Ein Versuch, das liebe Jesulein aus dem Tiefschlaf zu wecken? Ein Beitrag zur Abbacher Böllerabteilung im ablaufenden Festjahr


Dr. Alfons Kraus

Wenn im alten Markt Abbach eine bedeutende Persönlichkeit zu Besuch kam, sich sonst ein großes Ereignis zutrug oder ein großer Festtag im Jahreslauf anstand, wurden, wie die Analen berichten, die Böller abgeschossen. Die Gemeinde hat dafür sogar immer das Pulver bezahlt, wie die Kammer Rechnungen über Jahrhunderte bezeugen.

Als so ein Tag galt früher für das gläubige, christkatholische Volk hier zu Lande das Weihnachtsfest. Da wurde schon am Vortag, dem Heiligen Abend „das Christkindl angeschossen“. Sollte doch routinemäßig Jesus auf mystische Weise das Licht der Welt erblicken, der sich eben so konstant bis zum Ende des Kirchenjahres zu einem wahren König entwickeln können sollte.

Dies bedeutete nicht, dass man auf das Christkind in der Krippenidylle mit Pulver gezielt hätte, um es zu erschrecken. Man wollte lautstark und vernehmlich andeuten, dass ein Festtag beginnt, in dem Sinne hat man also geböllert, dass „anschießen“ so viel wie „andeuten“, „ansagen“, „bekannt geben“ ausdrücken sollte.

Es handelte sich im 18. und 19. Jahrhundert sicher nicht nur um das Krachen oder Zischen einer jämmerlichen Karabinerkugel oder eines Silvesterkraches, wie man es heute gelegentlich am Heiligen Abend vernehmen kann. Eine ganze Schwadron von Böllerschützen war da jeweils am Werk, sie stand ja – wie bezeugt ist – zu diesem Zweck auch zur Verfügung.

In der Festschrift zum 275- jährigen Gründungsfest der „Königlich Privilegierten Feuer- und Zimmerstutzengesellschaft Bad Abbach“ wurde Seite 166 berichtet, dass 2004 19 Schützen mit 17 Böllern ausgestattet waren. Die Böllerabteilung feierte, wie betont wird, in diesem Jahr 2009 ihr 5-jähriges Bestehen.

Ich hätte es der Vorstandschaft der Schützen 2009 vermutlich mit Böllern in das Bewusstsein schießen sollen, dann hätten sie vielleicht ihr 250-jähriges Gründungsfest gefeiert, und nicht das fünfte!. Ich hatte ihnen folgenden Eintrag aus dem Jahr 1752 vergeblich geschickt: „Am Heiligen Fronleichnamstag sind durch die Schützen, und zwar heuer zum ersten Mal, zur Ehre Gottes im Markt die 8 Böller abgeschossen worden, die von einem gewissen Kurt Thätter hergeschenkt worden waren.. Es wurden 5 Pfund Pulver verbraucht, wofür man dem Kramer Josef Alzinger laut Quittung 2 Gulden 20 Kreuzer bezahlt hat.“1

Bei dieser Gelegenheit nütze ich die Chance, einen Fehler in der Festschrift zu berichtigen, den man ohne mein Wissen auf S. 53 eingeschleust hat: Der Gulden zählte nicht 4 Kreuzer, sondern 60! Ja, irren ist menschlich!


1Kammer Rechnung 1752, S. 40. Archiv 9.6.2.