Eingriffe in Natur und Struktur durch das BRK und nachher (2011)

Als ich im Archiv eine Beschreibung des alten Schwefelbads suchte, fand ich bei der Quartierliste vom 22. Mai 1754 (Badbesuch der Landesmutter Maria Anna) einen mit Bleistift geschriebenen  Zettel, worauf zu lesen war, dass sich „im anderen Haus“ (= Brauhaus, später das ehemalige, jetzt abgerissene Schwesternhaus in der Kochstraße, aber ohne obere Stockwerke) 10 Zimmer befanden, dann ein Hofkeller  mit 3 Nebenkellern und deren Zurichtung an Brettern (...)[1]

Der Bergkeller, der damals drei Nebenkeller hatte, bestand also schon 1754., bestimmt auch schon lange Zeit vorher. Über die Ursprünge ist leider in hiesigen Akten nichts berichtet. Durch einen Vergleich der verwendeten Ziegelsteine könnte man aus der Ziegelbrennereigeschichte Abbachs und der Umgebung ( z.B. Irading) Weiteres herausbringen, wenn man dafür genügend Zeit und Lust hätte.

Jetzt, im September 2011, sind die oben erwähnten Gebäulichkeiten abgerissen, und was sich dahinter befindet ist dem freien Blick zugänglich. Mit Erstaunen sehe ich eine massive, hässliche  Betonstützmauer gegen den Berg, in die noch drei Eingänge in die Keller auszumachen sind.  Einer dieser Eingänge führt in  den oben „Hofkeller“ genannten Hauptkeller, eine weit in den Berg reichende Röhre, die jetzt wieder das Interesse der Öffentlichkeit findet. Während des 2. Weltkrieges war dieser Keller Luftschutzbunker, in den ich persönlich noch mit Mutter und Schwester ab 1944 fast jede Nacht, manchmal auch tagsüber,  zur Sicherheit vor Bomben flüchten musste. Von den drei Nebenkellern bestehen noch zwei Eingänge in der Betonwand. Den dritten Nebenkeller müsste man suchen!

Bis etwa 1950 hätte es diesen hässlichen Anblick nicht gegeben. Erst als das BRK in Bad Abbach baulich tätig wurde, und es den Personaltrakt aufstockte, errichtete es die Stützmauer gegen den Berg hin. In der Zeit vorher hatte dieser seinen sanften, naturgemäßen Auslauf, der mit Bäumen und Buschwerk bestanden war. Allerdings befand sich dort nebenbei auch viel hässlicher Unrat und überflüssiges Gerümpel, das man hinter dem bestehenden Gebäude versteckte. Ich kannte mich dort gut aus, weil ich in der Nachbarschaft (jetzt Bäckerei Müller) wohnte, und wir Kinder das ganze Gelände als Paradies für Spiele aller Art nutzten.

Auf dem obigen Bild werfen wir einen Blick auf das Vorfeld zur Stützmauer. Dort stand also das sog. Schwesternhaus. Noch tiefer blickend sehen wir den Fußgängerstreifen der jetzt wieder befahrbaren Kochstraße. Das Areal davor  ist für die Neugestaltung und Bebauung vorgesehen. Darum muss erst einmal  die Standfestigkeit der Betonstützmauer gegen den Berg untersucht werden, damit es nicht etwa später, wenn der neue Ortsteil steht, wegen eines Bergrutsches eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes gibt. Der Preis für eine solche Untersuchung wird auf 25 000 € geschätzt. Es handelt sich um eine wohl unvermeidbare Investition in die sichere Zukunft für das neue Projekt. Es  existieren bereits vorläufige Pläne, die von der Marktverwaltung der  Bürgerschaft in einer Bürgerversammlung und mit einer „Wettbewerbsdokumentation“ „Abbruch, Umbruch, Aufbruch“ im Sommer 2011 vorgestellt wurden.

 

Etwas mehr als ein Jahr später, im Sommer 2012 erkannte man jedoch offensichtlich, dass der  hochgelobte Entwurf doch nicht das Gelbe vom Ei war.

Bürgermeister Ludwig Wachs meinte dazu: „Allerdings brachte der Wettbewerb nicht den gewünschten „Aha-Effekt“ und mit den Ergebnissen waren wir nicht ganz einverstanden. Nun haben wir teilweise aus diesen Vorgaben Grundstrukturen aufgegriffen,  vermeiden dadurch  eine absolute Bebauungsdichte und geben damit  dem Ganzen, gerade gegenüber vom Cafe Müller, mehr Weite, Luft, Raum. Dieser Bereich gibt dann die Möglichkeit von Veranstaltungen und Festivitäten.“[2]

Bald darauf stellte die MZ das neue Konzept des Investors  Archus Bösl aus Mainburg vor. Dazu  bemerkte der Herr Bürgermeister, dass der Gemeinderat  den Planentwurf des Büros KomPlan  bereits gebilligt habe. Es entstünden auf einem Teil des Areals von insgesamt  12 500 Quadratmetern drei Geschosswohnbauten, acht Einfamilienhäuser und zwei etwas größere Bauten.[3]

Den neuen Plan  füge ich an dieser Stelle bei:[4]



[1] Archiv 8.2.2 (VII.1)

2] Wochenblatt vom 22. August 2012, S. 8.

3] Vgl. MZ vom 20. September 2012, S. 48.

[4] A.a.O.