Bade- und Kurort am Donauknie – ist (Bad) Ab(b)achs uralte Tradition am Wanken?

Das überaus bekannte lateinische Standardlexikon  des 18. Jahrhunderts des Adam Friedrich Kirschius, das 1774 in Leipzig erschien, und sich Altphilologen, Professoren der Geographie, Geschichte, Theologie, Juristerei  und Medizin als  Hilfsquelle anbot, nannte „Abach[1], ein(en) Marktflecken in Bayern“ unter ca. 100 Nennungen des Buchstabens A  neben Weltstädten, Strömen und Ländern Europas.[2]

Diese Notierung erfolgte gewiss nicht wegen der zahlenmäßigen Bedeutung des damals nur 90 Haushalte zählenden Marktfleckens, sondern wegen seiner Geschichte, die wohl Aventin vorher wegen seiner Freundschaft mit dem Badbesitzer Dr. Georg Hobsinger und wegen der vermutlichen Geburt Kaiser Heinrich II. hier zu Ort groß herausgestellt hatte.[3] Der hauptsächlichste Grund war sicher die Bedeutung Abachs als Kur- und Badeort seit dem Mittelalter.

 

 

Aus Festschrift „Kurzentrum Bad Abbach, zur Eröffnung am 25.06.1984“

Diese Geschichte möchte ich hier im Überblick aufreißen. Ich bediene mich  hauptsächlich der reichhaltigen Arbeit von Professor Dieter Wessinghage, ehemals Chefarzt der I. Orthopädischen Klinik und Oberarzt Dr. Josef Zacher ebenda, am damaligen BRK-Rheumazentrum  Bad Abbach.[4]

Vermutlich  haben bereits die Römer  die segensreiche Wirkung  der Abbacher Quellen  erkannt  und ihr Wasser für ihre Bäder  genutzt.

 

1262

wird das Bad erstmals urkundlich erwähnt.

1335

findet das „Wildtpad Abbach“ in „Freiheitslibell“  unter dem Artikel „Tottvell  halb“ Erwähnung.

1465

Albrecht IV. erteilt dem Wundarzt Meister Jörg aus Regensburg  die offizielle Erlaubnis zur Errichtung eines „Wildpades“ zu Abbach. Im gleichen Jahr wird  ein aufgerichtetes  „Bad-Würthaus“ erwähnt (Lehner).

1528

Eigentümer des Bades sind Berthold Hofstetter, dann Dr. Georg Hobsinger, der spätere Leibarzt von Kaiser Karl V. und Freund des Chronisten Georg Thurmayr, genannt Aventin

1532

weilt Kaiser Karl V., der sich am Reichstag in Regensburg beteiligte, zur  Kur in Abbach. Die Wirkung des Bades ist nur kurzfristig, weil er den     Fleisch Verzehr nicht einschränkt.           

1533

Hobsinger verkauft das Bad an Georg Glier, Probst-Richter zu Sandsbach (Dietrichs)

1548

Der Kelheimer Arzt  Dr. Hans Lienhart Kastner erwirbt das Bad. Er erweiterte das Widbad erheblich.

1565

wird das Abbacher Bad in dem in Venedig gedruckten Buch  „Institutionum Medicinae“ des Tübinger Professors Leonhard Fuchs erwähnt. Die Stelle lobt die vielfache medizinische Wirkung und Heilkraft des  Schwefelwassers.

1566

Philipp Apian  kennzeichnet in den „Baierischen Landtafeln“ Abbach als Badeort  durch eine Markierung mit einem Badebottich

1578

Dr. Martin Ruland erwähnt Abbach in seinem  in Basel erschienenen Buch „Balneario restauratio“. Er spricht von warmen Thermalwässern, die es hier gäbe. In einer Druckschrift des Andreas Ruland sind die Bestandteile des Abbacher Wassers genannt und die Heilwirkung bei einer Vielzahl von Leiden aufgezählt.

1602

nach dem Tod Kastners  heiratet seine Witwe Anna den Badnachfolger Zeller.  Es werden außer der Behausung Höfe, Ställe, ein Brauhaus und zwei Gärtchen genannt ( Stänglmayr).

1630

Dr. Andreas Ruland Stadt-Physikus von Regensburg schrieb „ein kleines Traktätlein  in Oktav“ (Johannes Lehner) „vom Wild Badt in Abbach“

1633

Infolge des 30 jährigen Krieges kommen die Besitzer Hans Hierlmayr, Bürger und Gastgeber  zu Abbach, Besitzer des Widbads und der Braustätte samt Behausung und Keller gegenüber und Adam Amon, Weichsnerischer Richter zu Falkenfels ums Leben. (Gandershofer). Diesem tragischen Ereignis folgte ein vorübergehender Zerfall  und Abschwung des Wildbads.

1644

M. Zeller schreibt  in dem von Matthaeus Merian  herausgegebenen topographischen Werk über Europa, in „Topographia Bavariae“, dass Abbach ein gesund Bad hat, so man aber wärmen muss, das nach gesottenen Eiern riecht, aber gegen Melancholie, Herzschlag und Herzpochen, Ohnmacht und Nierenleiden  und noch vieles Anderes hilft.

erschien die erste größere Darstellung des Abbacher Bades durch Dr. phil et   med. Johann Lehner. „ Balnei Abacensis in Bavaria inferiore nova descriptio, Das ist: kurze Beschreibung des Wildbads zu Abach in nieder Bayern, was  dessen Mineralischer Halt, Natur und Eigenschafft,  Krafft und Wirkung sey, in welchen Krankheiten, und auf was Weiß  solches soll genutzt und gebraucht werden.“

Aus seinem Büchlein zitierte ich ein sicher heute noch gültiges Gedicht, das wir auf S. 66 finden:

„Viel Bad, Wein, Lieb verdirbt den Leib,

Wer dies zu viel und heftig treibt:

Dargegen Venus, Bad und Wein,

Erhalten die Gesundheit fein.

Wers recht und mäßig  brauchen kann

der bleibt gar lang ein gesunder Mann.

Willt du vor Krankheit sicher seyn,

so merk vor andern diß Latein.“

1686

wird Hans Adam Wimmer als Besitzer des Widbades genannt.

1700

Es folgt als Besitzer Johann Konrad Ammertsmann aus Kelheim . Er besteht auf einem Badmonopol und beklagt sich  wegen des Überhandnehmens von Privatquartieren und Quellmissbrauch. Er war ein heftiger Zeitgenosse, der mit dem Markt oft kontrovers lag.

1724

war Johann Paul Putz der Herr im Badanwesen. Unter ihm wiederholen sich die Klagen gegen  Privatanbieter.  Es ist bereits von einem Röhrensystem die Rede, durch das das  kalte Quellwasser in den Bad Kessel geführt werde.

1725

erscheint die„Beschreibung des Churfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern“ mit zahlreichen Kupferstichen von Michael Wenning (Historico – Topographica Descriptio), auch Abachs.

1737

Ludwig Michael Dietrichs, Regensburg, bringt seine Monographie „Historisch-Physikalische  Abhandlung von dem berühmten Wild-Bade zu Abach in Nieder-Bayern“ heraus. Sie enthält im 2. Teil einen Bericht des Aufenthalts der Landesmutter Maria Anna, der Gemahlin Max III. Josef, Kurfürst in Bayern

1761

Nach finanzieller  Notlage  und Rückgang der Attraktivität des Widbades fällt dieses an  Franz Xaver Hilz aus Landshut.

1764

passieret Kaiser Franz I., der Gemahl der Maria Theresia mit den Söhnen Josef und Leopold  Abbach - einmal auf der Straße, einmal mit 30 Schiffen -  auf der Donau.

1776

Hilz verkauft das Bad  an den Marktkammerer und Bierbrauer von Abbach, Mathias Karl.

1800

etc. Die Napoleonischen Kriege setzen dem Badbetrieb massiv zu, und er kommt  beinahe zum Erliegen.

1805

Erscheint trotzdem die Monographie Dr. Johann Baptist Grafs „Versuch einer pragmatischen Geschichte der baierischen  und oberpfälzischen Mineralwässer“. Er beschäftigt sich intensiv mit der chemischen  Zusammensetzung des hiesigen Mineralwassers.

1816

Geht das gesamte Badanwesen von Franz Xaver Karl  um 16 100 Gulden auf den Bräuersohn Georg Koller über. Sein Vater Franz Xaver Koller, sen. war eine Generation vorher auf der Brauerei ( heute Zirngibl) sesshaft geworden. Unter ihm wird das Bad wesentlich vergrößert, und die Gebäude diesseits und jenseits der Straße durch die überdachte „Seufzerbrücke“ verbunden.

1861

übernimmt der Sohn Georg Kollers, Johann Koller, das Bad. Es entsteht ein Badhaus mit 17 Badekabinen und mehr als 40 Zimmern.

1862

erscheinen „Die historisch-chronologischen Notizen über die Schwefelquelle Abbach nebst Winken aus der Erfahrung (.)“ über die Bäder und Anwendungen  Trinken des Wassers von dem Abbacher Arzt Dr. Stänglmayr.

1872

Lässt Johann Koller den Kurpark anlegen und erweitern.

1884

übernimmt Josef Platiel das Badanwesen. Er baut es auf 54 Zimmer  in den Häusern  diesseits und jenseits der Straße aus. Es entstehen unter ihm auch Freizeitangebote in einem Pavillon  für Kegeln, Piano und Billard. Auch ein belletristisches Angebot wird geschaffen und viele Tageszeitungen werden den Gästen zur Verfügung gestellt.

1902

wechselt der Besitz zu Franz Xaver Krammel. Sein Vater war Josef Krammel, Sohn des Michl Kraml aus Eiglstetten, der seine Brauerei und Gaststätte bei der  Marktkirche (später Kötterl) hatte.  Die Ehe Franz Xaver Krammels und seiner Gattin Maria war mit 4 Kindern gesegnet. Diese konnten das Bad nicht übernehmen, weil der Vater zu früh starb. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land waren unglücklich. Der Sohn Friedrich übernahm Teile der Landwirtschaft und blieb der Nachwelt als "Badkrammel" bekannt.Zwei der übrigen Kinder hießen Dr.Max Krammel und Franziska.

1924

Johann Lixsen und Viktor Höign konnten in der Folgezeit das gesamte Anwesen erwerben.

1934

am 07.03. erhielt der gesamte Ort Abbach den Beinamen „Bad“ und nennt sich              ab jetzt „Bad Abbach“. Unter Linxen und Höign entwickelt sich das Bad bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges sprunghaft. Während des Krieges unterlag es  den bekannten und kriegsüblichen Restriktionen und Pressionen, wodurch es sehr herabgewirtschaftet wurde.

1949

übernahm das Bayerische Rote Kreuz  pachtweise den Kurbetrieb.

1956

entsteht das Rheumakrankenhaus I mit über 200 Betten.

1960

wird das Rheumakrankenhaus II mit 260 Betten errichtet, die spätere II.orthopädische Klinik.

1962

Inbetriebnahme  des Rheumakrankenhaus III, früher Allgemeines Rheuma-Krankenhaus, ab 1973 die II. Medizinische Klinik.

1974

Errichtung der I. Orthopädischen Klinik.

1976

Fertigstellung des Funktionstraktes, Hallenbades, Röntgen-Institutes und der Operativen Abteilung.

1982

Neubau der Physikalischen Therapie der I. Medizinischen Klinik

1988

Sanierung der II. Orthopädischen Klinik

1993

Neubau Physikalische Therapie der Orthopädischen Kliniken.

1997

Die Orthopädische Klinik wird Orthopädische  Universitätsklinik. Beginn des Neubaues  einer Rehabilitationsklinik mit zentralen  Ver- und Entsorgungseinrichtungen.[i]

2004

Das BRK zieht sich aus dem Krankenhaus-Betrieb  und Kurbetrieb in Bad Abbach  zurück. Die private Klinik Kette „Asklepios“ mit Sitz in Königstein-Falkenstein  kauft das Bayerische  Rheuma- und Orthopädie-Zentrum (Uni-

Klinik) in Bad Abbach.

2009

Die Marktgemeinde Bad Abbach kann eine Reihe  von ungenützten, vergammelnden Liegenschaften dem BRK abkaufen. Ein Kurbetrieb im Wortsinn existiert momentan nicht mehr. Für die BRK Immobilien musste die Marktgemeinde 689 000 € bezahlen. Es flossen Zuschüsse in Höhe von 280 000 €.

2010

Die Sanierung des Kurparks ist momentan im Gange. Sie kostet rund 1,4 Millionen €. Hierzu fließt ein Zuschuss in Höhe von 940 000 €.

Wie man sich überzeugen kann, entstehen prächtige Anlagen. Bei Asklepios existieren momentan eine Rheumatologische Klinik, eine Orthopädische Klinik und eine Rehabilitationsklinik. Die Patienten sind fast aus-

schließlich an die Häuser gebunden und die einheimische Bevölkerung und Geschäftswelt nimmt nur mehr minimalen Anteil am Gewinn.

Der landschaftliche Reiz und große Anstrengungen städtebaulicher und Freizeit-dienlicher Art müssen den Ort fremdenverkehrsmäßig lebendig erhalten.

Diesem Ziel dient nun auch der unmittelbar bevorstehende Abriss der meisten BRK-Immonbilien, der finanziell gefördert wird.

 

PS. Beachte auch den Aufsatz von Dr. Alfons Kraus :“ Das Ortsbild von (Bad) Abbach – bis das Rote Kreuz kam“ im „online- Lesebuch“ Nr. 75 ( Bad Abbach home – Kultur – Archiv – Lesebuch, linke Seitenleiste!)



[i] Ab 1949 aus Akten des BRK, soweit sie im Archiv gelagert sind.

 

 

Der landschaftliche Reiz und große Anstrengungen städtebaulicher und Freizeit-dienlicher Art müssen den Ort fremdenverkehrsmäßig lebendig erhalten.

Diesem Ziel dient nun auch der unmittelbar bevorstehend Abriss der meisten BRK-Immonbilien, der finanziell gefördert wird.

 

PS. Beachte auch den Aufsatz von Dr. Alfons Kraus :“ Das Ortsbild von (Bad) Abbach – bis das Rote Kreuz kam“ im „online- Lesebuch“ Nr. 75 ( Bad Abbach home – Kultur – Archiv – Lesebuch, linke Seitenleiste!)           



[1] Abach, Schreibweise in der  Kurfürstenzeit.

 

[2] Kirschii, Adami, Friderici. Abundantissimum cornu copiae  linquae Latinae et Germanicae selctum etc.. Lipsiae 1774, Appendix. Latino-Germanici regionum, urbium, montium et fluviorum.

 

[3] Dies vermute ich, weil bald nach Abach  auch die Nennung von  Abensberg  folgte.

 

[4] Wessinghage, Dieter und Zacher, Josef. In: Colloquia rheumatologica 37. Verlag Dr. E. Banaschewski, München-Gräfelfing, 1986, S.11 – 57.