Ein stiller Zeuge aus der Zeit, als Abbach ein Landgericht besaß

Dr. Alfons Kraus, Archivar

 

Wenn heute jemand von der Straße Am Markt über das Apothekergassl zur Schulbruck geht, passiert er rechter Hand eine hohe Stützmauer, in der er nach den Häusern in Augenhöhe einen auffallenden, mit Zierwerk versehenen Quaderstein sieht.

Der Stein kam nicht zufällig an diese Stelle. Im Jahre 1760 entstand auf dem  angrenzenden Grundstück das Landrichterhaus, später (1798) wurde es das Haupthaus zum Meier`schen Hofgut1, 1845 das Haus des Schulbenefiziaten und Schulhaus. In unserer Zeit nannte man es nach einem späteren Besitzer das Marchnerhaus . Heute aber ist es  vom Bauingenieur Erwin Drexler in Mintraching zum Miethaus umgebaut worden und befindet sich in seinem Besitz.

Das abschüssige Gelände um das  neue Landrichterhaus wurde beim Bau 1760, oder vorher, aufgefüllt und planiert. Um das Grundstück am Steilhang zu stützen, bedurfte es der kräftigen Stützmauer. Später wurde es für einen kleinen Hausgarten hergerichtet. Das Friesband im Stein stellt bayerische Rauten dar, und der ganze Stein sollte jeden Passanten darauf aufmerksam machen, dass hier Churbayerisches, nicht Abbacherisches Territorium beginnt.

Das oben genannte Haus mit umliegenden Grund und dazu noch 12 Häuser, was man zusammen den Landgerichtsbezirk auf dem Fridlberg nannte, gehörten nach Lage der Akten zum Staatsärar, alles zusammen eine Art Pufferzone oder Bannmeile zwischen dem Markt Abbach und der Ruralgemeinde Schlossberg-Abbach (bis 1892).

Der oben dargestellte Stein befand sich ursprünglich sicher in der Burgmauer am Eingang zum Schloss und wurde beim Umzug der Behörde (Landgericht) mitgenommen und neu postiert.

Die Burg war bis 1760 ja Sitz des Pflegers, wie die Regesten von 1803  berichten.2
Der Wappenstein wurde nicht zeitgleich  mit dem Bau des Landrichterhauses künstlerisch behauen und geschmückt. Dann wäre er ja im barocken Stil angefertigt worden. Er stammt aus der Zeit der Gotik, in der er einen anderen Platz haben musste.

Schon sehr früh wurden Liegenschaften durch Grenzsteine mit Wappen oder Symbolen als Besitz und Eigentum gekennzeichnet. So verfuhr etwa zeitgleich auch der Markt Abbach, als er 1739 vom Rentamt aufgefordert wurde, den Burgfrieden des Marktes fortan mit 9 Marksteinen zu kennzeichnen, auf denen auf einer Seite das gemeine Marktswappen (1486 verliehen)  eingemeißelt  werden sollte. Die Steinmetz Arbeiten  verrichtete in diesem Fall dann ein Künstler in Kapfelberg, den man hier in Abbach immer wieder auch für andere Arbeiten bemühte. Seinen Namen habe ich nirgendwo gefunden. Die Kosten für diese Maßnahme betrugen 9 Gulden.3
Leider ist in unserer Flur keiner dieser Steine erhalten. Der genaue Standort der 9 Steine ist leider nicht überliefert.

 

1 Notaten 1818. Archiv 8.4.3.a. Forts.III.2
2 Regesta 1803 S.5. Archiv 8.3.1
3 Kammerrechnung 1739, S.48v. Archiv 9.6.1