Geld Angelegenheiten allgemein – besonders aber in (Bad) Abbach

Das Jahr 2010  kam schon mit einem gewaltigen Geburtsfehler auf die Welt, der sich bis zum Sommer böse weiterentwickelte: Eine Finanzkrise ungeahnten Ausmaßes, Welt weit, in Europa, in Deutschland und auch bei uns in Abbach! Der einst so hochgelobte Euro, der angeblich so stabile, der sich früh zum Teuro mauserte, hatte realitätsfremde  Väter, die das unsolide Finanzverhalten beitrittswilliger  Luftikusse blauäugig übersahen. Jetzt haben wir die Bescherung! Auch wir kleinen Leute  büßen für den finanziellen Traumtanz fremder Schurken, Schuldenberge aus einer  weltweiten Bankenkrise, insolvente europäische Kumpane! – Wie steht es um unseren Sparstrumpf? lautet die Frage. Hat dem Euro schon die Stunde geschlagen?

In Geldsachen haben die Erfahrungen zurückliegender Zeiten die Menschen in Deutschland sehr sensibel gemacht:

Die Gründung des 1. Deutschen Reiches 1870 hatte eine gesamtdeutsche Finanzreform zur Folge. Der in Bayern bisher übliche Gulden (1 Gulden = 60 Kreuzer)  wurde am 1.1.1876 durch die Reichsmark (auch Goldmark) ersetzt. Der Umrechnungskurs lautete 1 Gulden (fl) = 1,71 RM. Am 20. Februar erfolgte in Abbach die Umrechnung der gemeindlichen Gebühren auf die neue Währung.[1] Das gemeinsame Geld hatte in Deutschland eine starke Bindekraft unter den verschiedenen Stämmen.

Welcher Art Geld war bis dorthin im Umlauf und warum machte es die Umrechnung so schwierig?

Im Jahre 1858 wurde anlässlich des Wechsels des Kassiers der Armenkasse ein Kassensturz  vorgenommen.[2] In der Geldschachtel befanden sich 99 Gulden 40 Kreuzer  1 Pfennig. Papiergeld gab es nicht. Die Kasse war ohne Verschluss.

Vorhanden waren

2   Kronenthaler         a. 2 Gulden 42 Kreuzer          = 5 Gulden 24 Kreuzer

1   Konventionsthaler                                                =  2 Gulden 26 Kreuzer

2   Preußenthaler        a. 1 Gulden 45 Kreuzer          = 3 Gulden 30 Kreuzer

1   2-Gulden Stück                                                    = 2 Gulden

16 1-Guldenstücke                                                    = 16 Gulden

7   ½ Guldenstücke                                                   = 3 Gulden 30 Kreuzer

453 Sechskreuzerstücke                                            = 45 Gulden 18 Kreuzer

49.320 Groschen                                                       = 20 Gulden 33 Kreuzer

(1 Kreuzer = 40 Groschen)

 X Kreuzer und Pfennige                                          = 1 Gulden 1 Kreuzer 1 Pfennig

Summe                                                                      = 99 Gulden 40 Kreuzer 1 Pfennig

Die dezimale Umrechnung gab es nicht!

Die Einführung der einheitlichen Reichsmark im gesamten Reichsgebiet bedeutete eine Erleichterung im Geldverkehr. Diese Währung galt bei laufendem Wertverlust bis zur Inflation in den 1920er Jahren.

Auch in der Weimarer Republik galt   zunächst die  Reichsmark. Sie war ab der Rentenmark (unter Stresemann)   eigentlich eine stabile Währung , aber angesichts der immensen Schulden infolge des 1. Weltkrieges litt die Regierung und das ganze Volk unter kolossaler Geldknappheit. 

Dies änderte das Regime unter Hitler. Die Währung  litt  von Anfang an unter einer starken inflationären Tendenz, die sich bis zum Kriegsende exzessiv fortsetzte.

Nach dem 2. Weltkrieg,  am 20. 06. 1948 wurde das Geld im Verhältnis 10 : 1  abgewertet. Es wurde die Deutsche Mark eingeführt. Es handelte sich um ein stabiles Geld, das aber in der globalen Weltwirtschaft einer europäischen Einheitswährung , dem Euro, weichen musste, was nicht wenige bedauerten.

Seit 01. Januar 2002 besitzen wir nun den Euro. Die DM wurde  zu 0,51129 Euro umgerechnet.  Anders herum sind 1 Euro 1,96 DM wert. Die kleinere Scheidemünze heißt Cent. 1 Euro beinhaltet 100 Cent. Numerisch ist also alles geordnet. Der Wert bemisst sich im Verhältnis zum amerikanischen Dollar.

Gegenwärtig ist der Euro nach starkem Kursverlust in Folge gewissenloser Spekulationsgeschäfte globaler „Heuschrecken“ in der Krise. Der Euro ist nur mehr  1,22 Dollar wert, nachdem er vor Monaten die 1,50er Marke erreichte.

Der Wertverlust schürt starke Ängste in der Wirtschaft, in der Politik und beim kleinen Sparer. Wie wird es mit unserem Geld weitergehen? Ist es sicher, oder ist eine Flucht in Sachwerte angezeigt? Die Frage stellt sich natürlich nur für den, der noch Geld hat. Ein Großteil unserer Zeitgenossen in Deutschland lebt von der Hand in den Mund und von Transferleistungen.

Ich zitierte aus der Mittelbayerischen Zeitung :[3] „Immer mehr Privatleute melden Insolvenz an. Die Zahl der Privatinsolvenzen in Bayern ist im ersten Quartal 2010 drastisch gestiegen.  Wie das bayerische Landesamt für Statistik  mitteilte, stieg die Zahl im Vergleich  zum entsprechenden Vorjahreszeitraum  um 13,5 Prozent auf 3946 Insolvenzen. Die Schulden lagen je Privatinsolvenz durchschnittlich bei mehr als 112 000 Euro. Mit Abstand die meisten Insolvenzverfahren im privaten Bereich verzeichnete Oberbayern.“

Man muss schon fragen: Lebten diese Leute  blind für ihre Situation über ihre Verhältnisse hinaus?

Der früher stets geübte Grundsatz „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ wurde jedoch nicht nur von Privathaushalten mehr und mehr sträflich vernachlässigt, sondern auch von Gemeinschaften, wie Vereinen, Zweckverbänden, Kommunen, ja ganzen Ländern, wie momentan z. B. Griechenland.

Ich möchte nicht behaupten, dass unsere Heimatgemeinde Bad Abbach momentan überschuldet sei. In früheren Zeiten geriet sie einige Male – unverschuldet zwar – in dieses Dilemma. Auch heute verschlingen Investitionen in unverzichtbare Strukturen einer funktionierenden Gemeinde enorme Geldmengen. Aber einen beachtlichen finanziellen Überschuss gab es in der Geschichte von (Bad) Abbach noch nie.

Gehen wir einmal  in unserer Betrachtung in der Geschichte ein Stückchen  zurück! Beginnen wir in der nach-napoleonischen Zeit, mit dem Jahre 1815.  In diesem Jahre schickte die Königlich  Baierische Staats Schuldentigungs Spezialkasse München  an den Markt Abbach folgendes Erinnerungsschreiben wegen rückständiger Zinszahlungen :[4]

Benennung der Ämter

Kapital in Gulden

Zins-Verfallszeit

Zinsfuß

Zinsbetrag

Rückständig für das Jahr

Rückstände Betrag

Anmer-

kungen

 

Ehemaliges Schulden-

abdingungswerk

500

 

500

21.April 1748

18. August 1721

2 ½

 

2 ½

12 fl 30 x

 

12 fl 30 x

Pro 1812

       1813

        

25 fl

 

25 fl

 

 

Ehemalge

Landschaftliche

Vorratskasse

100

  50

1000

7.Okt.1796

27.Dez.1798

30.Sept.1805

4

4

4

4 fl

2 fl

40 fl

Pro 1813/14             

Pro 1813/14

Pro1813/ 14

4 fl

2 fl

80 fl

 

 

Königl.Staats

Schulden Tilgungs

Spezialkasse

  55

1, Juli 1815

4

2 fl12 x

 

 

 

 

Summe

2205

1815

 

 

Pro 1815

138 fl 12 x

 

 

Diese Schulden wird die Gemeinde Abbach im Verlauf von 100 Jahren wohl getilgt haben. Aber die Entwicklung der Infrastruktur hatte neue Unternehmungen und Kosten zur Folge.

Aus einer Aufstellung der Kosten für das Bezirksamt Kelheim entnehmen wir, dass die Kosten für den Bau der Wasserleitung bis 1932 111. 400. RM betrugen.[5] Es folgte 1928 der Dammbau . Die Gemeinde musste per  Hochwasserkredit anteilig ½ Million RM beitragen. Mit dieser Last kam sie vollends ins Schleudern.

Die finanzielle Abwicklung der Dammbaulasten war im Jahr 1934 immer noch nicht abgeschlossen.  Dies zeigt der Beschluss vom Juli 1934, als das Dritte Reich bereits angebrochen war:

„Der Gemeinderat beschließt einstimmig, dass eine Umschuldung  der Forderungen aus dem seinerzeit gewährten Hochwasserkredit (..) beim Umschuldungsverband deutscher Gemeinden  auf den Marktgemeinderat Bad Abbach abgelehnt wird.“

Vorliegende Zinslisten weisen aus, dass die Gemeinde Abbach  bei der Zinszahlung und Tilgung permanent im Rückstand war. Am 31.12.1931 waren seit 1.1.1931 an Zinsen  4.722.67 RM und an Tilgungsraten 5.366,67 RM  aufgelaufen, insgesamt also eine Summe von 10.089, 34 RM, was den Bürgermeister zu dem Ansuchen an die Regierung veranlasste, alle Schulden niederzuschlagen, weil man sie wegen der Zahlungsunfähigkeit in Folge der Arbeitslosigkeit sowieso nicht mehr liquidieren könne.[6]

Damit waren die Ausgaben zur Verbesserung der Infrastruktur immer noch nicht abgeschlossen.  Abbach brauchte eine Kanalisation. Sie produzierte eine endlose Geschichte, die 1876 mit der Hauptstraße begann, 1899 von der Brauerei Eckmann bis zur Donau über Pfeiffer fortgeführt wurde. Das Problem waren immer nur die Oberflächenwasser. Man musste aber dann auch an die Hausabwässer denken! 1960, 1970 und 1992 ging es mir der  Kanalisation weiter. Sie endete   mit der allgemeinen Abwasserbeseitigungsanlage  mit einer mechanisch- biologischen Kläranlage. Über deren Kosten fehlen mir allerdings die Unterlagen.

Der Schuldenstand  am Ende der Periode Will betrug  ca. 12.000.000  Euro. Der Schuldenstand im Mai 2010 unter Ludwig Wachs  steht bei 13.034.917 Euro, nachdem überraschend die Übernahme der BRK Immobilien zu schultern war.

Jetzt stehen noch einige Großprojekte an, die man nicht aufschieben kann: Dies sind:  Die Hochwasserfreilegung, das Regenrückhaltebecken, die Kurparksanierung, der Abriss der unnützen BRK Immobilien, Straßenbau- und Straßenausbesserungsmaßnahmen, eine Stützmauer etc.[7] Wie könnte man sich diesen Aufgaben entziehen?

Wenn wir doch aus Stroh Gold zaubern könnten!



[1]   Ratsprotokoll v. 20.02.1876. Archiv 8.6.1.

 

[2] Lokal-Armen-Pflege Rechnung 1857/58 , Kassensturz Protokoll vom 29 Oktober 1858.

 

[3] MZ vom 27.05.2010.

 

[4] Schreiben vom 8. März 1815. Archiv 8.4.1.Fortsetzung (V.3).

 

[5] Schreiben vom 23.12.1932 . Archiv 7.6.2.

 

[6] Bay. Staatshauptkasse an die Gemeinde Abbach vom 31.12.1931. Archiv 8.6.1.a.

 

[7] Auskunft Marktkammerer Zeitlhofer Mai 2010.