Gewerbe in Abbach 16. bis 19. Jahrhundert

Wenn man heute über die in Bad Abbach existierenden  Betriebe  im Einzelhandel, Handwerk, der Gastronomie, der Freiberufler  und Gewerbetreibenden informiert werden will, sucht  man im Internet auf der Homepage von Bad Abbach die Seiten der WIG ( = Werbe- und Interessengemeinschaft) auf.

Leider ist man dann aber nicht umfassend informiert, weil Nichtmitglieder der Vereinigung ausgelassen sind. Vielleicht wäre aber gerade aus dieser Reihe ein  Partner interessant!

In diesem Falle richte man dann sein Ohr auf die Flüsterpropaganda, denn manchmal hat der Nachbar oder Freund so ganz nebenbei einen heißen Tipp aus der eigenen Erfahrung oder dem Bekanntenkreis.

Wegen des raschen Wandels der Einwohnerschaft und deren Bedürfnisse  im Zeitenlauf  sind die Angebote oft sehr wandelbar und kurzfristig in Zahl und Art. Und so war es in der Geschichte von Abbach eigentlich schon immer, wenn man zurückblickt.

Die Quelle in dieser Hinsicht sind die Lehenbücher  zum Schloss Abbach, die von den Gerichtsschreibern  der verschiedenen Pfleger geführt wurden. Es handelt sich um die Betriebe, die sog Grundzinsen zu zahlen hatten.

So führt der Gerichtsschreiber Georg Hueber z. B. für die Zeit des Pflegers Hans Lorenz von Trautzkirchen

1554  folgende Betriebe in Abbach auf :

1 Müller

1 Metzger

1 Fischer

5 Bäcker (Piechel, Prunner, Kärgl, Schmid, Roth)

2 Weber

1 Schneider (Hofmeister)

1 Kuffner( Hans Gryn)

1 Wildbader (Hans Lienhart Castner)[1]

Es wird kein gewerblicher Bierbräuer genannt. In dieser Zeit wurde in Abbach außer Wasser und Hausbier (Zeugl[2])vorwiegend Wein getrunken! Die Bevölkerung bewegte sich um die 500 Personen, das Gesinde auf der Burg eingeschlossen.

Das bayerische Reinheitsgebot wurde 1516 erlassen.

Es folgten in der Pflegschaft Bernhard und Siegmund Stingelheim in der Zeit von 1557 bis 1616. Der Ort, dessen Einwohnerschaft und die Bedürfnisse haben sich fort entwickelt.

Als Gewerbetreibende sind aufgezeichnet:

3 Müller ( Georg Aubmaier, Hintermüller, Hans Sittenpeck, Vordermüler, Wolf Weber, Schleifmühle)

1 Hafner (Martin Mair)

5 Bäcker ( Georg Prunner, Leonhard Kärgl,  Hans Puechel, Lienhart Roth, Leonhard Schmid, der Hofbäcker)

2 Wagner (darunter Obermeier, Lienhard  Scheidl)

1 Kuffner  (Hans Grim)

3 Metzger (darunter Leonhard Hofmeister, Leonhard Eckl)

1 Uhrmacher

2 Zimmermeister (darunter  Hans Lehner)

1 Steinmetz ( Leonhard Schärtl)

3 Weinzierl ( Leonhard Schueller , Georg Pannzer gegen Hochstetten zu, Punzzerl)

4 Schneider (Stephan, hernach Thomas Hofmeister, Leonhard Inkofer,  Egid Lämbl, Georg Gerdl)

1 Schreiner ( Christop Pleninger)

1 Kastler

4 Bierbräuer ( Georg und Hans Beham, Leonhard Lang, Georg Neumayr, Sebastian Rauch)

1 Wirth

1 Wildbader

1 Schulmeister

1 Bader

1 Pfeifer

1 Mauth Gegenschreiber

3 Fischer (Familien Listl und Gruber, Leonhard Brobst auf der Au, später Leonhard Dollinger)

2 Weber (Georg Altenburger,  Georg Föll)

1 Nadler

3 Schuhmacher ( Ulrich Lämbl, Christoph Ammann, Thomas Mändl)

1 Maurer (Erhard Knittl)[3]

 

Die nächste Periode, über die ich berichte, umfasst die Jahre 1723 – 1737, als  Franz Karl Ignaz Freiherr  von Heydon in Abbach Pfleger war...

In seinem Saalbuch werden genannt:

2 Zimmermeister ( Jakob Teithmayr und Adam Apfl)

6 Metzger ( Urban Reithmayr, Bernhard Littich, Georg Amann, Hans Valter, Thomas Bauer, Balthasar Valter)

3 Bierbräuer ( Stephan Fränkl, Johann Wallner, Simon Siebenbürger)

1 Gastgeber und Wirt ( Andreas Valter)

2 Kuffner (Georg Pauer, Witwe  Walburga Strauch)

3 Wagner ( Johann Schelch, Mathias Weixlgartener, Georg Schelch)

2 Bäcker ( Andreas Vorster,  Jakob Risinger (?))

1 Fischer ( Johann Aumayr)

2 Schuhmacher ( Simon Rippl, Georg Miller)

1 Hafner ( Georg Thalhammer)

2 Maurer (  Gregor Stähl, Andreas Schelch)

1 Schneider ( Nikolaus Pauer)

1 Bader und Wundarzt ( Franz Anton Bader)

1 Sattler (Georg Schäfknecht)[4]

 

Ab da verlassen uns die Aufzeichnungen in Saalbüchern und es bietet sich das Vormerkungsbuch von 1801 an.[5]

Unter der Rubrik Tanz- Kosten werden 12 Gulden aufgeführt, die 6 Bräuer und 2 Gastwirte aufbringen.

Als Bräuer werden genannt:

Egidius Bindl

Xaver Karl (Bad)

Leonhard Fischer

Michael Krammel (neben Marktkirche, Kötterl)

Michael Mayer (später Gerbel, dann zu Eckmann einverleibt)

Franz Xaver Koller (Eckmann/ Zirngibl) 

 

Die Wirte heißen:

Georg Praller (jetzt Richter, vorher Eisvogel/Rothdauscher) 

Heinrich Littig   (Später  Franz Xaver Kraus, Peter Prandl, Königsdorfer, Hagl)

 

Im gleichen Buch ist auch der Kunstmaler Albert Stall ( Stahl) verzeichnet, der für die 1852 eingeweihte neugotische Pfarrkirche die Altarblätter (St. Nikolaus am Haupt- und Maria und Kaiser Heinrich  an den Seitenaltären) gemalt hat.  Er stammte aus Sallern, Landgericht Stadtamhof und erhielt am 13. März  1784 in Abbach das Bürgerrecht.

Als nächste Quelle führe ich die zeitnahen „ Statistischen Aufschlüsse über das Herzogtum Baiern aus ächten Quellen geschöpft“ von 1807 an.[6]

Es gab in Abbach damals 101 Häuser , in Abbach-Schloßberg 15.

Vom Gewerbe lautet es allgemein:

„Man verkauft einiges Getreid und Vieh. Abbach ist ein kleiner Flecken, den die durchführende Hauptstraße nach Regensburg, so wie die Donau etwas lebhaft macht. Doch findet man darin keinen Wohlstand. Alles lebt nur von einem Tag auf den anderen und verdient sich  mit der Profession kaum mehr. Von den sechs Bräuern stehen nur zwei gut; die anderen Professionisten erübrigen noch weniger. Die Fischer treiben auf der Donau einigen Holzhandel.“ (S.127)

In Abbach-Schloßberg lebten  damals 1 Schuster, 1 Maurer, 1 Zimmermann.

In Markt Abbach mit dem Ortsteil Au

1 Abdecker (Schinder)

3 Müller (Donaumühle, Hintere und Vordere Mühle)

1 Ziegelei (Ziegelstadel)

6 Brauhäuser (s.o.!)

2 Wirte

2 Schmide

2 Bader

2 Schreiner

3 Küfner

3 Schneider

4 Schuster

7 Zimmerleute

5 Maurer

4 Maler

2 Wagner

2 Sattler

2 Strumpfwirker

2 Drechsler

4 Bäcker

4 Gürtler

4 Weber

3 Fischer

3 Zillenschopper

3 Schlosser

5 Metzger

5 Seiler

3 Krämer

3 Rotgerber

3 Weißgerber

3 Färber

3 Baumwollhändler

3 Glaser, 3 Melber

2 Hafner.

Von den Bauern heißt es, dass ihr Viehstand unbedeutend ist. Ein ganzer Bauer halte gewöhnlich 6 Kühe, 4 Pferde, 2 Ochsen und etwas Schweine und Schafe.

Dann wende ich mich an das Visitationsbuch[7] und die Visitationsanzeigen. Wir befinden uns im 19. Jahrhundert.

An dieser Stelle berichte ich aus der Visitationsanzeige  des Jahres

1823 / 24:[8]

Es werden folgende Betriebe genannt:

5 Bierbrauereien:

  Georg Koller ( beim Bad)

  Franz Koller ( später Eckmann/ Zirngibl)

  Michl Meier ( später Dirigl, Schreiner, Gasthof zur Post)

  Michl Kräml (später Josef Krämmel, Kötterl)

  Xaver Schellerer  in der Kochgasse (später Pöschl, heute Reinhard Listl, auch  Besitzer der ehemaligen Metzgerei Fischer, schräg gegenüber. )

1 Gastgeber und Wirt (Praller,)

3 Bäcker

   Georg Preißer ( jetzt Müller)

   Josef Schwarz  ( jetzt Hermann/Jost)

   Benedikt Fristenauer ( später Lang, jetzt Reinigung)

2 Melber/ Müller

   Georg Dinauer (Vordermüller, heute Fischer Maria)

    Michl Scherer(Hintermüller?)

3 Krämer

   Johann Zirngibl ( Apothekergassl)

   Bartholomäus Meier Witwe ( im damaligen Rathaus, jetzt Gasthaus zur Post)

   Ludwig Mohr ( Stift (?))

4 Metzger

   Heinrich Littig ( auch Wirt)

   Georg Bauer, senior (Meier Metzger, Römerstraße, aufgelöst)

   Georg Bauer, junior (?)

   Benedikt Zirngibl (?)

 

Der Braunkohlenbergbau in Abbach dauerte exakt vom Sommer 1844 [9]bis  zum Herbst 1892[10]

In dieser Zeit verdienten dort viele Abbacher ihr Brot  für die Familien  als lohnabhängige Arbeiter.

Um und nach 1900 bis in meine Kinderzeit in den 1940er Jahren hat sich bei den Traditionsbetrieben nicht viel geändert. Wegen des Schwefelbades herrschte hier eine ausgesprochene Monostruktur, was sich später bitter rächen sollte. Mir ist nur eine weitere Metzgerei Hof in der Hauptstraße und eine Bäckerei Feldmeier in der Kochstraße in Erinnerung. Es kamen auch ein paar neue Gaststätten  und zwei KfZ Betriebe, die sich auch auf die  Fortentwicklung der Elektrizität einließen, so wie eine Gärtnerei  dazu. Die Mühlen auf Gemeindegebiet  waren vollends verschwunden. Die noch vorhandene Landwirtschaft begünstigte die Viehhändler und Handelsgeschäfte. Weil immer gestorben wurde, ging es auch dem Steinmetz Held gut. Der Rest der Bevölkerung  waren in der Mehrzahl Arbeiter in Kelheim und Regensburg.

 

[11]

Die Zementfabrik in Alkofen beschäftigte von 1870 bis 1930 aus dem Umland, darunter auch aus Abbach , Männer und Frauen bei verschiedenen Arbeitsabläufen, z.B. auch in der betrieblichen Gastronomie und Energieentwicklung, aber auch in den Kalksteinbrüchen bei Kapfelberg.

1946, nach dem Kriege, auch noch  nach der Währungsreform von 1948,  veränderte sich die Situation  nur schleppend.

Heute, im Jahre 2010 hat sich die soziologische Situation grundlegend geändert. Es sind sechs früher selbständige Orte nach der Gemeindegebietsreform von 1973  nach Bad Abbach eingegliedert worden.  Die Personenzahl hat sich auf 12 500 erhöht und die Bedürfnisse in der sog. modernen industriellen und automatisierten, auch globalen und virtuellen Welt sind explodiert. Für den Bereich Bad Abbach sollte die WIG detaillierte Auskunft geben können. Aber sie belangt – wie schon erwähnt - nur die Mitglieder der Interessengemeinschaft.  Das Telefonbuch wäre eine weitere Informationsquelle. Gewerbesteuerlisten unterliegen dem Datenschutz.

 


[1] Regestenliste  S. 11. Archiv 8.3.1 (XI.1)

 

[2] „Zeugl“. Wenn in einem Bauernhaus reifes Bier vorhanden war, wurde dies durch einen Zeiger zur Straße hin angebracht angezeigt.

 

[3] a.a.O. S. 7-15. Archiv a.a.O.

 

[4] a.a.O. S. 15. Archiv a.a.O.

 

[5] Vormerkungs Buch  der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach, 1801, S.117. Übersicht  der Marktsbürgerschaft und ihrer Zahlung. Archiv 9.3.2.

 

[6] Hazzi, Josef. Statistische Aufschlüsse über das Herzogtum Baiern aus ächten Quellen geschöpft“ – ein allgemeiner Beitrag zur Länder und Menschenkunde. Bd.4, zweite Abtheilung. Nürnberg  1807, S.118ff.

 

[7] Archiv 7.3.1.a.

 

[8] Visitationsanzeige 1823/24,  Archiv 8.2.2. VII.6.

 

[9] Tagebuchaufzeichnungen von Christian Ziegler.

 

[10] Brief des Bezirksbergamts Bayreuth an den Magistrat von Abbach vom 25. September 1893. Abschrift eines Schreibens an  Herrn David Funk, Kaufmann in  Regensburg, den Besitzer der Zeche Lena, über den Zustand der Absperrungen. Archiv 18.2.2.a.

 

[11] Photo Archiv. XVII.4. 1. Ordner.