Der „Polizeimeier“ zu Abbach

Will man jetzt gerade ein Gespräch via Telephon mit einem M(a)eier in Bad Abbach führen, entdeckt man gleich, dass es da, wie wohl überall, im Telefonbuch gewaltig „meiert“. Man tut sich schwer, den richtigen Adressaten  herauszufinden, wenn man nicht gerade zufällig auch den Vornamen weiß.

Früher behalf man sich in einem solchen Fall zur Unterscheidung mit dem Hausnamen. Mein Großvater mütterlicherseits z.B. hieß Schmidbauer, aber alle sagten zu ihm Köglmeier. Das kam daher, dass auf dem Hof einmal ein respektabler  Köglmeier saß. Und so hießen die Leute auf diesem Haus in Saalhaupt Jahrhunderte lang  bis heute „Köglmeier“. Manchmal fügte man an den Familiennamen zur Unterscheidung auch die Berufsbezeichnung an, so z. B. der „Meier-Böck“, der „Meier-Wirt“ etc. Zu meiner Kinder- und Jugendzeit (1933 – 1950) gab es in (Bad) Abbach den „Polizeimeier“, Max Meier, sen mit seiner Hausfrau Walburga, Saugasse, später Straubinger Str.49 1/3, der letzte Bauernhof linker Seite Richtung Gemling, jetzt, nachdem das Anwesen verschwunden  und ein Neubau errichtet ist, Römerstraße 36, mittendrin. Ich konnte mir nie einen Reim darauf machen, warum dies der „Poilizeimeier“ sei, nachdem  der Mann kein Polizist, die verblichenen  Vorfahren immer schon Bauern waren und auch keine persönlichen Wesensmerkmale auf den respektablen und autoritätsbehafteten Beruf des Gendarmen erinnerten. Die Letztgenannten waren zu meiner Zeit auch im alten Rathaus beheimatet und lebten dort mit ihrer  Familie wie in Klausur, die der Kaste dieser  Staatsbeamten  fast angeboren schien. Erst allmählich löste sich diese Haus-Bindung für die größere Freiheit.

Jetzt aber im vorgerückten Alter, als Archivar von Bad Abbach, konnte ich nach eingehenden genealogischen Studien dieses Rätsel meiner Kinderzeit lösen:

Im Jahre 1796 tauchte in den Kammerrechnungen des Marktes Abach   Georg Mayr auf: „Frey Resignierter Verwalter zu Wisend und Vicekammerer“, 1799 war er zum „Frey Resignierten Verwalter zu Wisend, Handelsmann, Amtskammerer (= Bürgermeister) und Rechnungsführer“ aufgerückt. Er führte auch ein Petschaftssiegel, manche werten es auch als Familienwappen, das er  den  Abacher Amtsakten in Siegelwachs aufdrückte. Man erkennt einen gefiederten Ritterhelm, der auf einem Schild  mit vier quadratischen Feldern ruht. Aus einem Quadrat strahlt die Sonne, dem zweiten ein Stern, auf dem dritten wächst eine Blume und auf dem letzten befinden sich andere Gräser. Oben, zwischen dem Gefieder, thront ein Löwe, der einen Stock, oder eine Rute in den Pranken hält.

Ich erinnerte mich an mein Pädagogikstudium, Geschichte der Pädagogik,  dass Stock und Rute, (virga et baculus, lat.)  seit Johann Amos Comenius (1592 – 1670) als Kennzeichen der Lehrerzunft galten, wie die Brezel für die Bäcker. Es könnte aber auch sein, dass in diesem Fall die Rute an die Rutenbündel (Fasces, lat.) der römischen Quaestoren erinnert. Dann  wären wir bei der Polizei des 18. Jahrhunderts, die vielleicht  wie ihre barocken Dienstherrn, frühklassizistisch infiziert,  die Rute gleichzeitig als Firmenschild der Pädagogen wie der Polizisten betrachtete. Das ist mir nun klar geworden: Der Name  „Polizeimeier“ geht auf diesen Georg Mayr zurück, der in seinen Amtshandlungen in der Zeit des Max I. Josef zeitübliche, bei Gott heute unbrauchbare, Polizeiqualitäten bewiesen hat, vielleicht schon in Wisend, auf jeden Fall in Abach. In der Napoleonischen Zeit führte Georg Mayr die Bezeichnung „Administrator“, was schon mehr die Amtsautorität, nicht so sehr die persönliche Autorität, zum Ausdruck bringt.

Es sei hinzugefügt, dass Communal Administrator Georg Meier wegen Ablebens die Kammer Rechnung 1812/13 nicht mehr abschließen konnte, weil auch er dem Tod Tribut zahlen musste. Darum steht am Schluss der Vermerk:  „Unterzeichnet im Namen der Wittib des verstorbenen Communal Administrators Mayr  vom Sohn Alois  Mayer.“[i]

(NB.: Die variierende Namensschreibweise kam in dieser Zeit auch in anderen Fällen vor, Das Amt wurde offenbar damals innerhalb der Familie vererbt und ging auch auf die Witwe über. )

 



[i] Rechnung über Einnahmen und Ausgaben der Communaladministration des Königlich Bairischen Markts Abbach, abgelegt für das Etatsjahr 1812/13, S. 26 v, S.31.

 

Wir verdanken Georg Mayer immerhin eine interessante Notiz in der Kammer Rechnung 1799 S. 29v/30 aus der Zeit des 2. Koalitionskrieges und dem Jahr als Napoleon in Frankreich putschte:

„Lauth Spezification  haben bey dem immerwährenden Durchmärschen  k.k. und Russisch Kaiserlichen Truppen so viele Quartier (genommen), dass heuer wirklich 14 440 Mann übernachtet werden mussten, wobei  aber sehr vieles vorkam. Auch dazu  Heu, Korn und Haber liefern, ins Magazin führen und zu Ingolstadt schanzen müssen.  Daher heuer ausgegeben 316 Gulden 41 Kreuzer 4 Heller.“

Man bedenke, dass der Markt Abach damals nur ca. 70, Schlossberg-Abach 20 Haushaltungen hatte !