Abbach und Napoleon Bonaparte

Juli 2008
Dr. Alfons Kraus, Archivar

 

Das kommende Jahr 2009 nehmen bei uns etliche zum Anlass, an die 200 Jahre zu erinnern, die ins Land zogen, seit Napoleon die „siegreiche“ Schlacht von Eggmühl schlug. „Schlachten“ bedeuten Tod und Wunden für Mensch und Tier und die Vernichtung von Werten. Es gibt kaum eine segensreiche „Kriegskunst“, die Gutes stiften kann. Leider hat man die Geschichte der Menschheit ungebührlich lange an Schlachten festgemacht!

Napoleon mag für die Franzosen ein  Großer sein, ein Feldherr, ein Kaiser. Das Kurfürstentum Bayern erhob er 1806 zum Königreich  und  1809 unterstützte er die Bayern bei der Befreiung von der österreichischen Unterdrückung. „Nach drei siegreichen Kriegen stand Bayern (im Bündnis mit Napoleon, A.d.V.) auf der Höhe der Zeit, hatte die Armee den Gipfel ihrer Zahl und Leistungsfähigkeit erreicht.17

Aber 1812 zog sein ungezügelter Ehrgeiz an die 33.000 Landsleute mit nach Russland, die  fast alle auf den Landstraßen erfroren, oder  in den Pesthöhlen der Lazarette starben, von den Kosaken verschleppt oder von den Einwohnern erschlagen wurden.1 Er selbst setzte sich, um die eigene Haut zu retten,  treulos und fluchtartig in die Heimat ab, und ließ seine Soldaten  in den frostigen Weiten Russlands kläglich verenden.

Ob Napoleon am 19.04.1809 auf seinen Wegen durch Abbach oder an Abbach vorbei hier auch einmal nächtigte, wie eine alte Abbacher Tradition behauptet,2 ist unwesentlich. Jeder Kurgast, der je Geld nach Abbach brachte, war hier willkommener und nützlicher.

Darum schließe ich mich als Archivar von Bad Abbach dem Gedenken seiner Schlachten nur insoweit an, als ich die Akten sprechen lasse und berichte, was schwarz auf weiß belegt werden kann.

Zum Glück heilt die Zeit Wunden und das Vergessen deckt vieles zu. Die verständlichen schmerzlichen  Emotionen der  Zeitgenossen konnten es glücklicherweise nicht verhindern, dass die Menschen hüben und drüben heute, 200 Jahre später, zu Freunden wurden.

Die Kriegs- und Militärakten  in unserem Archiv tragen die Ordnungsziffer XV. Die älteren Kriege, darunter die  Napoleonischen, liegen unter 8.2.3.a-c, die jüngeren unter 14.1.1.a-c und 14.1.2.a-c. Sie füllten Bände!

Hier aber nur  Belastungen Abbachs durch die Napoleonischen Wirrnisse zu Abbach:
        - Kriegslasten unter Max I. Josef um 1800
        - Kontribution von Pferden unter Max I. Josef um 1800
        - Napoleonische Kriegslasten  um 1800
        - Kriegslasten für Bauern 1806
        - Defensionskontributionen 1808
        - Verzeichnisse der Requisitionen französischer Truppen im April/Mai 1809
        - Verzeichnisse der Kriegsschulden und Vorspanndienste 1811/1812
        - Einhebung von Soldaten, Waffen und Geldern 1796 - 1819
        - Abgaben Abbacher Bürger zur Bestreitung der Kriegskosten 1800 - 1820
        - Kosten, die dem Markt Abbach   durch vorbeiziehende Truppen
          entstanden sind (Quartierstellung , Essen, sonstige Dienste ).1797 - 1807
        - Kriegsschulden , Vorspanndienste  und Naturalienlieferungen  für die
           französischen Truppen; Unterstützung der Abbacher Bevölkerung  aus                    dem königlichen Getreidemagazin Stadtamhof 1809 - 1813
        - Tilgung von Kriegsschulden 1816 – 1825
           Einberufung zum Kriegsdienst; Einquartierung von Soldaten

Aus all dem kann ich nur einige Beispiele auswählen, weil ich sonst ein Buch schreiben müsste! Ich beschränke mich auf Angaben aus dem Jahre 1809 und das Kriegs entscheidende Jahr 1812.

Ich möchte noch anmerken, dass ich hier die strategischen Überlegungen der Kriegsherren und die großräumigen Truppenbewegungen nicht behandle. Ich möchte vor allem aufzeigen, wie das Heer aus dem Orte lebte, wo es lagerte, oder den es passierte, und  wie es  diesen abzauste wie ein massenweiser Heuschreckenbefall.

Kurz vorausgeschickt sei eine Übersicht über die Quartierleistungen von ca.90 bis 100 Haushaltungen in Abbach vom Dezember 1805 bis Februar 1806:15
In den einzelnen Häusern wurden 512 Offiziere, 5817 Mann, 2578 Pferde beherbergt. Dazu ist vermerkt:
„Da die Leute  am Tag, Nachts und früh gefressen, viel Branndtwein  und Caffe gefordert, auch den Offizieren Wein hat aufgesetzt werden müssen, aber nichts bezahlt worden, darf am sparsamsten angesetzt werden für die Herren Offiziere 1 Gulden 30 Kreuzer, an die Gemeinen 1 Gulden. Macht 6585 Gulden.“

In den Jahren 1805 und 1806 erschienen hier am Ort vom Landgericht Kelheim  fast monatlich Einberufungen sehr vieler Männer in die Schanz nach Ingolstadt, wo sie anfänglich 4 bis 11 Tage, dann aber unbestimmt lange bleiben mussten. Die Männer sind namentlich und  nach Hausnummern bekannt.16

Schon 1808 beklagte die Bürgerschaft, Haus um Haus, Familie für Familie, die finanzielle Last, die ihnen „der französische Krieg“ bisher auferlegt hat. Der Allgemeinheit waren allein  in diesem Jahr 1488 Gulden 23 Kreuzer
Kapitalschulden + 59 Gulden 37 Kreuzer 2 Heller Jahreszinsen geblieben! Kein Einwohner Abbachs hat dies verursacht, konnte sich dieser Last aber nicht  entziehen. Damals wurde jeder noch nach seiner Leistungsfähigkeit belastet – Darin bestand in dieser Phase des französischen Krieges  noch Gerechtigkeit.14 Aber dann folgten die unkontrollierten Ereignisse ab 1809.

Zu Beginn zitiere ich aus einem Schreiben des Landgrichts Kelheim an das  Bürgermeisteramt in Abbach vom 30.Mai 1809: „ An die am 1. dieses Monats in der Station Abbach eingerückte Division Dupas per 5200 Mann wurden folgende Abgaben geleistet, ohne hierfür die mindeste Quittung zu erhalten“.
Wir erfahren also, dass an diesem Tag 5200 Mann in Abbach einrückten. Was dies für die hiesige Bevölkerung bedeutete, mag sich jeder selbst vorstellen, wenn er  es kann.3

Im Monat  Juni 1809 wurde von der Gemeinde aufgezeichnet, was dieses französische Lager im Monat Mai der Bürgerschaft kostete. Allein die Viktualienliste weist einen Verlust von 2055 Gulden aus.

Die Liste enthält Hekatomben von Ochsen und Kühen von den hiesigen Bauern und Metzgern. Die Soldaten haben gesoffen wie die Löcher. Bier und Wein wird in Eimern gezählt, Brandtwein in Fässern, Getreide in Säcken. Den Familien wurde ihr Geld gestohlen. Der Bäcker Preißer z.B. stellte 564, Schwarz 66o, Gothschuster 450, Firstenauer 660 Laib Brot zur Verfügung. Dann wird auch das Stroh für das Schlaflager angeführt. Man rechnet in Schütten.
Die einzelnen Posten  betroffener Bauern sind z.B. je nach Größe des Betriebes 280, 47,12 Schütt. Es folgen Säcke von Haber, Fuhren von Heu, Berge von Holz, darunter sogar 20 Leitern zum Verfeuern, Kisten von Kerzen, massenweise Stricke, Hunderte von Getreidesäcken, Salz in Scheiben und gemahlen. Die Handwerker, wie Schmiede, Wagner,  Schlosser, Fuhrleute und Schiffer sowie Kutscher wurden zu Diensten verpflichtet. Ochsen wurden aus den Dörfern  Matting, Oberndorf Peising und Lengfeld nach Abbach getrieben, was die Hüter zu erledigen hatten.4

Es liegt eine Liste über erzwungene Getreidelieferungen aus den umliegenden Ortschaften vor Demnach  waren nur am 9.April 1809 130 Säcke und 16 Stümpfel Getreide nach Abbach zu liefern.5

Das Getreide konnte offenbar den Bäckern nicht schnell genug als Mehl zur Verfügung gebracht werden. Darum schrieb das königliche Landgericht in Kelheim, das dort eine Vorratskammer unterhielt, am 17.April an Bürgermeister Mayer von Abbach einen Brandbrief des Inhalts: „Die Müller von Abbach haben von dem ihnen  zu mahlen übergebenen Getreide noch kein Mehl eingeliefert. Der Bürgermeister Mayer zu Abbach hat ihnen daher bedeuten zu lassen, dass diese, wenn sie inner 24 Stunden vom Empfange nicht mit dem Mehle hier eintreffen, sie genügende Exekution erhalten werden.“6

Für Heu und Haber hatte der Schreiner und Rat Koch zu sorgen. Daher heißt es in einem anderen Befehlsschreiben des K. Landgerichts vom 17.April: „Es ist sogleich eine  Anzeige hierher zu liefern, was der Schreiner Koch an Heu und Haber eingebracht hat. Jenes Heu, welches der Gerichtsdiener von jedem Hof eingenommen hat, kommt also nicht in Ansatz, weil man dieses schon weiß.“7
Was die Bevölkerung von Abbach außer den kontrollierten  Leistungen durch die Willkür der Soldateska auszuhalten hatte, belegt ein Protokoll vom Juni 1809. Haus für Haus bringt seine Schadensmeldung vor. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde requiriert. Ich treffe aus der umfangreichen Liste eine  Auswahl:
„Nr.3. Mathias Vastenmayer, Taglöhner:

2 Mas Schneidholz und 2 Mas fichtenes Stockholz  weggetragen. Aus dem Zaun wurden Sprossen und Stangen verbrannt. 3 Mezen von Gersten samt den  Säcken“ Vastenmayer war ein armer Häusler. Sein Schaden belief sich auf 22 Gulden 30 Kreuzer.
„Nr.25. Andrä Gierstorfer, Schmied:
800 Hopfenstangen, Straßenzaun, 6 Fichtenbäume abgehauen, Stroh aus dem aufgebrochenen Stadel, Flachs, Haufen Korn, Heu, Schaden an  der Werkstatt. Zusammen 76 Gulden 48 Kreuzer“ Andrä Gierstorfer ist der Vater einer meiner Urmütter aus Abbach.

„Nr. 10. Xaver Karl, Bierbräu und Badbesitzer:
Aus dem Hopfengarten 3000 Stangen weggetragen und verbrannt. 100 Handstangen, 6 Mas Holz aus dem Hof getragen. Aus dem Haus geschleppt 50 Zentner Heu, 4  Schaffel Korn, 9 Schaffel Haber, 3 Schaffel Saatgerste, 8 Schober Stroh, eine Haberwaage mit Zubehör, 1 Eimer Brandtwein, 1 Pferdegechirr mit Ketten, Bretter, Bettwäsche, Zinn, Kupfer und Blech, 20 Hennen, 4 Zuchtenten. Schaden 930 Gulden.“
So könnte man Haus für Haus fortfahren.8

Wie hier mit Beschlagnahmungen verfahren wurde, zeigt uns eine Beschwerde vom 3.Mai 1809 aus dem hiesigen Schlachthof:
„Die Bürgerschaft  hat dem in Abbach logiert gewesenen französischen Armee Corps den 23. April 2 Ochsen liefern müssen , welche die französischen Metzger  in dem Schlachthaus geschlachtet  und alles flugs in das Lager getragen haben. Der Schaden der Bürgerschaft betrug 122 Gulden.“13

Es liegen noch umfangreiche sog. Vorspannlisten vor, aus denen man sehen kann, dass man der vorwiegend bäuerlichen Einwohnerschaft die Grundlagen  für ihre Arbeit entzogen hat: Fuhrwerk und Gespann. Längst war jeder verfügbare Wagen registriert.

Die Listen fragen nach Tag und Monat der Ablieferung, Ort und Wohnung des Vorspanngebers , requirierte Wägen bzw. Fahrzeuge, Zug- oder Reitpferd, wohin abgeliefert wurde, Bezeichnung der requirierenden Truppe und des verantwortlichen Offiziers.9 Für 1811 liegt eine besonders umfangreiche Liste vor, aus der man sieht, wie der Zug nach Russland 1812 vorbereitet wurde. Aus der Liste 1813 kann man sehen, dass man für den  Rückzug Napoleons den Rest aus den Menschen herauspresste, was sie eigentlich für ihr ohnehin karges Leben und ihre Arbeit dafür selbst benötigt hätten.

Bereits 1809 ordnete das Landgericht Kelheim die Erstellung von Kriegsschadenslisten an, in denen jene Individuen aufgenommen werden sollten, die nicht bis zu einer allgemeinen Ausgleichung und Entschädigung warten konnten. Mit anderen Worten heißt das, dass es schon nach der Schlacht von Eggmühl Bürger ohne jede Existenzgrundlage gab. Es heißt in dem betr. Schreiben:

„Kriegs-Schäden, welche sich zu gegenwärtiger Beschreibung eignen sind:
I.Die förmlich requirierten Vorspannwägen, Ochsen und Pferde, welche nicht mehr zurückgeliefert wurden.
II.abgeforderte Schiffe, welche unmittelbar zum Gewerbe des Untertan gedient
III. Einzelne Lieferungen an requiriertem Schlachtvieh, Fourage etc., welche den Gemeinden oder Distrikten zu stellen obgelegen gewesen wären, dann alle derlei Lasten, die sich in die Kategorie dieser Klassen eignen.“10

Wenn der Bedarf an Lebensmitteln für das Militär von der bodenständigen Bevölkerung nach dem Grundsatz „wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren“ nicht mehr aufgebracht werden konnte, sprang  das Magazin des K. Landgerichts Kelheim ein. So heißt es schon am 19.März 1809:

„Werden dem Markt Abbach statt der versprochenen 300 Leib Brot nun 500  abgesendet.“11

Am 31.Dezember 1809  wird mitgeteilt:
„Auf versprochene Fälle folgen hiermit 500 Rationen Heu und 15 Schäffel Haber. Hierzu wird Folgendes bemerkt:

1. diese Fourage muss strengstens durch Quittungen  verrechnet werden (..) , es muss immer der Rittmeister zur Fourageabgabe  zugegen sein.
2. Säcke  als auch Heurationen müssen  gezählt und aufgeschrieben werden.“
3. dass (...)12

Bis zum Jahre 1812  wird den hiesigen Bürgern unentwegt die Lebensgrundlage für Mensch und Tier abverlangt, aus den Magazinen, die sie vorher selbst  beschicken mussten, wurde ihnen vor dem Kollaps bescheiden  zurückerstattet.

1812
Napoleon wollte „der Kaiser des Kontinents“ sein. Er musste versuchen, seine weit ausufernde Macht  zu sichern. In Italien setzte er seinen gerade erst geborenen Sohn als „König von Rom“ ein, mit irgend einem europäischen Fürstengeschlecht wollte er in verwandtschaftliche  Beziehung treten, um seine Stellung zu festigen. Nach seiner Scheidung von Josephine blitzte er mit seiner Werbung am Zarenhof ab, heiratete dann aber die 19jährige Erzherzogin Maria Louise von Österreich.
In Bayern wollte man nun endlich den Frieden und nach der erwähnten Heirat mit der Habsburgerin  sah man für ein bayerisch-französisches Bündnis auch gar keine innere Notwendigkeit mehr.
Wegen der Besetzung der gesamten Nordseeküste bei der totalen Kontinentalsperre Napoleons  gegen den Schleichhandel gab es ein Zerwürfnis mit Zar Alexanders Schwager, dem Herzog von Oldenburg. Wie sich das weiterentwickeln würde, war abzusehen: Nicht nur Bayern, sondern auch Preußen  kamen in eine furchtbare Lage. Obwohl man eigentlich kriegsmüde war, war man wieder in einen neuen Feldzug Napoleons verwickelt. Von den 600.000 Mann, die nach Russland zogen, waren ein Drittel Deutsche. Mitte September 1812 erreichte man Moskau. Der Hunger und eine Kälte bis zu – 27 Grad brachte für diese mächtige Armee den bekannten schicksalhaften Ausgang.
Angeblich für die eigenen Söhne musste auch Bayern wieder bluten. Es liegen aus dieser Zeit und darüber hinaus jährliche Kriegsschuldenlisten vor, aus denen man sehen kann, wie die öffentlichen Lasten Jahr für Jahr wuchsen. Auch nach den Kriegen zahlte Haus für Haus bis 1830 seine verzinsliche Kriegs-Schuld zurück, bis man glücklich zu Ende war.

Noch ein paar bezeichnende Anweisungen der Regierung, um die Versorgung der Truppen, die fortwährend unterhalten werden mussten, zu sichern:

Am 30.Dezember 1811 erging vom Landgericht  Kelheim  in allerhöchstem Auftrag an den Markt Abbach der Befehl, am 14. Januar 1812, 8 Uhr, „unfehlbar und bei Vermeidung strenger Zwangsmittel“ 38 Rationen Stroh zu 12 schweren Pfund zur Kasernenverwaltung in Regensburg zu bringen.

Für die Bauern sollte es eine  Entschädigung „nach dem herrschenden Preis“ geben.18

Ein beiliegender Quittungszettel  weist die Lieferanten aus und bestätigt den Empfang des Geldes. Es mussten liefern:

Markt Abbach 4 Rationen Unterschrift : Alois Mayer, Bürgermeister
Gemling        12 Rationen Johann Gerl, Gemling
Weix             16 Rationen Georg Schlauderer, Weix
Schlossberg    6 Rationen ohne Unterschrift

Im Februar/März 1812 zieht Napoleon mit 80.000 Mann, darunter 13.000 Mann Kavallerie durch unsere Gegend, fast alles Franzosen. Das Versorgungsmagazin in Eggmühl muss darum aufgefüllt werden. Das Landgericht in Kelheim hat zu konkurrieren.  Der Markt Abbach muss 2 Schaff Haber, 60 Bund Heu a. 10 Pfund gegen versprochene Bezahlung. (Gutschein!) am 7.März, 15 Uhr, portofrei nach Eggmühl bringen. Wenn jemand sein Quantum im Acord übergeben will, so glaubt man, dass der Israelit Hittenbach  die Lieferung übernimmt. Wenn jemand den Auftrag dem Israeliten übertragen will, muss er sich an den Rösslwirt Mathias Paul in Kelheim wenden. Ihn hat der Lieferant Lazarus zu seinem Geschäftträger ernannt. Für die Durchführung des Befehls ist jede Behörde zur strengen Beachtung verpflichtet. Der Markt Abbach zahlt an den Rösslwirt in Kelheim am 2.März 1812 lieber 32 Gulden.19

Am 29.Dezember 1812 als unsere Landsleute in Russland gegen Hunger und Kälte kämpften, schrieb das Königlich Baierische Landgericht in Kelheim an das Bürgermeisteramt in Abbach:

„Soeben hat man die Gemeindeführer von Sinzing und Kapfelberg beauftragt, alles Fleisch, Bier und Brot, welches am 26. und 29. dieses Monats von mehreren Ortschaften dahin geliefert worden ist, auf der Stelle nach Abbach abzuliefern. Das Bürgermeisteramt hat daher unverzüglich  die Verfügung zu treffen, dass diese Naturalien in Empfang genommen, die abliefernden Führer  hierüber quittiert, und die Lebensmittel selbst an die Quartiers Väter, besonders an die bedürftigsten , verteilt werden. Für 1 Ration wird auf den Mann 1 Pfund Fleisch, 2 Maß Bier und ½ Leibl , oder 1 ½  Pfund Brot gerechnet. (....)“20

Am 2.Januar 1813 ergänzte ein Schreiben der gleichen Landgerichtsstelle (Landrichter Melz):

„Nachdem in den hiesigen Magazinen noch einige Naturalvorräte vorhanden sind, welche dermal nach dem Abmarsche der Truppen hier nicht mehr notwendig sind, so will man diese in Erwägung, dass der Markt Abbach fortwährend mit Quartierslast  überlegt war, zur Unterstützung der Bürger verabfolgen lassen. Die den Markt Abbach treffenden Lebensmittel sind;

350 Laib Brot, jeden zu 3 Pfund
8 Zentner Rindfleisch
23 Eimer braunes Bier.

Der Bürgermeister hat demnach die Verfügung zu treffen, dass die Viktualien morgen Dienstag den 5. dieses Monats in Empfang genommen, und (...). Zugleich ist unverzüglich anzuzeigen (a)...) b) ob nicht aus Verstoß das Schloß Eichhofen, die Pfarrei Eilsbrunn und die Einöde Aiglstetten auch noch nach Abbach geliefert habe. (...)“21

Hiermit schließe ich mit Akten aus dem Archiv. Man könnte endlos fortfahren!

Wenn sich jemand noch weitergehend informieren wollte, lese er:

 

- M.A. THIERS. HISTOIRE  DE  L’EMPIRE  FAISANT  SUITE  A L’ HISTOIRE  DU   CONSULAT , Tome    Deuxieme. S. 140 f.  Paris 1866.
-: Freytag, Rudolf. Die Beziehungen des  Hauses Thurn und Taxis zu Napoleon im Jahre  1804. Sonderdruck aus dem Archiv für Post und Telegraphie Nr. 1, 1920.
- Diözesanarchiv F 217 Bd. 15/9, Neuessing 1815/16, Memorabilia.
-135 Jahre Feuerwehr Peising. Festschrift 2007, S.140f.
- Leo Tolstoj. Krieg und Frieden. Roman.
17 Hubensteiner, Bruno. Bayerische Geschichte. Süddeutscher Verlag, München 1980, S. 239
1. Vgl. A.a.O.
2 Forster, Wolfgang, Namensliste  sämtlicher Inwohner der Gemeinde Markt Abbach nach dem Grundakt der Steuerkataster-Kommission v.J.1823. In :Brief an die Gemeinde Bad Abbach vom 23.6.1955.
(Napoleon habe in  Hs. Nr. 37 übernachtet, wo jetzt die Reiffaisenbank steht)
15 Übersicht, was der Markt für Quartier getragen ao. 1805 et 1806
16 Einberufungslisten des Landgerichts Kelheim für Abbach 1805 – 1806. Archiv XV.8.2.3.a
14 Register, was die Bürgerschaft (.) aufgenommen, und noch schuldigen Kapitalien für das 1808te Jahr, jährlich noch 4 % Intee
3 Schreiben des Landgerichts Kelheim an das Bürgermeisteramt von Abbach vom 30.Mai 1809. Archiv  8.2.3.b
4 Verzeichnis  der von dem kaiserlich, königlich französischen  alhier in dem Markt gelagerten Militaire  im Monat  April, so ferner gemachte Requisitionen und verursachten Kosten, verfasst im Monat Juni 1809. Archiv
8.2.3.b
5 Lieferliste vom 9. April 1809. Archiv 8.2.3.b
6 Schreiben des k. Landgerichts Kelheim an den Bürgermeister Mayer zu Abbach vom 17. April 1809. Archiv a.a.O.
7 Schreiben des K. Landgerichts Kelheim vom 17. April 1809  an Bürgermeister Mayer zu Abbach. Archiv a.a.O.
8 Schaden Beschreibungs Protokoll des Königl. Baierischen Markts Abbach. Den Bürgern seit dem Ausbruch des gegenwärtigen Krieges  bis Ende Juni 1809  zugegangenen  außerordentlichen Kriegsschadens. Archiv a.a.O.
13 Fleischaufschlagsteuer-Liste 1809. Archiv 8.1.2.b (VI.4)
9 Vorspannliste 1809 und 1813 . Archiv a.a.O.
10 Schreiben des K. Landgerichts Kelheim an das Bürgermeisteramt Abbach vom 20. Juni 1809
11 Depesche vom 19.März 1809
12 Schreiben vom Landgericht  Kelheim an den Bürgermeister Maier in Abbach vom 31.Dez. 1809
18 Auftrag  gemäß Regierungsblatt vom 11.Mai  1811. Archiv  8.1.1 (IV.6)
19 Circular- Abschrift des K. Generalkommissariats des Regenkreises vom 29.Febr. 1812. Archiv 8.1. (IV.6)
20 Schreiben des k.b.Landgerichts Landgerichts Kelheim vom 29.12.1812 . Archiv 8.2.3.b
21 a.a.O.