Carl Albrecht zettelt einen Krieg um die österreichischen Erblande an (1740 – 1745) - Eine neuerliche Abbacher Leidensgeschichte

Dr. Alfons Kraus, Archivar

 

Es wurde unter Max Emmanuel schon erwähnt, dass es den bayerischen Churfürsten des 18.Jahrhunderts ein ständiges Anliegen war, ihre Hausmacht zu erweitern. Insbesondere aber trieb sie ihr Ehrgeiz, König oder gar Kaiser zu werden, zu immer neuen Unternehmungen.

Als Karl II in Spanien starb, wollte der Wittelsbacher Max Emmanuel König von Spanien werden. Aber dem Verlangen war kein Erfolg beschert.

Als 1740 in Österreich Kaiser Karl VI. ohne einen männlichen Nachfolger verblich, wollte Max Emmanuels Sohn Carl Albrecht gar Kaiser werden. Die Tochter Karls, Maria Theresia, betrete den Thron nicht legitimer Weise, da es einen schriftlichen Vorbehalt gegen eine weibliche Nachfolge aus dem 16.Jh. gebe. Schnell bildete sich gegen Österreich eine Allianz aus Bayern, Frankreich, Spanien und Preußen. Oberösterreich war im Handstreich genommen, auch Prag war schnell unter der Herrschaft des Bayern. Carl Albrecht wurde 1742 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das ehrgeizige Ziel der Wittelsbacher war offenbar erreicht.

Aber da fiel Preußen wegen seiner Ansprüche auf Schlesien unversehens von  der Allianz ab und verband sich mit Maria Theresia, was für den Preußen vorteilhafter zu sein schien.

Das Kriegsglück wandte sich schnell und München wurde wieder von den Österreichern eingenommen. Es wurden die selben Gräueltaten verübt wie im 30jährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg.

Für Friedrich den Großen schien es aber für seine Ansprüche auf Schlesien mit Maria Theresia nicht so gut zu laufen, und so trennte er sich wieder von ihr.

Das war Carl Albrechts Glück, und er konnte am 23.10.1744 wieder in München einziehen.

Das Glück währte aber nicht lange, denn am 20.04.1745 starb er schon.

Sein Sohn und Nachfolger Max III. Josef  konnte dem erneuten Ansturm Österreichs nichts entgegensetzen und er wurde am 28.April 1745 zum Sonderfrieden von Füssen gezwungen.

Der Traum der Wittelsbacher war vorläufig ausgeträumt. Sie verzichteten auf die ehemalige Bayerische Ostmark für immer.

Doch die Zeche hatte wieder einmal der kleine Mann bezahlt.
Wie das für Abbach aussah, berichtete uns der damalige Marktschreiber Johann Felix Schedl in den Cammer Rechnungen  des Chrufürstlichen PannMarktes Abach der Jahre 1743 – 1746.

Ende der 1730er Jahre hatte man froh berichtet, dass man nun daran gehen wolle, das vom 15jährigen Spanischen Erbfolge Krieg (1701-1714) verunstaltete Erscheinungsbild der Marktes aufzupolieren, da traf die Botschaft von einer neuen Feindseligkeit den Ort wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Wie man vermuten kann, ging es gleich von Anfang an an das Eingemachte, das kaum vorhandene Geld. Grundlegend für die Staatskasse wurde nun gleich wieder eine allgemeine „Extra Kriegssteuer“ eingeführt, für die vom Markt zweimal im Jahr 81 Gulden 21 Kreuzer 5 ¾  Heller abzuführen waren. Das war eine stolze Summe, wenn man sie zu den Arbeitslöhnen  der folgenden fünf Jahre in Beziehung setzt.
Ein Handwerksmeister verdiente am Tag 21 Kreuzer, ein gewöhnlicher Handwerker 20 Kreuzer, ein Tagwerker 12 Kreuzer.

Nach  den Extraabrechnungen der Kriegs- und Quartierlasten  durch den Cammerer ( Bürger -meister)der Jahre 1743 und 1747 Johann Stephan Frankl, die der normalen Jahresrechnung  jeweils beigebunden ist, kostete dieser Krieg die Gemeinde 3.841 Gulden 40 Kreuzer, die für Quartier, Kost, Fourage für Mensch und Pferd, Vorspannpferde und –wägen, Kuriere zu den Regierungsstädten München und Straubing mit Bittschreiben und Widersprüchen und in vielfältigen anderen  Verwicklungen bei schnell wechselndem Kriegsglück einmal in Freundes- und dann in Feindeskasse zu zahlen waren.

Die fortwährende Abzocke führte innerhalb des Gemeinwesens zu allerlei Turbulenzen. In den Jahren 1745 und 46 fand sich kein Mensch bereit, das Amt des Bürgermeisters und die damit verbundene Verantwortung zu übernehmen, was mir seit 1639 noch nicht begegnet ist. Der Bürgermeister haftete ja mit seinem eigenen Besitz und Leben für die Existenz seiner Gemeinde, und diese Last wollte keiner tragen.

Auf dem  Deckblatt der Cammer Rechnungen der Jahre 1745 und 1746 fand sich dem  entsprechend jeweils der Vermerk: „In Ermangelung eines Amts Cammerers wurde die Kammerrechnung des Churfürstlichen Panmarkts Abach  durch den Marktschreiber Johannem Felicem Schedel geführet.“ Die Bezeichnung „Panmarkt“ wies darauf hin, dass es sich um den Sitz eines Hochgerichts handelte, bei dessen Entscheidungen der Cammerer ein bedeutendes Mitspracherecht  und eine schwere Mitverantwortung trug.

Im Jahre 1742 wird vermerkt: „Zumalen bei den heurigen beständigen Kriegs Troublen, durch das beständige Hin- und Wiederflüchten der gemeinen Marktskasse, die durch Ab- und Aufladen solcher Gestalten ruiniert worden, dass nit nur die Einfassung  gänzlich herabgefallen, sondern auch das Schloss und übrige Eisenwerk allerdings verrostet, also hat man solche von dem Schreiner Josefen Koch  ganz neu wiederumben einfassen und auszieren, mithin demselben vor diese seine Arbeit  bezahlen müssen 2 Gulden 45 Kreuzer.“1

Im Jahr darauf wird geklagt: „ Nachwas zwar schon im 1741ten Jahr die Prucken  hin und wieder durch die beständigen Kriegsfuhren allerdings wieder ruiniert und zertrümmert worden, also hat man diese der Notdurft nach wiederumben herrichten (...) lassen.“2
Besonders die Brucktrommeln, das waren die Winden-Baumscheiben, waren stets starker Belastung ausgesetzt und mussten durch Einschlag einer kräftigen Eiche im Kurfürstenwald ersetzt werden.

Es wird 1743 z.B. auch berichtet, dass einmal die Rossknechte von den königlich  französischen Auxiliar Trouppen samt Artillerie Pferden mit einigen Paggage -Wägen, die auf dem Weg nach Ingolstadt waren, über die Nacht Station gehalten hätten, und dem Paul Putz die Gartenbänke ruiniert und 12 Klafter Holz weggenommen hätten.

Am 22.Oktober habe ein Herr Leutnant der königlichen französischen Auxiliar Trouppen, den man wegen der französischen Sprache schon nicht recht verstanden habe, für die in Statt am Hof stehenden königlichen  französischen Truppen  vom Markt Holz, sowie glatte und raue Fourage angefordert. Man sei sich dann zwar mit ihm  bei 6 Klafter Holz bereits einig gewesen, habe ihn dann aber mit Essen und Trinken zufrieden stellen (bestechen, A.d.V) können und habe ihm Ehren halber ( siehe „verehren“!) noch einen Dukaten vermacht, und so habe er von der Anforderung abgelassen. Die wirkliche Rechnung betrug dann statt des Holzes für den Dukaten 4 Gulden 15 Kreuzer, für das Nachtquartier  mit Frühstück, Kost und Trunk nebst 2 Köpfln Wein (=3 Liter!) 2 Gulden 35 Kreuzer.3

So günstig ging es jedoch nicht immer aus. Aus einer Vielzahl von Einträgen wähle ich den vom 8. Juli 1743 aus:
Das Leopold Graf Balthlische Infanterie Regiment hielt hier für eine Nacht Station. Zu deren Verpflegung mussten zwei Stück Rindvieh geschlachtet werden. Jedes Pfund sollte zu einer Entschädigung mit vier Kreuzern ausgehauen werden. Aber zu einem so geringen Preis war das nicht machbar. So versprach der Markt auf jedes Pfund einen Kreuzer draufzuzahlen. Mit dem Herrn Regiments Quartiermeister traf man dann noch die Abrede, dass ein Rind der Regimentsmetzger, das andere aber der hiesige Fleischkacker schlachten und aushauen müsste.

Dem Regimentsmetzger wurden auf 325 Pfund 5 Gulden 25 Kreuzer draufbezahlt, den hiesigen Fleischhackern auf 164 Pfund 2 Gulden 44 Kreuzer, zusammen also auf 489 Pfund  8 Gulden 9 Kreuzer .
Nach deren Abmarsch wurde nur für  die Königlichen Proviant Führer dem Herrn Cammerer Frankl für den Aufenthalt der Ungarischen Truppen für ihre Zeit vom 15.Juni bis 10. Juli die Bier-, Brot- und Brandtwein Rechnung quittiert. Es wurden für 3 Eimer 24 Maß Bier a. 4 Kreuzer zusammen also 13 Gulden 36 Kreuzer angegeben, dann 8 Gulden 40 Kreuzer für Brandtwein, Brot und Fleisch und anderes Genießbares. Insgesamt sei aber immer ohne Entschädigung konsumiert worden. Die obigen 2 Posten allein hätten 22 Gulden 16 Kreuzer zusammen ausgemacht.

So ging es hurtiger Weise das ganze Jahr über zu, was man gar nicht alles aufzählen kann, weil es sonst langweilig würde. Wer es aber in ganzer Fülle wissen will, muss sich also halt die ganzen 84 Seiten anschauen, die hier für das Jahr 1743 im Archiv niedergelegt sind.4

Im Jahr 1744 wird ebenfalls eine eigene Kriegs- und Quartierrechnung aufgemacht.
In diesem Abschnitt erfahren wir, dass die Höchst Kaiserlichen und Alliierten Truppen nach einem in Abach angerichteten Schaden von fast 78 Gulden in die Erblande bis an die Grenzen zu Friedenszeiten zurückgeworfen werden konnten. Das ganze Land Bayern sei bis auf die Festungen  Braunau, Ingolstadt und Schärding besetzt gewesen.5

Am 3.Juli hätten 8oo Mann eines Freibataillons aus  Temesvar und am 28.und 29. Juli 360 Mann, die aus Prag gekommen waren, hier Station gemacht. Diese Leute hätten alle verköstigt werden müssen. Da habe wieder eine Kuh des Bürgers und Bierbräuers Frankl dran glauben müssen.
Am 18. Juli hätten zusätzlich 150  Mann Husaren nach hier verlegt werden sollen.  Aber der Marktschreiber Johann Felix Schedl habe in Stattamhof erreichen können, dass die Truppe die Marschroute über das benachbarte Dorf Peising habe ändern dürfen.6

m 23. Oktober, als sich das  österreichische Freibataillon  nach Böhmen zurückgezogen hat, habe es wieder verköstigt werden müssen. Es  seien die üblichen Mund- und Pferdportionen angewiesen worden, einem Feldkaplan und seinen ihn begleitenden Husaren habe man neben der etappengemäßen Verpflegung  sogar noch Bargeld geben müssen, weswegen es aber wegen Weigerung Streit gegeben habe. Am Tag darauf waren unmögliche Vorspannleistungen zu erbringen. Der Pflegsverweser, der die Exekution hätte absegnen sollen, hatte sich aus dem Staub gemacht und so habe man sich an den Amtskammerer Johann Paul Puz  gehalten. Der aber habe sich mit dem Marktschreiber eine Zeit lang zur Sicherheit nach Regensburg verzogen, weshalb nun der Vizekammerer  Fränkl an der Reihe war und 6 Dukaten habe zahlen müssen.7

Wenigstens einen Bericht vom nahenden Ende des Jahres 1744, als der Wittelsbacher Carl Albrecht Kaiser war, möchte ich der Brisanz wegen wörtlich  zitieren:
„ Nachdem die Kaiserlichen und allerhöchst derselben alliierten Waffen von Gott dem Allerhöchsten dahin allergnädigst gesegnet  worden, dass die jenseits des Rheins gestandenen österreichischen Feinds- Armeen nicht nur den Rhein widerumben zu repassieren, sondern auch das ganze Land  Bayern – bis auf die Festung Ingolstadt, Braunau und Scharting – zu räumen und den rechtmäßigen Landesfürsten wiederumben abzutreten sich gezwungen gesehen, so dass derentwillen gegen Ende Oktober sowohl für die Kaiserlichen als auch übrigen Auxiliartruppen im ganzen Land die Winterquartiere ausgeschrieben (wurden).
Folglichen dem Gericht und Markt dahier von dem löblichen französischen  Royal de Baviere Infanterie Regiment das dritte ganze Bataillon  zur winterlichen Verpflegung anrepartiert (=aufgehalst) worden(ist).

Also ist am 10.Dezember vom erst gemeldeten Bataillion zur Veranstaltung  und Austeilung der nötigen Quartiere ein Herr Eyde Major im Voraus hier eingetroffen.
Der hat dann von selbst gesehen, dass zur Bequartierung und Unterbringung des ganzen Bataillons das hiesige Gericht und Markt  viel zu klein sein würde, wenn nicht mehrere Conkurrenzorte (Steuerorte) nach hier angewiesen werden wollten.
Weil aber eben dieser Herr Major auch zugleich  die Disposition in Kelheim  für die daselbsten ankommenden  Bataillone in Auftrag hatte, hat er selber gesehen, dass das Gericht Kelheim / in Anbetracht, dass selbes wohl 20 mal stärker als hiesiges ist und dessen ungeachtet (ihm) gleichwohl  ein einziges Bataillon zu verpflegen anrepartiert worden ist / allzu stark begünstigt wurde.

So hat sich eben dieser Herr Eyde Major anerboten, wegen der hiesigen Orts  angewachsenen  übergroßen Misere so viel beizutragen, dass von  Seiten des löblichen Landgerichts Kelheim zur Bequartierung des hiesigen Bataillons einige Dörfer abgetreten und anhero angewiesen werden möchten, und dass  schließlich, zur Verfassung einer förmlichen Repartition jemand von hier mit ihm nach Kelheim abgeordnet werden solle. Demnach wurde dann neben dem Ratsverwandten  Franz Antoni, Bader, der diesortige Marktschreiber zu solchem Ende dahier abgeordnet. Man hat so viel erreicht, dass vermög anliegender Repartition die Dörfer Peising, Gebraching, Grasslfing Matting und Prüfening nebst der Hofmark Pentling nach hier extradiert wurden, sodass beim Markt  hernach lediglich eine einzige Kompanie nebst dem Bataillons Commandanten zu bequartieren  gekommen ist. (..)
Aber ungeachtet dessen, dass sich die Sache so verhielt, war das Gericht und der Markt vorher schon mit Quartier belegt und wurde gegenüber anderen benachbarten Gerichten überbelastet.

So hat das Gericht Stattamhof jedennoch bei der Kaiserlichen hochlöblichen Regierung in Straubing einen solchen allergnädigsten Befehl erreicht, kraft dessen wir neben dem Landgericht und Kastenamt Kelheim zusätzlich zu den in Stattamhof bequartierten 2 Bataillonen des löblichen sächsischen Infanterie Regiment nach Proportion der vorhandenen Höfe konkurrieren sollten. Deswegen sollte zur Verfassung einer unparteiischen Repartition jemand von hier um so gewisser zu Stattamhof erscheinen, als außer dessen jeder Ort dennoch anrepartiert  und zur Beitreibung der Richtigkeit mit der militärischen Exekution  vermögend gemacht werden sollte. Solchernach wurde abermals von hier der Marktschreiber Johann Felix Schedl abgeordnet.

Bei dieser Repartition hat sich herausgestellt, dass zur Verpflegung der obigen 2 Bataillone an Brot- und Pferdportionen bis Ende des Winterquartiers die sämtlichen Konkurrenzorte miteinander 45. 435 Gulden, der Markt Abbach speziell 429 Gulden 30 Kreuzer, nach Stattamhof hätten abliefern sollen.

Weil sich aber kurz hernach eben diese 2 Bataillone von selbst zurückgezogen und Stattamhof verlassen haben und den österreichischen Feindtruppen gewichen sind, ist deswegen dann die Konkurrenz von selbst geschwunden. So ist dem hiesigen Gericht und Markt und den Konkurrenzorten weiter nichts verblieben, als das dahier  bequqartierte löbliche Bataillon , des löblichen Röyal de Baviere Infanterie Regiments mit den aufgetragenen täglichen 660 Brot- und 95 Pferdportionen zu versorgen  und zu verpflegen.

Schlussendlich wurden diese Brotportionen in Geld umgerechnet und im Monat Dezember trafen auf den Markt 23 Gulden 6 Kreuzer. Vom ersten bis 15.Januar  sind zusätzlich weitere derlei Brotportionsgelder in Höhe von 29 Gulden 10 Kreuzer  an das hiesige löbliche Pflegegericht gezahlt worden.

Weil aber hernach die vom löblichen Landgericht Kelheim  die zur Quartiertragung hierher überlassenen Dörfer wiederum abgenommen werden sollten, weswegen das hiesige Gericht und Markt unmöglich im Stand gewesen wäre, das hier bequartierte  ganze Bataillon alleine zu versorgen und die Brot- und Pferdrationen beizuschaffen, so hat man von Seiten des hiesigen löblichen Pfleggerichts und des Marktes den hiesigen Ratsverwandten Franz Antoni Bader, bürgerlichen Chirurgen am Ort, mit einem umständigen Remonstrationsbericht zur hochlöblichen Hofkammer nach München abgeordnet und den selben um weitere Anweisung einiger hierher fournieren der Dörfer untertänigst bitten lassen. So musste man ihm vom alhiesigen Pflegegericht zu seinem Reisedeputat 3 und vom Markt 1 Dukaten beitragen.

Sobald hierauf von Seiten der hochlöblichen Hofkammer beschieden wurde, dass / weil derlei Sachen nicht dahin sondern zum hochlöblichen Kriegskommissariat gehören, / sollte dieser gemeinschaftliche Remonstrationsbericht gleichwohl auch dahin übergeben werden. Also hat der dahier abgeordnete Ratsfreund und bürgerliche Chirurge Franz Antoni Bader unverrichteter Dinge wieder hierher  zurückkehren müssen.

Hierrauf nun hat man beim Herrn Bataillons Kommandanten Monsieur de Rachett die Sache dahin vermittelt, dass er seine in dem Landgericht und Kastenamt Kelheim bequartierte Mannschaft nicht ausrücken ließ.

Weil sich aber bis Ende Dezember die feindlichen Truppen wieder in der hiesigen Gegend ausbreiteten, so ist von diesem löblichen Bataillon nicht nur die Wacht verstärkt, sondern ohne weiteres angeordnet worden, dass vor dem unteren oder Regensburger Tor ein Spanischer Reiter und Schildhaus gemacht werden solle.

Zuvor, unterm 13 Dezember  ist der Kaiserliche Feldkurier Limmer  mit einer Vorspann -anweisung hier eingetroffen, der dann seinen Weg nach Kelheim fortsetzte. Weil er aber mit Postpferden hier her gekommen und mit diesen dann nach Kelheim fortreisen wollte, hat man ihm auch noch das Postgeld auszahlen müssen: 2 Gulden 30 Kreuzer.8

Das Jahr 1745 beginnt mit einer merkwürdigen Begebenheit:
Da heißt es in meiner Quelle, dass zur Komplettierung der Kaiserlichen Infanterieregimenter von den Landesuntertanen Rekruten gestellt werden sollten. Nach Anweisung des Hofkriegsrats vom 4.Januar 1745 sollte bei der Musterung in den Städten und Märkten auch der Hoffürst zugezogen werden. Sogleich ließ das hiesige Pflegegericht unter den vorhandenen Bürgerssöhnen die Musterung durchführen. Dabei wurde Andre Huber, ein hiesiger Weberssohn für den Kaiserlichen Kriegsdienst ausgewählt. Damit dieser Bürgerssohn nicht einrücken musste, stellte das Gericht und der Markt zum Ausgleich gemeinsam  einen fremden Rekruten, dem man ein Handgeld von 9 Gulden bezahlte.9

Unter den Gerichtsuntertanen auswärtiger Ortschaften sprach es sich herum, dass sie nicht verpflichtet gewesen wären, Personalquartiere zu stellen, und so wandten sie sich  untertänigst an die hochlöbliche Regierung in Straubing. Und siehe da, sie bekamen Recht und wurden von dieser Pflicht total befreit. Die auswärts untergebrachten Männer sollten zur  gesamten Kompaniestärke in den Markt herein gezogen werden. Weil man aber den 101 Soldaten hier kein Quartier verschaffen konnte, so wurde auch der Markt wieder aktiv. So schickte man den Bürger und Metzger Thomas Bauer zur Regierung in Straubing. Obwohl man reichlich Verehrungsgelder (Bestechungsgelder!A.d.V.) fliesen ließ, erreichte man nichts, weil man keine Ausnahme machen könne. So wurden die betreffenden 101 Infanteristen am 4.Juni hereingezogen. Um aber bei dem herrschenden Mangel an Brot keine Exzesse befürchten zu müssen, wurde die Quartierszeit auf 11 Tage, vom 4.-15. Juni, verkürzt. Der Fall ging noch eine Weile zwischen  dem hochlöblichen Kriegsrat in München, dem Markt Abach und der Regierung in Straubing hin und her und wurde bloß immer noch teurer.

Das Kriegsglück wechselte in diesem Jahr öfter hin und her. Am 22.Mai waren schon wieder vom österreichischen Bentheimischen Kürassier Regiment, dessen Marschroute durch Abbach ging, ein Rittmeister, ein Leutnant, 1 Wachtmeister, 2 Fouriere, 5 Korporale und 31 Rekruten  über Nacht unterzubringen und zu verköstigen. Der Pflegsverweser konnte mit 2 französischen Thalern und 3 Siebenzwanzigern eine Routenänderung erreichen. Man konnte immer wieder eine Verlegung in die umliegenden Orte erreichen, denen man natürlich damit auch keine Freude bereitete.

Einmal hatten sich 1 Korporal und 6 gemeine Mann aus dem Fürst Hohenzollerischen Dragoner Regiment aus der Gefangenschaft befreien können. Sie hatten keine Löhnungsgelder bei sich und mussten sich daher mit der Hausmannskost, was immer das bedeutete, begnügen. Am 14.Juni kamen dann weitere 2 geflüchtete Dragoner dieses Regiments hinzu.

Eine nicht beglichene Rechnung aus dem vorausgegangenen Winter bereitete große Sorgen. Es war das französische löbliche D`Alsaiceische Infanterie Regiment für den Monat Februar hierher in das Quartier angewiesen. Es erging von der Churfürstlichen löblichen Extra Kriegs Deputation in München jedoch der gnädigste Befehl, dass diese Truppen nach Vohburg weiterziehen sollten. Aber die Brot und Pferdportionen sollten dorthin nachgeliefert werden. Man rechnete die Realien in Geld um, wobei  dann  auf Abach 391 Gulden trafen. Der Ort weigerte sich beharrlich, das zu zahlen, aber es wurde öftere Male die Exekution angedroht. Es wurden mehrfach Bittschreiben zwischen dem hiesigen Landgericht, der Regierung in Straubing  und dem hochlöblichen Kriegrat in München herumgereicht, was nur einen Haufen Geld kostete, aber nichts bewirkte. Schließlich hat man, um die Exekution abzuwenden , die 391 Gulden bezahlt.10
Mit Belastungen dieser Art könnte man auch für das Jahr 1745 noch eine Weile fortfahren, was aber in diesem Aufsatz als langweilig empfunden werden könnte.

1746 war der abscheuliche Krieg  gegen das leidende Volk zwar schon zu Ende, aber seine Nachwehen bekam es immer noch zu spüren:

Nach einem gnädigsten Hofkriegsrat  Reglement vom 15.April 1745 mit mehreren Vermerken waren den Herren Offizieren von den Quartiergebern jetzt nicht mehr Naturalien zu reichen, sondern ein gewisses Servisgeld. Auf dem Land galt: Ein Hauptmann oder Rittmeister bekam monatlich 7 Gulden, einem Oberleutnant standen 6 Gulden zu ,  einem Cornet oder Fähnrich  5 Gulden. Dies wurde auch im Jahre 1746 noch vollzogen. Vom löblichen Fuggerischen Dragonerregiment war der Herr Fähnrich Stein dem Markt anrepartiert worden. Es wurden ihm immer redlich die 5 Monatsgulden ausgehändigt. Das Regiment, das er befehligte, hatte die Churfürstlichen Dienstpferde dabei. Für diese waren zudem täglich 2 Pfennige Stallmiete zu bezahlen – alles auf Gemeindekasse. Die ganze Gesellschaft verweilte in Abach bis zum 30.Januar 1747, 291 Tage lang . Es bestand immer Gefahr, dass die Dragoner mittendrin mit den Pferden desertieren. Der Krieg war ja zu Ende. Da empfahl Fähnrich Stein der Bürgerschaft, die Pferde nicht aus dem Ort zu lassen und zu diesem Zweck zwei Stallungen zu errichten, in denen man die Pferde zusammenhalten konnte, die eine beim  Engel- oder Ochsenwirt, den man auch den Stiftswirt nannte (siehe Georg Parth`sche Stiftung!), die andere bei der Schererischen Witwe.

Die Errichtung der Ställe, deren ständige Unterhaltung und Verbesserung bei eintretender Winterkälte, das Futter für die Tiere und der Unterhalt der zurückbleibenden Dragoner erforderte zwar weitere Kosten, aber die Pferde wurden als Ausgleichspfand empfunden, das sich aber letztendlich nicht rentierte. Der Schaden betrug 137 Gulden 18 Kreuzer.11

Im Jahre 1768 wurde eine Rechnung über die Kriegsschulden, die von 1754 bis 1760 aufliefen, folgender Art aufgemacht:
„Anmerkung derjenigen Schulden, welche von dem alhiesigen Markt in den abgewichenen Kriegsjahren zu Erstattung der Brandschatzung, Kontributionen und anderen Positionen aufgenommen wurden: 7353 fl 35 x 3  11/24 hl

Zu guter Letzt hatte der Markt und das Gericht Abach eine weitere traurige Erfahrung hinter sich, bis die Schikane durch Napoleon und den Bayernchurfürst Max IV. Josef begann.

(Siehe meinen Aufsatz „Napoleon und Abbach“ unter www.abbacher-kurier.de oder unter www.badabbach.info/Bad Abbach Historisches!)

 

1 Kammerrechnug 1742 S. 31v - 32
2 Kammerrechnung  1743 S. 20v
3 Kammerrechnung 1743 S. 41,42
4 Vgl.Kammerrechnung 1743 S.41v,42
5 Vgl.Kammerrechnung 1744 S.25
6 Vgl Kammerrechnung 1744 S. 65,66
7 Vgl Kammerrechnung 1744 S. 71 ff
8 Kammerrechnung  1744 SS. 84 – 87 v.
9 Kammerrechnung 1744 S. 88
10 Kammerechnung 1745, S.31 - 32
11 Kammerrechnung 1746 S.23-24 (Auf Paukosten); S. 31v – 34v ( Auf Kriegs- und Quartierskosten)