Die Naturgewalten verlangten im alten Abbach einen teuren Tribut

 

In der Vergangenheit war das Leben  der Leute von  Abbach trotz der schönen Lage am Donaufluss und  auch trotz gewisser Vorteile am Wasser nicht immer nur das höchste Vergnügen. Es gab den „Donaudamm“ noch nicht, und die  Wassermassen drangen mindestens zwei Mal im Jahr in den schutzlosen Ort. Ging im Winter auch noch der Eisstoß, wurden die dicksten Wände wie Streichhölzer weggefegt, wie es z.B. 1784 der Fall war, als die Giebelwand  der Marktkirche eingedrückt wurde.

Aber auch gewöhnliche Hochwasser richteten überall großen Schaden an. So wird  aus dem Jahr 1792 allein aus dem  Rathaus, in dem sich die Wohnung des Geistlichen der Christophorus-Kirche, der Ratsaal, die Wohnung des Marktschreibers, die Marktwaage, das Brothaus, das Fleischhaus und die Schule befand, über einen Schaden von 82 Gulden 34 Kreuzern berichtet:[1]

„In des Messerers Wohnzimmer  sind durch die vielen gehabten Wasser wie im ganzen Haus die Bretter verfault, dass ein Brett  wirklich abgebrochen und der Ofen zu sinken angefangen, wodurch auch Feuergefahr  zu befürchten gewesen. Und da auch der Fußboden  sehr ruinös worden und man auch bei Aufrüstung dessen auf keine guten Sparren hoffen durfte, musste dieser Baufall ohne Verzug in Angriff genommen werden.

Beim Einziehen der Bretter  und beim Aufrüsten hat sich gezeigt, dass alles verfault war  und Würmer da waren, und man hatte Glück, dass nicht der ganze Boden durchgefallen ist.

Es mussten  von Franz Xaver Aumer 4 Stämme Bauholz gekauft, diese von Kelheim auf dem Wasser transportiert, 23 Stück Bretter gehauen und von der Donau in das Rathaus getragen werden. Es war auch das Faulbodengewölbe  vom Hochwasser ruiniert, und so mussten auch die Maurer Lorenz Gassner  und Jakob Schmidpauer  mit Handlangern  19 Tage arbeiten. Das Schulhaus, der Wiegboden, das Brothaus, die Kammer und die Kuchl des Messerers mussten geweißt und der Hafner im Ratsaal, Schulhaus und  Brothaus beschäftigt werden. Für die Fußböden benötigte man Steine, Kalk und Sand. Der Schlosser Wolfgang Geigl und der Schreiner Balthasar Koch mussten bezahlt werden. Auch war eine Feuerspritze neu anzustreichen und ein Holzkasten für sie anzuschaffen. Eine neue Feuerspritze mit einem doppelten Drücker hat der Traxler Martin Geiger angefertigt.“

Wer könnte es  nicht nachvollziehen, dass die Leute dieser Zeit in ihrer Ohnmacht vor allem die himmlische Feuerwehr zu Hilfe riefen. So berichtet die gleiche Jahresrechnung von dem Kreuzgang zum heiligen Sebastian mit der für ewig versprochenen Votivkerze nach Kelheim, von einem Lobamt zur Erhaltung der teuren Feldfrüchte, von einem Dankamt, weil die Felder glücklich ihre Frucht hervorgebracht hatten. Auch der heilige Florian wurde nicht vergessen, weil er  sie nicht im Stich gelassen hatte.[2]

In erinnere,  dass sich das Rathaus bis 1845 auf dem Platz des heutigen Gasthofs zur Post  befand.

Ich sehe selbst noch  vor meinem geistigen Auge, wie wir im Herbst in unserem Keller in der Hauptstraße 13 (heute Am Markt) für den Winter Kartoffel am Steinboden lagerten. Nach dem Winterhochwasser brauchten wir uns nicht mehr nach ihnen zu bücken; wir konnten sie von der Kellerdecke zupfen, wo sie sich inzwischen festgewurzelt hatten. Dies geschah noch um 1940.


[1] Kammer Rechnung 1792 , S. 26v – 29 und  S.39

 

[2] a.a.O. S. 34v - 38