Die Brandkatastrophe vom 30. Mai 1892 in Abbach - Hilfen zur Bewältigung

An diesem Tage erlebte Abbach die größte Brandkatastrophe der Geschichte, abgesehen von den Ereignissen zum Ende des 2. Weltkrieges vom 24. – 27. April 1945.

Das Feuer brach ( vermutlich durch Brandstiftung) um 14 Uhr nachmittags im  Stadel der Brauerei Eckmann (heute Zirngibl) aus . Es fielen ihm 32 Gebäude, darunter 17 Wohnhäuser den ganzen Markt hinauf bis zum  Bad, zum Opfer. Ein kurzer Bericht über den Brand  findet man u.a..  im Abbacher Heimatbuch von Fritz Angrüner S. 84.

Die entstandenen Sachschäden können aus den im Archiv nach vorliegenden Aktenresten nur mehr annähernd erahnt werden. Bedienen wir uns hierzu eines Schreibens des Bezirksamts Kelheim vom 4. Juni 1892, eines Tages als sich der Rauch gerade erst verzogen hatte:

„Bei der gestrigen Besichtigung der Brandstelle in Abbach wurde wahrgenommen, dass noch immer Mauerwerke vorhanden sind, welche wegen ihrer Gefährlichkeit abgebrochen werden müssen., so namentlich der Deckel - Kamin bei Bierbräuer Mengin.[1] Diese Abbrucharbeiten sind  unverweilt mit der größten Vorsicht vorzunehmen und hierzu geeignete Personen, nur Männer zu verwenden.

Der Schutt auf der Straße und wo es notwendig auch aus den abgebrannten Häusern  ist  zu entfernen und dabei zu beachten, dass nicht  glimmende Balken und Holzteile liegen gelassen  oder in Gefahr drohender  Nähe von Gebäuden  abgelagert werden. Holzteile sind bei der Entfernung  tüchtig zu begießen. Insbesondere ist darauf zu sehen, dass die Kinder von den Brandstätten entfernt und namentlich bei den Abbrucharbeiten nicht zugelassen werden.

Die standesamtlichen Heberegister sind in einem sicheren Gebäude, wenn möglich im Pfarrhofe, aufzubewahren.[2] Für die verbrannten Registraturschränke  sind neue zu beschaffen (...)“

Die Gemeinde und die betroffenen Brandleider konnten die entstandenen Schäden wieder einmal nicht aus eigener Kraft bewältigen. So schickte man die dringende Bitte an die Regierung, eine Spendenaktion in ganz Bayern starten zu dürfen. Der Bitte wurde durch folgendes Schreiben entsprochen:

„ Landshut den 19. Juni 1892

Königliche Regierung von Niederbayern

Kammer des Inneren.

Betreff: Sammlung für die Abgebrannten in Abbach

Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, haben sich Allergnädigst bewogen gefunden, zu genehmigen, dass zum Besten  der durch Brandunglück am 30. Mai 1892 beschädigten Bewohner  des Marktes Abbach , k. Bezirksamts Kelheim, eine Sammlung von Haus zu Haus  in den Regierungsbezirken  von Oberbayern, Niederbayern, der Oberpfalz und von Regensburg, dann von Schwaben und Neuburg  durch die Gemeindebehörden vorgenommen werde.

Hiervon wird die Marktgemeindeverwaltung Abbach im Vollzuge der  höchsten Entschließung  des k. Staatsministeriums  vom 18.ds Mts. Nr. 9846 mit dem Beifügen  in Kenntnis gesetzt, dass das Anschreiben wegen Vornahme der Sammlung demnächst im Amtsblatte des k.  Staatsministeriums des Inneren  zur Veröffentlichung gelangen wird.(...)“

 

Über das Ergebnis der Sammlung liegt im Archiv ein „Haupt – Cassabuch der eingelaufenen Liebesgaben für die Abgebrannten in Abbach“ vor.  Darin ist vermerkt, dass sich bis zum Ende einer Bayern weiten Spendenaktion von Juni bis September 1892  3482 Spender, vorwiegend Gemeinden, beteiligten.

Es gingen von den Gemeinden und privaten Spendern 69.678,10 Goldmark ein. Seine kgl. Hoheit Prinzregent Luitpold ergänzte mit 2000 Goldmark auf 71.678,10 Goldmark.

Davon wurden an die abgebrannten Hausbesitzer 65.400.- , an die durch den Brand geschädigten Inwohner und Dienstboten 5.840.- und für Regiekosten und Schreibpapier 190,75 Goldmark ausgeteilt. Es blieb noch ein Rest von 283,25 Goldmark, den bis zur vollständigen Abwicklung ein „Comite“ unter Leitung von Dominikus Koller verwaltete.

Am Pfingstdienstag 1892 erfolge auch die Schadensschätzung durch den Brandversicherungsinspektor zu Regensburg, nachdem es seit 3.April 1875 glücklicherweise auch schon ein Brandversicherungsgesetz und entsprechende Versicherungen gab.

Die für die Immobilien ausbezahlten Beträge sind  dem Archiv nicht bekannt, aber die Entschädigungen für das Mobiliar. Dafür wurden insgesamt 24.774,55 Reichsmark  gewährt, wovon der Brauereibesitzer Georg Eckmann allen schon 17.750.- , der Bierbrauer Josef Schreiner 1710.-, der Bäckermeister Michael Hermann 2100.-, der Postexpeditor Joh. Nep. Hiendlmayer 2049,55, der Spänglermeister Josef Paintner 1080, der Fragner (=Kramer) Xaver Zirngibl  l70.- und Alois Bixl 15 Goldmark von der Generalagentur München der Magdeburger Feuerversicherungs- Gesellschaft  erhielten[3]

Nachdem der Markt nun schon einmal abgebrannt war,  forderte das Bezirksamt in  Kelheim am 8. Juni 1892 die Marktgemeinde auf, vor dem Wiederaufbau eine neue Baulinie festzusetzen. Die Hauptstraße  hatte dem Schreiben zur Folge kein freundliches Aussehen. Es wurde gleichzeitig auch ein behördlicher Gutachter  angewiesen, der sofort tätig werden sollte, damit der Wiederaufbau  nicht aufgehalten  werde.

Es sei noch erwähnt, dass 1892 die Gemeinden Markt Abbach und die Landgemeinde Schlossberg-Abbach nach 40 jährigem Bestreben auf der einen und Widerstreben auf der anderen Seite vereinigt wurden. Waren es wirklich zwei anonyme Handwerksburschen, die den oben erwähnten Brand gelegt haben, oder hat es mit dem hart umkämpften Zusammenschluss zu tun?



[1] Die Brauerei Mengin ist die frühere Gerbel-Brauerei, die direkt neben der Brauerei Eckmann, heute Zirngibl, stand. Sie wurde von den Zirngibl-Vorläufern Eckmann annektiert, nachdem der letzte Gerbl Besitzer durch Uninteressiertheit und wegen desolater wirtschaftlicher Verhältnisse abgewandert war. Mengin war nur eine Zwischenlösung. Heute steht dort das Verwaltungsgebäude der Zirngibl-Liegenschaften.

 

[2] Das Rathaus befand sich zwar auf der Schulbruck, aber die Standesamtakten bewahrte der jeweilige Bürgermeister bei sich zu Hause auf. 1892 war der Konditor Michael Röhrl Bürgermeister;  er wohnte im Markt und auch er war Brandleider.

 

[3] Aktenkonvolut  Brand in Abbach 1892. Archiv  XII.21.2.1.a.