Drei rote Rosen auf gelben Grund – (Bad) Ab(b)ach offenbart sein soziales Gewissen (1335 bis zur Gegenwart)

 

 

 

Dr. Alfons Kraus

 

Sozialgeschichte des Marktes Bad Abbach

 

 

Gliederung:

1.   Unübliche Gedanken über das Gemeindewappen

2.   Arme habt ihr immer unter euch (Leitsatz im AT und NT)

3.   Das „Freiheitslibell“ Kaiser Ludwig des Bayern  von 1335

4.   Die Stiftung Sancti Christophori und

      die Corporis Christi Bruderschaft

5.   Die Parth`sche Stiftung 1556

6.    Die Sepultur (das Bestattungswesen) im Lauf der Jahrhunderte

7.    Das Armenhaus und die Armenhausstiftung 

8.    Der kostenlose Gebrauch des Bades durch Arme

9.    „Lechen Raich“ „in den gerichtischen Häusln auf dem Schlossberg, so man            den Friedlberg nennt“

10.  wie die Auflösung des Landgerichts 1803-1811 sozialverträglich gestaltet            wurde

11.  Lokal-Armen-Pflege als ethische Leitlinie im kommunalen

       Haushalt und der Vollzug des Heimatrechts

12.  Hilfe für Witwen und Waisen

13.  Die Sorge der Gemeinde für die Bildung und Erziehung der Kinder

14.  Das Mädchenhaus oder Armenkinderhaus der Anna-Maria Koller (1845 –             1901)

15. Kindergärten in (Bad) Abbach von Maria Weigert bis heute

16.  Das Distriktkrankenhaus

17. Weitere Initiativen: Vom Nikolausverein zur Caritas-Sozialstation – die                 Feuerwehr – Sportstätten und Schwimmbäder

18. Sonderfälle: Liebespakete für die Front im 1. Weltkrieg -

      Wohlfahrtsunterstützung 1933 bis 1935 - Schulspeise-Patenschaften nach         dem 2. Weltkrieg - Hochwasserhilfen

19. Schlussgedanken

 

Die jeweilige Schreibweise (Abach – Abbach – Bad Abbach) richtet sich nach der Zeit, in der die Geschichte handelt.

 

 

Bild 2: Das Marktwappen Abbachs

 

1. Unübliche Gedanken über das Marktwappen:

 

Das Bad Abbacher Marktwappen, das dem Ort im Jahre 1486 von Herzog Albrecht IV. erteilt  wurde, beinhaltet auf einem Schild im oberen Drittel die weißblauen Rauten der Wittelsbachischen Herzöge. Darunter auf gelben Grund die heraldischen drei roten Rosen, zwei oben, die dritte in der Mitte darunter (Abbildung siehe oben!).

 

Über die Herkunft und die Bedeutung der drei roten Rosen auf gelbem Grund, Hinweis auf unsere Erde, Mutter, aus der wir kommen, der wir liebevoll anhangen, und in die wir einmal zurückkehren, wurde in der Vergangenheit kräftig gerätselt. Sie wurden den sog. „Abbacher Herren“ in grauer Vorzeit zugeschrieben. Die aber weisen ins Reich der Sage.

 

Manche meinen, es handle sich um die Abkömmlinge der 1281 ausgestorbenen Grafen von Moosburg. Sie hätten ihre drei roten Rosen auch anderen, zu ihnen gehörenden Orten in unserer Nähe wegen ihres Besitzanspruchs ins Stammbuch geschrieben. Au in der Hallertau, Oberronning, Pfaffenberg und Riedenburg seien wie wir, wie auch etliche weitere Orte, auf diese Weise Rosenkavaliere geworden.

 

Lassen wir aber einmal diese dynastischen und topographischen Spekulationen beiseite, seien sie richtig oder falsch, und versuchen wir, auf den Sinn roter Rosen überhaupt, wo immer sie vorkommen, einzugehen.

 

Rote Rosen bedeuten heute wie einst im profanen und humanen Bereich Liebe und Leidenschaft: Amore! Allgemein begriffen: Eros und Sexus, Erotik und Sex. Im christlichen und kirchlichen Bereich ist der Begriff umfangreicher, erweitert um Agape (griechisch) oder Caritas (lateinisch). Rote Rosen symbolisieren Liebe in ihrer komplexen Bedeutung. Sie ist das Größte und Schönste, das ein Gemeinwesen wie A(b)ach auszeichnen konnte und kann.

 

Liebe ist der Gipfelpunkt aller human relations und die Perfektion aller christlichen Werte. Sie wurde immer wieder in Sagen und Liedern gefeiert: In den Schriften des Alten und Neuen Testamentes, bei den mittelalterlichen Minnesängern, bei den Songschreibern von heute.

 

In Sagen: Denken wir an den vertrockneten Stab des hl. Christophorus, der wegen dessen Hilfsbereitschaft in der Nacht rote Rosen trieb. Erinnern wir uns an die Rosen im Schoß der hl. Elisabeth von Thüringen beim Gottesurteil, als man ihr maßlose Verschwendungssucht für die Armen zur Last legte. Als Maria nach dem Tod in den Himmel aufgenommen wurde, lagen hernach der Legende nach rote Rosen in ihrem Grab.

 

In Liedern: Ich denke an das Adventlied „Maria durch ein Dornwald ging“. Hier trugen die vertrockneten Dornen nach sieben Jahren Dürre Rosen. „Es blüh´n drei Rosen auf einem Zweig, sie blühen all drei ins Himmelreich“ – ein Lied, das 1840 in Schlesien aufgezeichnet wurde.

 

Und auch so verehren wir Maria, die vielgeliebte Frau: Im Rosenkranz, fünfzig geistliche Rosen, eine im katholischen Bereich oft geübte Gebetsform.

In der kirchlichen Liturgie feiert eine Antiphon die umfassende Liebe als Tochter Gottes: „Ubi caritas et amor, Deus ibi est - wo die Liebe und die Güte ist, da ist Gott.“.

 

Wir pflücken aus der Musik z. B. die Operette „Der Vogelhändler“. Ein Überschwang der Gefühle: „Schenkt man sich Rosen in Tirol...“- Die unzähligen Schlager und Chansons unserer Zeit. Was wird da in uns an Emotionen und Bereitschaft ausgelöst!

 

Wollen wir aber die tätige Liebe im konkreten Vollzug umfassend explizieren, eignen sich dazu die katechetischen sog. „leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit“ am vorzüglichsten. Sie waren im christlichen Leben einzelner wie in der Ethik christlich geprägter Gesellschaften jederzeit höchste Richtschnur:

Die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nackten bekleiden, die Fremden beherbergen, die Gefangenen erlösen, die Kranken besuchen, die Toten begraben.

Auch galt und gilt es: die, die sich falsch verhalten zurechtweisen, die Unwissenden lehren, den Zweifelnden recht raten, die Betrübten trösten, wenn uns einmal Unrecht geschieht, die Geduld nicht verlieren, denen, die uns beleidigt haben, auch wieder einmal verzeihen, der Lebenden und Toten im Gebete gedenken.[1]

Das Thema dieses Heftes handelt über das soziale Gewissen unseres Heimatortes über Jahrhunderte. Die roten Rosen im Gemeindewappen mögen ein Bekenntnis sein, dass eine Fülle aller genannten Empfindungen, Haltungen, Handlungsweisen wie Hingabe, Hilfsbereitschaft, Respekt, Verantwortung, auch trotz bedauerlicher Defizite, hier lebendig waren und sein mögen.

 

 

2. Arme habt ihr immer unter euch (Leitsatz im AT und NT)

 

Wir können davon ausgehen, dass unsere Generation im Vergleich zu den Früheren goldene Zeiten erlebt. Auch trotz vielfacher, oft verschämter Armut unter uns Wohlstandsbürgern des Jahres 2008, dürften wir uns immer noch nicht beklagen, wenn wir einen Blick über den Tellerrand hinaus riskieren.

Wir haben früher über unsere Verhältnisse gelebt! Darum fallen jetzt Rezessions- und Reformsymptome besonders schmerzlich ins Auge.

Es gab schon immer unverschuldete Armut. Für viele galt und gilt: Einmal arm, immer arm. Andere fallen aus der gewohnten sozialen Sicherheit, z. B. beim Verlust des Arbeitsplatzes, im Falle der Scheidung oder nach einer Erkrankung in die Harz-IV-Klemme. Manche haben ihr Los selbst verschuldet. Wie auch immer, „mit dem Ausfüllen eines Harz-IV-Antrages beginnt (…) eine Reise in eine Lebenswelt, die mehr oder minder unbekannt ist“[2]. (Leistung von Harz IV: Bescheidene Wohnung frei, gesetzliche Krankenkasse, Erwachsene 345 Euro, Kind 207 Euro monatlich.)

Heute ist sogar im christlich-sozial regierten Bayern wieder jeder zehnte Bürger von Armut bedroht. Eine Million also ist in irgendeiner Form von Armut betroffen. Dabei gelte als arm, der weniger als 50 Prozent des landesweiten durchschnittlichen Haushalts-Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Mehr als drei Millionen deutsche Haushalte seien pleite.[3] 38 Prozent der Kinder in Deutschland erlitten familiäre Armut. Das seien nicht nur Kinder von Langzeitarbeitslosen, sondern vor allem Kinder von alleinerziehenden Müttern und von Menschen, die trotz Arbeit unter Lohn-Dumping litten. Unter den Harz-IV-Empfängern seien nur wenige „Sozialschmarotzer“. Die meisten Menschen wollten arbeiten.[4]

Denken wir an die betroffenen Menschen auf dem Hintergrund von unermesslichem Leid durch Armut, Krankheit und Tod früherer Zeiten, verursacht durch das Unrecht von Menschen gegen Menschen mitten unter uns, an die durch bourgeoise Verhaltensweisen vergangener Zeiten auferlegten Not- und Hungerfälle, an all das Leid, das auf der Erde lastet, seit es Menschen gibt.

In (Bad) Ab(b)ach war das soziale Gewissen, der Wille zur Nächstenliebe und gegenseitigen Hilfe im kirchlichen und kommunalen Bereich seit Menschengedenken, trotz gelegentlichen bedauerlichen Versagens, immer stark ausgeprägt, wie im Folgenden aufgezeigt werden soll.

 

 

Bild 3: St. Martin teilt den Mantel mit einem Bettler.

 

 

3. Das „Freiheitslibell“ Kaiser Ludwig des Bayern von 1335

 

1210 wurde Abach von Herzog Ludwig „dem Kelheimer“ mit dem Marktrecht ausgestattet. Mit Ludwig IV., dem Bayern (1314-1347) (Kaiser ab 1328) erhielt unser Land sein erstes deutsch geschriebenes Rechtsbuch, das bis ins 16. Jh. in Geltung blieb. Das Römische Recht aus der Stauferzeit und die alte Lex Baiuvariorum wurden suspendiert. Lediglich das alte geltende Gewohnheitsrecht (Siehe die stereotypische Formulierung: „Item es ist auch von allter herkhumen (...)“) lässt sich als Quelle für das neue Recht nachweisen.

Von Kaiser Ludwig d. Bayern wurde 1335 von den Räten des Marktes Abach schließlich auch das „Freiheitslibell“ erwirkt, das die hier seit Menschengedenken herrschenden Gewohnheiten bestätigte.

Die Zeit war gezeichnet durch das Erstarken der Bürgerschaften und Zünfte überall im Land. In den Städten regten sich Unruhen und Aufbegehren gegen die feudale Ordnung. Das bedeutete vor allem Konflikte zwischen Ober- und Unterschicht.

Auch im alten Abach klagten die Bürger häufig über Beeinträchtigungen der gewohnten Freiheiten durch den fürstlichen Pfleger. Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Pflegern und dem Markt lassen sich bis zur Abschaffung des Landgerichts 1803 nachweisen. [5]

Der Kaiser war volkstümlich und bei den kleinen Leuten beliebt; ihre Zufriedenheit war ihm ein großes Anliegen. In Abach  wurde ein Gremium von sechs Ratsherren eingesetzt, an der Spitze standen die zwei Gemain-Redner. Sie übten mit einem Richter, zwei geschworenen Prokuratoren und Gerichtschreibern, sowie Vertretern der umliegenden Orte die niedere Gerichtsbarkeit (Ehafft Recht) aus.

Bald gesellte sich ein zweites Kollegium dazu, der „Äußere Rat“, der die Wohlfahrtspflege ausübte[6] und diese als seine vorzüglichste Pflicht betrachtete.

 

Die erwähnten maßgeblichen Instanzen regelten innerhalb des Burgfriedens die Belange der Bürgerschaft mit Gerechtigkeit und Milde im Sinne ihres Richtung weisenden Gebieters.

Dieser war trotz seiner vielfältigen politischen Konflikte mit dem  Papst in Avignon ein frommer und wohltätiger Souverän. Er brachte den Armen Respekt und Achtung entgegen. Das zeigt sich schon dadurch, dass er die armen Franziskaner ins Land rief, die die Lebensart ihres Gründers Franz von  Assisi lebten und propagierten.[7]

„Ludwig der Bayer als frommer Stifter - man könnte da auch an viele Spitäler denken, die er gegründet, beschenkt  oder in seinen Schutz genommen hat. Und man könnte dieses karitative Wirken in den großen Rahmen einer wahrhaft überzeitlichen Leistung des Kaisers stellen, nämlich seiner mannigfachen Hilfe für das deutsche Städtewesen.“[8] Das „Freiheitslibell“ für Abach atmet den Geist seines Stifters. Es umfast 39 Artikel. [9]

Schon im Amtseid der Räte wird verlangt, sie sollen den In- und Auswohnern zur Gerechtigkeit verhelfen und ihnen allen Beistand leisten.

Zu diesem Zwecke sollen jährlich drei Gerichtstage stattfinden, wo sich die Betroffenen und Agierenden im Rathaus treffen. Im Fall der „peinlichen Befragung“ soll neben dem Pfleger auch der Rat mit drei Vertretern gegenwärtig sein, damit es keinen Missbrauch gibt.

Die Rechte der Bürger wurden vor den fürstlichen Herren auf dem Schlossberg bis ins Detail geschützt: z .B.

Wenn die Eicheln reif sind, sollen die Schweinebesitzer (in den meisten „Häusln“ wurde ein Hausschwein gehalten, A. d. V.) in den Aedten- und Heckhbergwäldern ihre Herden ungehindert weiden dürfen, auch solle man die Eicheln sammeln und nach Hause mitnehmen dürfen.

Die kleinen Leute, und wer immer  wolle, sollen in den zwei Hölzern Edn und Heckhberg ohne Widerspruch des Pflegers oder seines Försters Klaub- und Dürrholz sammeln dürfen. Das Überholz von geschlagenen Bäumen oder Reisern soll Interessenten zu (gerechtem) erschwinglichem Preis vergönnt werden.

Auf ein Heiratsgut oder einen Erbteil, ob klein oder groß, darf keine Steuer erhoben werden.

Das Klein- oder Großvieh, sei es krank oder schwach, so dass es mit der Herde nicht Schritt halten kann, die Kälber oder Lämmer, oder wenn sonst ein Tier niederkommt, oder wenn gerade Hochwasser ist, sollen sie am Schlossberg weiden dürfen.

In Jahren, in denen das geschützte Getränk, der Wein, nicht gedeiht und sauer ist, sollen die  Wirte von Georgi bis Michaeli Bier ausschenken dürfen.

Scheiben- oder Bruchsalz darf im Markt für Einwohner und die umliegenden Dörfer in kleinen Mengen für den Eigenbedarf mautfrei gekauft werden.

Der Getreidehandel ist innerhalb der Grenzen des Marktes, und auch darüber hinaus, mautfrei. Wucherpreise dürfen nicht verlangt werden. Wucher wird bestraft. Jeder Bürger darf vor seinem Tod seine Hinterlassenschaft vor den Marktsbehörden, ohne das Landgericht einzuschalten, regeln. Wenn einer zuvor versterben sollte, sollen sofort nach seinem Ableben ortsübliche Schätzer tätig werden, damit für die Erben kein Schaden entsteht.

Um die Fasenacht, Ostern und Kirchweih ist es den Bürgern erlaubt, um den Markt herum einen Hasen zu erlegen, nicht aber mehrere. In der Donau darf vom Stubenstein bis zu den Fischerhäusern an beiden Ufern jeder ungehindert fischen.

Der Pfleger oder ein Amtsknecht  hat nicht das Recht, einen Bürger zu pfänden, ohne vorher den Bürgermeister einzuschalten.

Sogar im Hofgarten darf man weiden, sobald das Getreide abgeerntet ist. Auch auf fremde Wiesen darf man sein Vieh treiben, wenn das Heu in der Scheune ist. Über Brachfelder darf man das Vieh führen, gehören sie dem Pfleger oder einem einfachen Bürger.

 

Diese Rechte ließen sich die Räte Abachs von ihren Landesherren über die Jahrhunderte immer wieder bestätigen: 1446 durch Albrecht III., 1569 durch Albrecht V., 1733 durch Carl Albrecht. Es kamen bisweilen einige gerade aktuelle Erklärungen hinzu.[10]

 

 

4. Die Marktkirchenstiftung zum heiligen Christoporus 1470 und die Corporis Christi- (Fronleichnams) Bruderschaft 1669

 

Schon die Namengebung der 1470 gegründeten Stiftung bei der Marktkirche zeigt die karitative Ausrichtung an. Christophorus galt immer schon als einer der 14 Nothelfer.

Man muss auch festhalten, dass es nicht eine kirchliche Behörde des Bistums oder der Pfarrei war, die hier initiativ wurde oder als Träger fungierte, sondern die Marktbürgerschaft, die auch bis in die 1960er Jahre die Baulast für die Marktkapelle trug.

Der Ortschronist  Gandershofer verweist uns auf den Zweck der Stiftung: „Alten, gebrechlichen Personen war der weite, ermüdende Gang zur St. Nikolaus Pfarrkirche auf dem Abhange des Schlossberges dahier, welche ursprünglich die Burgkirche mag gewesen seyn (...), längst beschwerlich gewesen, und der Gemeinsinn der Bürger beschloß daher in diesem Jahre, in Mitte des Marktes dem hl. Christoph zu Ehren eine Kapelle aufzuführen, wozu im J. 1484 ein Beneficium gestiftet, (...).[11]

 

 

 

Bild 4: Keiner sei ausgeschlossen.

 

Wir heutigen Medienkonsumenten können nicht mehr nachvollziehen, was der Besuch der Gottesdienste jungen und erst recht alten Leuten bedeutete. Sie erfüllten durch ihn nicht nur eine religiöse Pflicht, was natürlich auch sein Gewicht hatte, sondern es war die seltene Abwechslung im täglichen Einerlei, in dem es nichts zu lesen oder fern zu sehen gab. Die Predigten, Andachten und Zeremonien trugen zur Kurzweil und Kommunikation bei. Die Stiftung bei der Marktkirche  leistete auf diese Weise einen unschätzbaren Beitrag im sozialen und kulturellen Leben der Marktgemeinde.

In den Jahresrechnungen der Christophorus Bruderschaft, die hier ab 1665 bis 1807 vorliegen, wurde z. B. für das Jahr 1666 festgehalten: Aktivrest aus den Vorjahren:                      539 Gulden 17 Kreuzer 1 Heller,

Aktivstand am Ende des Jahres:       570 fl 26 kr 3 ½ hl.

Die Einnahmen resultieren aus Beiträgen der Mitglieder, aus Zinsen der Stiftungskapitalien, Grabgebühren und Zuschüssen der Parth´schen Stiftung, von der noch zu reden sein wird.

Ausgaben das Jahr über:        36 fl 37 kr 5 hl.

Somit schließt das Jahr 1666 mit 533 Gulden 48 Kreuzern 5 ½ Heller.

 

Von den Einnahmen mussten die Ausgaben für den Gottesdienst bestritten werden und die Ausgaben zur Erhaltung der Kapelle. Der Rest floss an die Armen.[12]

 

Greifen wir einige Beispiele der Wohltätigkeitsarbeit im praktischen Vollzug heraus:

 

„Auf Besoldung: Dem Schulmeister sein Jahresbesoldung 3 Gulden. (Dieser Posten erscheint auch in den folgenden Jahren unverändert unter den Ausgaben. Man muss daran erinnern, dass der Lehrer dieser Zeit zusätzlich einen bürgerlichen Beruf ausübte. Lehrer Lorenz Schindlböck z.B. war bis zum Tod 1816 Bäcker; seine Witwe Katharina verdiente sich ihr Brot mit Schnapsbrennen. A. d. V.)

Dem Marktdiener für seine Mühewaltung 17 Kreuzer 1 Heller. Und weil das Schaff Getreide zur Spend nicht ausreicht, ist darüber hinaus noch gekauft und armen Leuten ausgeteilt worden. 32 Kreuzer.

Dann denjenigen, die das Getreide gefasst, zur Mühle und wieder heimgeführt und mit der Austeilung des Brotes Mühewaltung gehabt, für Zährung  gereicht worden 17 Kreuzer 1 Heller.“[13]

 

Ein weiterer Blick auf 1666: „Ausgab an  Getreide. In der Partischen Spend, so am Freitag vor Lätare gehalten wird, abgeladen und an arme Leute ausgeteilt worden: Weizen 2 Maß, Korn 2 Maß.“[14]

 

Greifen wir einen beliebigen Jahrgang aus den vorliegenden Büchern heraus, so stellen wir fest, dass der Großteil der Ausgaben neben der Armenspende die Jahrmessen für Mitglieder der Bruderschaft und Spender betrifft. Der Toten zu gedenken und für ihr Seelenheil durch das Messopfer zu sorgen, galt damals in höchstem Maße als ein Werk der Barmherzigkeit.

 

Man kann es als Ergänzung des Stiftungswirkens bei der Marktkirche betrachten, als am 15. Januar 1669 zusätzlich die Corporis Christi Bruderschaft tätig wurde. Sie hatte ursprünglich zwar nur eine religiöse Zielsetzung,[15] und die Erträgnisse der Stiftungsgelder sollten zuerst dem Gottesdienst (Kultus) zur Verfügung stehen. Dann aber ergab es sich, dass der überwiegende finanzielle Anteil in karitative und gemeinnützige Aufgaben und Angelegenheiten floss.

 

Eine differenzierte Aufstellung, in welcher Intention einst Zustiftungen zur Hochlöblichen Erzbruderschaft Corporis Christi erfolgt sind, beweisen Stiftungs- und Verwendungslisten vom 30.12.1807. Es werden Institutionen und Personen namentlich aufgeführt, die als Guttäter der Bruderschaft vermerkt sind, und wie hoch die Verbindlichkeiten auf Grund der Stiftung waren.

 

Zum Zwecke des Gottesdienstes sind lediglich 515 fl (Gulden) vermerkt, dagegen zu Gunsten des Armenhauses und zum Zwecke der Wohltätigkeit 1057 fl.

Wir erfahren dabei auch, dass die Bürgerschaft zur Bestreitung der Kriegsausgaben am 1. Oktober 1806 300 fl von der Bruderschaft aufgenommen hat.

An das königliche und landschaftliche Schuldenabdingungswerk mussten gemäß Assekuration vom 31. Oktober 1805 Gelder abgeführt werden, wobei der Kultusliste 111 fl angelastet wurden, der Armenhausliste lediglich 44 fl. In der Hoffnung, dass man diese Gelder wieder einmal zurückerstattet bekommen werde, sind sie als Aktivobligationen verzeichnet. Immerhin dürfen wir auch zur Kenntnis nehmen, dass die Bruderschaft keine Schulden hatte.[16]

 

Was beide Einrichtungen auf dem sozialen Sektor leisteten, mag ein Eintrag Gandershofers aus dem Jahre 1798 verdeutlichen, als die Franzosenstürme in Folge der Revolution unsere Heimat verwüstet hatten: Es entstanden Kriegsschäden durch Exzesse, Gelderpressungen, Beschädigungen an Gebäuden, durch Heeresverpflegung verursachte Notstände etc.:

„Die Corpus-Christi-Bruderschaft“, bemerkte Gandershofer, „welche in günstigeren Zeiten an bedrängte Bürger und Nachbarn zu mäßigen Zinsen kleine Kapitalien auslieh, hatte um diese Zeit nur ein Vermögen von 31 fl ( Gulden) 43 kr (Kreuzer).“[17]

 

 

5. Die Parth´sche Stiftung 1564

 

Die wohl am nachhaltigsten wirkende Stiftung des ausgehenden Mittelalters ist das Vermächtnis des Ochsen- und später Engelwirts Georg Parth.

Er stiftete der hiesigen Bürgerschaft in aller Form mit einem Stiftungsbrief fünf Äcker in bester Lage Abachs zur Ehre des Dreifaltigen Gottes und der seligen Jungfrau Maria, für sein eigenes Seelenheil und das seiner Vorfahren und vor allem auch zum Nutzen der Armen des Ortes.[18]

Gandershofer berichtet in seiner Chronik über dieses Ereignis für das Jahr 1564: „Noch ist bei diesem Jahre zu bemerken, dass der hiesige Bürger Georg Parth zum Behufe einer Armenspende und eines Jahrtages zu der hiesigen Markskapelle 4 Äcker und einen Wiesfleck vermachte. Dem Schulmeister waren dabei sechs, dem Custos oder Kirchendiener zwei Regensburger Pfennige ausgesetzt.“[19]

 

Die sozial-karitative Arbeit umfasst Leistungen dieser Art:

Die Summe von 6 Gulden 21 Kreuzer 24 Heller wurde 1785 an 31 namentlich genannte bedürftige Personen, sog. Hausarme, verteilt, wie z.B. die alte Gassnerin 6 kr, an die alte Pickin 6 kr, an Schmidmeiers Wittib 6 kr, an Florian Plankens Eheweib 10 kr etc. Unter ihnen befinden sich Taglöhner, Austrägler, der Kleinhirt, eine Vogelfängerin, Bresthafte aller Art, insbesonders zwei Blinde.

1789 steht die Summe von 39 Gulden 14 Kreuzer 4 Heller zur Verteilung an die Hausarmen  zur Verfügung.

Die verfügbare Summe richtet sich von Jahr zu Jahr nach dem Getreidepreis. Die Höhe der Summe hängt von der Zahl der Bedürftigen ab. Im Falle des Misswuchs musste auf die zurückbehaltene Reserve rekurriert werden.

Auf der Liste stand immer auch der Ankauf von Schulbüchern, das Schulgeld für Waisen und andere arme Kinder. Ganz allgemein wurde jeweils der Schulfond und das Armenhaus mit einer Spende bedacht.

Listen dieser Art liegen bis zum Jahre 1803, dem Jahr der Säkularisation, vor.[20]

Die Stiftung zeigte noch bis gegen Ende des 19. Jh. Wirkung, nachdem sie 1817 in das Schulbenefizium eingegliedert wurde, was Belege späterer Jahre beweisen.

 

In diese Tradition traten am 14. Oktober 2002 Adolf und Erna Angrüner ein. Sie errichteten eine Stiftung des bürgerlichen Rechts in Bad Abbach mit dem Zweck der Förderung der Jugend, Sport und Kultur.

Adolf Angrüner starb am 6. Oktober 2006, seine Ehefrau Erna war ihm am 6.September 2005 im Tod vorausgegangen.

Ihr Gedächtnis möge in Bad Abbach bis in ferne Zeiten lebendig bleiben.

 

6. Die Sepultur (Bestattungswesen) im Lauf der Jahrhunderte

Bild 5 Der Bergfriedhof in Bad Abbach, Jennifer Dobschenzki, M.A.

 

 

Eingangs erwähnten wir, dass „die Toten begraben“ und „der Toten im Gebete gedenken“ zu den klassischen  Werken der Barmherzigkeit gehört.

Wenn wir an einer Beerdigungsfeier teilnehmen, bezeichnen wir dies daher zu Recht als „den letzten Liebesdienst“. Ich meine aber, dass dieser Dienst jedes Mal eine Fortsetzung findet, wenn wir uns für ein kurzes Gedenken zum Friedhof aufmachen und ein paar Augenblicke am Grab verweilen, in dem ein Verstorbener ruht, der uns im Herzen erhalten geblieben ist.

Die Bereitstellung, Erhaltung und Pflege des Friedhofes bereitete für die Gemeinde schon immer einen nicht unerheblichen Aufwand. So ist es auch verständlich, dass sie an den zu leistenden Gebühren beteiligt ist.

Wie hoch diese im 17. Jh. waren, ist aus den Unterlagen nicht genau zu beziffern. Aber wir wissen, dass sie von der Marktkirchenstiftung eingehoben wurden.[21] Diese war von Anfang an eine gemeindliche Institution.

Nach einer Gebührenliste für Dienstleistungen des Armenpflegschaftsrates bei Begräbnissen von 1877 waren die Armen mit 14.90 RM inklusive Leichenschau und Sargschreiner höchst begünstigt.

Die Begünstigung der Minderbemittelten im Todesfalle setzte sich in der Folgezeit konsequent fort. Auch die „Übersicht der Leichen-Kosten“ Liste von 1885/1886 hält an dieser  Gewohnheit fest.

Aus einer Tarifliste für Beerdigungen im Markte Abbach von 1925 bzw. 1929 entnehmen wir, dass für die Armen nur etwa ¼ der Beträge der Vermögenden genommen wurden.[22]

Dabei bereitete dieser Dienst der Bürgerschaft der Gemeinde alle Zeit beträchtliche Investitionskosten:

1736 (Bau der barocken Pfarrkirche) war der Friedhof um die Kirche für eine Einwohnerschaft von 500 Personen ausgelegt.[23] Es gab in Abbach ja nur etwa 90 Haushaltungen, in Schloßberg-Abbach, das zur Sepultur dazugehörte, 17. Nach dem Neubau der jetzigen Pfarrkirche 1848 bis 1852, in die nach dem Abriss der barocken Kirche ein Teil (südlich) des alten Friedhofes mit einbezogen wurde, und trotz des Abrisses des 1505 von Pfarrer Eberhard Fabri renovierten, vermutlich gotischen Seelhauses, und nachdem die Gräber wegen unzureichender Tiefe schon einige Male aufgedoppelt und die ganze Fläche schon einmal 7 bis 8 Fuß gegen das Churfürstliche Schloss erweitert worden war, reichte der Platz für die benötigten Gräber immer noch nicht, nachdem sich die Einwohnerzahl vermehrt hatte.[24]

So wurde der Friedhof 1851 bis zum jetzigen Missionskreuz durch den Maurermeister Karl Dobmayer von Kelheim um die stolze Summe von etwa 1000 Gulden  planiert, erweitert, eingefriedet und durch einen Aufgang zugänglich gemacht.[25] 1881/82 fand eine weitere maßgebliche Erweiterung vom Missionskreuz nach Süden statt, 1884 wurde das Leichenhaus gebaut. Tausend RM für dieses allein zahlte die Gemeinde und eine erhebliche Summe darüber hinaus Bürgermeister Franz Koller aus eigenen Mitteln. 1949/50 wurde südlich des Leichenhauses neuer Platz geschaffen. Als es aber in unserer Zeit dort keine Erweiterungsmöglichkeit mehr gab, wurde der neue Friedhof an der Römerstraße angelegt.

Auch heute verwaltet die Marktgemeinde Abbach die Friedhöfe immer noch und zieht auch die Gebühren ein. Nachdem es aber die Einteilung nach Klassen bei Grabstellen und Verrichtungen nicht mehr gibt, sind auch die Gebühren nicht mehr gestaffelt. Es wollte in unserer Zeit auch niemand mehr als arm gelten.

2007 bezahlt man für ein Einzelgrab 300 Euro, für eine Doppelgrabstelle 600 Euro, für ein Urnengrab 360 Euro, jeweils für eine Zeitdauer von 15 Jahren. [26]

 

 

7. Das Armenhaus und die Armenhausstiftung

 

Nach Gandershofer war das Siechen-, später Armenhaus, an der Oberndorfer Straße gelegen,[27] bereits 1564, dem Jahr der Parth´schen Stiftung, bekannt.[28] In dem Buch „Geschichte der Stadt Kelheim“ von Georg Rieger, 1929, befand sich in dem von ihm „Leprosenhaus“ genannten Haus 1659 nur ein einziger Lepros.[29]

1832 „nährt(e) es“, wie Gandershofer weiß, „nur fünf verarmte Gemeindeglieder nothdürftig.“[30]

Aus dem Vormerkungsbuch[31] der Churfürstlichen Markts Kkammer zu Abbach 1801[32]erfahren wir, dass keine Fundationsurkunde für obiges Armenhaus mehr zu finden sei. Diese müsse in Schreckenszeiten verloren gegangen sein, darum wisse man auch nicht, wann es gebaut worden ist. Die Wohltäter, denen das Armenhaus das Dasein zu verdanken hat, seien unbekannt.[33] Wegen der fehlenden urkundlichen Grundlagen könne man es auch nicht richtig besteuern. Der Inwohner zahle im Jahr lediglich ein Herdgeld von 25 Kreuzern.

Dieses alte Armenhaus wurde vor 1795 abgerissen, weil es völlig baufällig geworden war. 1795 erfolgte dann ein richtiger Neubau, und zwar wegen des Wassers auf einer etwas höher gelegenen Stelle. Das Haus war aus Bruchsteinen erbaut und wurde mit einem schrägen Steindach versehen. Zur ebenen Erde befand sich eine Wohnstube, eine Kammer, dann ein Wohnstüberl für einen Armen. Oben wurde ein zweites Stüberl für einen weiteren Armen hergerichtet. Das Gebäude war 22 Schuh breit und 40 Schuh lang. Der Bau wurde mit eigenen Mitteln der Stiftung finanziert.[34] Der alte Platz wurde mit Erlaubnis des hochlöblichen Rentamts vom 24. Oktober 1797 an den Schmied Andreas Gierstorfer (Nachfolger: Englmann-Schmied, Lindinger) um 105 Gulden verkauft, wie die Armenhausrechnung von 1797 ausweist. Der Verkaufsbrief ist aber erst am 2. Januar 1798 errichtet worden. Das neue Haus wurde zu 250 Gulden feuerversichert. Unten wohnte 1801 der Gänsehirt um 12 Gulden Miete. Außerdem befanden sich der abgehauste Melber Lukas Spark von hier und der alte Dienstknecht Georg Haid als Arme im Hause.

 

1924 hatte das Gebäude die Hausnummer 31, wurde in der Brandversicherungsurkunde als „Armenhaus mit angebautem Abort“ bezeichnet, und zu 760 RM versichert. Die Gemeinde führte es als Armenhaus I, nachdem  das Gaishaus, das 1889 als Wohnhaus und Villa, Hs. Nr. 17 1/3  auf dem Friedberg, zunächst als Lehrerwohnung gedacht, dann aber zur Wohnung für Sozialschwache deklariert, als Armenhaus II bezeichnet wurde. Es wurde zu 5490 RM Brand versichert.

Das Armenhaus I an der Oberndorfer Straße wurde in den 1950er Jahren abgerissen. 2007 spielte das der längst vergessenen Armenhausstiftung gehörige Grundsstück noch einmal eine Rolle, als die Marktgemeinde nach der Auflösung des alten Schwimmbades die Straße zu den Grundstücken der neuen Siedlung „Donaublick“ regulieren wollte.

 

Der Träger des Armenhauses I war also die Armenhausstiftung.

Ihre Einkünfte setzten sich wie folgt zusammen:

§  Die Zinsen des dürftigen Stiftskapitals und einiger weniger ausgeliehener Gelder,

§  der Herbergzins (= Miete), in der Regel 8 bis 12 fl,

§  die „Armenhauspixn“ (= Spendenbüchse im Armenhaus selbst), (am 1.4.1763 waren z.B. 1 fl 20 x darinnen, am 24.7. 58 x, am 20.12 3 fl 1 x),eigentlich musste die Pixn alle drei Monate geleert werden,

§  die Wirts- und Bäckerhauspixn (1763 hatte der Magistrat beschlossen, dass der Inhalt jeweils gedrittelt wird: 1/3 für das Armenhaus, 1/3 für die Hausarmen, 1/3 für aktuelle Bedürfnisse. In diesem Jahr bekamen die Armenhausinsassen 4 fl 35 x. 1773 z.B. wurden an 15 namentlich genannte Hausarme 1 fl 48 x verteilt),

§  heimbezahlte Kapitalien (1866 wurden z.B. an einen einheimischen bürgerlichen Zimmerer 80 fl „zu seiner unentgeltlichen Notdurft“ ausgeliehen),

§  Spendengelder, wenn jemand das Bedürfnis hatte, Almosen zu geben,

§  Zuschüsse der Gemeindekasse, besonders in späteren Jahren. Das waren die Erlöse aus der Vergnügungssteuer (Tanz, Hochzeiten) und Bürgerstrafen,

§  ein Teil der Bürgerrechtsgebühren[35],

§  Erlös aus dem Parth´schen Spendengetreide (s.o.!),

§  Versteigerung einer Hinterlassenschaft.

 

Eine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben der letzten zehn Jahre bis 1817 listet 2184 Gulden 54 Kreuzer 1 ½ Heller an Einnahmen und 796 Gulden 42 Kreuzer 1 Heller als Ausgaben auf. Es blieb also in 10 Jahren ein Aktiv Rest von 1388 Gulden 12 Kreuzer ½ Heller übrig.[36]

 

Es ist nicht uninteressant, was ein sog. Armer, Insasse des Armenhauses, am Ende seiner irdischen Laufbahn an Besitz aufzuweisen hatte. Wir entnehmen diese Daten dem „Versteigerungsprotokoll der von Anton Lindl, im Armenhaus Verstorbenen, wenigen Hinterlassenschaft“ vom 12.10.1829.[37] In früheren Jahrhunderten mag der Nachlass noch bescheidener gewesen sein.

Es erschien 1829 möglichst bald nach dem Absterben die Sperrmüllabfuhr jedenfalls nicht, sondern alles, was auch der ärmste Schlucker hinterließ, fand sogleich wieder einen neuen Herrn.

 

Der Versteigerungserlös des gesamten Nachlasses betrug in diesem Fall 4 Gulden 16 Kreuzer.

Folgendes sind die Ausrufpreise:

Ein kleines messingernes Kreuz                    6 x (= Kreuzer)

Eine rosa Schale                                            2 x

Alte Teile in einem Kammerl,

darunter eine alte Truhe u. alter Sessel          12 x

1 altes Wasserkrügerl u. 1 Glas                     12 x

Eine fichterne alte Bettstatt                          12 x

Ein fichternes Tischl                                      3 x

Eine alte fichterne Truhe                               6 x

2 Rosenkränze                                               1 x

1 alter filzener Hut                                        3 x

2 ganz alte Stiefel                                          16 x

1 blauer Rock                                                1 x

1 alte braune Hose                                         6 x

1 Brustfell                                                      36 x

1 Hosenträger                                                9 x

1 Wollleibl                                                     18 x

1 alte Unterhose                                            9 x

1 altes Leiberl                                                12 x

Alte Tücher                                                    6 x

Ein Hochzeitsbild und 2 Geldstücke

zur Erinnerung                                               15 x

Etliche Pauschen und Scheiter                      3 x

3 Bildl in der Kammer                                   - , -

 

Das bleibende Inventar des Armenhauses war mehr als bescheiden.

1778 bis 1780  werden zwei Bettstätten und ein neuerer weißleinener Strohsack angegeben. 1801 war im Armenhaus kein Inventar mehr vorhanden. 1807 wurde eine wollene Decke, ein Laken, ein Strohsack, aber keine Bettstatt aufgefunden.

Wenn ein Verstorbener aus dem Armenhaus Verwandte im Orte hatte, kamen diese sofort, um die spärliche Hinterlassenschaft einzuheimsen.

An Ausgaben der Stiftung werden immer wieder genannt: Steuern, Reparaturkosten für das Armenhaus, selten Bedarfsartikel, armselige Verpflegung für die Insassen, Arzt- und Apothekengebühren, Sargschreiner, Totengräber, Pfarrer mit Gefolge.

 

Armenhausrechnungen liegen im Archiv von Bad Abbach von 1661 bis 1933/34 fast lückenlos vor. Für die Gemeinde Schlossberg Abbach für das 19. Jh. Im 19.Jh. mutierten die Armenhausrechnungen zuerst in Armenpflege – Rechnungen, dann in Lokalarmenfonds – Rechnungen, nachdem sich die wirtschaftlichen und soziologischen Verhältnisse mit zunehmender Industrialisierung und Gründung des 1. Reiches 1871 mit den folgenden Bismarck´schen Sozialgesetzen zusehends veränderten. Das Armenhaus I trug letztendlich nur mehr den Stempel einer billigen Sozialwohnung für Minderbemittelte.

 

Auf die Armenkasse der Gemeinde kamen mit der Zeit neue Lasten aus den Heimatrechts-Verbindlichkeiten, Schulgeldbeihilfen, etc. und dem Erwerb des Armenhauses II zu. 1907 meldete die Marktsverwaltung sogar „die Überbürdung mit Armenlasten“ beim Bezirksamt Kelheim an, das die Gemeinde Abach aber an die Regierung von Niederbayern, Kammer des Inneren weiterverwies.[38]

 

 

8. Der kostenlose Gebrauch des Bades durch Arme

 

Der jeweilige Besitzer des Bades spielte wegen seines Sozialprestiges (= Geld, Ansehen und Einfluss) immer eine besondere Rolle in Abbach. Er musste aber zwangsweise immer auch  auf die soziologische Struktur der Bürgerschaft, die nicht durchweg gleich gut bemittelt war, Rücksicht nehmen. Auch unter ihr bestand das Bedürfnis, vom Kuchen, den die Badegäste abließen, ein Stück abzubekommen oder im Falle eines eigenen Leidens oder Gebrechens in den Genuss des heimischen, und wie man glaubte, „eigentümlichen“ Heilmittels zu gelangen.

So verfielen sie im Laufe der Zeit auf allerlei hilfreiche Praktiken, gegen die sich der Hauptanbieter mit Berufung auf sein Monopol auf jede mögliche Weise zur Wehr setzte und sogar klagte.

 

Die Leute im Markte verfrachteten Quellwasser in ihre gute Stube, erwärmten es, und gaben den Fremden Gelegenheit, sich kostengünstiger auszukurieren. Sogar die Verköstigung der Gäste boten sie zu Dumpingpreisen an.

Dagegen trat nach Überzeugung durch Augenschein der Umritts-Visitations-Commission 1739 der Hauptakteur mit Hilfe des Landrichters, des Amtskammerers und eines weiteren Ratsmitglieds auf den Plan, und gemeinsam erließ man eine ab sofort gültige neue Badesatzung.

Besonders der Ortsbader hatte den Zorn des angeblich Geschädigten erregt. Er war auf die Idee gekommen, das Angebot mit dem teuren Quellwasser mit billigem Donauwasser zu unterlaufen und „anstatt des Wildbades sein mit allerlei schlechten und liederlichen Kräutern (...) angesetztes Donaubad“ anzubieten.

 

Wurde in der nun in Abbach gültigen neuen Badeordnung hauptsächlich das immer bewährte Verteuerungsmittel durch Abgaben angewandt, finden wir unter Punkt 3 den Beweis, dass auch soziales und karitatives Denken, von wem auch immer, vermutlich des Pfarrers, mitmischte (...):

„3) Den armen Religiosen und Mendikanten (= Predigern) wie auch anderen armen bresthaften Personen sollte das Badwasser umsonst verabfolgt werden“.[39]

 

Wie man heute leider feststellen muss, erreichte oder überdauerte dieses Angebot die Zeit der Gesundheitsreform der 1990er Jahre nicht unbeschadet und wird auch nie mehr wieder auferstehen.

9. „Lechen Raich[40]in den gerichtischen Häusln auf dem

    Schlossberg, so man den Friedlberg nennt“[41]

 

Es ist festzustellen, dass in Abach ursprünglich alle Bürgerhäuser nicht nur zum Markt, sondern auch zum Schloss steuerpflichtig waren.[42] Eine Ausnahme bezüglich des Marktes bildeten die Friedlberg – Zipfelhäuser[43], was auf ein Gewohnheitsrecht zurückreicht, wie wir später erfahren.

Erstens gilt es, den Begriff „Lechen Raich“ zu klären:

Fangen wir mit dem Einfachsten an: Raich bedeutet so viel wie Reichnis. Für Lechen (Lehen) finde ich in einem zeitgenössischen Wörterbuch den Terminus „ritus inaugurationis beneficariae“ (lat.).[44] Die beiden Ausdrücke in Einheit kann man mit Gnadenlehen, Altersgabe, Ehrengabe, Ruhegeld übersetzen. Eine Altersrente in unserem Sinne gab es noch nicht.

 

Zweitens suchen wir den Ort auf, an dem diese Ehrengabe gereicht wird:

Eine Abschrift 1801 der Erneuerung der Freiheitsrechte Carl Albrechts von 1733 führt unter 31. die Bemerkung an: „(...) wegen der zwelf Häusln am Züpfel aufn Schlosberg, so man  den Fridlberg nennt, (...)“[45]

Eine Randbemerkung zu diesem Text bezeichnet sie als „die gerichtisch Häusl am Schlossberg“.[46] Der Gemeindeschreiber Josef Schmied, der Verfasser des Vormerkungsbuches von 1801, ergänzt an anderer Stelle: „Alhier ist vorzumerken, das bei dem alhiesigen Markt sich Marktsgebäude so ober alten  Bürgerlichen  gebäuden (...) befinden, welche auch zum alhiesigen Schlos lehnbar sind“[47]. [48]

Aus einem anderen Papier, der Schrift nach vom gleichen Autor verfasst, erfahren wir weiter: „Was den Alois Mayr betrifft, so steht das von seinem Vater erkaufte Ambts gebäude  nicht am Schlossberg Abbach, sondern auf dem sogenanden  Fridlberg. Hierüber mehr Aufschlus zu ertheilen, ist folgendes.

Alle Bürgers Häuser dahier mit einschlus der 17 Häusln am Schlossberg abbach sind Königlich vormals Kurfürstlichen Kastenambt abbachisches Lehen, nur die berührte ambts Wohnung mit nur 7 Bürgers Häusern(,) welche auf dem so genanten Friedlberg und in der  bürgergeding ligen, sind eigen und lud[49] eigen. Das diese Amtswohnung ein bürgerliches Haus war(...), beweisen vorliegende Kammerrechnungen der Jahre 1660 bis 1805.“[50]

 

Fassen wir den topographischen Befund zusammen:

Der Friedlberg ist ein Teil des Schlossbergs über den Bürgerhäusern Am Markt, westlich des heutigen Schlossbergweges, zwischen Apothekergassl und Schnadergasse (Schlauderergasse) den Berghang hinunter, eine Art Bannmeile um das Landgerichtsgebäude (jetzt Benefiziatenhaus/Marchnerhaus und alte Schule). Dazu gehörten 1335[51] und 1721[52] noch 12 Häuser, 1806 nur mehr 7 Häuser.[53]

In ganz frühen Zeiten waren diese Häuser der landesherrlichen Kasse auf der Burg wie der Marktskasse steuerpflichtig. 1806 bestand steuermäßig eine Ausnahmesituation. Diese habe sich durchgesetzt, weil eine früher amtierende Gerichtsschreiberin wegen Armut die Gemeindesteuern habe nicht mehr bezahlen können, und diese Duldung habe sich toleranterweise beim Markt fortgesetzt.

Dies vermutete der schon vor 1780 tätige Marktschreiber Quirin Nikendey, möglicherweise gestützt auf nicht mehr auffindbare Dokumente.[54] Die Steuer zum Schloß war 1803 sicher auch zu Ende, weil das Landgericht bei der Säkularisation aufgelöst wurde.

 

Am Schlossberg selbst (bis 1892 selbständige Gemeinde!) befanden sich 1806 17 Häuser mit kleinen Gärtln rund herum. Sonst existierte dort kein Gemeindegrund. Mit dem Markt hatten die Bewohner  gemeinsamen Viehtrieb, Feuerrequisiten, Kirche, Schule, Armenhaus, Friedhof, und sie mussten das Wasser am Haslbrunnen im Tal unten holen. Die Bewohner waren meistens Taglöhner, dann Zimmerleute, Maurer, 2 Schuhmacher, 1 Weber, 1 Schneider, die ihr Geld hauptsächlich im Markt verdienten. [55]

Die Fridlberghäuser kamen nach der Säkularisation an die Gemeinde Abbach-Schloßberg, weil Bürgermeister Mayr auf den Markt nicht gut zu sprechen war, und er sich beim Landgericht in Kelheim gut stellen wollte.[56]

Nun zurück zum Lehen in den Friedlberghäusern: z. B.

Am 30. Dezember 1799 genoss der Provasal (= eine Art Beamter) Balthasar Koch, resignierter Kammerer und Schreiner, 56 Jahre alt, das Lehen. Grundlage war das Markts Rat(haus) und zwei Hirthäuser. Er hatte das Lehen schon 1771 erhalten.

Auch der Bierbräu Michael Mayr empfing 1799 als Provasal das Lehen. Basis war die Parth´sche Brotspende.

 

Doch am 7. Juli des Jahres 1808 wurde vom Königreich Baiern, Ministerium des Inneren, Section der General Administration des Vermögens, das organische Edikt über die Lehensverhältnisse erlassen.

Dieses besagt, dass „am 1.1.1810 keine anderen Lehen, als Mannlehen der Krone, und keine anderen Lehenherren, als Seine Majestät der König bestehen können.“[57]

 

In Abbach scheint sich die Durchführung des Rescriptes bis 1825 hingezogen zu haben.[58]

 

Am 6.Oktober 1819 beordert das Königliche Rentamt in Kelheim folgende „Zins- oder Gnadenlehen-Untertanen“ persönlich, in möglichster Bälde und unausbleiblich nach Kelheim:

1.      „den Josef Apfel vom Schloßberg bei Abbach,

2.      den Franz Robold zu Abbach,

3.      den Josef Lindner Maurer allda, und

4.      den Sebastian Reichl von da,

5.      oder die ehemaligen Lehensbesitzer zufolge gnädigster Rechnungs-Revisions-Notaten von 1816/17.“

Mitzubringen seien Lehens- und Hausbriefe, Lehensscheine, ein auf einem 15 Kreuzer Stempelbogen eigens ausgestellter Taufschein der ehelichen Kinder.[59]

Am 28.10.1819 sind folgende „Lehensholden“ an der Reihe:

1.      Martin Pixl vom Wohnhaus in Gehag,

2.      Johann Englmann Schmied und

3.      Georg Dünauer Vordermüller.

Mitzubringen sind samentliche Haus- und anderen Briefe, samentliche Lehenbriefe und Lehentaxzetteln, welche die neuen von den alten Besitzern ohne weiteres abzuverlangen haben und die Taufscheine der ehelichen Kinder.[60]

Nach der Säkularisation 1803 war 1818 die Neuordnung der Bayerischen Gemeinden vorausgegangen, bei der vieles anders werden sollte.

 

10. Wie die Auflösung des Landgerichts 1803-1811 sozialverträglich

      gestaltet wurde

 

Das Königreich Bayern verhielt sich nach Auflösung des Landgerichts Abach, wie die Akten zeigen, nicht besonders kulant. Der Markt war mit Ersatzleistungen für die ehemaligen Bediensteten des Landgerichts eingesprungen, bis Seine Majestät der König schließlich zu seiner Verantwortung gerufen werden konnte. Das kostete die Marktverwaltung etliche Erinnerungsschreiben.

Am 9. Oktober 1811 antwortete das königliche General Comissariat des Regenkreises in Regensburg als Kreisadministration der Stiftungen, etc. der königlichen Comunal Administration Abbach Landgerichts Kelheim bezüglich der auf das Arar übernommenen Pensionen:[61]

„(...) Um diese Entschädigungen bei den geeigneten Kassen anweisen, und die aus verschiedenen Rentamtischen, und Communal Kassen  gegen Rückersatz uns weil gemachten Vorschüsse wieder rückerstatten, oder ausgleichen zu können, will die königliche Finanzdirection des Regenkreises in Kenntnis gesetzt werden,

1. Wie lange die in Frage stehenden Individuen (...) vom 1. Januar 1809 angefangen für den Sportl Entgang entschädigt wurden,

2. Was diese (...) aus Communal Kassen erhaltenen Entschädigungen oder Vorschüsse in Summe betragen, damit diese aus der Staatskasse zurückerstattet werden können,

3.(…) ob sich die befraglichen Individuen noch in der nemlichen Cathegorie, d.i. als Stadt- und Marktschreiber, oder als Stadt- und Marktdiener befinden,

4. Wenn ein oder das andere Individuum inzwischen verstorben oder reaktiv gemacht worden sein sollte, so muss der Tag bestimmt und legal nachgewiesen werden, an welchem solches geschehen ist.

5. Es muss auch pflichtmäßig beigemeldet werden, wie lange und wie viel das reaktivierte oder verstorbene Individuum, vielmehr dessen Relikten, Entschädigungen (...) aus Communal Kassen erhalten haben.“[62]

 

Postwendend schickte die Communal Administration des Königlich Bairischen Marktes Abbach die entsprechenden Daten[63]:

 

„Josef Quirin Nikendey, Marktschreiber

Franz Schmid, Ratsdiener:

1. beide wurden vom 1. Januar 1809 anfangend bis zum 30. September gegenwärtigen Jahres für den Sportl-Entgang aus der Kommunal Kasse entschädigt.“

An Quirin Nikendey wurden bei einem Jahresgehalt von 250 Gulden in der fraglichen Zeit 643 Gulden 20 Kreuzer bezahlt, an Franz Schmid bei einem Jahresgehalt von 30 Gulden  72 Gulden 5 Kreuzer. Zusammen also 715 Gulden 25 Kreuzer.

Dazu wird angemerkt: „1. Bemelte Pensionisten leisten seit dem Jahr 1807, wo die magistratische Form aufgelöst wurde, keine Verwaltungsdienste mehr. Sie sind von allen ihren ehemaligen Funktionen entlassen. 2. Beide leben noch und sind nicht reaktiv gemacht.“[64]

Die damalige Behandlung des Problems habe ich an diesen zwei Personen bzw. Beispielen deutlich gemacht. Es wurden noch weitere Bedienstete auf die gleiche Weise an die Luft gesetzt. Die Jahre 1803 bis 1809 standen bei der Regierung in ihren Überlegungen überhaupt nicht mehr zur Debatte. Ob der Gemeinde Abbach die gezahlten Ersatzleistungen jemals vergütet wurden, ist zweifelhaft, nachdem der Staat wegen der Verschwendungssucht unter Karl Theodor und wegen der Napoleonischen  Eskapaden permanent an Schwindsucht litt.

 

 

11. Lokal-Armen-Pflege als ethische Leitlinie im kommunalen

       Haushalt und der Vollzug des Heimatrechts

 

Die soziale Fürsorge war ein stets aktuelles, immer brennendes Anliegen der Kommune. Die soziale Gesetzgebung Bismarcks gab es noch nicht. Die Gemeinden mussten ihre Hilfsmaßnahmen selbst organisieren. Es fiel aber keiner aus dem sozialen Netz, wenn er an einem festen Ort das Heimatrecht  besaß. Auf dieses konnte er immer noch zurückgreifen, wenn er auch an einem anderen Ort mittellos und hilfsbedürftig geworden war.

 

Nehmen wir uns zunächst die theoretischen und praktischen Zusammenhänge des Begriffes Heimatrecht vor:[65]

 

In einer Enzyklopädie des 19. Jh. finden wir: „Heimat (origo) ist (...) die Gemeinde, welcher jemand als Mitglied angehört. Regelmäßig wird diese origo durch Geburt in der Gemeinde erworben, aber auch durch andere, dem objektiven Recht entsprechende Arten.“[66]

 

Eine solche andere Art war z. B. die Heirat mit einem heimatberechtigten Ortsansässigen, oder der Erwerb durch Antrag auf Heimat nach mehrjährigem  Aufenthalt am Ort mit der Zustimmung der Gemeinde, die den guten Leumund, den ausreichenden Ernährungsstand für sich und seine Familie und den Besitz der Wohnung zur Voraussetzung machte („Ansässigmachung“).

Die frühere Heimatgemeinde wurde von diesem Verwaltungsakt informiert, die ihrerseits den Heimatrechtstitel  löschte. Der Rechtsakt der Heimatverleihung war gebührenpflichtig. Eine doppelte „Heimat“ war nicht möglich. (Art. 5 d. Heimatgesetzes vom 16.April 1868 mit M.E. vom 19. April 1871 Nr.11513).[67]

 

 

 

Bild 6: Heimatschein von Kreszenz Steimer von Abbach und ihrem Kind.

 

Die aufnehmenden Gemeinden wurden sehr rechtzeitig in Artikel 21 der Landordnung des Churfürstenthums und der Landen zu Bayern von 1748 zur Vorsicht vor dem Aufnahmeakt gemahnt.[68]

An besagter Stelle heißt es: „Ein und zwantzigstens. Es seynd auch keine liederliche Leuth, dardurch nur Bettler, und Faullentzer erziglet werden, zu Burgern, oder Beysitzern aufzunehmen, noch ist jemand, das Burger-Recht zu erstatten, der nicht vorhero Anzeig thun kann, wie, und auf was Weiß er nächst Göttlichen Gnaden sich, und die Seinige zu ernähren getraue; wie dann wegen der unvermöglichen  Manns- und Weibs-Persohnen, die Alters, oder anderer Unglücks-Zuständ halber ihre Nahrung nicht mehr gewinnen können, wie nicht weniger wegen der Kinder, so ihrer Leibs-Gebresten halber keiner Arbeit vorzustehen vermögend, damit die übrige Burgerschafft von ihnen nicht zu viel durch das stättige Einsammeln, und Betteln graviert werde (...).“[69]

 

Der Markt Ab(b)ach ist nach Auskunft der vorliegenden Akten über die Jahrhunderte seit dem 30jährigen Krieg human aber auch verantwortungsbewusst mit Mitmenschen in Not umgegangen.

 

Einmal gibt der Armenrat allerdings zu bedenken: „Löblicher Marktsmagistrat, von Seiten der Bevollmächtigten wurde unter heutigem Dato verabredet und an den Löblichen Markts Magistrat das Ansuchen gestellt, die hier in dem Lämlischen Haus in die Herberg  reingenommenen zwei ledigen Weibspersonen von Oberndorf und die ehemalige Dienstmagd auf der Donaumühl in des Valentin Scherers Keller-Haus in einen Dienst oder in ihren Geburtsort zu verweisen. In Ermangelung dessen wäre man gezwungen, sich an einen Herrn Ställe zu wenden. (...) Für den Armenrat: Andrä Rumpel von Staudt, Josef Koch, Georg Koller, Ignatz Bergbichler, Wolfgang Fuchs, Franz Koller.“[70]

 

Bis 1818, dem Jahr der Neuordnung der bayerischen Gemeinden, finden wir in den Vormerkungsbüchern den Titel „Ad fundum pauperum“ (= in den Armenfond, A. d. V.) ist ausgegeben worden.[71]

In den jährlichen Kammerrechnungen erscheinen die praktischen Hilfen unter dem Kapitel „Gemaine Außgab“,

z.B. 1666: „So ist an arme Geistliche, Studenten und andere presthafte Leuth gereicht worden  1 Gulden 9 Kreuzer.“[72]

1676: „Denen 5 ausgewöhlten  Bürgern alhier, so dass ihnen 5 Täg zum exerzieren nachm Statt am Hof gehen und ir Arbeit bei Haus versäumben müssen, des wegs yedem (?) macht 3 Gulden 20 Kreuzer“.

Oder: „Denen armen Geistlichen, ihm vom Adl (Verarmte Adelige vom Schloß oder Landgericht, A.d.V.), Studenten, und anderen Presthaften Persohnen ist an heuer ertheilt worden 2 Gulden 25 Kreuzer“. [73]

Mit Blick auf jedes andere Jahr ließe sich die Liste beliebig fortsetzen

 

Ab 1818 weist schon das vorgegebene, amtliche Rechnungsformular eine andere Handhabe und Vorgehensweise der Kommune Abbach in Sachen Armenpflege auf:

In Abbach liegen die Armenpflege Rechnungen von 1836 bis 1875, in Abbach-Schloßberg von 1855 bis 1875 vor. In dieser Zeit spielte das Heimatrecht eine entscheidende Rolle.

Nehmen wir als Beispiel die Rechnung der Lokal-Armen-Pflege für das Jahr 1843/44:

Verantwortung trug der Lokal-Armenpflegschaftssrat mit dem Vorstand Zinrgibl (nicht der Bräu, sondern ein Kaufmann), Beisitzer waren Paulus Griß und Paul Lindner, Mitglied war auch immer der Ortspfarrer, hier Martin Otto.

 

Es standen der Kasse mit Einschluss des Aktivrests vom Vorjahr 509 fl 7 ½ X zur Verfügung. Ausgegeben wurden 185 fl 49 X.

Die Gelder kamen von

Der Kreishilfskasse (33 fl),

Tanzmusiken, Hochzeiten, Scheibenschießen, Theatern (2 fl)

Polizey Strafen (2 fl),

Kollekten und freiwilligen Beiträgen der Ortsbewohner (215 fl),

Zuschüssen aus der Gemeindekasse.

 

Es waren in diesem Jahr nur 5 Arme zu versorgen. Die Zahl wuchs von Jahr zu Jahr. 1875 waren es 11.

Die Gelder wurden verwendet für:

Unterhaltskosten nach Pflegeklassen, Brennholz, Arzt-, Apotheker-, Beerdigungskosten, Schuhkauf für genannte Personen, Erziehungskosten und Schulgeld.

In der Armenbeschreibung waren die Personen in zwei Bedürfnisklassen eingeteilt. Die Einteilung galt für ein Jahr. Voraussetzung war, dass man von sonst niemand (z. B. Geschwistern) Unterstützung erhielt. Arme der Klasse I erhielten wöchentlich 30 bis 42 Kreuzer zum Leben. Jene der Klasse II 24 bis 28 X.

 

Im Personal- Fragebogen wurde ermittelt:

1.      Vor- und Zuname des Hilfsbedürftigen, Hausnummer, Religion,

         Leumund,

2.      ob ledig oder verheiratet,

3.      ob der Hilfsbedürftige das Heimatrecht in der Gemeinde besitzt und aus welchem Titel, oder ob selber einer anderen Gemeinde oder einem anderen Staate angehört, und welchem, ob demnach  der Gemeinde die Unterstützung a) mit b) ohne Ersatzanspruch obliegt.

(genannt wurden: Heimatrecht durch Geburt, durch Ansässigmachung, Verehelichung. Wenn die origo unklar oder nicht zu ermitteln war, musste die Kreishilfskasse zahlen),

4.      Bisheriger Erwerb

(genannt wurden: Spinnen, Mann war Lederer, Aushilfe im Kochen, Bauernknecht, Zimmermann),

5.      Ursache der Verarmung

(genannt wurden: Von armen Eltern und blödsinnig, früher üble Wirtschaft ihres Mannes, Tod ihres Mannes und längere Krankheit, hohes Alter und Erwerbsunfähigkeit, Unglücksfall bei der Arbeit, Krankheit),

     6.    Alter (genannt wurden: 65,58,71,79,57),

     7.    Ob und zu welcher Arbeit das hilfsbedürftige Individuum noch

            fähig ist: Ob und wo dieses diese Arbeit leistet und mit welchem

            Gewinne

            (genannt werden: Kann noch spinnen, wollspinnen und stricken,

            aushilfsweise kleine häusliche Arbeiten, zu keiner Arbeit mehr

            tauglich, kann zurzeit keine Arbeit leisten).[74]

 

Die Lokalarmenfondrechnungen von 1875 bis 1919 und die Rechnung des Ortsarmenverbandes/Ortsfürsorgeverbandes von 1919 bis 1933/34 ergänzen das Wissen über die Armensorge für Abach, in Abbach-Schlossberg von 1875 bis 1892, dem Jahr der Vereinigung mit dem Markt Abbach.

 

Verbindlichkeiten aus dem Heimatrecht scheinen schleichend abzunehmen. 1875 fand ich unter „Titl III.“ der Ausgaben (Unterstützungen) „Kapitel 3: Auf Beerdigungskosten für Heimatberechtigte: 1 fl für die Leichenwärterin, 4 fl den Todtenträgern, 4 fl für einen Todtensarg.“[75]

Der Armenpflegschaftsrat bestand auch im Bayern des 1. Deutschen Reiches weiter. Auch 1878 und 1880 werden noch Beerdigungskosten für Heimatberechtigte aufgeführt[76], allerdings nicht mehr in Gulden und Kreuzern sondern in Mark und Pfennig.[77] Die Zahl der Menschen, die Unterstützung brauchten, nahm zu, aber die Spendenbereitschaft der Einzelpersonen schien abzunehmen. Die Zuschüsse der Gemeinde an die Armenkasse stiegen an. An Einnahmen werden 1880 nur mehr Zinsen aus dem Kapital des Lokalarmenfonds, aus Strafanteilen und öffentlichen Belustigungen genannt. Der Zuschuss an den Fond aus der Gemeindekasse betrug bei einer Summe von 1020 RM Gesamteinnahmen bereits 800 RM.[78]

Im Jahre 1818 wurde die Armenkassenrechnung mit einem Gesuch um Gewährung eines Zuschusses wegen Überbürdung  mit Armenlasten an das Bezirksamt Kelheim überwiesen.[79]

 

Ab Gründung des 1. Reiches und mit Wirkung der neuen gesetzlichen Regelungen unter Bismarck spielte unter dem rechtlichen Aspekt das Heimatrecht fast keine Rolle mehr, unter dem sozialen nur mehr eine untergeordnete. Wer am Ort arm war, erhielt ohne weitere Unterscheidungen die Unterstützung.

 

So ist denn auch in der genannten Enzyklopädie 1888 angemerkt:

„Die Heimat (...) hat  nach geltendem gemeinen Recht  ihre Bedeutung verloren und nur in Hinsicht auf politische Rechte und etwaige Ansprüche auf Versorgung u.a. nach Maßgabe der einzelnen Gesetze  behalten.“ Der Begriff des Heimatrechts wurde in der Kaiserzeit immer wieder modifiziert, z. B. im Jahre 1896.

Die Leistungen wurden immer anonymer, die private Spendenpraxis immer ausgedünnter, die Zuschüsse der Gemeinde allgemeiner aber exzessiver.

Es existierten auch in zunehmendem Maße überregionale Unterstützungsgremien.

 

Auch in der Weimarer Republik gab es unterstützungsbedürftige Personen und Familien. Es waren vor allem Leute, die im sog. Gaishaus wohnten. Besonders Ausgaben für Verpflegungskosten, Schulkosten, Zwangserziehungskosten, Apothekerrechnungen, Arzt- und Krankenhauskosten schlugen zu Buche, z .B. 1920 betrugen die Ausgaben 3480 RM. Die Gemeindekasse hatte 2300 RM zugeschossen. Der ergiebigste Titel waren Einnahmen aus Lustbarkeiten, wie Tanz und Unterhaltung. Auch 1922 und in den Folgejahren gab es noch eine Instanz, die die Armenbelange regelte, sie hieß nun nur mehr „Armenrat“, dem immer auch noch der Pfarrer angehörte.[80]

 

Im 3. Reich nannte man das örtlich zuständige Gremium „Ortsfürsorgeverband“. Dessen Wirksamkeit  beschränkte sich nicht nur mehr auf die laufende Armenunterstützung sondern vor allem auf die „Wohlfahrtsunterstützung“, die auf Grund der Arbeitslosigkeit  der Jahre 1933 bis 1935 notwendig geworden war.[81] Aber diesen Sachverhalt betrachten wir erst in einem späteren Kapitel.

 

 

12. Hilfe für Witwen- und Waisen

 

Schon das Alte Testament versteht den Tod eines Elternteils als tragischen Verlust für den zurückgelassenen Partner und besonders für die verwaisten Kinder. Dieser Personenkreis galt in unserer Kultur als besonders schutzwürdig.

Im AT lesen wir: „Wenn du die Saat schneidest auf deinem Acker, und eine Garbe vergissest und zurücklassest, sollst du nicht umkehren, sie zu holen, sondern sollst sie dem Fremdling und dem Waisen und der Witwe wegtragen lassen, auf dass der Herr, dein Gott, dich segne in jeglichem Werke deiner Hände.“ V. Moses 24,19.[82]

 

 

 

 

            Bild 7

                St. Nikolaus  teilt goldene Äpfel als Mitgift

                an  drei verwaiste Mädchen aus.

               Albert Stahl. Pfarrkirche Bad Abbach, Photo Kraus

 

Auch in säkularen Mandaten finden wir das Gebot der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe in diesem Punkte verankert. So lesen wir in Nr. 16 der Bayerischen Landordnung von 1748 des Churfürsten Maximilian Josef:[83]

„Nächst disem hat man sich der armen Wittwen, und Waisen, von Obrigkeits wegen anzunehmen, selbe nicht gleich nach des Manns Tod mit allerhand unbillichen Oblagen, und Verfolgungen zu beschweren, ja wohl gar von häußlichen Ehren zu verstossen, sondern vielmehr die hülfreiche Hand zu biethen, und sich  gegen die armen Witwen mitleydig zu erzeigen, die Puppillen aber sollen unter die Vormundschaften zeitlich genommen, Christlich auferzogen, ihnen zum besten gehaußt, alles wohl angelegt (...)“ werden.

Diese Pflicht ließen sich die vom Markt Ab(b)ach delegierten Personen und Gremien sehr angelegen sein. Wenn jemand aus dem Rat zum „Waisenrat“ bestimmt wurde, bedeutete dies eine besondere Auszeichnung. Das Gremium, das ihm beratend und unterstützend zur Seite stand, ebenfalls Waisenrat genannt, bestand aus besonders dafür qualifizierten Personen.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe hatte jeweils der obrigkeitlich bestellte Vormund zu verrichten. Er musste nach dem Tod eines Elternteils die finanzielle, ja gesamtwirtschaftliche Situation der Restfamilie erfassen, und sofern es aktive Hinterlassenschaften oder Vermächtnisse  gab, musste er dafür sorgen, dass diese altersfristgemäß zugeteilt wurden. Kammerer und Rath überwachten diese Vorgänge und ratifizierten oder kritisierten sie. Der Umgang mit Mündelgeldern wurde sehr restriktiv gehandhabt. Es wurden in der Regel zwei Vormünder bestellt.

Beim Verdacht von Unregelmäßigkeiten oder von Formfehlern trat sogar die Churfürstliche Rentmeisterliche Umritts Visitations Commission auf den Plan. Es handelte sich um Revisoren und Personen der Rechtsaufsicht der Regierung, meist mobilisiert durch das Landgericht Abach. Im Heimatheft 30/2005 S. 15 berichtete ich bereits über den Fall der sieben verwaisten Kinder des Vordermüllers Adam Apfl, sogar Mitglied des äußeren Rats, wo vergessen worden war, das Geburtsjahr der Kinder anzugeben, so dass man nicht wusste, ab wann das Erbteil nach Erreichen des 17. Lebensjahres zugeteilt werden musste. Diese Kontrolle fand 1718 statt.[84]

Über meist korrekte Vorgänge berichten vorliegende Vormundschaftsrechungen.[85] z. B.:

„Martin Ertl Taglöhner alhier ist verstorben und dessen hinterlassenes Eheweib hat nichts in Vermögen. War aber beliehen. 1 Gulden 7 Kreuzer 3 2/3 Heller ausständig geblieben und von der Wittib nichts mehr zu erhalten. Sie müssen hinfüro abgetragen somit in Ausgab gebracht werden 1 fl 7 X  3 2/3 hl.“ [86]

Oder: „Vormund Bartlmä Jungmann, des Inneren Rats Kammerer und Sailler, dan Jakob Aur Vordermüller:

Ortlieb Mathias Krammers ehelicher Sohn Johann Baptist im 17. Jahr hat vermög Vertragsbrief von 17. März 1786 zum Vatter Gutt 200 Gulden erhalten. Da solches H. Vormund Jungmann erhalten, den 17. März 1789 die erste Rechnung gemacht worden. Da aber Puppill ausländisch lebend[87] in kurzer Zeit 125 Gulden 20 Kreuzer Schulden gemacht und bezahlt werden müssen, hat die Mutter Josefa den Rest zu sich gezogen, um nicht selbst zu darben. Auf Absterben der Mutter ist nach Inventarbuch 1793 folie 57 bis 64 diesem Pupillen angefallen 62 Gulden 1 Kreuzer 5 Heller. 1803, den 30. Oktober Rechnung gemacht worden. Den 31. Oktober 1806 die zweite Rechnung gemacht.[88]

Ferner der Bericht über den Nachlass von Josef Alzinger, Innerer Rat und Ehrenkammerer, für seinen Sohn Jakob: „In Ablesung dieser Rechnung hat man befunden, dass solche in Cuncta intakt, aber die Zinsen nicht fleißig eingetrieben worden. Es wird daher dem Vormund sein Säumnis ernstlich verwiesen und dann solches um Unterlassung gebeten (...)“[89]

Nach häufigem Eintreten des Todesfalles gab es viele Waisen, zumal die Ehen viele Kinder hervorbrachten. So heißt es einmal:

„Vormund Andrä Gierstorfer und Erhard Bauer. Nach Eintrag von 24. April 1794 haben die (…) Aumeierischen 4 Kinder Simon im 7., Anna Maria im 6., Katharina im 5., Theresia im 3. Jahr von ihren Eltern 200 Gulden (erhalten). Bei Erreichen des 16. Jahr (es) macht der Zins 3 Gulden. Zu ziehen dem Simon 1804 das erste Mal.“[90]

Das letzte Vormerkungsbuch  vor Einführung des Königreichs nennt in diesem Ehrenamt die folgenden angesehenen, gut beleumundeten Bürger als Vormünder:

Jakob Auer, Bürger und Vordermüller,

Martin Leml, resignierter Rath und Hutmacher,

Bartholomäus Jungmann, Kammerer und Seiller,

Andrä Gierstorfer, Rath und Schmied und Erhard Bauer, Metzger,

Kaspar Erenberg und Andrä Obermeier,

Wolfgang Alzinger und Josef Leithaml,

Michael Geigl, Schmied,

Georg Forstner, Schmied und Anton Thiermeier, Kuffner,

Wolfgang Fuchs, Maurer und Leonhard Fischer, Biergeber,

Georg Burger, Biergeber, Zimmermann und Jakob Auer, Vordermüller,

Baltasar Koch[91], Kammerer und Schreiner und Ignaz Tax, Färber,

Paulus Hummel, Hafner und Josef Strauch, Kuffner,

Johann Weber, Böck und Josef Haid, Schmied,

Johann Andrä Baur, gewesener Böck und Johann Georg Forster, Schmied,

Benedikt Zirngibl, Kaufmann und Franz Strauch,

Josef Haid, Schmied und Georg Manglkammer, Zimmermann,

Zacharias Paur, Bürger und Wagner,

Jakob Reithmeyer und Josef Meyer.[92]

 

Die heutige Zeit bringt natürlich trotz zurückgehender Sterblichkeit in der Elternschaft, besonders wegen der Gefahren aus Technik und Verkehr, auch Waisen hervor. In diesen Fällen wird aber durch staatliche und gewerbliche Sozialkassen, Versicherungen und andere öffentliche Stellen die Funktion der früheren Gremien kompensiert.

Heute gibt es jedoch das sehr gravierende soziale Problemfeld der Scheidungswaisen, nachdem gegenwärtig 40 bis 50 % der jährlich geschlossenen Ehen wieder geschieden werden. Diese Fälle regeln die Familiengerichte.

 

 

13. Die Sorge der Gemeinde für die Bildung und Erziehung der

      Kinder

 

Die schulische Erziehung und Unterrichtung galt von jeher nicht nur als kulturelle, sondern in höchstem Maße auch als soziale Obliegenheit einer Gemeinde. Dies beweisen alle Initiativen der Marktgemeinde Abbach und der Gemeinde Abbach-Schloßberg, die seit Menschengedenken in diese Richtung gestartet wurden.

1925 brachte dies der Gemeinderat von Abbach angesichts materieller Not und einer drückenden Arbeitslosigkeit bei dem Bemühen um die vierte Lehrer-Planstelle auf den Punkt:

„Der Gemeinderat Abbach ist der festen Überzeugung, dass das beste Rüstzeug in diesem Kampf ums Dasein eine gediegene Schulbildung ist und befindet sich damit im Einklang mit den übrigen Marktbewohnern.“[93]

Georg Rieger schreibt in „Geschichte der Stadt Kelheim“, „dass Abbach schon sehr früh eine deutsche Schule erhielt“. Im Stiftungspapier des Georg Parth 1556 ist bereits berichtet, dass der „Schulmeister“ sechs Regensburger Pfennige erhält. Im Jahre 1672 wird der „Schulmann“ Andreas Müller genannt.[94]

1816 starb der letzte weltliche Lehrer, Spielmann, Lottokaufmann und Bäcker, Lorenz Schindlböck (aktiv von 1763 bis 1791[95]) und es folgte die Reihe der ab 1818 festinstallierten Schulbenefiziaten, nachdem nach langem Kampf mit Regierung und Bistum endlich ein Schulbenefizium errichtet werden konnte, sobald der Markt den hinreichenden finanziellen Fundus des geistlichen Lehrers nachweisen konnte. Der erste von ihnen war der Kaplan Pfeifer.

Diese Lehrer waren inhaltlich und didaktisch besser ausgerüstet als ihre weltlichen Vorgänger, die sehr von der Sorge des Broterwerbs für sich und ihre Familien geplagt waren.

Am 25.2.1884  wurde die Schule vom Benefizium mit Hinweis auf den Priestermangel und das Wohl der Schule wieder getrennt. 1888 plante man die Erweiterung der Schule am Schlossberg, die 1891 vollzogen wurde. Der Voranschlag belief sich auf 18.000 RM. Man beantragte daher bei der Bezirksregierung einen Zuschuss für die bereits tätigen drei weltlichen Lehrer.

Die Gemeinde galt vom Anfang des Schulwesens an bis in die Jetztzeit als Aufwandsträger. Zuschüsse für die Besoldung der Lehrer aus der Kreis-Schulfondkasse gibt es erst seit dem 18. Jh. Schulhausbauten wurden bei Anträgen an diese übergeordnete Stelle immer als besonders belastende Eigenleistung einer Gemeinde aufgelistet.

Die markanten Eckpunkte in Richtung eines voll funktionierenden Schulzentrums am Ziegelfeld mit Grund- und Hauptschule habe ich in früheren Heimatheften immer wieder angesprochen.[96] Ich brauche mich daher nur skizzenhaft mit den Schulhäusern, die es herzustellen galt, befassen:

1.      Das allererste bekannte „Schulhäusl“ in der ehemaligen Ochsengasse, dann Kochzipfl 96, heute Kochstr.31,[97]

2.      Das ganz alte Schulhaus bis 1815 an der Treppe von der Schulbruck zum Jungferngassl, damals Hs. Nr. 60,

3.      Die Schule im Rathaus, jetzt „Gasthaus zur Post“ bis 1845,

4.      Die Schule am Fridlberg ab 1845, die gleichzeitig Wohnung des Schulbenefiziaten war,

5.      Die alte Schule am Schlossberg ab 1891 bis 1962[98],

6.      Das neue Schulgebäude am Ziegelfeld  (jetzt Grundschule) in den 1960er Jahren (Begonnen 1961, erweitert bis 1996),

7.      Die neue Hauptschule 1976,

8.      Ab 1960 bis in die 1980er Jahre war das ehemalige Bezirkskrankenhaus an der Regensburger Straße. (gebaut 1871 am Krankenhausberg) immer wieder Ausweichquartier bei bestehender Raumnot.

 

Die Gemeinde musste immer wieder für die Unterbringung der Lehrer sorgen, indem sie Lehrerwohnungen baute und in Stand setzte.

In einer Schulstellenbeschreibung von 1878 wird als 1. Lehrerwohnung das Benefiziatenhaus angegeben, dass die Gemeinde 1845 um 7000 Gulden gekauft hatte und  fürderhin die Baupflicht hatte. Der Schulgehilfe wohnte im Messnerhaus, das der Pfarrkirchenstiftung gehörte.[99]

In der Schulstellenbeschreibung von 1925/26 wird für eine der damals bestehenden drei Lehrerstellen eine Dienstwohnung 1.Ordnung genannt. Sie befinde sich außer dem Schulhause im Postgebäude.[100]

Das Postgebäude wurde von der Gemeinde zum Zwecke der Errichtung von Lehrerwohnungen am 11. Mai 1912 um 13.000 RM angekauft.[101]

Zahlreiche Inventarlisten in den Schulakten, sowie Lehr- und Lernmittellisten sprechen eine deutliche Sprache über Gelder, die die Gemeinde für den Schulbetrieb berappen musste.[102] Es liegen eine Menge Tagebücher über Einnahmen und Ausgaben der Schulkasse Abbach vor, die diese Aussage komplettieren könnten.[103]Auch die Schulgeldbeiträge der Eltern sind bis 1919 in Hebelisten festgehalten.[104] Für ein Einzelkind waren 1919 pro Jahr 2 mal 72 Pf., bei mehreren Kindern je 2 mal 36 Pf. zu zahlen. So wurde den Eltern und Kindern bewusst, dass Bildung ihren Wert hat.

Über all diesen finanziellen Überlegungen und Opfern darf das Wichtigste nicht übersehen werden: Das sind Tausende von Kindern über die Jahrhunderte, denen pädagogisch-didaktische Kompetenz und erzieherische Liebe von ihren Lehrern entgegengebracht wurden.

An dieser Stelle möchte ich meinen eigenen Lehrern der Volksschulzeit in Bad Abbach von 1940 bis 1948 ein bescheidenes Denkmal setzen. Es waren dies: Die Oberlehrerinnen Maria Schirmer und Maria Krach, Hauptlehrer Karl Heinrich, Lehrer Franz Brehm, Fräulein Rosenkranz, Frau Lehrerin Adele Speer, Oberlehrer Josef Manglkammer, Frau Hauptlehrerin Weber. Ich behielt sie alle in lieber Erinnerung und danke ihnen heute noch von Herzen.

Es muss den Schulpflegschaften noch ein Wort gewidmet werden: Hier handelt es sich um jenes demokratisch gewählte Gremium, das die Beziehungen zwischen Gemeinde, Schule und Elternhaus wirksam und nachhaltig fördert. Ein diesbezügliches Gesetz gibt es seit 1919, wurde 1922 reformiert, aber im 3. Reich suspendiert. 1948 wurde es aber revitalisiert.[105]

Aus der Zeit des sog. 3. Reiches liegen ab 1938 auch Abstimmungslisten über eine „Gemeinschaftsschule der Ortsgruppe Bad Abbach“ vor. Für diese Schulform votierten von 368 Erziehungsberechtigten 360 aus Abbach, Oberndorf, Peising, Kapfelberg, Lengfeld und Poikam. Lediglich in Lengfeld gab es 4 Gegenstimmen. Diese Schulform blieb in abgespeckter Form jedoch nur eine kurze Episode.[106]

Einen ernsthaften Zusammenschluss der Abbacher Volksschulen mit den Schulen des Umlandes zum Zwecke der Effizienz von Bildung und Erziehung, sowie der besseren Verwendung der finanziellen Mittel bedeutete die Gründung des Schulverbandes 1969. Es schlossen sich  sogleich die Orte Bad Abbach, Dünzling, Oberndorf, Peising und Saalhaupt zu einem  Schulsprengel zusammen.

Wegen der nun anfallenden Kosten greife ich die „Haushaltssatzung und Haushaltsplan“ für das Haushaltsjahr 1977 heraus. Es waren inzwischen die Gemeinden Lengfeld und Poign dazugekommen. Die Schülerzahl betrug ohne die Gastschüler 656.

Für den Verwaltungshaushalt wurden 753.650 DM, für den Vermögenshaushalt 83.500. DM in Einnahmen und Ausgaben festgesetzt.[107]

Heute übertrifft die Summe diese Beträge wesentlich, weil die Gemeinde erheblich expandierte, und die ganze elektrische, elektronische und digitale Entwicklung in Lehr- und Lernmitteln Fuß gefasst hat.

Leider wurde es in den 1970er bis 1990er Jahren, den Gründerjahren von weiterführenden Schulen in Bayern, von den Repräsentanten der Marktgemeinde versäumt, eine weiterführende Schule nach Bad Abbach zu bringen, so dass die qualifizierten Kinder der inzwischen auf über 12.000 Bürger zählenden Gemeinde nach Abensberg, Kelheim, Neutraubling oder Regensburg ausweichen müssen.

 

14. Das Mädchenhaus oder Armenkinderhaus der Anna-Maria

      Koller (1845 – 1901)

 

Im Gefolge der Revolution von 1848 und der weiter zunehmenden Aufklärung und Verstädterung haben sich nach einem Bericht des Abbacher Pfarrers Martin Otto an das Bischöfliche Ordinariat die sittlich moralischen Verhältnisse nicht gut entwickelt. Zucht und Erziehung der Jugend wurden von den Eltern weithin als unwichtig betrachtet.[108]

In dieser Situation fanden sich jedoch einige einflussreiche und vermögende Privatleute in Abbach, die die Sache wenden wollten. Zu ihnen gehörte 1856 die Bräuerswitwe Anna Maria Koller, die Ehefrau Franz Xaver Kollers, die im 1845 aufgegebenen Rat- und Schulhaus (jetzt Gasthaus zur Post) im Tausch mit einem Haus der Koller`schen  Brauerei (jetzt Zirngibl) ein Pflegehaus für arme und verlassene Mädchen einrichten wollte.

Die Gemeinde reagierte jedoch aus zwei Gründen reserviert:

Erstens, man habe das alte Rathaus nach Verlust des Landgerichtes 1803 dem Staat 1847 schon einmal zur Errichtung eines Pflegegerichtes angeboten und man habe diesbezüglich noch keinen ablehnenden Bescheid. Zweitens schien dem Rat von Abbach  die Errichtung eines Mädcheninstituts nicht nötig gewesen zu sein, weil in „unmittelbarer Nähe das Kloster Viehhausen und die Stadt Regensburg liegt, und dadurch den Eltern, welche auf die Ausbildung ihrer Kinder mehr verwenden wollen, die schönste Gelegenheit zur Seite steht.“[109]

Anna Maria Koller ließ sich jedoch nicht abschrecken oder vertrösten und kaufte das Haus an der Ecke Römerstraße/Jungferngassl, um 1950 noch „Klösterl“ genannt. Für die Betreuung der Mädchen holte sie Franziskusschwestern aus Pirmasens, die nach ihrem Umzug nach Bayern „Mallersdorfer Schwestern“ genannt wurden. Wegen der Animositäten zwischen Anna Maria Koller und dem Gemeinderat Abbach konnten sich diese wohltätigen Schwestern in Abbach nie beliebt machen, und man holte deshalb zur Betreuung des Kindergartens den St. Nikolausvereins (gegr. 1926) und für das Bezirkskrankenhaus  am Krankenhausberg schließlich Schwestern aus Vierzehnheiligen.

In der Diözesanmatrikel 1919 finden wir über diese Schwestern in der privaten Stiftung einer Abbacher Bürgerin folgenden Passus:

„(...) Die Schwestern (3) wurden 1858 von der Bräuerswitwe Anna Koller berufen, um in einem ihr gehörigen Hause die Pflege und Erziehung armer verlassener Mädchen  zu übernehmen. Die Schwestern haben auch in der Mädchenschule den Unterricht in weibl. Handarbeiten zu ertheilen und versehen Krankendienst in Privathäusern. Die Anstalt  st z. Z. ohne Fundation; das Haus ist noch Eigenthum der Anna Koller, (...).“[110]

Heute wohnt in diesem Häuschen mit anliegendem Gärtchen an den Berg hin die Witwe Beer.

 

 

15. Kindergärten in (Bad) Abbach von Maria Weigert bis heute

 

Eine weitere couragierte und fortschrittlich denkende Bürgerin Abbachs war Maria Weigert. Sie muss als geistige Urheberin der Kindergartenbewegung in Abbach betrachtet werden. Schon um die Wende vom 19. zum 20. Jh. gab sie den Anstoß in diese heute höchstaktuelle soziale und pädagogische Richtung, die wegen der weiteren Förderung und der Erweiterung der Hort- und Tagesstätten- Einrichtungen die Gemüter in der großen Politik erhitzt.

Den betreffenden Brief Weigerts „An den hochlöblichen Gemeinde-Ausschuß Abbach“ bringe ich daher im Wortlaut:

„Auf Anregung des Hochwürdigen Herrn Pfarrers Glas dahier, wäre ich gesonnen, eine Kleinkinderbewahranstalt zu errichten und stellt Unterfertigte hiermit das Ersuchen an den hochlöblichen Gemeinde Ausschuß Abbach, derselbe möge ihr zu diesem Zwecke ein Lokal des ehemaligen Gaishauses überlassen.

Ihr Gesuch begründet die Antragstellerin damit, dass von verschiedenen Seiten die Einrichtung besagter Anstalt als sehr nützlich begutachtet wurde und der betreffende Platz vor dem genannten Hause sich als Spielplatz vorzüglich eignen würde.

Zur Einrichtung der Anstalt erhielte die Gesuchstellerin die Unterstützung des „Frauenvereins zur Förderung der Landkrankenpflege“ sowie einiger persönlicher Gönner.

Als Bezahlung für die Beaufsichtigung der Kinder wären von den Eltern  derselben pro Kind und Woche 20 Pf. zu entrichten.

Die Beaufsichtigung geschähe in den Stunden 8 – 11 Uhr vormittags und 12 – 6 Uhr Nachmittags.

Unterfertigte bittet hiermit den Hochlöblichen Gemeinde-Ausschuß, ihr Gesuch zu befürworten und erhofft die Gewährung desselben.

In dieser Erwartung zeichnet gehorsamst Maria Weigert.

Abbach 4. November 1901.“[111]

 

Das Begehren und der Vorschlag der Maria Weigert wurde nicht sofort realisiert. Es brach der 1. Weltkrieg (1914 – 1918) aus, der seine eigenen Fakten schuf. Aber das Problem der Kinderbetreuung stand ab jetzt vorrangig auf der Tagesordnung.

Es folgte die Zeit der Inflation und brennender Geldsorgen. Man schaute angestrengt nach Einnahmequellen. Da erinnerte man sich eines ganz eklatanten Missstands: Der größte Arbeitgeber Abbachs, das Zementwerk in Alkofen, zahlt nach Abbach keine Einkommenssteuer und keine Gewerbesteuer. Dieser Zustand musste sich ändern! Darum schickte man einen Brief an das Bezirksamt Kelheim mit der Bitte um einen wirksamen Rat: „Das Portlandzementwerk Abbach hat seinen Sitz in der Gemeinde Lengfeld. Der weitaus größte Teil der Arbeiterschaft dieses Werkes hat seinen Wohnsitz in Abbach und bildet hinsichtlich  der Wohnungsbeschaffung, des Schulbesuchs der Kinder, der bereits eingeführten Notstandsmaßnahmen, der Unterstützung durch die Armenkasse, eine ganz beträchtliche Belastung der Gemeinde. Die Gemeinde Abbach bezieht aber aus der Steuer (Einkommens-, Umsatzsteuer) nicht den geringsten Vorteil. Dieser fällt restlos der Gemeinde Lengfeld zu. Es wird um Mitteilung gesetzlicher Handhabe gebeten, auf Grund welcher die Gemeinde Abbach in die Lage versetzt ist, einen Anspruch auf entsprechende Entschädigung  bzw. Zuweisung  mit Recht  und Erfolg erheben zu können (...).“[112]

Die Änderung dieses Missstandes brachte die Einführung der Einkommenssteuerergänzungsabgabe durch das neue Landessteuergesetz.

Aber schon 1923 behalf man sich zunächst mit einer Notlösung, die die Gemeinde nichts kostete: „Der Kinderbewahranstalt wird der Sitzungssaal in seinem bisherigen Zustand zugewiesen. Die Akten und Bücher bleiben natürlich unangetastet. Für Heizung und Reinigung hat die Bewahranstalt selbst aufzukommen.“[113] Es sei darauf hingewiesen, dass der Rathaussaal in der Schule auf der Schulbruck gemeint war.

1925, als sich die Weimarer Republik stabilisierte und die pädagogische Wissenschaft ihren Fortschritt nahm, machte man Ernst mit dem Kindergarten: „Die zwei Bürgermeister sprechen wegen eventuellen Betragsleistungen mit den Fabrikleitungen, deren Arbeiter ihre Kinder zur Bewahranstalt schicken.“[114]

Noch im gleichen Jahr entschloss sich der Gemeinderat, eine eigene Kinderbewahranstalt zu bauen. Sie sollte auf dem Grundstück des ehemaligen Alzinger Anwesens auf der Schulbruck entstehen (heute Steueuer). Es gingen die Unterlagen (Plan mit Protokollabschrift v. 16.02.1925) an das Bezirksamt Kelheim mit der Bitte, das Gelände auf seine Eignung zu untersuchen.[115] Das Bezirksamt war einverstanden. Der Bau, in den auch der Rathaussitzungssaal und eine Schwesternwohnung integriert sein sollten, wurde  auf 16.560 RM veranschlagt.

Schon im März 1925 wurde dieser Plan aber verworfen. Man hatte stattdessen den Sommerkeller des Alfons Schreiner mit dazugehörigem Garten, den sog. Diriglkeller, um 6000 RM  (jetzt evangelische Kirche) gekauft.

Nun begann die Geschichte des Kindergartens unter der Trägerschaft des 1926 gegründeten St. Nikolausvereins, mit einem Neubau an dieser Stelle. Die Betreuung der Kinder übernahmen ab 1934 Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen, die im gleichen Hause auch eine Nähschule unterhielten und im Ort die Kranken betreuten. 1952 wurde ein größerer Raum als Kinder-Tageskrippe angebaut. Die Geschichte dieses Kindergartens, besonders seinen Kampf ums Dasein und die Kabale, verursacht durch die systemhörigen Naziführer von Abbach während der Zeit des 3. Reiches im Detail zu schildern, wäre aufgrund der Unterlagen[116] gut möglich. Es würde aber im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen.

In den 1980er Jahren zog der Kindergarten von der Stinkelbrunnstraße in den Neubau am Krankenhausberg, auf das Gelände des ehemaligen Bezirkskrankenhauses. Er führt den Namen St. Nikolauskindergarten unter der Trägerschaft der katholischen Pfarrei.

Der Bedarf an Kindergartenplätzen schwoll an. So war es durchaus folgerichtig, dass die Gemeinde mit dem Bau eines zweiten Kindergartens reagierte. Am 28. Mai 1993 wurde der Kindergarten „Arche Noah“ eingeweiht.  Er liegt im Ortsteil Goldtal und befindet sich in der Trägerschaft der evangelischen Pfarrei. Der Ort war damals auf 8200 Bewohner angewachsen und die Entwicklung der Einwohnerschaft wies nach oben.

Der 1978 eingemeindete Ortsteil Lengfeld benützte zunächst das Gebäude der ab 1977 leer stehenden Schule als Kindergarten. Er wurde unter dem Namen „Sancta Maria“ eingerichtet und wegen des steigenden Bedarfs 1990 erweitert. 1995 wuchs die Kinderschar auf drei Gruppen an, und so war ein nochmaliger Um- und Erweiterungsbau notwendig, der am 28. April 1996 eingeweiht wurde und in der Trägerschaft der Kirchenstiftung Lengfeld/Pfarrei Teugn steht.

Nun steht die Marktgemeinde bei 12.500 Einwohnern. Es leben hier sehr viele junge Familien mit reichlich Kindern. Der Marktgemeinderat unter Führung des neuen Bürgermeisters Ludwig Wachs musste wieder reagieren. Es wurde ein vierter Kindergarten mit dem Namen „Sankt Christophorus“ neben der Grundschule gebaut. Die Trägerschaft übernahm wieder die katholische Pfarrei. Die Einweihung fand am 26. Oktober 2003 statt. Kaum hatte man den Betrieb aufgenommen, zeigte sich ein Bedarf an Hort- und Tagesstättenplätzen. Es war ein glücklicher Umstand, dass das Gelände einen Anbau zuließ, der 2007 eingeweiht wurde.

So hat der Markt Bad Abbach unter großen Anstrengungen, jetzt allerdings gut unterstützt mit öffentlichen Geldern, den Ruf eines kinderfreundlichen Ortes erworben, der sein Gewicht als Wohnort mit gehobener Lebensqualität ständig steigert. Momentan gibt es einen Plan zur Verwirklichung eines sog. „Waldkindergartens“.

16. Das Distriktkrankenhaus

 

Das Abbacher Krankenhaus war zwar ein Distriktkrankenhaus, aber von der Bauplatzsuche bis zur Belegung, Verwaltung und Betreuung der Kranken Leuten aus Abbach, der hiesigen Gemeindeverwaltung und ab 1.4.1926 der liebevollen Pflege der Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen anvertraut. Schon 1870 und in den vorausgehenden Jahren wurde die Bevölkerung rund um Abbach, diesseits und jenseits der Donau um ihre Zustimmung zur Errichtung gebeten. Das Votum war einmütig positiv und so konnte 1871 gebaut werden. Der Chefarzt in den 1890er Jahren war Dr. Röhrig. Der bedeutendste Arzt seit der Jahrhundertwende war Dr. Franz Schmitz, der sich in den 1920er Jahren als zweiter Bürgermeister auch in den Bemühungen und Verhandlungen um die Kleinkinderbetreuung in Abbach sehr verdient gemacht hat. Nicht umsonst wurde nach ihm in dankbarer Erinnerung eine Straße bezeichnet.

Über die Geschichte dieses Hauses habe ich bereits im Heimatheft 30/2005, S. 65 berichtet und brauche mich daher nicht zu wiederholen. Ich möchte den damaligen Bericht nur in einem Punkte ergänzen, nämlich wie das Krankenhaus geführt wurde, weil ich zwischenzeitlich ein diesbezügliches Papier im Archiv gefunden habe:

 

 

 

Bild 8: Im Spitalkrankenhaus.

 

Der Distriktrat Witzmann aus Dünzling wollte am 13. Jan. 1890 den Taglöhner Maier besuchen und sich einmal nur so umschauen, wie es im Krankenhaus zugeht. Weil er sich jedoch nicht angemeldet hatte und in die vom Krankenhausverwalter Pappi von 12 bis 1 Uhr eingerichtete Mittagpause platzte, wurde er nicht eingelassen. Dies bewog ihn, seinem Ärger mit einer Klage an das königliche Bezirksamt in Kelheim freie Luft zu lassen. Mit einem Schreiben an den damaligen „Respizienten“, Bürgermeister Röhrl von Abbach, wurde von Amts wegen Auskunft und Klarheit verlangt.[117]

 

Dieser gab umgehend zur  Kenntnis:

„(...) Als Respizient des Krankenhauses Abbach und auch in Folge verschiedener Äußerungen, welche Distriktrath Witzmann in Wirtshäusern über das Krankenhaus Abbach und auch über Pappi, auf welch letzteren er nicht gut zu sprechen zu sein scheint, begab ich mich wiederholt und zu verschiedenen Zeiten in das hiesige Krankenhaus und fand jedes Mal nicht nur die größte Reinlichkeit und Ordnung, sondern hörte auch niemals Klagen der Kranken.

Am 21.d.Mts. war ich wiederholt dort, ging ganz alleinig von Saal zu Saal, erkundigte mich eingehend bei den Kranken über alles, und erhielt überall, wie von einem Munde, dass die Verpflegung reichlich und sehr gut sei, die Behandlung sowohl vom Herrn Doktor als auch Krankenwärter sehr liebevoll, die Beheizung immer genügend, überhaupt die ganze Behandlungsweise sehr lobenswert sei.“[118]

Man erfährt aus dem Brief auch, dass es ein kleines Parterrezimmer mit zwei Betten, einen Saal mit sechs Betten und einen weiteren Saal für weibliche Kranke gab. Von einer Überbelegung  hätte keine Rede sein können.

Aus den Berichten meiner Eltern weiß ich, dass das Krankenhaus in Abbach sehr gelobt wurde und in schwierigen Lagen als letzte Hoffnung galt.

1941 wurde das Krankenhaus vom Kreis Kelheim an die L.V.A. Niederbayern und Opf. verkauft, die es ab 1942 als Lungenheilstätte nutzte. Am 17.1.1950 beschloss der Markt, das Haus zurückzukaufen, wusste aber nicht sogleich, was man damit anfangen soll. Nach einer Zwischennutzung durch das BRK interessierte sich für das Areal eine Hühnerfarm. Dem Begehren gab man Gott sei Dank nicht statt, sonst würden an dieser Stelle heute nicht die Kinder des Kindergartens, sondern die Hühner gackern.

 

 

 

 

 

 

17. Weitere Initiativen: Vom Nikolausverein zur Caritas-Sozialstation – die Feuerwehr – Sportstätten und Schwimmbäder

 

In der ältesten Durchschrift der Satzung des „Vereins ´Kinderheim St. Nikolaus´ in Abbach“ wird der zweite Zweck des Zusammenschlusses genannt: „Beabsichtigt ist für später  die Einbeziehung der ambulanten Krankenpflege.“

Diese Durchschrift ist datiert mit  24. Januar 1926, konfirmiert am 2. Dezember 1928, sowie bestätigt am 29. Sept. 1929. Die verantwortlichen Leute der ersten Stunde waren als 1. Vorstand Pfarrer Josef Kreger, als 2. Vorstand 1. Bürgermeister Meindl, dann Georg Aubele, Gemeinderat in Vertretung, als Schriftführerin Josefine Hengge. Beisitzer waren Nikolaus Aumeier, Otto Windl, Xaver Hermann und Emilie Karl.

Der Verein wurde aber nach langen Anfangsquerelen erst am 28. März 1935 in das Vereinsregister eingetragen.[119]

Zu diesem Zeitpunkt sah sich Pfarrer Alois Lehner zu einem Aufsatz „Rechtslage im III. Reiche“ veranlasst, in dem er die karitative Arbeit des Vereins gegenüber der NS Bewegung in Bad Abbach rechtfertigt:

„Die katholische Caritas hat in erster Linie Kranke, Blöde und andere Hilfsbedürftige zu betreuen. Ein Kinderheim mit Unterricht für Mädchen in Nähen und Hausarbeiten fällt in die Hoheit des Staates. Auch die ambulante Krankenpflege hat in erster Linie der Staat in die Hand zu nehmen. Dieser Gedanke war ausschlaggebend bei der Gründung des St. Nikolausvereins in Bad Abbach. (...) Der Einfluss der politischen Gemeinde kommt dadurch zum Ausdruck, dass stets der II. Vorsitzende des St. Nik.Ver. der I. Bürgermeister der politischen Gemeinde sein muss.“[120]

Der Verein hatte 1935 200 Mitglieder aus Bad Abbach und den umliegenden Orten. Während der Zeit des Nationalsozialismus geriet er wegen des Monopols auf Erziehung der Kinder in heftige politische Turbulenzen. Er konnte sich über diese Zeit nur mit seinem Dienst an den Hilfsbedürftigen und Kranken hinüberretten, bis er nach dem 2. Weltkrieg auch die Kindererziehung wieder zu seinem Leitziel formulieren konnte.

Der liebevolle Dienst in der häuslichen Krankenpflege über die lange Dauer von 80 Jahren hätte 2006 eine dankbare öffentliche Feier verdient. Aber damals schien der Verein leider einem schleichenden Siechtum zu erliegen. Er hatte zwar stattliche 301 Mitglieder, es setzte eine enge Kooperation zwischen den Katholiken und Protestanten ein, um die ambulante Pflegeeinrichtung erhalten zu können. „Pfarrer und Bürgermeister wollten die soziale Einrichtung (...) unbedingt in der damaligen Form beibehalten“, denn „Die sozialen Nöte werden größer und sind unmittelbar in unserer Nähe, so der Geistliche (Franz Schmidbauer A.d.V.). Er verwies auf die überall entstehenden Tafeln, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen, oder auf die Tatsache, dass es sich manche Eltern nicht mehr leisten können, ihre Kinder  an Schulveranstaltungen teilnehmen zu lassen.“[121]

 

 

 

Bild 9: Der barmherzige Samariter.

 

Damals war die Frage noch: „Muss der Nikolausverein bald den Insolvenzantrag stellen? Die Schulden haben sich jetzt auf rund 100 000 Euro summiert.“[122]

Noch 2005 hatte der Verein einen Flyer in die Haushaltungen geschickt mit der Aufforderung „Kommen Sie doch mal vorbei und lernen Sie uns kennen!“ Es waren alle Dienste von der „Unterstützung der pflegenden Angehörigen“ bis zum „Betreuten Wohnen daheim“ aufgelistet. – eine wahrhaft beeindruckende Litanei.

Aber es war unabwendbar geworden, dass eine Sozialstation unter der Trägerschaft der Caritas die Hauptverantwortung mit ihren weitgefächerten Möglichkeiten übernahm.

Der Nikolausverein blieb zwar noch erhalten, beschränkt sich aber nun auf Alten- und Krankenbesuche und deren Betreuung.

 

Die Feuerwehr verdient als exzellente soziale Institution in der Gemeinde Bad Abbach eine besondere Erwähnung und Auszeichnung. Schon der seit undenklichen Zeiten geltende Wahlspruch bringt dies zum Ausdruck: „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr.“

Obwohl in Abbach unter Carl Theodor strenge Rauchfangkontrollen durchgeführt und Verstöße streng und unnachsichtig geahndet wurden, brannte es bei eng anliegenden Schupfen und Wohnhäusern aus Holz und bei dem häufigen Gebrauch von offenem Feuer nicht selten.

Am 30. März 1791 wurde in ganz Bayern unter Carl Theodor eine umfassende Feuerwehrordnung erlassen und unter Max I. Josef 1804 erneuert.

Diese verpflichtete die damals existierenden Bürgerfeuerwehren, die Pflichtfeuerwehren waren, an denen sich alle Bürger beteiligen mussten, zur ständigen Bereitschaft.

Aus Abach liegt uns die „Feuer Arbeith Sublepartition“ vor, in der die Dienste der einzelnen namentlich genannten Bürger in 96 Punkten aufgelistet sind.[123] Ich empfehle meinen Artikel hierzu in Heft 30/2005 S. 33 – 35 zur Lektüre.

Am 10.3.1873 wurde eine distriktpolizeiliche Feuer-Lösch-Ordnung für die Gemeinden des königlichen Bezirksamts Kelheim erlassen. In vorauseilendem und untertänigem Gehorsam sprossen dann in und um Abbach die Freiwilligen Feuerwehren aus dem Boden. Geburtshilfe leistete der damalige leitende Ingenieur im Steinbruch Kapfelberg und Zementwerk Alkofen, Fritz Hasselmann.

Abbach gründete seine Feuerwehr 1872, ebenfalls 1872 Peising; Lengfeld und Oberndorf folgten 1874, Poikam 1876, Saalhaupt 1877, Dünzling 1878.

Die Geschichte der Feuerwehren, das Auf und Ab ihrer Entwicklung personell und ausstattungsmäßig wird heutzutage in vorliegenden Chroniken ausführlich geschildert.

Es führt ein weiter Weg z. B. von der Hilflosigkeit der damaligen Feuerwehr beim verheerenden Brand in Abbach am 30. Mai 1892 bis zur starken und bestens ausgerüsteten Stützpunktfeuerwehr in Bad Abbach und den verschiedenen Ortsteilfeuerwehren rings herum. 1999/2000 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus der Stützpunktfeuerwehr in Abbach erbaut und eingeweiht. Trotz staatlicher Zuschüsse schulterte diese Last die Gemeinde hauptsächlich alleine. Freiwillige Helfer leisteten 9000 Arbeitsstunden.

Die Ortsteile Peising, Dünzling, Poikam, Saalhaupt bekamen ein neues Gerätehaus auf die gleiche Manier. In Oberndorf wurde das Gerätehaus erweitert. In Lengfeld befindet es sich noch in der alten Schule.

Die größte finanzielle Kraftanstrengung und Leistung der Kommune Bad Abbach besteht in der Anschaffung des Fuhrparks mit modernsten Fahrzeugen und Löschwägen, sowie Gerätschaften für die heute auftretenden Bedürfnisse bei Katastrophenfällen aller Art des technischen und vollmotorisierten Zeitalters. Die Gemeinde ist ja Aufwandsträger und in allen Bezügen mit von der Partie.

Was wäre eine Organisation ohne die fähigen und fachlich qualifizierten Köpfe und hilfreichen Hände einzelner Personen? Ohne die Verdienste früherer Vorsitzender, Kommandanten,[124] Schriftführer, aktiver Mitglieder[125] zu schmälern, und ohne die Bereitschaft der Bürgermeister und Räte der vergangenen und Jetztzeit  zu vergessen[126], muss man auf Alfred Kefer zeigen, der 27 Jahre Kommandant und anschließend drei Jahre Vorstand der FF war. Er hat die ganze Entwicklung ab 1972 dirigiert und beeinflusst. Mit seinem Sohn Max wird die Familientradition fortgesetzt.

Anton Aubele, Vorstand, Schriftführer, Kassier, Kassenprüfer hat die Ereignisse des Traditionsvereins getreulich aufgeschrieben und der jetzige Vorstand  Franz Heselberger ist dabei, die Chronik zu komplettieren.

Heute wird die Feuerwehr nicht nur bei Brandkatastrophen zum Einsatz gerufen, sondern bei Verkehrsunfällen, Industrieunfällen, Gas- und Chemiekatastrophen, Wasser- und Sturmschäden, Bergung von Leichen und Tieren, Beseitigung von Ölspuren und Verkehrshindernissen, und wo es sonst in dieser Gemeinde noch „brennt“.

Auch darf die pädagogische Aufgabe der FF zur Bildung und Ertüchtigung der männlichen und auch weiblichen Jugend und der Beitrag zu geselligem Leben der Mitglieder und aller Bürger in diesem Orte nicht vergessen werden.

 

Sportstätten und Schwimmbäder sind seit dem Ende des zweiten Weltkrieges Ziel und Heimstätte zahlreicher Sportbegeisterter und Erholungssuchender.

Der Weg vom damaligen „Turnplatz“ in der Nähe des Schopperplatzes auf den noch unbebauten Quellwiesen, über den Sportplatz am Kohlenschacht zum Sportzentrum auf der Freizeitinsel war weit, mühsam und teuer.

Neben der Eigenleistung des TSV und den finanziellen Anstrengungen der Mitglieder und unter der Regie tüchtiger ehrenamtlicher  Funktionäre - der jetzige Vorstand ist Erich Wagner - ist ein bewundernswertes soziales Angebot entstanden, das fast alle Sportarten umfasst und der Bevölkerung vom Kindesalter bis ins „Endzeitalter“ hilft.

Die Gemeinde begrüßt vernünftige Projekte solcher Art und bezuschusst sie. Zum Bau der Sportanlagen auf der Freizeitinsel hat sie mit ca. 250000 DM beigetragen. Den Unterhalt schultert der TSV alleine, wird aber heute nach einem allgemeinen Zuschussschlüssel, der sich nach der Mitgliederzahl richtet, unterstützt.[127]

Kommen wir sodann zu den Freischwimmbädern:

In einem Merkblatt der ÜPL (Überparteiliche Liste) wird festgestellt:

„Das größte soziale Werk, welches in den Jahren 1955 bis 1959 geschaffen wurde, ist das Freischwimmbad in Bad Abbach.“[128]

In der Satzung des am 6. Januar 1955 gegründeten „Freibad Bauvereins in Bad Abbach“ heißt es unter § 1 „Der `Freibad-Bauverein in Bad Abbach` verfolgt den Zweck, in ständiger Fühlungnahme mit der Marktgemeinde Bad Abbach die Errichtung eines Freibades in Bad Abbach zu betreiben. Nach Fertigstellung soll das Freibad von der Marktgemeinde Bad Abbach zum gemeinnützigen Gebrauch übernommen werden.“[129]

Das anvisierte Grundstück lag damals noch in der Gemeinde Oberndorf (Kalkofen). Es wurde daher am 2.2.1955 beim Gemeinderat Oberndorf eine Gemeindegrenzänderung beantragt.[130]

Am 4. Juni 1956 wurde beurkundet, dass die Firma Zirngibl OHG an die Marktgemeinde Abbach ein ihr gehörendes Grundstück in der Gemarkung Grasßlfing mit der Größe von 0, 7770 ha schenkt. Es wird eigens vermerkt: „Die Überlassung erfolgt unentgeltlich zum Zwecke  der Errichtung eines Freischwimmbades der Marktgemeinde Bad Abbach.“[131] Das Schwimmbad wurde unter besonderem Einsatz von Dr. Hans Schmitz als Vorsitzendem gebaut. Am 28.6.1958 wurde es feierlich eingeweiht.[132]

Im Jahre 1990 hatte der Verein seinen Zweck vollkommen erfüllt, und wurde daher am 4. Oktober 1990 aufgelöst. Das Schwimmbad ging in den Besitz des Marktes über.[133]

Zur Arrondierung des Grundstücks wegen Erstellung eines Parkplatzes war noch ein Tauschvertrag zwischen der Gemeinde und dem Landwirt Josef Ranftl notwendig. Die Gemeinde vertauschte ebenfalls am 4. 10.1990 ein Weihergrundstück von 0,1740 ha um ein Weggrundstück zur Bundesstraße 16 mit 0,0153 ha. Zum Ausgleich musste Ranftl 6.395 DM zuzahlen.[134]

An diesem Freischwimmbad hatten Tausende Abbacher ihren Spaß und ihre Freude und manche von ihnen wollten sich 2005 nicht leichten Herzens von ihm lösen, als der Gemeinderat beschloss, das Schwimmbad aufzulösen und das Grundstück als Baugrundstück zwecks finanziellem Grundstock für ein neues Bad auf der Freizeitinsel zu veräußern. Es entstand  2006 das Wohngebiet „Donaublick“, „ein außergewöhnlich interessantes Wohngebiet mit Blick auf das Donautal und auf die Wahrzeichen(...) des Marktes“, wie die Werbung verspricht.[135]

Nun sind wir beim Bau und der Einweihung des neuen „Inselbades“. Die Weitsicht und Energie des jungen Bürgermeisters Ludwig Wachs hat es fertiggebracht, innerhalb eines einzigen Jahres ein grandioses Werk ins Leben zu rufen. Die Seele des ganzen Unternehmens war der Marktrat Albert Eichhammar von Lengfeld- Alkofen. Bad Abbach braucht nach der Kapitulation des BRK am hiesigen Orte neben dem Badetempel „Kaisertherme“ neue Attraktionen zu ihrem Überleben als Bade-, Fremdenverkehrs- und Erholungsort.

Auf der Freizeitinsel zwischen Donau und dem Rhein-Main-Donaukanal ist eine herrliche Anlage geboren worden, der man nur reges Leben wünschen kann. Die Presse und ungezählte Gäste und Besucher waren von der Anlage und der Einweihungsfeier am 04.05. 2007 hochbegeistert.

Die Gemeinde hat wieder einmal einen sozialen Glanzpunkt gesetzt. Neben einer Million, die aus dem EU Programm „Leader +“ zugeschossen wurde, bleiben der Gemeinde die restlichen 3 Millionen Euro Kosten  zur Liquidierung anvertraut.

 

 

18. Sonderfälle: Liebespakete für die Front im 1. Weltkrieg -

      Wohlfahrtsunterstützung 1933 bis 1935 - Schulspeise-

      Patenschaften nach dem 2. Weltkrieg - Hochwasserhilfen.

 

Es kann nicht Anspruch erhoben werden, alles, was in (Bad) Ab(b)ach den Touch von sozialer Gerechtigkeit oder das Signum der Mitmenschlichkeit trug, aufzulisten. Wenn wir entfernt allein noch über die rein kirchlichen Initiativen und Hilfsmaßnahmen berichten wollten, wie z. B. von der Sebastiani Bruderschaft in Oberndorf, vom Martinibund in Poikam, vom Marianhill Missionsverein in Bad Abbach, von Misereor und Adveniat, vom Verein der Freunde der Pfarrkirche etc., beanspruchte dies ein eigenes Heimatheft.

Einige Sonderaktionen, soweit sie noch in Archivakten zu greifen sind, möchte ich abschließend nur noch erwähnen:

Am 15. Mai 1915 berichtet Apotheker Hengge, dass in Abbach eine „Webzeugsammlung“ stattfand, womit man die Soldaten an der Front mit warmer Winterwäsche ausrüsten wollte. Die Aktion lief unter dem Titel „Krieger Wollwoche“. Außer Geld wurden in Abbach 5 ½ Zentner Wollsachen abgeliefert.[136]

Derselbe Chronist berichtet aus dieser Zeit: „Auf Anregung des kgl. Bezirksamts Kelheim wurde in den ersten Kriegswochen ein eigener Ausschuß für die Fürsorgetätigkeit für die Angehörigen Abbacher Krieger gegründet. Außer dem Bürgermeister sowie einigen Gemeindeausschussmitgliedern wurden in diesen Ausschuß noch die Herren Hochw. Herr Pfarrer Tempel sowie Distrikttierarzt Frank gewählt. Besonders Letzterer entfaltete anfangs eine rührige Sammeltätigkeit, so dass zu diesem Zwecke namhafte Summen zusammenkamen. So viel bekannt wurde, haben sämtliche hiesigen Vereine 50 – 100 M gespendet. Es wurde auch das Vereinsvermögen der  Abbacher Liedertafel, die leider seit  Jahren wieder inaktiv ist,  auf Anregung des früheren Vorstandes, wie der noch vorhandenen  Mitglieder in der Höhe von 130 M zu diesem Zweck (...) übergeben. Aus der staatlichen Fürsorge für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer (...) sind bis Februar 1915 nur kleine Summen zur Verteilung gekommen, und zwar in der Form von Ankauf von Lebensmitteln. Zu letzterem Zweck wurde vom Bürgermeister  eine von der Regierung eingeschickte Summe von 300 M verwendet.“ [137]

Um diese Angabe zu komplettieren sei hinzugefügt, dass vom August 1914 bis 31. März 1915  65  Familien und Einzelpersonen in Abbach mit 6 bis 30 RM monatlich, je nach Familiengröße, mit insgesamt 1950 RM unterstützt wurden.[138]

Es folgten im 20. Jh. noch weitere Krisenzeiten. In der Zeit der Weimarer Republik und in den Anfangsjahren des sog. 3. Reiches herrschte große Arbeitslosigkeit. Abbach wurde durch die Schließung des Zementwerkes in Alkofen stark getroffen.

Allein im Rechnungsjahr 1933/34 wurden vom Ortsfürsorgeverband Bad Abbach allein für Wohlfahrtsunterstützungen 28.548,40 RM  ausgezahlt. Aus eigener Gemeindekasse wurden in der gleichen Zeit 33.102,77 RM zur Verfügung gestellt.[139]

Gehen wir in den Zeitläuften ein Stück weiter, folgt der 2. Weltkrieg. Was wurde in dieser Periode den Menschen an personellen und materiellen Opfern auferlegt! Am Ende folgte allgemeine Not, Armut und Hunger.

Für uns Kinder gab es zum Glück die Schulspeisung. Aber nicht alle Eltern waren in der Lage, monatlich 1.70 DM zu bezahlen. Da übernahmen sog. Paten, 20 Einzelpersonen, die Freiwillige Feuerwehr, der TSV, die Pfarrei, die CSU und SPD, besonders Viktor Höign und Peter Grgas, 70 Patenschaften zu je 7.-DM. So wurde uns Kindern in schwerer Zeit, ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Eltern, die Gesundheit erhalten und eine normale körperliche Entwicklung

ermöglicht. [140]

 

 

 

Bild 10: Kinderspeisung.

 

Abschließend seien noch Hinweise auf die Hilfen bei Hochwasserschäden in (Bad) Abbach erlaubt. Trotz des bereits existierenden Donaudeiches wurden z. B. allein für das Hochwasser im März 1940 Schäden in Höhe von 17.604 RM gemeldet. In dieser Zeit wurden zwar auch Staatszuschüsse gezahlt, aber der Großteil blieb jeweils an der Gemeinde hängen. Wir wissen z. B., dass beim verheerenden Hochwasser von 1784, als die Marktkirche durch Eisstoß eingedrückt worden war, alles die Bürger selbst zahlen mussten, weswegen ein peinlicher Bettel von allen Seiten und in alle Richtungen einsetzte.[141]



[1] Vgl. Großer Katholischer Katechismus, Kösel - Verlag, München 1948.

 

[2] Evers, Michael. Aktion zur Fastenzeit: Leben mit Hartz IV. MZ v. 22.02.2007.

 

[3] Vgl. Karbe, Antje. Schulden tilgen bis ins Grab? MZ v. 09.02.2007.

 

[4] Vgl. Norgall, Gustav. Der Teufelskreis: einmal arm, immer arm. MZ v. 13.03.07.

 

[5] Siehe Umrittsprotokolle 1718-1739, Archiv von Bad Abbach  8.1.1 (IV,1), 14 Faszikel.

 

[6] Vgl. Gandershofer, G.M. Chronik des Marktes und Badeortes Abach. Regensburg 1832. Reprint 1986, Anhang S.102 – 113. Archiv von Bad Abbach, Schriftenstand.

 

[7] Vgl. Hubensteiner, Benno. Bayerische Geschichte. Süddeutscher Verlag. München 1980, S. 100 ff.

 

[8] Schrott, Ludwig. Die Herrscher Bayerns. Vom ersten Herzog bis zum letzten König. Süddeutscher Verlag, München 1966, S. 63.

 

[9] Vgl. Gandershofer, G.M. Chronik des Marktes und Badeortes Abach. Regensburg 1832. Reprint 1986, Anhang I S.102 – 113. Archiv von Bad Abbach, Schriftenstand.

 

[10]  Gandershofer. A.a.O. S.25. S.50. Vormerkungsbuch  der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach 1801, S.1-12, Archiv von Bad Abbach 9.3.2. 

 

11 Vgl. Gandershofer, G.M. Chronik des Marktes und Badeortes Abach. Regensburg 1832. Reprint 1986, S.32 f.

 

[12] Khürchen Rechnung Abach de Anno 1666 S. 2-13.

 

[13] Khürchen Rechnung Abach de Anno 1665, S.10 v. Archiv von Bad Abbach 9.3.3.

 

[14] s.o. 1666, S. 13 v. Archiv von Bad Abbach 9.3.3.

 

[15] Vgl. Pfarrer Martin Otto. Bericht. 24  Seiten: Beschreibung der Pfarrei Abbach, 1861, Bischöfliches Zentralarchiv Rgbg. Signatur 82.

 

[16] Verzeichnisse  der Aktivobligationen  der Corporis Christi Erzbruderschaft vom

     31.12.1807. Zuschreibungen.  Archiv von Bad Abbach  8.4.2  (II,2).

 

[17] Gandershofer, G.M..A.a.O. S.89.

 

[18] Parth, Georg. Stiftungsbrief, 1564. 2 Abschriften. Archiv von Bad Abbach

    8.4.2 (II,1),

    Vormerkungsbuch  der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach 1801, S.12 1/8.

 

     Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

[19] Gandershofer.G.M. A.a.O. S.50.

 

[20] Jahresabrechnung der Parth´schen Stiftung  1777 bis 1803. Archiv von Bad Abbach

    8.4.2 (II.1).

 

[21]  Khürchen Rechnung Abach de Anno 1666 S. 2-13. Archiv v. B. Abbach 9.3.3.

 

[22]  Friedhofsangelegenheiten im Markte Abbach. Archiv von Bad Abbach VII.20.2.2.a.

 

[23] Notizen-Buch über die katholische Pfarrei Abbach, Eintrag Pfarrer Neuhörl, Pfarrarchiv.

 

[24] A.a.O. und Beschreibung der Pfarrey Abbach durch Pfarrer Martin Otto. 1861 Diözesanarchiv Regensburg, Sign. 82.

 

[25] Protokoll der Akkords-Aufrechnung vom 3. August 1851. Aus Rechnung der Marktgemeinde Abbach 1851/52. Archiv von Bad Abbach 7.2.1.c.

 

[26] Auskunft der Friedhofsverwaltung  Bad Abbach v. 27.03.2007.

 

[27] Landgericht Abach. Prospekt von Abach an die Regierung des Regenkreises, 1759, Archiv von Bad Abbach, XVIII.22.2. Kopie im Eingangsbereich.

 

[28] Gandershofer, G.M. A.a.O. S.89.

 

[29] Rieger, Georg. Geschichte der Stadt Kelheim. Erstes Buch. Leiks V. ,1929. S.225.

 

[30] Gandershofer, G.M. A.a.O.

 

[31] Vormerkungsbuch = Buch über gesetzliche Grundlage und Daten einer Zahlungsverpflichtung.

 

[32] Churfürstliche Marks Kammer zu Abbach. Vormerkungsbuch 1801. Archiv von Bad Abbach 9.3.1, S.72 ¾.

 

[33] Armenhausrechnungen 1808/9 – 1816/17, Nr.4, Anhang, Vormerkung. Archiv von Bad Abbach 8.3.2.

 

[34] A.a.O.

 

[35] Churfürstl. Erlass vom 2.3.1803. Vormerkungsbuch ab 1801, S.53 f, Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

 

[36] Armenhausrechnung pro 1808/9 bis 1816/17. Archiv von Bad Abbach.

 

[37] Versteigerungsprotokoll der von Anton Lindl, im Armenhaus Verstorbenen, wenigen Hinterlassenschaft. 12.10.1829. Archiv von Bad Abbach 8.4.2.II.11.

 

[38] Schreiben des Bezirksamts Kelheim an die Marksverwaltung Abbach vom 11.11.1907. Archiv von Bad Abbach 7.3.1.a.

 

[39] Gandershofer, G.M. A.a.O. S. 71.

 

[40]  Vormerkungsbuch  der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach 1801, S.84, Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

 

[41] Marktrechte Carl Albrechts 1733 31. Abschrift 1801.. A.a.O. S.10, Randbemerkung.

 

[42] a.a.O. Ain und Dreyßig (...) S.10 u.10 v.

 

[43] Vormerkungsbuch. A.a.O. S. 84.

 

[44] Adamus Fridericus Kirschius. Abundantissimum Cornu Copiae linguae Latinae et Germanicae selectum. Buchstabe L. Verlag. Engelhart Benjamin Svikert, Leipzig, 1774, neueste Ausgabe.

 

[45] Marktrechte Carl Albrechts 1733.Abschrift 1801. a.a.O. S. 10.

 

[46] a.a.O.

 

[47] Vormerkungsbuch S. 84.

 

[48] Es ist anzumerken, dass es auch  anderer Orts den Begriff und die Bezeichnung „Fridlberg“ gibt, wo die dort befindlichen Häusln die gleiche Funktion hatten wie in Abach, z. B. in Passau. Auskunft von Ludwig Friedl, Rathaus - Amtsleiter in Abbach.

 

[49] lud = bestimmt, ausdrücklich, ohne weiteres. Vgl. Schmeller, Johann Andreas. Bayerisches  Wörterbuch. Bd.1/2 Oldenbourg V., München 1985, Sonderausgabe, Sp. 1532.

 

[50] Notaten über die vom Königlichen Landgericht Kelheim an die Königliche Regierung des Regenkreises verfasste Darstellung, die Zuteilung der Gemeinde Schlossberg zur Gemeinde Abbach betreffend (1806). 4 Blätter. Archiv von Bad Abbach 8.4. 3.a. III.2.

 

[51] Vormerkungsbuch S. 10, a.a.O.

 

[52] Maximilian Emanuel Churfürst. Brief an den Markt Abach, 26.4.1721. Archiv von Bad Abbach 8.4.3.a. III,2.   

 

[53] Notaten S. 1 – 4. a.a.O.

 

[54] Notaten. a.a. O.

 

[55] a.a.O.

 

[56] a.a.O.

 

[57] Organisches Edikt über die Lehens Verhältnisse. Königreich Baiern, Ministerium des Inneren, Section der General Administration des Vermögens, 7.7.1808, Archiv von Bad Abbach 8.1.2.a ( IV. 8).

 

[58] Schreiben des Landgerichts Kelheim im Regenkreise vom 3.12.1822 und Schreiben des Königlichen Rentamts Kelheim vom 5. Mai 1825. Archiv von Bad Abbach, a.a.O.

 

[59] Schreiben des Königlichen Rentamts in Kelheim an den Magistrat des königlichen Marktes Abbach vom 6.10.1819. Archiv von Bad Abbach. a.a.O.

 

[60] Schreiben des Königlichen Rentamts in Kelheim  an den Magistrat des königlichen Marktes Abbach vom 28.10.1819. Archiv von Bad Abbach. a.a.O.

 

[61] Das königliche General Commissariat des Regenkreises in Regensburg. Schreiben vom 9.10.1811. Archiv von Bad  Abbach 8.1.1. (IV.8) Arar = Staatskasse.

 

[62] Sportl = Bezüge, Gehalt. Hier Pension.

 

[63] Schreiben des Marktes Abbach . Namentliches Verzeichnis über das bei der Communität abach befindliche Gerichtspersonal, vom 12.10.1811. a.a.O.

 

[64] A.a.O.

 

[65] Vgl. Wachter, Hans. Stadelmanns Handbuch für Landgemeinde-Verwaltungen, Armenpflegschaftsräte etc. des rechtsrheinischen Baayerns. Buchner V. Bamberg 1895, S.624 bis 666. Archiv von Bad Abbach 32.3 (Arbeitsraum).

 

[66] Wetzer und Welte. Kirchenlexikon. Bd.5 .Herder Verlag, Freiburg, 18882, Sp.1647.

 

[67] Vgl.Wachter, Hans: Stadelmanns Handbuch für Landgemeinde-Verwaltungen, Armenpflegschaftsräte etc. des rechtsrheinischen Bayerns. Buchner V. Bamberg 1895, S.16. Archiv von Bad Abbach a.a.O.

 

[68] Ratts Instruction Churfürstl. Markts Abach. Neu-verbesserte Instruction was die Bürgerliche Obrigkeiten in Städt- und Märkten des Churfürstenthums und der Landen zu Bayern etc. Verlag Johann Jacob Vötter, München M. D.CC. XLVIII, Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

 

[69] A.a.O .S.13.

 

[70] Schreiben des Armenrats an den Marktsmagistrat  vom 20.Sept.1819. Archiv von Bad Abbach 8.4.2.II. (11).

 

[71] Vormerkungsbuch 1801: Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

 

[72] Markht Rechnung Abach De Anno 1666 S.25 Archiv von Bad Abbach  9.4.2.

 

[73]  Cammer Rechnung des Curfürstlichen Markhts Abach de Anno 1676 S. 33 v. Archiv von Bad Abbach 9.4.2.

 

[74] Rechnung der Lokal–Armen-Pflege für das Jahr 1843/44. Archiv von Bad Abbach 7.3.2.b.

 

[75]  Rechnung der Armenpflege Abbach pro 1875 S.8 Archiv von Bad Abbach 7.3.2.a.

 

[76] Armenpflege der Marktgemeinde  Abbach  pro 1878 S. 7 und 1880 S. 8.

 

[77] Die Umstellung war am 1.1.1876 erfolgt.

 

[78] Armenpflege der Marktgemeinde Abbach pro 1880 S. 3. Archiv von Bad Abbach 7.3.2.a.

 

[79] Beilage zur Rechnung des Ortsarmenverbandes 1920. a.a.O.

 

[80] Rechnung des Ortsarmenverbandes Abbach  von  1920 und 1925/26, Archiv von Bad Abbach 7.3.2.a.

 

[81] Rechnung des Ortsfürsorgeverbandes  1933/34. Archiv von Bad Abbach a.a.O.

 

[82] Im NT siehe Jak. 1,27.

 

[83]  Ratts Instruction Churfürstl. Markts Abach. Neu-verbesserte Instruction was die Bürgerliche Obrigkeiten in Städt- und Märkten des Churfürstenthums und der Landen zu Bayern etc. Verlag Johann Jacob Vötter, München M. D.CC. XLVIII Archiv von Bad Abbach  9.3.2.

 

[84] Umrittsprotokolle 1718, Folie 89. Archiv von Bad Abbach 8.1.1. Heimatheft 30/2005 S.15.

 

[85] Vormundschaftsrechnungen 1778/79 – 1806, 8 Bände. Archiv von Bad Abbach 8.1.3.

 

[86] Vormundschafts Rechnungs Buch Churfürstl. Markts Abach  1795/96 S.11f. Archiv von Bad Abbach 8.1.3.

 

[87] Anmerkung: Als „Ausland“ galt bereits ein anderer Kreis oder Bezirk, z. B. Regensburg.

 

[88] Vormundschafts Vormerkungs Buch 1805/06. S.2 Archiv von Bad Abbach a.a.O.

 

[89] Vormundschafts Rechnungs Buch 1787 – 1790, S. 76-79. Archiv o.a.O.

 

[90] Vormundschafts Vormerkungsbuch 1788/89/90, Buchstabe A. Archiv von Bad Abbach a.a.O

 

[91] Die Kochs sind die Namengeber des „Kochzipfls“, weil sie dort ihre Schreinerei hatten und über Generationen sozial sehr engagiert waren.

 

[92] Vormundschafts Vormerkungsbuch 1788/89/90. Archiv von Bad Abbach a.a.O.

 

[93] Ratsprotokoll vom 12.02.1925.

 

[94] Rieger, Georg. Geschichte der Stadt Kelheim. Leik – V., Kelheim 1929, S. 225.

 

[95] Angüner, Fritz. Abbacher Heimatbuch 1973 S. 142.

 

[96] Vg. Heft 30/2005 S.25/39,40, 54 ff, 70. Heft 32/2006, S. 112.

 

[97] Vormerkungsbuch der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach 1801. Bürgerverzeichnis. Archiv von Bad Abbach 9.3.2.

 

[98] Sammelakt Schulen und Rathäuser, zusammengestellt von Dr. Alfons Kraus, 2002.. Archiv von Bad Abbach 10. 5.1.a.

 

[99] Statistk der deutschen Volksschulen im Regierungsbezirke Niederbayern (Kopie), 1878, S.184. Archiv von Bad Abbach, Ortsteil Lengfeld XIV.

 

[100] Schulstellenbeschreibung für den Regierungsbezirk Niederbayern 1925/26, Landshut 1925 S. 220. Archiv von Bad Abbach XIV. 13.1.1.c

 

[101] Ratsprotokoll vom 19.5.1912.

 

[102] Inventarlisten. Archiv von Bad Abbach XIV, 13.1.1. – 13..1.3 und 8.1.1.

 

[103] Tagebücher der Schulkasse. A.a.O.

 

[104] Hebelisten zur Erhebung des Schulgeldes. A.a.O.

 

[105] Akt Wahlen zur Schulpflegschaft 1952 und 1956. A.a.O.

 

[106] Akt Gemeinschaftsschule der Ortsgruppe Bad Abbach 1938. Archiv von Bad Abbach. A.a.O.

 

[107] Haushaltssatzung und Haushaltsplan des Schulverbandes der Volksschule Bad Abbach für das Haushaltsjahr 1977. Archiv von Bad Abbach XIV. 13.1.1.

 

[108] Beschreibung der Pfarrei Abbach von Pfarrer Martin Otto, 1861. Diözesanarchiv Regensburg Sign. 82.

 

[109] Statuten-Buch der Gemeinde Abbach 1856. Archiv von Bad Abbach 8.6.2.

 

[110] Matrikel der Diözese Regensburg, 1916, S. 523, Kopie in Auszügen. Hängekartei „Pfarrei“, Arbeitsraum des Archivs von Bad Abbach.

 

[111] Brief der Maria Weigert an den Gemeindeausschuß vom 4.11.1901 Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.

 

[112] Schreiben des Marktgemeinderats Abbach an das Bezirksamt Kelheim v. 01.06.1922. Archiv von bad Abbach XI.21.2.2.

 

[113] Ratsprotokoll v. 05.08.1923.

 

[114] Ratsprotokoll v. 16.01.1925.

 

[115] Schreiben der Gemeinde an das Bezirksamt v. 18.02.1925. Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.

 

[116] Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a. / Kopien im Akt Nikolausverein. Hängekartei Pfarrei, Akt Nikolausverein. Archiv Arbeitsraum.

 

[117] Schreiben des Königlichen Bezirksamts Kelheim an Herrn Bürgermeister Röhrl in Abbach v. 17.1.1890. Archiv von  Bad Abbach  VII. 20.2.3.

 

[118] Antwortbrief des Bürgermeisters Röhrl an das Bezirksamt Kelheim v. 31.Jan. 1890. Archiv a.a.O.

 

[119] Aus dem Aktenkonvolut  Kinderbewahranstalt in Abbach. Briefe von 1901 – 1943. Archiv von Bad Abbach 7.2.1.a.

 

[120] A.a.O.

 

[121] MZ vom 04.12.2906.

 

[122] a.a.O.

 

[123]  Feuer Arbeith Sublepartition vom 26.8.1791.Archiv von Bad Abbach 8.2.2. (VII.4).

 

[124] Siehe „Festschrift 125 Jahre FF Bad Abbach, 27.bis 29. Juni 1997“, S.70. Archiv von Bad Abbach, Schriftenstand.

 

[125] a.a.O. S. 37 f.

 

[126].a.a.O. S. 59.

 

[127] Auskunft H. Zeitlhofer, Kämmerer Markt Bad Abbach, 10.5.2007.

 

[128] Merkblatt der „Überparteilichen Liste“ o. D.  , Akt Freischwimmbad. Archiv von Bad Abbach  II.18.2.1.a.

 

[129] Satzung vom 6.1.1955. Archiv a.a.O.

 

[130] Schreiben des Marktes Bad Abbach vom 2.2.1955. Archiv a.a.O.

 

[131] Urkunde vom 4.6.1956 Nr.1720, S. 2, II. Archiv a.a.O.

 

[132] Einladungsschreiben des Freibad Bauvereins an die Gemeinde Oberndorf v. 17.6.1958. Archiv a.a.O.

 

[133] Urkunde v. 4.10.1990. Archiv a.a.O.

 

[134] Urkunde v. 4.10.1990. Archiv a.a.O.

 

[135] Blitz v. 6.5.2007. S. 10.

 

[136] Hengge,. Maximilian. Abbacher Kriegs-Chronik 1914 – 18, S.7,13. Archiv von Bad Abbach XVI.14.2.2.

 

[137] A.a.O. S.13.

 

[138] Verzeichnis der Empfänger von Familieunterstützung, Liste I, August 1914 bis 31. März 1915. Archiv von Bad Abbach 7.6.2.

 

[139] Rechnung des Ortsfürsorgeverbandes Bad Abbach 1933/34. Archiv von Bad Abbach 7.3.2.a.

 

[140] Schulspeisung, verschiedene Zusammenhänge. Archiv von Bad Abbach I. 10.4.1.a bis I.10.4.3.b.

 

[141] Hochwasser. Akte 1940. Archiv von Bad Abbach 7.6.2 und mehrere Aktenkonvolute unter XII.

19. Schlussgedanken

 

Hätte ich ein Caritaserinnerungsbuch für kirchliche Zwecke schreiben wollen, hätte ich unbedingt angemerkt, dass man vor jedem Loblied auf Glaube und Liebe die leiblichen und natürlichen menschlichen Bedürfnisse befriedigt haben muss. Der Glaube ohne Werke ist wertlos. Gratia supponit naturam!

 

In einem Traktat, in dem es um das soziale Handeln der Marktgemeinde geht, muss ich darauf bestehen, dass man nicht als Großzügigkeit und Edelmut bezeichnen darf, was der Gerechtigkeit zuzuordnen ist. Opus justitiae pax!

 

Zusätzlich sei bemerkt, dass bis ins 20. Jh. Notfälle in der Regel innerhalb der Großfamilie und der Verwandtschaft gemildert wurden. Es gab auch dort beklagenswerte Missstände und Defizite.

 

Die öffentliche Hand war bei allgemeiner Bedürfnislosigkeit, Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit, oftmals gar nicht im Bilde über verschämte Not, und die Unterstützung wurde durch sie mit Mindeststandards geregelt. Es wird auch hier schuldhaftes Versagen vorgekommen sein.

 

Man kann jedoch in (Bad) Ab(b)ach – wie sicher auch anderswo – von der grundsätzlichen Bereitschaft zu humanitärem Handeln in Not- und Katastrophenfällen in Vergangenheit und Gegenwart ausgehen, wie in diesem Heft aufgezeigt wurde.

Bildnachweis

Bild 1               Im Regen stehen

             Irene Schleer. Bauernregeln und Wettersprüche,  Eigenverlag.                           Neuburg a.D. 1983, S. 45.

Bild 2              Wappenbrief Abbachs, verliehen von

                       Herzog Albrecht IV. 25.01.1486.

                       Archivbild.

Bild 3              St. Martin teilt den Mantel mit einem Bettler

                        Karl Haus/Franz Möckl.

                        Lieder überall. BSV- Verlag. München 1988, S.116.

Bild 4              Keiner sei ausgeschlossen.

                        Hans Daucher. Kinder denken in Bildern,

                        Piper V. München/Zürich 1990. S. 85.

Bild 5              Der Bergfriedhof in Bad Abbach,

                        Photo Jennifer Dobschenzki.

Bild 6              Heimatschein von Kreszenz Steimer von Abbach

             und ihrem Kind. 1899. Archiv .          

Bild 7              St. Nikolaus schenkt drei verwaisten Mädchen

             goldene Äpfel als Mitgift, Altarbild von Albert Stahl, Pfarrkirche                           von Abbach. Photo Kraus            

Bild 8                In einem Spitalkrankenhaus (Miniatur). In.:Artur Dirmeier/                                          Wido Wittenzellner.

                        Die Spitalkirche zu Regensburg Mausoleum der Zant

                        Regensburg 2000, S. 47.

Bild 9              Der barmherzige Samariter,

                        Josef Weiger/Alice Martin Provensen,

                        Ravensburger Bilderbibel,

                        Otto Maier V. Ravensburg. o.D. S.39.

Bild 10            Kinderspeisung – Notgemeinschaft,

                        Bibel für die    Grundschule

                        V. Butzon & Bercker, Kösel, Patmos, 1979, S.118.

Bild 11            Heiliger Christophorus,

                        Mosaik an der Außenwand  des St. Christophorus-

                        Kindergartens  in Bad Abbach,

                       Wilfried Anthofer, 2006.

                        Archivbild.


Dank an Mitarbeiter

 

Für die Durchsicht des Textes und das Layout danke ich meiner Mitarbeiterin Jennifer Dobschenzki,M.A.

 

Literatur

 

Wachter, Hans: Stadelmanns Handbuch für Landgemeinde- Verwaltungen, Armenpflegschaftsräte, Kirchen- und Schulverwaltungen, Standesbeamte, Gemeindeschreiber des rechtsrheinischen Bayerns. C.C.Buchner Verlag. Bamberg 111895.

 

Rieger, Georg. Geschichte der Stadt Kelheim. Erstes Buch. Druck von  Ed. Leik´s Ww. Kelheim 1929.

 

Sonst wurden nur Originale (Bücher, Akten, Briefe, etc.) aus dem

Archiv verwendet.

 

 

 

 

 

Bild 11            Heiliger Christophorus,

                        Mosaik an der Außenwand  des St. Christophorus-

                       Kindergartens in Bad  Abbach,

                       Wilfried Anthofer, 2006,

                       Archivbild.