Die Streicherhöhe

Dr. Alfons Kraus

Die Streicherhöhe heute, Luftbild[1]

 

Was ist es bloß, was mich reizt, beim Anblick  dieser Idylle etwas abseits der Distriktstraße über Weichs, Frauenbrünnl und Peisenhofen nach Saalhaupt an himmlische oder infernalische Sphären zu denken? Ist es zum Ersten der Liebreiz der Lage am Waldesrand und der einladende Ausblick in das malerische Umland bis zum Hungerturm in Bad Abbach und zur Pfarrkirche, nach Peising und weiter bis zu den Oberndorfer Bergen? Oder sind es vielleicht die attraktiven weiblichen Sprösslinge, die sich von Anfang an, aber besonders seit ein paar Generationen, den Verehrern präsentierten?
Es hat sich auf der Streicherhöhe tüchtig ge- Resi-t, von Resi (= Therese) Streicher, über Therese Köglmeier, Therese Gießhammer bis Therese Bergler. Auch Trägerinnen anderer Vornamen hätten sich, wie ich mich erinnere, in Casting-Shows, wenn es sie schon gegeben hätte, um das Schönheitkrönlein anstellen können.

Die Umschwärmte, die Streicherhöhe, von der die Rede ist, ist noch jung und rührig. Sie feiert unter den geschichtsträchtigen Nachbarn Peising, Peisenhofen und Eiglstetten 2014 erst den 150ten Geburtstag.

Der Vater war Kaspar Streicher, Assessor in Regensburg. Die Mutter sei, entgegen der üblichen Gepflogenheiten, nicht die Ehefrau Streichers gewesen, sondern, wie überliefert wird, seine Tochter „Resi“ . Für sie sei ein Platz gesucht worden, wo sie ihrer Berufung als Köhlerin und Bäuerin habe folgen können. Dafür sei die  Streicherhöhe, ein Platz inmitten von Wald und Busch, prädestiniert gewesen.
Resi habe die Einöde im Lauf ihres Lebens  lieb gewonnen, heißt es, und in hohem Alter sei sie aus Nürnberg, ihrem Ruheort, immer wieder zu Katharina Kindl, zu einer ihrer Nachfolgerinnen, zu Besuch zurückgekommen.

Flurkarte und die Streicherhöhe im originalen Zustand, Lage inmitten von Waldungen[2]

Die Geburtshelfer waren Alois Dantscher, ehemals Wirt in Peising, der aber schon mit  beiden Füßen in der Brauerei in Teugn steckte. Der Schmuser hieß Benedikt Zirngibl, Kaufmann in Abbach, mit der späteren Brauereisfamilie Zirngibl in Abbach weder verwandt noch verschwägert.

Kommen wir sodann zurück zur Eingangsfrage Himmel oder Hölle:
In Wahrheit ist  es an diesem Flecken auch angebracht, erleichtert der Göttin  Iris, einer zänkischen Himmelsfrau, nachzuwinken, nachdem sich ein  Streit, der schon die Geburt der Streicherhöhe begleitete, gerade noch rechtzeitig schlichten ließ.

Das Problem entstand beim Erwerb des Grundstücks, auf dem die Streicherhöhe entstehen sollte. Entwirren wir den Knoten, und holen wir ein Stückchen aus, um die infernalische Sphäre zu durchleuchten:

 

Dazu müssen wir zuerst unseren Blick nach Teugn schweifen lassen!
Am 29. Hornung 1818 ( = Zeit der Entstehung der ersten Grundkataster unter Max I. Josef) sitzt Georg Brünsteiner, vorher Braumeister bei Michl Kraml aus Eiglstetten, ab 1803 Besitzer in der Abbacher Brauerei neben der Marktkirche und einer Gastwirtschaft gegenüber, als Pächter auf dem Primatischen Brauhause  zu Teugn.[3] Brünsteiner wurde Eigentümer, starb aber schon 1827. Ihm folgte sein Sohn Josef Brünsteiner. Der Vater hinterließ ihm, wie das Urkaraster/ Liquidationsprotokoll von 1835/36 ausweist, einen beträchtlichen Nachlass.[4]Dieser bestand in Hs. Nr. 7,  einem 1/8 Gütl und Hs. Nr. 38, einem Brauhaus und einem ¾ Hof.

Mit Josef Brünsteiner endete aber, weil jedem einmal das Zinnglöcklein geläutet wird, ob arm oder reich, in den 1850er Jahren  die Tradition der Brinsteiners zu Teugn.
Dies war das Aufbruchsignal für Alois Dantscher in Peising, den Lebens- und Wirkungskreis zu verändern.

Alois Dantscher lebte als Gast- und Landwirt in Pesing Hs. Nr. 33.

In einem Verzeichnis der Gastwirtschaften im Landgericht Kelheim aus den Jahren 1850/60 wird er schon Gastwirt und Bräuer genannt. Seine Gastwirtschaftsgerechtigkeit wird dort als von kirchlichem Ursprung bezeichnet.[5] Die Dantschers in Peising hatten auf der Gastwirtschaft schon eine längere Tradition. Am 18.6.1848 wurde auf dem Friedhof in Peising ein Dantscherwirt (ohne Vornamen) beerdigt. Nach ihm  am 21.4.1856  folgte ihm Alois Dantscher, Wirt von Peising. Hernach fiolgte  Sohn Alois, der nach dem Tod des Vaters 1859 freie Hand hatte, das elterliche Erbe zu Peising für die Brauerei in Teugn  fast zu zertrümmern, mindestens zu reduzieren:

Beim folgenden Rechtsstreit  dreht es sich um das gesamte Areal der Einöde Streicherhöhe.
1859 fand zwischen Alois Dantscher, jetzt schon Brauer zu Teugn, und Benedikt Zirngibl, Handelsmann in Abbach, eine Auseinandersetzung wegen eines Grundverkaufs von Fl. Nr.1067 der Gemarkung Peising statt, der mit einem Vergleich endete. Es handelte sich um eine Fläche von ungefähr 37 Tagwerk.[6]

Dantscher hatte an Zirngibl demnach rechtsgültig  verkauft, aber der Verkäufer erfrechte sich, obwohl das Haus auf der Streicherhöhe schon herausgemessen  war, unter allerlei Vorwänden natürlich, nachträglich den Wald teilweise zu roden. Haben ihn Geldsorgen für die Brauerei in Teugn dazu verführt? Was hat er aus dem Peisinger Anwesen noch alles versilbert?

Es war Sage der Nachfolgewirte Kindl in Peising, dass der Grundbesitz  dieser Gast- und Landwirtschaft einmal wesentlich größer gewesen sei, wobei aber die Ursache der Minderung   wegen der lange zurück liegenden Zeit natürlich vergessen war.[7]

Als Zeugen für den fragwürdigen Missgriff brachte  Dantscher den Gütler und Schuhmacher Johann Robold aus Peising zum Gerichtstermin mit (+ 15. Mai 1894), dem Zirngibl zur Arrondierung  aus der Grundfläche 1070 auch 18 Dezimale abgekauft hatte. Dieses Stückchen Unland  gehörte früher zum Peisenhofener  Besitz.

Wegen der Originalität des Streits am Landgericht in Kelheim bringe ich den Text im Wortlaut:

„Abschrift Protokoll

 

In Sachen Zirngibl gegen Dantscher wegen Eigenthums und Entschädigung.

                                                                           Kelheim, den 26. März 1859

 

Anwesend

Der königliche Landgerichts Assessor Senngruber

Bei der heutigen Commission erscheint der Kläger  Benedikt Zirngibl. Handelsmann in Abbach mit seinem bemelten königlichen Advokaten Rieder von hier,  welchem er Vollmacht  und Ratifikation erteilt und der Beklagte

                                               Aloys Dantscher - Brauer zu Teugn.

 Es kam nachstehender Vergleich zustande:

 

1. Aloys Dantscher sorgt dafür, so dass Benedikt Zirngibl die fragliche Fläche und noch dazu das Läkel (= nasser Fleck, A.d.V.), welches früher Viehtränke war, bis zu dem daranstoßenden Graben, welcher die Grenze bilden soll, erhalten sollte, dass ihm der hiermit überlassene Grund zugeschrieben werde, wobei auch die fraglichen restlich befindlichen Stücke von nun an Eigentum  des Benedikt Zirngibl sein sollen. Aloys Dantscher setzt sich  gleichfalls  mit dem  Schuhmacher Johann Robold von Peising ins Benehmen und bewirkt die Extradition.

2. Die in der Klage geforderte Entschädigung von 71 Gulden 24 Kreuzern für das gefällte Holz lässt Benedikt Zirngibl fallen und verzichtet auf dieselbe.

3. Die anlaufenden Anwaltskosten tragen beide Vorgenannten gleich gütlich.

4. Schließlich bitten die Parteien um Nachlass der Taxen zu Gunsten des Vergleichs, welcher von ihnen gegenseitig sachdienlich möglich wird.

Nach Vorlesen

Benedikt Zirngibl

Rieder, Königlicher Assessor

Aloys Dantscher

 

Königliche Landgerichts Commission
L.A. Senngruber.“                                                   

 

Folgendes ist der Grundriss des Hauses und der Zugehörungen, wie er für das Anwesen von Streicherhöhe für die Baujahre 1864/65 herausgemessen wurde:

 

Durch die früheren Ereignisse vorsichtig geworden ließ Benedikt Zirngibl  vor der endgültigen Errichtung der Streicherhöhe auch das kleine Roboldstückchen noch einmal vermessen.
Demnach gehörten Johann Robold  in der Hundsrückfeld–Ödung Gemarkung 1070 zu Peising 88 Dezimal. Davon wurden Zirngibl 18 Dezimale als nun Fl.1070 ¼ herausgemessen. Die Vermessung fand im September 1862 statt und brachte Sicherheit und Frieden für das Unternehmen des Kaspar Streicher.[8]

Den nächsten Akt bilden nun der Bau und die Vermessung der Anlagen auf der Streicherhöhe. Ein neues Operat des Vermessungsamts gibt detaillierte Auskunft[9] :

Und dies sind die Fakten:

Steuergemeinde Peising
Flur Streicherhöhe
Neubau und Vermessung
Hs. Nr.1

Besitzer Streicher Kaspar, z.Zt. Assessor
baut 1865 ein Wohnhaus mit Stall, Stadl etc. auf Plan Nr. 1067
bisher Wald und Ödung.

Nunmehr Wohnhaus mit Stall, Stadl, Schupfe und Hofraum zu 17 Dezimal
Baum- und Wurzgarten 23 Dezimal
Brunnacker 67 Dezimal
Acker 13 Tagwerk 99 Dezimal
Wiesen 10 Tagwerk 57 Dezimal
Waldung 8 Tagwerk 87 Dezimal
Einfahrt 23 Dezimal

Summe 37 Tagwerk 70 Dezimal

Weil ein Brunnacker aufgeführt wurde, befassen wir uns auch noch mit dem Brunnen.
Hierzu gibt Reinhold Bergler, der jetzige Besitzer der Streicherhöhe Auskunft:

Der Brunnen sei heute noch in Betrieb. Die Streicherhöhe sei noch nicht an die zentrale Wasserversorgungsanlage angeschlossen. Er habe einen Durchmesser von 1,20 m  und sei 12,50 Meter tief Bis zu dieser Tiefe sei er ausgemauert. Durch ein Metallrohr sei er auf 26 Meter vorangetrieben. Der Brunnen führe gesundes Wasser, es handle sich um Grund-, kein Quellwasser. Seine Qualität werde jährlich überprüft. Der Anschluss an die zentrale Bad Abbacher Anlage stehe bevor.

Aus einer Brandversicherungs-Schätzung späterer Jahre (1911) erfahren wir Detailliertes über die Gebäulichkeiten: Diese haben sich seit der Gründerzeit nicht verändert.

Zuerst zum Wohnhaus + Stall:

Länge 13,4 m ; Tiefe 10.5 m; 141 qm;  Höhe 2,9 m;  Stärke der Umfasungsmauern 0.70/0.55 m; Dachraum mit Halbstock Höhe 5.6 m; Umfassungswände o.35/0.15 m.

Stadel:

Länge 13.5 m; Breite 10.5 m;  139 qm;  Höhe 3.8 m; Umfassungsmauern 0.50 m;  Dachraum mit Halbstock Höhe 5.4 m;

Der Versicherungswert betrug  4200 M.[10]

Nun ist es an der Reihe, die bisherigen Besitzer auf der Streicherhöhe der ca. 150 Jahre ihrer Bestehungszeit im Überblick aufzuzählen. Soweit Archivalien  vorhanden sind oder eine lebendige Erinnerung besteht, können wir hernach ausführlicher reflektieren.

&nb

Besizterfamilien auf der Streicherhöhe:[11]
  1. Kaspar Streicher, Assessor in Regensburg bzw. Tochter Resi.    
  2. Johann Schmalzl °° Eva (Geburtsname unbekannt) kamen aus Rotenhof bei Regenstauf.
  3. Johann Bucher, aus Remersberg Bezirksamt Stadtamhof; °° mit Katharina aus Pettenreuth
  4. Lederer Bartolomäus °° Regina geb. Uhl  aus Marktbreit/ Ufr. 
  5. Kindl Anton, aus Dietenhofen  bei Herrnwalthann, °° mit Katharina, geb. Büglmeier aus Mitterfecking
  6. Köglmeier Heinrich aus Neuhaus, Gemeinde Gebelkofen, °° mit Therese Köglmeier, geb. Kindl von Streicherhöhe
  7. Gießhammer Ludwig, aus Poign  °° mit Therese, geb. Köglmeier von Streicherhöhe
  8. Bergler Reinhold °° mit Therese geb. Gießhammer
  9. Bergler Markus von Streicherhöhe

Im Folgenden möchte ich mich nun mit den einzelnen Generationen zu Streicherhöhe etwas eingehender befassen.

Zu Kaspar Streicher und seiner Tochter weiß ich bedauerlicherweise wegen Mangels an Akten außer dem Bekannten nichts zu berichten. Es hat sicher keine Auffälligkeiten gegeben, die in der Regel der Anlass für Notizen und Anmerkungen sind.

Kommen wir zu

2. Johann Schmalzl °° mit  Eva, deren Geburtsname nicht bekannt ist.
In der Sterbeurkunde der Tochter Katharina, verh. Bucher[12]  befindet sich der sichere Hinweis, dass die Mutter Eva und ihr Ehemann Johann als Söldner auf der Streicherhöhe lebten, aber der Ehemann, 1890 schon verstorben war.
Als Randnotiz der Sterbeurkunde der Katharina finden wir über den Herkunftsort: „Gemäß Verfügung des k.Amtsgerichts Kelheim vom 11. Oktober 1890 wird berichtigend bemerkt (...),dass ferner  die Eltern der Verstorbenen (Katharina,A.d.V.) zu Rotenhof bei Regenstauf wohnten. ( Dies berichtete der Bruder der Katharina. A.d.V.)

3. Johann Bucher °° mit  Katarina
Johan Bucher wurde 1834 zu  Remersberg, Bezirksamt Stadtamhof geboren und starb am 17.8.1884 , 50 Jahre alt  auf der Stzreicherhöhe. Seine Frau Katharina stammte aus Pettenreuth und starb am 6.8. 1890.[13]
Johann Bucher ließ kurz vor seinem Tod, am 22. Mai 1884 die Streicherhöhe noch vermessen. Das Operat des Vermessungsbezirks Abensberg aus dem Kalenderjahr 1884 trägt die Nummer N.O.37433/16. Als zusätzlichen Gebäudeteil kann ich nur einen Backofen ausmachen, der jedoch nicht die Ursache einer Vermessung gewesen sein kann.

4. Lederer Bartholomäus °° mit Regina
Von Bartholomäus Lederer als Söldner auf der Streicherhöhe (Söldner = er war Besitzer einer Sölde = kleiner Hof) erfahren wir aus einer gemeindlichen Liste der gegen Hagel Versicherten[14] und  der Umstand, dass er den Tod seiner Ehefrau Eva am Standesamt Peising meldete.[15]
Zu Regina wird in der Sterbeurkunde berichtet, dass sie als Mädchen Regina Uhl hieß. Als sie am 30.Dezember  1905, vormittags 9 Uhr auf der Streicherhöhe verstarb, sei sie erst 34 Jahre alt gewesen. Sie sei die illegitime Tochter der Regina Uhl, Privatierstochter aus  Marktbreit in Unterferanken  gewesen.

5. Kindl Anton °° mit Katharina
Kindl Anton wurde 1864 in Dietenhofen bei Herrnwaldthann  geboren.  Er starb als Austrägler von der Streicherhöhe am 1.4.1926.[16]
Seine Ehefrau war Katharina , geborene Büglmeier aus Mitterfecking. Sie wurde 1872 geboren und starb am 27.2. 1949.
Es wird erzählt dass Anton Kindl von seiner Frau in der Hoffnung auf Besserung gedrängt worden sei, nach der Streicherhöhe zu gehen, weil er als Holzschmuser (= Holzhändler) sehr viel  und oft ausging, natürlich auch ins Wirtshaus, wo er die Kunden traf. Als er aber auf der Streicherhöhe war, sei er zu ihrer Enttäuschung kaum mehr nach Hause gekommen.

Aber trotzdem bekamen sie die Kinder

Hans Kindl           1895

Therese Kindl       1900 (die spätere Streicherhöherin)

Anton Kindl         1905 ( der sich in Bad Abbach, Frauenbrünnlstraße niederließ.

Anton wurde in Abbach wegen seiner politischen Orientierung in der Zeit des Umbruchs zum 3. Reich bekannt.

 

6. Köglmeier Heinrich °° mit Therese
Heinrich Köglmeier wurde am 11. Juli 1898 in Neuhaus, Gemeinde Gebelkofen  geboren und starb  am 26. Oktober 1969. Er wurde um 23 Uhr 45 auf der Höhe  des Anwesens 38 tot aufgefunden.[17]
Heinrich war mit Therese, geb. Kindl verheiratet. Sie wurde 1900 geboren und starb 1968.
Der Name „Heinrich“ bedeutet „Der Herr im eigenen Hause“ Heinrich hätte besser

„Philipp“ geheißen, das ist griechisch und heißt „Pferdefreund“

Wie ich mich selbst erinnere, hatte auf der Streicherhöhe zu dieser Zeit die Therese „die Hose an“. Sie war eine sehr dominierende Persönlichkeit und Heinrich war ein gutmütiger Mensch. Für Peising und Bad Abbach empfand er sehr wenig und trat dort auch kaum in Erscheinung. Diese Interessenlosigkeit äußerte sich auch so, dass er für diese Gemeinden nichts übrig hatte und sich auch an keiner Initiative dort  beteiligte.  Da wurde z.B. die Haushaltungsschule in Abensberg errichtet, wo auch Peisinger Mädchen  unterrichtet werden sollten, was jedoch  Köglmeier Heinrich nicht interessierte.[18]

Heinrich Köglmeier verkehrte viel und gerne mit den Saalhauptern. In diesem Dorf fühlte er sich am wohlsten.

Heinrich und Therese hatten zwei Kinder:

Tochter Therese wurde am 13.8.1922 geboren.

Tochter Emilie 10 Jahre später  am 25.8.1932.[19] Diese führte ein facettenreiches  Leben:

°° Spanner

°° Hildebrand,°° Bergler

Auf dem Bild befinden sich drei Generationen: Heinrich und Therese, Tochter Therese mit ihren Kindern Therese und Pauline.

Der „Streicherhöher“ wie er allgemein bekannt war, zahlte brav seine Haus- und Grundsteuer zu 61.60 RM, wie sie ihm im Grundsteuermessbescheid von 1938 auferlegt war. nach Peising[20] Die Gemeinde Peising kassierte sie vierteljährig, was 16.94 ausmachte.[21] Das änderte sich mit Einführung der DM wegen der Erhöhung des Messbetrags auf 110 bzw. 180% nur geringfügig auf 67.76 DM.

Es kamen aber noch  5.40 DM Waldhutbeitrag und 9.- DM für die Kartoffelkäferbekämpfung dazu. Es blieb nie ein Betrag offen.

In den Jahren 1936 und 37 mussten die Peisinger nach Bad Abbach noch  Pflasterzoll zahlen. Er richtete sich nach dem Grundbesitz. Bei Heinrich Köglmeier wurden 36 Tagwerk zu Grunde gelegt. Für das Tagwerk waren 10 Pf. fällig. Also 3.60 RM.[22] Diese Zahlung steigerte seine Liebe zu Abbach nicht.

Man hielt sich auch immer einen, zeitweise sogar zwei Hunde. Also waren auch 3 RM Hundesteuer fällig.
Man musste seinen Besitz schließlich auch gegen Brand versichern, was jeder einsieht. Wohnhaus und Stall wurden 1949 zu 4300 DM versichert, wofür jährlich 17.20 DM zu zahlen waren.  Der Stadel war Heinrich 1550 DM wert, wofür 6.20 zu zahlen waren.

Ob es während der ganzen Zeit, für die Heinrich verantwortlich war, bei diesen Beiträgen blieb, ist mir aus den verfügbaren Akten nicht geläufig.

 

Therese Köglmeier war aus anderem Holz als ihr Ehemann Heinrich geschnitzt:
Sie fuhr fast täglich mit dem Fahrrad nach Bad Abbach. Nach Erreichen des Ortes  informierte sie mit allseits bekannter Einöderstimme im Vorbeifahren jeden, der es hören wollte über das Wetter, Familienereignisse, wie miserabel die Leute sind und anderes, was am Tag darauf Rauch und Schall war.

Die „Streicherhöherin“ war für mich als Bub und Jugendlichen  das Identifikationssubjekt für diese Einöde. Und wie mir erging es wahrscheinlich der ganzen Einwohnerschaft Abbachs, sofern sie  im Kochzipfl oder an der Hauptstraße wohnte.
Die Streicherhöhe  lag auch sehr oft an meinen Wegen von Saalhaupt nach Abbach, als ich in den letzten Kriegsjahren auf dem Bauernhof meines Großvaters und meiner  Großmutter in Saalhaupt lebte und fast täglich nach Abbach zum Ministrieren rennen musste.

In dieser Zeit ging man auch am 23. April, dem Tag des hl Georg, jährlich mit dem Kreuz von Saalhaupt nach Peising zur Feier des Patroziniums. Es ging damals auf der Landstraße von Saalhaupt bis Peisenhofen. Dann bog man auf einen Feldweg in Richtung Streicherhöhe ab, von wo man in Richtung Peising pilgerte. Heimwärts ging es umgekehrt.

Nach dem Krieg, als ich schon älter war, suchte ich in den Wäldern um Saalhaupt gerne Pilze. Wenn ich am Waldesrand  die Streicherhöhe sah, hatte ich immer eine klare Orientierung. In dieser Gegend fand man damals haufenweise Pfifferlinge, bei uns Rehgoaßl oder Eierschwammerln genannt.

Doch diese Punkte waren es nicht, warum mir die Streicherhöhe und die Streicherhöherin in meinem bisherigen Leben in Erinnerung blieb.
In den 1950er Jahren war ich als Theologiestudent in den Semesterferien Werkstudent und Aushilfspostbote in Abbach. Ich vertrat der Reihe nach alle Postboten der Dienststelle während ihres Urlaubs. Ich durfte täglich den gleichen „Gang“ mit dem Fahrrad erledigen und musste nicht wechseln. Der Gang, wie man die Route nannte, führte mich vom Ortsende Abbachs jeweils nach Peising und die Streicherhöhe. Obwohl die Streicherhöherin täglich in Abbach war, ließ sie sich die Post und sogar die Pakete von mir zustellen. Schon deswegen geriet ich ganz schön in Rage.

Dieser Prozess fand eine tragische Fortsetzung:
Ich hatte damals eine Heidenangst vor großen Hunden. Hörte ich doch allenthalben, wie die Kollegen im Außendienst von Hunden gebissen wurden.
Bei Beck in Peising stürmte immer ein Mordsköter an den Zaun, wenn ich mit der Post erschien. Daher steckte ich diese immer nur an den Zaun, da kein Briefkasten vorhanden war. Sonst war es üblich, dass man die Post in die Küche trug und auf den Tisch legte.
Dieses Haus betrat ich wegen des kläffenden Hundes nie. Darob lästerte der Bauer ein paarmal gegen mich: „Herrschaft sand dös heitzutag Hosenscheißer von Postboten. Früher ham dö an Haglsteckn dabei g`habt und a Ruah is gwen!“
Mangels eines Gehstockes konnte ich nicht so verfahren und es blieb mir nur die Notlösung mit dem Gartenzaun.
Einmal sah ich das Hundsvieh bei meinem Botengang nicht. Ich konnte nun leicht meinen Mut beweisen und trug die Post beherzt in die Küche. Frau Beck kochte gerade. Als ich so dastand und mich mit der Bäuerin gut unterhielt, rumpelte es hinter der Bank am großen Küchentisch. Der Köter sprang mich von hinten an, biss mich in den hinteren Teil und riss mir die Hose von oben bis unten entzwei.
Eine Bisswunde trug ich nicht davon, weil die Geldbörse in der Gesäßtasche  als schützendes Panier fungierte. Aber die schöne, neue Posthose gab alle Innereien preis und der Postgang war beileibe noch nicht zu Ende.
Was blieb da der Beckin übrig, als Zwirn und Nadel zu holen und der Blöße ein Ende zu setzen. Gleichzeitig versprach sie, dass das gute Stück die Haftpflichtversicherung schon ersetzen werde.
Zum zusätzlichen Trost für den ausgestandenen Schrecken spendierte sie mir noch drei rohe Eier, die ich, wie üblich, in die linke Rocktasche steckte.

So zusammengeflickt und getröstet setzte ich meinen Botengang nach der Einöde Streicherhöhe fort. In Wirklichkeit war es eine Botenfahrt zu Rad, weil man die Strecke zu Fuß schlecht bewältigen konnte.

Aber wie es der Teufel haben wollte, hatte die Streicherhöherin wahrscheinlich wieder einmal kein Geld, obwohl sie gewärtigen musste, dass eine Nachnahme oder das Zeitungsgeld zu kassieren war.

In solchen Fällen öffnete sie beim Herannahen eines verdächtigen Subjekts das Küchenfenster zum Garten hin und ein kläffender Hund sprang heraus. Es war in meinem Fall ein frecher schwarzer Schnauzer mit einer giftgelben Zeichnung am Hals[23]. Er zischte den Abhang herunter, mir entgegen.

Es hatte mich an diesem Tage schon ein Hund gebissen. Darum zog ich es vor, auf das Rad zu springen und das Weite zu suchen.

In rasendem Tempo geriet ich in eine spröde, ausgetrocknete Wagenspur. Man benützte damals noch kaum Gummiräder, keinesfalls auf der Streicherhöhe, sondern eisenbereifte Holzspeichenräder. Mein Vorderrad verhedderte sich. Ich konnte mich aus der harten Rinne nicht mehr befreien und warf um. Es streute mich, wie man damals sagte. Gerade auf die linke Seite flog ich, wohin ich die drei rohen Eier verfrachtet hatte.

Da hatte ich nun die Bescherung! Der Knatsch tropfte aus der Joppentasche. Wie sollte ich in meinem bedauerlichen Zustand dem gewohnten Leutespalier am Badeck begegnen? Dort sollte ich doch den Postkasten leeren.

Ich riskierte verwegen den Griff  mit dem Schlüssel nach vorne. Als ich mich aber vom Radsattel  aus weit nach dem Türl des Postkastens beugte und streckte, zog ich die Hose stramm, strammer, als ihr in ihrem Zustand guttat. Es platzte, krachte, schlitzte das Kunstwerk der Beckin auf meinem Hintern. Die zahlreich vorhandenen Kurgäste beutelte der Lachkrampf. Ich aber trat heftig in die Pedale und haute ab zur Post.[24]

Wenn ich daran denke, packt mich heute noch die Wut gegen die längst verblichene Streicherhöherin.

Jedoch tröstet mich  ein Aktenfund in meinem Archiv, der von einem Unfall der Streicherhöherin berichtet. Hier entdeckte ich, dass der allmächtige und gerechte  Gott in seinem grenzenlosen Vorauswissen schon  1951, einige Jahre zuvor, die böse Zeitgenossin für ihren Frevel bestraft hat (NB. Bitte, meine komische Theologie nicht ganz ernst nehmen, weil ich sie aus der Schrift und Tradition nicht belegen kann!) In dem Bericht heißt es:

„Linker Fuß (Knöchel) starke Prellung mit Bluterguss. Die Verletzte wollte die Kuh melken, dieselbe schlug aber aus und traf die Bäuerin auf den linken Knöchel, sodass sie zusammenfiel und nicht mehr gehen konnte. Sie wurde vom rasch hinzukommenden Ehemann in die Wohnung getragen.“[25]

Wegen der oben erwähnten Einöderstimme hat sie der Ehemann Heinrich wahrscheinlich schnell gehört!

 

7. Ludwig Gießhammer, geb. 16.12. 1906. gest. 2.12. 1964, °° mit Therese Köglmeier am 31.12.1946, geb. 13.8.1922, verst. 29.6.2010

Kinder:
Therese
Pauline

Unter diesen Beiden wurde auf der Streicherhöhe  das Haus Streicherhöhe Nr. 2 erbaut. Dieses Haus war als Austragshaus gedacht. Es besteht aus einem Wohnhaus, einem Nebengebäude, Hofraum und Garten. Die abgetrennte Fläche betrug 1531 qm.[26]

In diesem Hause wohnte die oben erwähnte nachgeborene Tochter Heinrichs und der Therese Emilie in  aufwändiger  Manier. Deswegen ging das Haus leider verloren. Zur Zeit gehört es einer Familie Hölzl.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass sich Therese  Gießhammer bis zum Tod ihres Ehemanns Ludwig unter Aufbietung ihrer ganzen Kraft und Gesundheit  für seine Pflege aufgeopfert hat. Dies und die Pflichten im Haus, auf dem Hof und in der Landwirtschaft hat wohl auch sie aufgezehrt. Aber in dieser Hinsicht bleibt sie ein Vorbild an fürsorgender Liebe für die Kinder und Enkelkinder.

Therese Gießhamer mit ihren beiden Töchtern Therese und Pauline. Therese auf dem Pferd.

8. Reinhold Bergler °° mit Therese

Er ist in das öffentliche Leben von Peising und Bad Abbach bestens integriert. Im Gegensatz zu seinem Ahnherrn Heinrich Köglmeier liebt er die Gesellschaft und weiß sich in ihr gut aufgehoben.
Das zeigt seine Mitgliedschaft in mehreren Vereinen und Gliederungen.

Seine Frau ist Therese, geb Gießhammer 

9. Der Erbe von der Streicherhöhe ist der Sohn Markus. Glück und Segen möge die Streicherhöhe in der Zukunft alle Zeit begleiten!


[1] Familienbesitz  Bergler

[2] Plankarte Vermessungsamt Abensberg; Miniphoto Familienbesitz Bergler

[3] Akt Branntweinaufschlag. Archiv von Bad Abbach 8.2.2. VII.6

[4] Wagner, Hans. Teugn, Vom königlichen Kammergut zur Gemeinde. Verlag der Gemeinde Teugn 1990, S. 121

   und S. 229 – 254.  .

[5] Register der Gastwirtschaften im Landgericht Kelheim. Liste. Archiv von Bad  Abbach.

[6] Protokoll eines Vergleichs zwischen Benedikt Zirngibl und Alois Dantscher vom 26. März 1859. Beilage zu  Operat 1. Vermessungsamt Abensberg. Eingeholt am 11.5.2011.

[7]  Reihe der Kindlwirte zu Peising: (alles aus Sterbematrikel des Standesamts Peising im Archiv von B.A.)

a)       Anton Kindl, aus Altegolfsheim, Bez.A.Regensburg,  zuerst Bauer (Nr.34), dann Wirt (Nr.33) °° Anna Maria Kammerseder

b)       Anton Kindl, geb. in Altegolfsheim, Gastwirt (Nr.33) zuletzt Privatier, + 1911 °° Philomena Hölzl aus Weichs

c)       Josef Kindl, Land-und Gastwirt °° Ida Kindl, geb. Stadler von Untermassing, + 18.12.1968.

d)       Johann Kugler, Land- und Gastwirt * 21.10.1891 in Langenbruck, Landkreis Amberg + 1.11.1961

       °° mit Ida, geb.Kindl

e)   Ludwig Kugler

[8] Operat wie oben.

[9] Operat des Vermessungsbezirks Abensberg N. 1249 pro 1864/65 mit Planbeilage . Detailblatt N:O: XXXVII 16

   Königliches Landgericht und Rentamt Kelheim

[10] Brandversicherungs-Schätzung für die Gebäude auf der Streicherhöhe für Heinrich und Therese Köglmeier

   vom 30. Januar 1911. Privatbesitz Bergler.

[11] Aus Urkunden des Vermessungsamts Abensberg / Standesamts Urkunden von Abbach/Peising - Sterbebücher

     im Archiv von Bad Abbach./ Grabbuch von Peising, Archiv von Bad Abbach , Peising VII./ Grabdenkmal –    Inschriften vom Friedhof Peising / Interviews mit     der Familie Reinhold Bergler am 27.5.2011 /

[12] Sterbebuch Peising 5/1890

[13] Sterbebuch s.o.!

[14]  Verzeichnis der Mitglieder der königlich Bayerischen  staatlich geleiteten Hagelversicherungs Anstalt in der

      Gemeinde Peising. Archiv B. Abbach/ Peising II. 4.3.1.a. Akt 1934.

[15] Sterbebuch Peising 9/1905.

[16] Sterbebuch Peising

[17] Sterbebuch Peising 1/ 1969

[18] Archiv Bad Abbach/ Peising XIV.

[19] Auskunft Standesamt Bad Abbach, Geburtenbuch.

[20] Grundsteuermessbescheid. Archiv Bad Abbach/ Peising VIII.

[21] Einhebungsliste  1944, a.a.O.

[22] Archiv von B.Abbach/Peising 4.3.1.a.

[23] Hundesteuerliste Peising  1948. Asrchiv von Bad Abbach/ Peising  VIII.

[24] Aus Kraus, Alfons. Bilder meines Lebens. Unveröffentlichtes Manuskript.

[25] Unfallbericht vom  18.10.1951. Archiv Bad Abbach/Peising  VII.

[26] Aufmessung  Vermessungsamt Abensberg 21. April 1967.