Herrliches Löwentheater

19. November 2010

Wenn die Löwenfreunde auf die Bühne steigen, ist die Bude rappelvoll.

Alle fünf Vorstellungen des Theaterstücks „Kohlhammers ungleiche Töchter“, das die Löwenfreunde Bad Abbach in diesem Jahr inszenierten, waren ausverkauft und bei der Premiere wartete das Publikum schon gespannt darauf, ob die Löwenfreunde an ihre früheren Erfolge anknüpfen können. Schnell war klar: sie können. Schauspielerische Leistung, Regie und Bühnenbild bildeten wieder einmal eine perfekte Einheit. Nahtlos fügten sich die neuen Mitglieder Georg Berzl, Katrin Ruckdeschel und Ludwig Wachs jun. mit Spielfreude und Witz in das Ensemble ein. Unnachahmlich wieder die Darsteller des etwas unterbelichteten Personeninventars. Marianne und Christina Reil zogen alle Register von treu-doof bis bauernschlau und wurden dabei trefflich von Georg Berzl als verblödetem Kramerssohn ergänzt. Auch Armin Graf, Elisabeth Ruckdeschel, Reinhard Graf und Regina Schubert fühlten sich in ihren Rollen als verliebter Bauer, hilfreiche Tante, fliegender Händler und ausgebuffte Heiratsschwindlerin sichtlich wohl. Souffleuse Monika Zucknik stand für den Notfall mit dem Textbuch parat und Regisseur Gerhard Reil strahlte ob der gelungenen Premiere. Besonderes Vergnügen bereiteten dem Publikum natürlich die lokalen Bezüge. Weil der gestrenge Hofherr halt gar nicht damit einverstanden ist, dass seine Tochter einen Musiker liebt und da gleich der Generalverdacht der Haschbrüder und Kokainschnupfer im Raum steht, fragt deren etwas minderbemittelte Schwester, ob die Hanselberger und der Spielmannszug und die Oberndorfer Sänger auch Kokainschnupfer seien und der ganze Saal brüllt. Ein Schenkelklopfer auch die Sache mit den Bürgermeisterhänden. Dem jungen Musiker sieht man an den Händen an, dass er noch nicht viel körperliche Arbeit verrichtet hat. „Bürgermeisterhände“, attestiert sein zukünftiger Schwiegervater. Woraufhin der junge Mann dem Publikum seine Hände zeigt und versichert, damit habe er schon mehr gearbeitet als der Bürgermeister in seiner ganzen Amtsperiode. Er muss es wissen, ist er doch der Sohn des amtierenden Bürgermeisters, der sich im Publikum kringelte vor Lachen. „Es hat irrsinnig Spaß gemacht und es ist toll zu spielen, wenn die Leute so mitgehen“, freute sich Marianne Reil nach der Vorstellung.