Der „Waldfrieden“

Seit dem Herbst 2012 präsentiert sich der Waldfrieden als neugeborener Landgasthof, der aus der Asche auferstanden ist. Er ist ein würdiger Abschluss des Kurparks am süd-westlichen  Ende! Letzterer  besitzt seit einem Jahr ein ansehnliches Outfit.

Es wird noch einige Mühe und viel Geld kosten, bis das Ambiente rund um das einladende Lokal, bis hin  zum Tunnel durch den Mühlberg, über den ganzen Geländestreifen den Berg herunter bis zur Ortseinfahrtsstraße und den Hang  bis zur Grenze des Hartlhof  hinauf an Schönheit gleichgezogen hat. Aber dann kann sich unser Bad Abbach eines wirklich einladenden Prachtstücks rühmen und an Besuchern und Gästen aus nah und fern wird es, wie zu wünschen ist, keinen Mangel haben.

Wegen der bedeutenden fremdenverkehrsmäßigen Neuerung halte ich einen Blick in die Vergangenheit dieser Stätte für angebracht.

Das Gelände, auf dem das Haus steht, und der näheren Umgebung stammt von der ehemaligen Donaumühle in der Gemeinde Schlossberg - Abbach, die wegen eines vernichtenden Brandes im Jahre 1910 aus dem Bewusstsein der Abbacher Bevölkerung verschwand.

Über deren Geschichte habe ich an anderen Stellen des online-Lesebuches bereits einige Male berichtet.[1]

Die Bezeichnung „Waldfrieden“ existierte in dieser frühen Epoche für diese Stelle noch nicht. Sie hatte andere, spätere Väter!

Die nach der Donaumühle folgende und erwähnenswerte Zeitspanne ist von der Familie Christian und Friedrich Ziegler geprägt. Sie beginnt mit dem Jahre 1835, als Christian Ziegler aus dem Mühlengrunstück Teile erwarb,  um eine Weberei zu errichten.[2] Christian Ziegler, aus Wunsiedel/Ofr. stammend, nahm  in der Geschichte von damals Schlossberg-Abbach einen herausragenden Platz ein: Er war der Initiator des Braunkohlenbergbaus in Abbach und der Wiedererwecker des Weinbaus um Abbach und Oberndorf. Sein Sohn Friedrich erwarb sich als Verhandlungsführer der oben erwähnten selbständigen Landgemeinde am Schlossberg bei der Vereinigung mit dem Markt Abbach (1892) große Verdienste.

In den 1920er Jahren gab die Weberei ihren Geist auf, und das Brüderpaar Fritz und Ferdinand Arnold erkannten, dass diese Stelle für ein anderes Gewerbe, das Gastgewerbe, interessant sei. Sie bauten die Webereifabrik um, was von erheblichen Schwierigkeiten begleitet war. Aber unter ihrer Ägide wurde der Name „Waldfrieden“ geboren.[3]

Am 2.6.1928 beantragte Fritz Arnold die Konzession für ein Ausfluglokal auf dem Haus Au Nr.4, dann Abbach Nr. 124[4] in der Augsburger Straße. Sie wurde vorläufig nicht erteilt, weil der Wirtschaftsteil des Hauses noch nicht fertig gestellt war. Am 11.6.1928 war es dann  aber so weit, und der Eröffnung der Gastwirtschaft stand nichts mehr im Wege.[5] Die Inhaber des Betriebes zeigten aber offenbar keine glückliche Hand, und so  kam es, dass er bis Anfang  der 30er Jahre zur Disposition stand.

 

Am 31.März 1931 war die Firma Linxen und Hoign bereits für das Anwesen Au Nr. 4  zur Grundsteuer veranlagt. Nachdem sich aber die neuen Badbesitzer Linxen und Höign, in Bad Abbach nur mühsam etablieren konnten ( Steuer- und Abgabenschulden bei der Gemeinde!), konnte  unter ihrer Führung das Ausflugslokal „Waldfrieden“ auf dem ehemaligen Webereigrundstück Ziegler keine  Konzessionserteilung  erwirken. Man versuchte es immer wieder bis  1934. Jedoch zur Erteilung  der Konzession gab es immer wieder das bedeutende  Hemmnis: Erst bei der Gemeinde die Schulden zahlen, dann Erhalt der Konzession! Schon ein Ratsprotokoll vom 7.9.1933 bringt zum Ausdruck: „Der Gemeinderat steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass gegen die Genehmigung keine Erinnerung besteht, sobald die gemeindlichen Gefälle  und Schulden vollständig  abgetragen sind.“[6]

Am 22.9.1933  betrugen die geschuldeten Abgaben die Summe von 1100 RM.[7] Am 14. 2.. 1934 standen Linxen-Höign endlich mit einer Summe  von 950,45 RM gemeindliche Gefälle + 685,38 RM Biersteuer aus dem Betrieb des Badhotels in den Miesen.[8]

Es setzte sich die Verweigerung der Konzession für den Waldfrieden über den Juni 1934[9] hinaus  fort, bis 1938 für die Jahre 1935/36/37 die Verbindlichkeiten  für das Bad Hotel nachentrichtet waren.[10] Das Vertrauen der Marktgemeinde zu den Badbesitzern war nie sehr ausgeprägt, was z.B. aus der vorsichtigen Anfrage an die Brauerei Kuchlbauer  in Abensberg über die Bierlieferung  des Jahres 1938 zu schließen ist. Das sichere Resultat steht auf folgender Liste:

Eine Angestelltenstatistik der Jahre 1935 bis 1937 ist um den Betrieb Hotel Waldfrieden  erst im Jahre 1938 ergänzt. Es waren insgesamt 18 Angestellte bei Linxen Höign im Gastgebergewerbe beschäftigt.[11] Ein einziger Mann war der Pächter der Badwirtschaft Alois Blenk.

 

 

Im Waldfrieden hatte der  Teilhaber Johannes Linxen, sen.  seinen Wohnsitz genommen, bis er nach Eintreten einer körperlichen Hilflosigkeit ins Rheumazentrum umzog, wo er bis zu seinem Tode von Maria (genannt Mirzl) Weber, Mutter der Inge Pukrop, aufopferungsvoll gepflegt wurde.. Teilhaber Höign residierte immer  mitten im Markte, in Hs.Nr. 77, dann 10.

Linxen war eher ein musischer Mensch und entwickelte den Waldfrieden zu einer romantischen und gepflegten Stätte der Kurzweil. Man kehrte dort nach einem Spaziergang  am Graben zur Schwefelquelle entlang, einige Schritte weiter süd-westlich, gerne zu Kaffee und Kuchen oder zu einigen Bierchen   ein. Man erfreute sich auch im Übrigen einer exquisiten Küche.

                                                      

Johannes Linxen,sen.

Durch die Einwirkungen des 2. Weltkrieges auf das Haus, z.B. Verwendung als Lazarett - man flickte dort deutsche Wehrmachtsangehörige  für den weiteren Einsatz an der Front zusammen - und durch den Tod des Johannes Linxen, sen. im Jahre 1955 wurde das Haus mehr und mehr der Attraktivität beraubt.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 der Waldfrieden von der Reichsregierung vor dem Heranrücken der Ostfront zur kroatischen Botschaft auserkoren wurde.

Was sich in der so genannten „Sozialabteilung“ der Botschaft im Waldfrieden  abspielte, was sich vollzog und was sich dort entwickelte, war uns gewöhnlichen Einheimischen  unzugänglich und daher unbekannt  Der Großteil des Botschaftspersonals befand sich im Bad Hotel  im Markte. Der Hauptsitz der Botschaft war aber, wie ich glaube, der „Waldfrieden“. Das  Gebäude war mehr als heute in eine unberührte und malerische Umgebung versenkt und strahlte mitten im Krieg Ruhe und Frieden aus.

Nach der Übergabe der gesamten Liegenschaften und des Badebetriebs des Schwägerduos  Linxen und Höign und des Waldfriedens an das BRK wurde letzterer zur Unterbringung von Kurgästen benötigt.

In dieser Zeit schwand der letzte Schmelz in rasantem Tempo dahin, vor allem, nachdem es die Abbacher Bürgerschaft in seinem Zustand mit hässlichen Anbauten nicht mehr als ihr ehemaliges Ausflugsziel erkennen konnte.

Mit dem Ausbleiben der Kurgäste, hauptsächlich wegen der Gesundheitsreform  in den 1990er Jahren, verkam der Waldfrieden leider bis zur Unkenntlichkeit.

[i]

 

Nun blickt der neue Waldfrieden mit seinen Besitzern, der Familie Nüßle, in eine neue Zukunft.[ii]

Vom Abriss des verkommenen Altbaues bis zum Neubezug des Hauses dauerte es nur vom Winter 2011 bis zum Herbst 2012. Es war eine Rekordzeit!

Das Gastzimmer verfügt über ca. 80 Plätze . Es sind auch vier Doppelzimmer für Übernachtungen vorhanden.

Die Besitzer sind jetzt Robert und Heidi Nüßle.

Robert ist gelernter Küchenmeister. Sein Weg führte über den Gasthof Schrammel in Pentling und einen 12jähigen Dienst bei der Bundeswehr in den Waldfrieden.

Seine Frau ist Heidi, geborene Bierek. Sie war früher Backwaren Verkäuferin und stammt aus Oberndorf. Das Ehepaar hat drei Kinder, Michael, Stefanie und Sandra. Wenn es darauf ankommt, helfen sie zur Bewältigung der neuen  Aufgaben alle zusammen. Mindestens 15 Angestellte sind mit von der Partie, um die – wie zu hoffen ist – zahlreichen Gäste zufrieden zu stellen.


[i] Aufnahme Kraus 2011.

 

[ii] Interview Kraus/ Heide   Nüßle  28.11.2012.

 

 



[1] Online Lesebuch Nr.39 : Mühlen in Abbach; Nr.49 : Die Bauern von Weichs, hier: Leonhard Blaimer von der Donaumühle; Nr. 82 : Abbachs Wälder früher und heute, hier : der Kurfürstenwald.

 

[2] Online Lesebuch Nr.55, Merkenswertes aus dem 19. Jahrhundert, 27.3.1835.

 

[3] Vgl. Online- Lesebuch N. 1, Geschichtlicher Rückblick  auf dem Markt Abbach, 1928.

 

[4] RP ( = Ratsprotokolle) v. 02.06.1928. Archiv 8.6.1.

 

[5] RP v. 11.06.1928.

 

[6] RP v. 7.9.1933.

 

[7] RP.v.22.9.1933.

 

[8] RP. v. 14.2. 1934

 

[9] RP v. 9.6.1934.

 

[10] Gemeindeumlagenliste 1936/37 Beilage. Archiv XIII.21.4.3.b.

 

[11] Konvolut Verzeichnis der Gewerbe und Gewerbetreibenden, Formblatt B (Betriebskataster)

    Gruppe XX. Archiv XI.21.2.2.a.