz Schmidbauer, reichte vor Jahresfrist an mich eine Anfrage von Frau Edda Fendl aus Mitterfels weiter, ob ich wisse, was es mit der „Abbacher Madonna“ im Karmeliterkloster in Straubing für eine Bewandtnis hätte.

Meine  weiteren Recherchen und Gespräche mit Hermann Seidl-Schulz  brachten Überraschendes zu Tage: Es  handelt sich  um das verschollene Gnadenbild von Weichs, über das  in früheren Familienunterhaltungen  oft diskutiert wurde. Man wusste nur mehr, dass es einmal existierte, aber wohin es gekommen ist, davon gab es keine Kenntnis. Es gab noch zusätzliche Erinnerungen an die damaligen Ereignisse.

Aus dem Karmeliterkloster in Straubing  wurde bestätigt, dass die sog. „Abbacher Madonna“ 1909 dem Kloster  von Pfarrer  Maximilian Glas von Abbach  gewidmet worden war. Zahlreiche wechselseitige Informationsschreiben  liefen in der Folgezeit zwischen einer Arge „Madonnen & Kind mit Vogel in der Hand“ in Mitterfels und mir  im Abbacher Archiv  hin und her, die ich hier in aller Kürze, wenn auch einiges schon gesagt ist, einbringen möchte:

 

Bild 11

Die „Abbacher Madonna“ mit dem Kind auf dem Arm, welches einen Vogel in der Hand hält. Foto von Edda Fendl, Scheiblsgrub bei Mitterfels

 

 

 

Die „Abbacher Madonna“ befindet sich  im Kreuzgang Obergeschoss des Karmeliterklosters zu Straubing. Sie stammt aus der Spätgotik, etwa um 1380. Sie kam 1909 durch  Vermächtnis des Abbacher Pfarrers  Maximilian Glas (von 1900 bis 1909 Pfarrer in Abbach) in den Besitz des Straubinger  Klosters. Die Figur aus Grünsandstein ist 110cm hoch und war ursprünglich rot gefasst. Das Jesuskind auf dem Schoß der Mutter hält die Hand über ein Vögelchen und schaut liebevoll zur Mutter auf. (Siehe Photo !)

Bild 12

Die noch existierende romanische, wahrscheinlich verwandte Kirche in Abbachhof, Gemeinde Wenzenbach, deren man sich zur Not zur Anschauung bedienen kann.

 

 

 

Ortskirchliche Obliegenheiten

Ein interessantes Detail  ist noch hinzuzufügen, das dem historisch ungeübten Leser nicht gleich in die Augen springt.

Ich komme auf pfarrliche Obliegenheiten der Höfe zu Weichs zur Pfarrei Eiglstetten, ab 1518 Pfarrei Abbach[47], zu sprechen:

 

Als Ludwig der Kelheimer im Jahre 1224 den Burgberg und Weichs von den Benediktinern zu Prüfening  um Königswiesen und Höfe in Matting zurücktauschte, vollzog er einen totalen Trennungs-Schnitt von den Benediktinern zu St. Emmeram und Prüfening.

 

Überall in dieser Gegend waren die Bauern diesen beiden Benediktinischen Klostergemeinschaften gegenüber zehentpflichtig, d.h. dass sie aus den kärglichen Erträgnissen ihrer größeren oder kleinen Huben den 10. Teil  abzuliefern hatten. Es gab den Boden-, Weizen-, Flachs-, Wein-, Groß- und Kleinzehent,  sowie den Blutzehent.  Der örtliche Pfarrer musste ihn einsammeln, im Zehentstadl horten und  zu gegebener Zeit versilbern.[48] Über seine Aktivitäten führte er  ein Zehent Hausregister.

Kommen wir aber zuerst  zum

„Saal-Buechl von dem Hochw. H. Emmeramo Hem, so ab ao 1673 bis ad aum 1681 zu Abach Pfarrer gewest, zusammengeschrieben.“[49]

1677 heißt es dort: Weix ein Einöd  bey beiden auf ihrer Churfürstlichen Gnaden in Bayern Casten Abach Urbars Pauern zu besagtem Weix: hat das Augustiner Closter großen und  kleinen Zehents zworn und ein Pfarrer zu Abach ain Thail.“

 

Es war  das  Augustinerkloster in Regensburg. Die Augustiner waren damals noch nicht der Orden des Reformators Martin Luther. Dieser hatte im 13. Jh. das Licht der Welt noch nicht erblickt.

Das Augustinerkloster  war im 13. Jh. ein Mittelpunkt religiösen Lebens in Regensburg.

 „ Bereits 1241 ließen Augustinereremiten  sich hier nieder. Zu einem Kloster und einer Kirche kamen sie auf eine eigenartige Weise: An der Westseite  des heutigen Neupfarrplatzes  war der damals noch offen fließende  Bach, über den aus dem Judenviertel  ein Steg führte. Es war am Gründonnerstag 1255, da überschritt  denselben ein Priester mit dem Viaticum, das er zu einem Kranken bringen wollte. Er glitt aus,  und die heilige Hostie  fiel in den Schlamm. Dieses Vorkommnis  war der Anlaß zur Errichtung  einer Gedächtniskapelle. Noch im selben Jahr  weihte sie  der Bischof ein zu Ehren des allerheiligsten  Erlösers. 1260 wurde dann  eine steinerne Kirche erbaut, die Bürgermeister und Rat im Jahre 1267 den Augustinereremiten  übergaben. Die Wertschätzung dieses Klosters  bei der  Bürgerschaft ist daraus zu ersehen, dass viele Adelige  und Regensburger Bürger  sich in der Augustinerkirche  eine Begräbnisstätte wählten, u.a.  der berühmte Maler  Albrecht Altdorfer. Die auf sumpfigen  Gelände erbaute Kirche war schon 1565 sehr gefährdet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie abgetragen, nachdem das Kloster  schon seit der Säkularisation  zu bestehen aufgehört hatte. (...)“[50]

Um die Jahrhunderwende siedelten sich die Augustiner bei der Cäcilienkirche  an.

 

Kehren wir, wie angekündigt, zum Zehent- Hausregister des  Pfarrers Martin Hem zurück. Er graste damals für sich, die Benediktiner und die Augustiner in Regensburg die noch sehr ausgedehnte Pfarrei ab, die bis  Schneidhardt und über Hohengebraching hinaus reichte. So kam auch Weix an die Reihe, wo von 1674 bis 1698  bestätigt wurde, dass  z.B.1675 der Zehent „abermals eingelegt wurde“, „1677  er abermals  auf dem Feld gewesen“, „1698  er am Haus wiederum und auf dem Feld gewesen ist.“[51]

Auf diese Weise erledigte Weix im 17. Jahrhundert seine Zehentpflicht  für die Augustiner und den Pfarrer von Abbach. Nicht mehr also für die Benediktiner!

 

15. Der häufige Besitzerwechsel im 19. und 20. Jh.

 

Im Mittelater,  erwiesener Maßen ab 1224, als Ludwig der Kelheimer  seine Aktivitäten in Abbach legalisierte, mit dem Enstehen der  Gerichtsbarkeit in Abbach, was in den beiden Herzogurbaren  von  1229 und 1280  seinen Niederschlag fand, und definitiv mit dem Freiheitslibell Ludwig des Bayern für Abbach 1335, nahmen die Weichser Bauern in und um Abbach eine  ziemlich klar umrissene Rolle an:

Sie mussten dem Gericht durch Aufgaben zuarbeiten, die mit Vogtei bezeichnet wurden, was man darunter auch immer verstand, auf jeden Fall Sicherheitsaufgaben, Ordnungsdienste, Aufgaben der Polizei, Zeugenstellungen, Laienrichter bei Ehafft- und Hochgericht, Mitglieder der Schranne,  Gerichtsboten, Amtleute, Eskortendienste, Spanndienste.

Ihre  Lebensgrundlage bestand nicht  in einem Gehalt und anschließender  Pension, sondern in einer lebenslangen Belehnung mit den Urbarshöfen, von denen sie wegen deren Größe nicht schlecht gelebt haben dürften.

 

Ab der  Säkularisation  (1803) und der Folgezeit, als sich das bayerische Königreich allmählich der Grundlasten entledigte, und sich das Eigenbauernrecht mit ordentlichen Haus- und Grundabgaben herausbildete, war Eigeninitiative und Kreativität auf den Höfen gefordert, die aber nicht sofort ihre Blüte und Reife entwickelten.

 

Georg Schlauderer auf Weichs 1  und Josef Bauer  auf Weichs 2, auch seinem Nachfolger Josef Wimmer, wird es damals aufgegeben gewesen sein, zwei weitausladende, personalintensive  landwirtschaftliche Liegenschaften zu bewältigen.

Es gab keine staatlichen Hilfen oder Unterstützungen wie heute, wo Landwirte sogar in Zeiten der Rezession durch Demonstration  auf agrarwirtschaftliche Missstände aufmerksam machen können. Da galt der alte Bauernslogan:  „Friss Vogel oder stirb!“.

 

Wir kennen den Anlass nicht, der die Bürger von Abbach-Schlossberg im Jahre 1854 zum wiederholten Male gegen die Weichser Bauern  zusammenführte, um ihnen  die Anwaltskosten  vor Augen zu führen, die eine gerichtliche Auseinandersetzung verursachen würde. Offensichtlich war die Gemeinde nicht bereit, eine Gerichtskampagne unter den Weichsern mitzutragen.

Im Verkündbuch der Gemeinde Abbach-Schloßberg  ist am 12. März 1853  eine Gemeindeversammlung mit dem Vermerk „Advokatengebühren betreffend“ eingetragen. Am 24. September  und am 26. Dezember des gleichen Jahres wurde das Problem mit dem gleichen Vermerk noch einmal  vorgetragen.[52]

Die Sache schien  schwerwiegend und eilig zu sein.

Schließlich finden wir im Allgemeinen Gemeinde Beschluss Buch im Januar 1854  die Niederschrift einer Gemeindeversammlung vor, bei der am linken Rand sämtliche Gemeindeglieder von Abbach-Schloßberg eigenhändig ihre Anwesenheit bekunden. Unter dem Text unterzeichneten die Weichser Bauern Josef Wimmer  und Georg Schlauderer, als Adressaten der Beschlüsse. 

Auch Martin Völkl unterschrieb an dieser Stelle als dritter. Er  sollte 1859  auf der  nach dem Urkataster von 1837  mit der Plannummer 111 6a  als „Weintragerberg“ zum Scheuererhof in Weichs  bezeichneten Wiese die sog. Weiglmühle errichten.[53] Die Völkls waren Bürger der Rural Gemeinde Abbach-Schloßberg.

Der Eintrag führt leider nur auf, dass man den drei Adressaten  die Advokaten Gebühren Ordnung vorgelesen  und erläutert habe, was sämtliche Anwesenden durch  ihre eigene Handschrift anerkannten.[54]

Es muss sich um einschneidene Maßnahmen gehandelt haben. Denn wie wir wissen, kapitulierten die beiden Hofbesitzer 1854, und Caspar Hölzl aus Schierling zog daraus den Nutzen, indem er beide Höfe kaufte und zu einem Betrieb zusammenführte.

Wie es ihm gelang, den kaum überschaubaren Betrieb von  mehr als 300 Tagwerk  ohne die heutigen technischen Mittel zu bewirtschaften, ist nicht ausführlich genug  aus den Akten zu eruieren.

Er  benutzte die Gebäulichkeiten beider Höfe  weiter, wobei Weichs 1 immer mehr nur für den landwirtschaftlichen  Gebrauch  genutzt wurde  und  in Verfall geriet,

Weichs 2 aber nicht nur als Betriebsgebäude, sondern hauptsächlich als Wohnhaus  zur Verfügung stand.

 

Familiär schien alles zu prosperieren:

Caspar und Anna Hölzl hatten, wie uns bekannt ist, zwei Töchter. Pholomena heiratete in die Kindl-Wirtschaft nach Peising und Sophie * 1. Mai 1844  nahm sich am 22. Oktober 1873 den Bräuer Georg Eckmann  aus Hagelstadt zum Mann.

Diesem Ehepaar wurden  vier Töchter geschenkt, Sophie * 28.8.1874,  verheiratet mit Dr. H. Bally von  hier  am 12. 6. 1894, Fanny * 11.1.1876, Mathilde * 10.9.1877 und Hedwig * 26.11.1879.[55]

Georg Eckmann, * 7. Mai 1848 in Haglstadt, war durchaus ein homo politicus, wie in einem späteren Kapitel  abzuhandeln sein wird.

Nach der Landwirtschaft pur scheint ihm aber  der Sinn nicht gestanden zu haben. Seine Zeit in Weichs war daher auch nur kurz bemessen. Sein Sinnen und Trachten richtete sich auf das Brauwesen, was sich schon in Weichs immer wieder zeigte.

Am 25. Oktober 1877 wird vom königlichen Bezirksamt in Kelheim dem  Ökonomen Georg Eckmann in Weichs  ein Schreiben  mit dem Betreff „Dampfkessel Anlage“  folgenden Inhalts  zugesandt:[56]

„Auf Ihr Gesuch vom 25. d. Mts. wird Ihnen nach eingeholtem technischen Gutachten  hiermit die Erlaubnis  zur Anlage  des im vorgelegten Plan  beschriebenen, vom Kupferschmied Albert Kühne  in Regensburg  bezogenen  und vom Techniker  des bayerischen  Dampfkesselvereins  bereits   geprüften  Dampfkessels  zum Zwecke  der Brantweinbrennerei  neben Ihrem Wohnhause  gemäß § 24 der Gewerbe-Ordnung und § 3  Abs.1  der allerh. V.O. vom 14. März 1874  (...) erteilt und zwar nach Maßgabe  des heute   genehmigten  Bauplans, wovon Sie anruhend  das Duplikat  mit den ausdrücklichen Beifügungen  erhalten, dass die Einmauerung des Kessels erst dann stattfinden dürfe, wenn durch ein Zeugnis  des bayerischen Dampfkesselvereins  die Identität und Unverletztheit  des

Dampfkessels nachgewiesen, und auf Grund dieses nachhervorzulegenden Zeugnisses  die diesamtliche Erlaubnis  zur Einmauerung  erfolgt sein wird..

Bevor sodann der Kessel in Betrieb gesetzt  wird, ist noch zu untersuchen, ob die Ausführung den Bestimmungen  der erteilten Genehmigung  entspricht, wonach die diesamtliche  Erlaubnis  zum Betriebe  erteilt werden wird.

Zur Bewerkstellung  dieser Untersuchungen  haben Sie sich  an den bayerischen Dampfkessel-Revisions-Verein, dessen Mitglied Sie sind, zu wenden.

Das Prüfungsprotokoll vom 13. Oktober l. J. folgt gegen seinerzeitige Wiedervorlage mit.“

Es kam Georg Eckmann zu Gute, dass  in Abbach der Bräuer und ehemalige  Bürgermeister Dominikus Koller seinen Betrieb aus Landwirtschaft und Brauerei  bestehend aufgab.

Im Versicherungsgrundbuch für Abbach , das am 2. April 1880 angelegt wurde, ist Dominikus Koller bereits als alter Besitzer und Georg Eckmann als neuer Besitzer  vorgetragen.[57]

Im Versicherungsgrundbuch für Abbach-Schloßberg ist analog dazu  Georg Eckman, Ökonom in Weichs 1 und 2 als alter Besitzer ausgetragen und  Leonhard Blaimer, Ökonom, als neuer Besitzer eingetragen.[58]

Am 11.6.1880 suchte Georg Eckmann  im Markt Abbach um die Konzession zur Ausübung  einer Gast- und Schankwirtschaft nach, die von der  Marktverwaltung auch erteilt wurde.[59]

Am 25. Juli 1881 wurde dem Bierbrauer Georg Eckmann das Bürgerrecht in Abbach verliehen.[60] Am 6. Oktober 1873 war ihm dieses in der Gemeinde Abbach-Schloßberg zugeteilt  worden.  Am 4. Juni 1876 wurde es in einer  allgemeinen Liste nocheinmal neu registriert.[61] Im Heberegister zur Einbringung  der  Gemeinde-Umlage  in der Gemeinde Abbach 1884 zahlt  Georg Eckmann  bereits

Steuern und Umlagen für die Häuser Nr. 26 und 27 sowie 62 und 63,  die Häuser auf beiden Seiten der Hauptstraße.[62]

 

Leonhard Blaimer  stammte von der Donaumühle in Abbach-Schlossberg/Ortsteil  Weiler Au. Die Mühle lag am Ortsende von Markt Abbach in der Nähe des Löwendenkmals. Der letzte dortige Müller und Säger war  Johann Blaimer (* 1825).  Die Blaimers stammten aus Scheuern.[63] Johann Blaimer  hatte auch eine Konzession als Malzbrecher, die er am 23. März 1859 erhalten hatte. Am 26. Mai

1910 brannte die Donaumühle ab. Das Schickchsal der Mühle war besiegelt. Sie wurde nicht mehr aufgebaut.

Leonhard Blaimer  wurde 1848 geboren und war 1880,  als er die Höfe in Weichs übernahm,  32 Jahre jung. [64]  Er war noch in der Mitte seiner Schaffenskraft. Aber warum seine Weichser Wirksamkeit nur knappe 12  Jahre dauerte, liegt wohl in den misslichen Lebens- und Schaffensumständen,  die nach Georg Eckmann obwalteten.

Erika Seidl-Schulz bringt diesen Zustand mit ihren Worten auf den richtigen Nenner: „Die Besitzverhältnisse waren von jeher sehr wechselhaft. Dieser  Umstand brachte mit sich, dass der Hof lange Zeit in seinen Gebäuden und Ackerflächen zum größten Teil sehr vernachlässigt worden war. Die letzten Besitzer  (...) wechselten  oft innerhalb weniger Jahre.“[65]

Den letzten Besitzern hatte es sicher auch an dem nötigen finanziellen Background  und dem nötigen Knowhow gemangelt. Hätten sie auch einen Sack voll Geld mit nach Weichs gebracht, der Hof war doch ein Fass ohne Boden.

 

Johann Blaimer startete, wie sich zeigte, wohl den Versuch, dem Betrieb die Segnungen der neuen Technik angedeihen zu lassen.

Im Jahre 1886  schaffte er z.B. eine Dampfdreschmaschine an, beging  dabei aber einen grundsätzlichen Fehler: Damals wie heute durfte man die Anordnungen der Bürokratie  nicht ungestraft vernachlässigen. Von dieser Wahrheit zeugen folgende Klageschreiben:

 

„Bezirksamt Kelheim an die Bürgermeisterei  Abbach. 3. Nov. 1886. 

Der Okonom Blaimer in Weichs, Gemeinde Abbach-Schloßberg, soll schon seit einiger Zeit  eine Dampfdreschmaschine  besitzen und betreiben, ohne dass zum Betrieb des Dampfkessels  die nach § 1  der Verordnung vom 14. März 1874  (...) erforderliche distriktpolizeiliche  Genehmigung  erholt worden ist. Auch eine Anmeldung des Betriebes  zur Unfallversicherung  ist nicht eingekommen.

Sie werden beauftragt, binnen 8 Tagen  über den Sachverhalt  eingehenden Bericht  zu erstatten und sich hierbei  zugleich  wahrheitsgetreu zu rechtfertigen, warum sie diese Gesetzesübertretung  haben geschehen lassen, statt derselben nach Art. 130 der GO. pflichtmäßig entgegenzutreten.“[66]

 

Dem Begehren des Bezirksamts kam die Gemeinde und Blaimer offenbar nicht schnell genug nach. Ein  Folgeschreiben vom 11. November  des gleichen Jahres  läßt amtliche Konsequenz nicht vermissen:

„Dem Ökonom Blaimer ist zu eröffnen, dass er zu seinem Gesuch  um Genehmigung  des Betriebs seiner Dampfdreschmaschine binnen 14 Tagen  die in der Verordnung  bezeichneten Angaben  zu machen bzw.  die Zeichnung des Dampfkessels  beizubringen habe. Will Blaimer dem Dampfkesselrevisionsverein beitreten, so wird ihn dieser  mit dem Entsprechenden an die Hand gehen. Außerdem kann  er sich auch an den staatlichen Dampfkesselprüfungskommissär  Herrn J.N. Mayer  in Regensburg wenden.“

 

Es wurde des weiteren  wegen der nötigen Sicherheit  auf das öffentliche Interesse verwiesen und die Aufsichtspflicht der Behörden, von der der Bürgermeister  und Blaimer nichts zu wissen scheinen, herausgehoben. Bei nur einiger   Aufmerksamkeit  auf diesem Zweig seiner  Berufstätigkeit hätte dem Bürgermeister nicht entgehen dürfen, dass die Dampfdreschmaschine in Weichs weder  geprüft noch genehmigt sei.[67]

 

Der Gutsbesitzer Leonhard Blaimer von Weichs 2  schloß  bei der Leipziger Feuer- Versicherungs-Anstalt für  Mobiliar und Einrichtung, Vieh und  die ganze Ökonomie  nur eine zeitlich begrenzte Versicherung von 5 Jahren ab, nämlich vom 15. Oktober 1885 bis 15. Oktober  1890. Die Versicherungssumme betrug nur 30.600  RM.[68] War  er der Meinung: Für eine solche Nebensächlichkeit nur kein Geld verschwenden, oder war er zu äußerster Sparsamkeit verdammt?

 

Zwei Jahre darauf gab er Weichs auf und entschwand dann auch gleich nach Regensburg. Die Frage sei erlaubt, ob Stadtluft auch in dieser Zeit noch frei machte.

 

 

Der Nachfolger  Johann Grießmeier  brachte es in Weichs wieder nur auf sechzehn  Jahre. Was hätte sich in dieser Zeit  auf einer so schwierigen  Liegenschaft auch regeln lassen? Die kurze Zeit ist eher ein Zeichen von Resignation und Kapitulation und nicht  von Hineinwachsen in einen leib- und seelgerechten Bauernhof.

 

Außer einer jährlich treu geleisteten Grundsteuerzahlung von 196,88 RM  und einer Umlage von 118,13 RM an den Markt Abbach, sowie einer Zusendung  in fast gleicher Höhe an den Distrikt, ist von Johann Grießmeier hier nichts aktenkundig geworden.[69]

 

Im Steuerausweis der Marktsgemeindeverwaltung Abbach 1906 bis 1911 folgte auf Grießmeier  im Jahre 1910 Hermann Fiedler.[70] Er war Lochblechfarikant in Regensburg–Stadtamhof und sollte sich in Weichs als Besitzer mit der Brechstange erweisen. Er arrondierte und rationalisierte die Liegenschaften:

Das Haus Nr.1, die Gedächtniskapelle auf dem Kapellenfeld und die St. Markuskirche standen im Weg. Mit einem Aufwasch wurde alles durch die jetzige Kapelle an der Hofeinfahrt kompensiert. Vielleicht entsprach es der Rationalität eines kühlen Rechners, der von den Maßstäben des Marktes geleitet wurde, als er in Weichs Hand anlegte.

 

Im Jahre 1913, als die Schwäger Seidl-Schulz bereits ihre Fühler nach Weichs ausstreckten, ist Ferdinand Singer dort als Verwalter Fiedlers eingetragen. Er wohnte 1913 in dem wohl noch bestehenden Haus Weichs Nr.1.[71] In einer späteren, häufig korrigierten Steuerliste Abbachs (leider ohne J. !) befindet er sich in Hs. Nr. 26 ½  des Steinhauers Josef  Sedlmeier und wird als Unterhändler bezeichnet. Für seine Dienste zahlte er in Abbach 3,94 RM  Gewerbesteueren.

Hermann Fiedler sollte noch lange durch Distanz glänzen. In der Zwischenzeit wurde auch er älter, entwickelte sich vom Lochblechfabrikanten und Großhändler zum Privatier, der seine Frau verloren hatte. Er  bot, diesen Umständen Rechnung tragend, seinen  Besitz in Weichs  dem  ehrgeizigen, aber auch viel geprüften Verwalter Ernst Schulz und den fleißig rackernden Pächtern, Johann und Frieda Seidl an.

Am 31.März 1919  schloss er über  seinen Besitz in Weichs einen Verkaufsvertrag ab.

Der Kaufvertrag vor dem Notariat  Friedrich Michael Dengler zu Stadtamhof  vom  31.03.1919  nennt als Beteiligte

1.      den Herrn Heinrich Fiedler, früher Großhändler, jetzt Privatier in Regensburg, Witwer,

2.      Herrn Johann Seidl und Frau Frieda Seidl, geb. Oppel, bisher Gutspächtersehegatten in Weichs  bei Abbach (...), in allgemeiner Gütergemeinschaft lebend,

3.      Herrn Ernst Schulz, bisher lediger, großjähriger Gutsverwalter in Weichs bei Abbach.

Es folgen im Text alle Besitzungen in den Steuergemeinden Abbach, Lengfeld und Peising  mit Angabe der Plannummern und  deren Flächenmaß.

 

Heinrich Fiedler verkaufte das  vorbeschriebene Grundbesitztum mit allen  Ein- und Zugehörungen, mögen sie vorstehend  aufgeführt sein oder nicht, dann mit allen Nutzungen, Rechten und dinglichen Lasten an

Ehegatten Johann und Frieda Seidl als Gesamtgut in Gütergemeinschaft zur einen Hälfte und zur anderen Hälfte  an

Herrn Ernst Schulz

um den vereinbarten Kaufpreis  von  256.706 M.

 

Quellenangaben

Die hauptsächlichsten Quellen stammen aus dem Bad Abbacher  Gemeindearchiv, aus dem katholischen Pfarrarchiv von Bad Abbach, dem Diözesanarchiv Regensburg und dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv München.

Es handelt sich um  originale Landgerichtsakten, Briefsprotokolle, Rats- und Verhörsprotokolle, Statutenbücher der Gemeinden Markt Abbach und Abbach-Schloßberg, sowie Aktenkonvolute und Einzelakten. Aus dem Pfarrarchiv     nenne ich die Matrikelbücher, Salbücher, Agendenbücher und das Notizen-Buch der kath. Pfarrei. Aus dem bischöflichen Zentralarchiv die dorthin   abgeführten Pfarrmatrikeln über die Zeit von etwa 1650 bis 1900, Pastoralberichte der örtlichen Pfarrer und einige Diözesanmatrikeln. Die  Urkunden aus dem HStA von 1007, 1138 und 1224. Es folgen:

Diözesanmatrikel des Bistums Regensburg. Beschreibung der Pfarrei Abbach. 1860.

Gandershofer, G.M. Chronik des Marktes und Badeortes Abach. Regensburg 1832.

Georges, Karl Ernst. Ausführliches, Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch,       

Bd 1. Sp. 1066, Hannover 8o.J.        

Goethe, J.W. Gesammelte Werke in 8 Bänden, Bd.3, Gütersloh o.J.                    

Hengge, Maximilian. Abbacher Kriegschronik 1914-1918 (unveröffentlicht) Archiv

Kirschius, Adamus Friedericus. Cornu Copiae Linguae Latinae. Lipsiae 1724.

Schlicht, Josef. Bayrisch Land und Bayrisch Volk. Straubing 1875.

Tacitus. Gesamtausgabe. Germania 4-25. SS.69 ff,. Essen o.J.

 

 

 

 

Literaturverzeichnis:

                                                                      

                                    

Angrüner, Fritz. Abbacher  Heimatbuch. Bad Abbach 1973.

Bosl, Karl. Abbach als Zentralort  königlicher und adeliger Herrschaftspolitik an

der Donau im frühen  und hohen Mittelalter. Heimatverein Bad Abbach   Heft 10/ 1984                        .

Der Große Herder. Unfreiheit (Knechtschaft) 7.Bd. Sp.831.

                              Bd. 5: Spranger, Eduard. Sp.1433. Freiburg 1933.

 Dietz, Karlheinz; Fischer, Thomas. Die Römer in Regensburg, München 2007.   

            Förtsl, Johann Nep. Kleine Kirchengeschichte der Stadt Regensburg. Regb.1946.

Gemeinde Matting. 1100 Jahre Matting. Matting 2001.

Gemeinden  Burgau etc. Sagen- und Geschichtsbuch aus der Vergangenheit der

                  Städte: Burgau, Günzburg, Lauingen, Dillingen. 1849.                  

Haus der bayerischen Geschichte. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung

                                     2002   in Bamberg. Kaiser Heinrich II..

Hehlmann, Wilhelm.  Wörterbuch der Pädagogik, Stuttgart 71964.

Heimatverein Bad Abbach. Kapellen, Marterl, Flurdenkmäler. Heimatheft 11/1984.

Höfer. Manfred. Heinrich II., München.2002.

Hubensteiner, Benno. Bayerische Geschichte. München 1980.

Huber, Alfons. Ein namentlicher Personalstatus der Pfarrei Sossau aus dem Jahr

                  1660. In: Jahresbericht des historischen Vereins für Straubing und

                  Umgebung 107/2005.  Kraus, Alfons. Geschichte der Pfarrei Abbach. Heimat- und Kulturverein Heft 29/

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Lexikon des Mittelalters 8 , 1811-1814, ? 2000.


 

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Obermeier, Marcel. Das Meisterwerk. Kunstwerke aus Altstraubing. Straubing1970.

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Schermann, Rudolf. Kirche IN.23. Jg. Nr.5, Wien 2009.

Schmeller, Johann Andreas. Bayerisches Wörterbuch in 4 Halbbänden, 

                    Sp. 1351. München 1985, Neudruck 1961.                       

Spindler, Max. Handbuch der bayerischen Geschichte,  Bd.1. Das alte Bayern,

               München 21981                     

Unterstöger, Hermann. Landleben? Dass Gott erbarm. Süddeutche Zeitung                                  5./5.7. 1992.                              

Wagner, Hans. Teugn,vom  königlichen Kammergut zur Gemeinde. Teugn 1990.

 

 

 

 

 

 

Bildnachweis:

1    Aus der Planzeichnung von Ruef 1759. Die beiden Bauernhöfe mit Kirche

2    Funde um Weichs, Fotos Kraus.

3    Hungerturm mit Rest der Burgmauer 2009. Photo Kraus

4        „Kamel“. Photo Kraus

5        Landrichterhaus 1760. Photo Kraus

6    Profil der Landschaft um Weichs, Archivbild Bad Abbach.

7.   Plan des Burgfrieds von Abbach, Archiv v. Bad Abbach, Photo Bergler.

8.      Weichs mit Kirche 1759. Auszug aus 10. Archiv von Bad Abbach.

9.      Zwei Stinglheim Epitaphe in der Pfarrkirche zu Bad Abbach. Photo  Jennifer

Dobschenzki.

10.Blaues Farbkreuz in der Scheune von Weichs als Merkzeichen, Photo Kraus.

11.Die „Abbacher Madonna“ in Straubing, Photo Edda Fendl.

12.Die romanische Kirche in Abbachhof bei Wenzenbach. Photo Rainer Krämer



[1] Landgerichtsprotokoll 6.7.1702. Archiv 8.5.3 Fortsetzung 2.

 

[2] Landgerichtsprotokoll v. 29.1.1721. Archiv 8.5.3 Fortsetzung 2.

 

[3] Pfarrmatrikel von Sarching.

 

[4] Frühmessobligationen. Archiv 8.4.2.3.a Forts. 2.

 

[5] Beispielsfall: Briefprotokolle 1775-1777, S. 51v-56. Archiv  8.6.3.

 

[6] Vgl. Schlicht, Josef. Bayerisch Land und Bayerisch  Volk.. Ortolf & Walter. Straubing 1875,

   49. Die bayerische Bauernhochzeit, Der Heiratsmann, S. 214.

 

[7] Landgerichtsprotokoll v. 13.8. 1700. Archiv 8.5.3.Forts.2.

 

[8] Landgerichtsprotokoll  v. 15.7.1705. A.a.O.

 

[9] Rats- und Verhörsprotokolle 1711-1717, S. 79 – 80. Archiv  8.5.2.b.

 

[10] Landgerichtsprotokoll v. 4.10. 1726. Archiv 8.5.3. Forts.2.

 

[11] Pflegegerichtsakten, 6.2.1735. Archiv 8.1.2.a. (I.4).

 

[12] Pflegegerichtsakten  1717-1777,. 29.10.1735. Archiv 8.1.2.a. (I.4).

 

[13] a.a.O.

 

[14] a.a.O. v.8. März 1736.

 

[15] Landgerichtsprotokolle 13.11.1739. Archiv 8.5.3. Forts. 2.

 

[16] Ratsprotokoll, 11.12.1740, S. 61. Archiv 8.5.3.

 

[17] Ratsprotokolle 1749-1751, S. 315 v. Archiv 8.5.2.b.

 

[18] Rats- und Verhörsprotokoll vom 29.4.1748. Archiv 8.5.1. (IX.1).

 

[19] Akten zum Frühmessbenefizium . 29. Oktober 1778. Archiv 8.4.2.II.3.a.

 

[20] Landgerichtsschreiben, entgegengenommen am  29. April 1820. Bettler und Vaganten betr.,    Archiv 8.4.1.

 

[21] Landgerichtsschreiben vom 11. Februar 1820.  Vaganten betr.  Archiv 8.4.1.

 

[22] Schreiben des Bischöflichen Ordinariats Regensburg an das katholische Pfarramt Abbach

vom 10. Juli 1857. Archiv 7.4.1.b.

 

[23] Schenkungsvertrag v. 9.11.1856. Archiv a.a.O.

 

[24] Conkurrenzrolle 1864, 1865.

 

[25] Armenkasse  1873.

 

[26] Armenkasse 1872.

 

[27]  Statuten Buch der Gemeinde Abbach-Schloßberg 1863 – 1892. Archiv 7.1.2.a.

 

[28]  Kirche IN, 23. Jg. Nr.5, Mai 2009 S. 27.

 

[29]  a.a.O.

 

[30] Schlicht, Josef. Bayrisch Land und Bayrisch Volk. Ortlof & Walhter, Straubing  2 1875, S.331.

 

[31] Notizen-Buch. Katholische Pfarrei Abbach. Pfarrarchiv, Schrank 1.

 

[32] Kumpmüller, Judith. Vor Blitz und Ungewitter. In: MZ , 19.5.2009, Teil 4.

 

[33] Pölsterl, Günther. Mallersdorf . Historischer Atlas von Bayern. S. 80, Kallmünz 1979.

 

[34] Mai, Paul (Hg.). Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg/ Beiband 12, 2003.

 

[35] Schuldbrief über 25 fl für die St. Markus Kapelle zu Weyx.Briefs Protokolle des Churfürstl. Markts Abach 1759. Archiv  8.6.3.

 

[36] Pfarrer Kreitl/ Pfarrer Neuhörl. Notizen-Buch der kath. Pfarrei Abbach. Beschreibung

der Kirchen. 5. Weix. Um 1700-1800.

 

[37] Briefs Protokolle 1775 S. 63 v – 64.  Archiv 8.6.3.

 

[38] Briefs Protokolle 1776 S. 110. Archiv  8.6.3.

 

[39] Die Frauen waren nicht testierfähig. Es musste ein Mann als Beistand dabei sein, dem man vertraute!

 

[40] Briefs Protokolle 1775 – 1777,  16.11.1776, S. 114. Archiv 8.6.3.

 

[41] Märkte in Abbach. Archiv 8.1.1. (IV.6).

 

[42] Aus der Gottesdienstordnung  der Pfarrer Martin Otto 1838 – 1868  und Pfarrer   Franz Xaver Steinhauser 1869–1872.

Diözesanmatrikel 1860, Beschreibung der  Pfarrei Abbach.

Bericht Pfarrer Otto. Diözesanarchiv Sign. 83

 

[43]  Schreiben des Bezirksamts  Kelheim an die Gemeinde Abbach-Schloßberg v. 7. Aug. 1891. Den Straßenbau nach Saalhaupt betr. Archiv XIX. 14.3.2.

 

[44]  Schreiben des Bezirksamts Kelheim an die Gemeinde Abbach-Schloßberg  v. 4. Sept. 1891

 Den Straßenbau nach Saalhaupt betr. Archiv XIX.14.3.2.

 

[45] Ratsprotokoll  Abbach  1904-1914 v. 30.4.1910. Archiv  8.6.1.a.

 

[46] a.a.O. v. 16.7.1910. Archiv a.a.O.

 

[47] Nach  der Inschrift im Grundstein des 1. Pfarrhofes, der sich heute  im Eingangsbereich des Pfarrhauses zu Abbach befindet, wurde in diesem Jahr  von Pfarrer Eberhard Fabri der Pfarrhof in Abbach gebaut.

Bis dorthin wohnte der Pfarrer in Eiglstetten.

 

[48]„Saal-Buechl von dem Hochw. H. Emmeramo Hem, so ab ao 1673 bis ad aum 1681 zu Abach Pfarrer gewest, zusammengeschrieben.“

 

[49] Pfarrarchiv Bad Abbach, Schrank 1.

 

[50]  Foerstl, Dr. Johann Nep. Kleine  Kirchengeschichte der Stadt Regensburg. V. Josef Habbel

Regensburg 1946, S. 39 f.

 

[51]  Zehent Hausregister  des  Pfarrers Martin Hem 1674 – 1698. Pfarrarchiv  Schrank 1.

 

[52] Verkündbuch der Gemeinde Abbach-Schloßberg  1844–1869. Archiv  7.1.2.a.

 

[53] Heinz Weckwert, Landshut. Brief an Adolf Weiss vom 10.03.1995.

 

[54] Allgemeines  Gemeinde Beschluss Buch  Abbach-Schloßberg  1852-1863. Archiv 7.1.2.a.

 

[55] Einzeichnungsbogen Abbach , 1.1.1892. Archiv IV.19.3.1.a.

 

[56]  Schreiben des Bezirksamts Kelheim v. 25.10.1877. Archiv 7.3.1.a.

 

[57] Versicherungsgrundbuch für Abbach 1880. Archiv VIII.20.3.1.a.

 

[58] Versicherungsgrundbuch  für Abbach-Schloßberg 1880. Archiv ebenda.

 

[59] Ratsprotokoll Abbach v.11.6.1880. Archiv  8.6.1.a.

 

[60] Verzeichnis derjenigen Gemeindeangehörigen, welche  in  der Marktgemeinde Abbach das        Bürgerrecht besitzen und Einzeichnungsbogen 1892 .Archiv.IV.19.3.1.a.

 

[61] Verzeichnis  der  in der Gemeinde Abbach-Schloßberg Heimatberechtigten mit Bürgerrecht.

1875. Archiv 7.1.2.a. und Protokollbuch der Gemeinde Schlossberg  1863 - 1892, 6.10.1873

Archiv 8.6.2.       

 

[62] Heberegister zur Einbringung  der  Gemeinde-Umlage  in der Gemeinde Abbach. Archiv  7.3.3.

 

[63] Protokollbuch Abbach-Schlossberg. 21. Februar 1859. Archiv 7.1.2.a.

 

[64] Wähler-Liste  Gemeinde Abbach-Schloßberg  1890, Seite 1. Archiv 7.3.1.a. Fortsetzung.

 

[65] Erika Seidl-Schulz. Hausarbeit zur Meisterprüfung, S. 5f.

 

[66] Schreiben des  Bezirksamts Kelheim an die Bürgewrmeisterei Abbach v. 3.11.1886.

     Archiv 7.3.1.a.

 

[67] Schreiben derselben vom 11. Nov. 1886. Archiv a.a.O.

 

[68] Versicherungspolice  vom 15. Oktober 1885.

 

[69] Steuerakten Abbach über mehrere  einschlägige Jahre. Archiv  7.2.3.a./ XIII.21.4.1.a/ XX.14.5.2.b.

 

231Steuerausweis  der Marktgemeindeverwaltung Abbach  1906 mit 1911, für das Jahr 1910.

 Archiv  XIII.21.4.2.b.

 

[71] Umlagen-Heberegister Marktgemeinde Abbach  für 1913. Archiv XIII.21.4.3.1.a.