Die Wogen der französischen Revolution (1789) schwappten bis nach Abbach über

Der Hunger nach Gerechtigkeit auf der Welt wurde auf dem Hintergrund sozialen Unrechts schon immer  von Fundis missbraucht. Ist es heute Al  Kaida, war es, bevor das Pulverfass 1789 in Frankreich explodierte, der „Wohlfahrtsauschuss“, der  den übermütigen Adel und die mit ihm assoziierten Kirchenfürsten brutal hinwegfegte, um das Kleinbürgertum, darunter leider auch den Mob, nach oben zu katapultieren. Es waren schon immer soziale Missstände, die letztlich zu schmerzlichen  Exzessen führten!

Mit der Enthauptung  Ludwig des XVI. (1793) wurde das Gewissen der meisten Franzosen und  der Menschen in ganz Europa jedoch überfordert.

Schon 1792 (-1797) hatten sich England, Österreich, Preußen, Spanien, Rom, Neapel und Portugal gegen Frankreich  zum 1. Koalitionskrieg verbündet. Auch das bürgerlich-liberale Direktorium, dem Napoleon angehörte (1795), brachte, wie zu befürchten war, keinen Frieden. Gerade Letzterer war es, der nach einem Staatsstreich die Fackel  des Krieges nach Italien und Österreich warf, bis er 1797 Italien und Österreich im Frieden von Campo Formio seinen Willen aufzwang. Das große „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ war letztlich so klein, dass auch in Abbach noch der Boden bebte.

In der verlässlichen Quelle „Kammer Rechnung“  des Kurfürstlichen Markts Abbach finden wir folgende Einträge:

Dem Verehrlichen Sekretär Wagner sind für das Buch „Die geistlichen Rechte“ 2 Gulden 24 Kreuzer geschickt worden. Am 22 März (1795) wurden drei arme französische Geistliche unterstützt. Auch einem abgebrannten französischen Kloster haben wir geholfen, ebenfalls einem durch die Franzosen schwer Verunglückten[1]

Im Jahr darauf lesen wir: Einer verunglückten Baronesse aus Mainz, zwei Augustinern aus Mantua, zwei weiteren Geistlichen  auf der Flucht, einem Verunglückten aus dem Romanischen, einem blödsinnigen (d.i. wohl verzweifelten. A.d.V.) Geistlichen mit Pass von Freising, einer durch die Franzosen verunglückten Handelssfrau, einen Kreuzpfennig  für die gefangenen Christen, einem an Fuß und Arm blessierten Soldaten mit zwei blinden Kindern, für ein abgebranntes Kloster.[2]

Als es immer bedrohlicher wurde, wird gemeldet:

Vom 13. August bis 21. September  wurde zur Abwendung  der nahen Kriegsgefahr in der Marktkirche  Rosenkranz gehalten (...). Am 21. September hat man auch einen Kreuzgang  zu Unserer Lieben Frau  nach Teugn verrichtet.

Aber immer wieder tauchen in der Rechnung die verunglückten französischen Geistlichen auf, denen unsere Liebe Frau wohl nicht sogleich geholfen hat.

Den Abschluss für dieses Jahr bildete die Bemerkung: „Laut Spezifikation hat man während des heurigen Durchmarsches  und für das Quartier ungern für die k. k. Truppen 70 Gulden 29 Kreuzer auslegen müssen.“[3]

Auch aus der heutigen Gewaltmisere kommen wir nur durch einen Paradigmenwechsel heraus: Statt Eroberung - Unterwerfung müsste es Fürsorge-Verantwortung  heißen. Nicht immer mehr Reichtum weniger darf das Ziel sein, sondern Völker, Klassen, Frauen, Natur, ja die ganze Erde müssen wir bescheiden und mit dem  Willen der Veränderung nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit  in unser Blickfeld rücken.



[1] Kammer Rechnung 1795, S. 38v/39. Archiv 9.5.2.ab.

 

[2] Kammer Rechnung 1796/1, S. 28v-37v. a.a.O.

 

[3] Kammer Rechnung 1796/2  S.35 – 38. a.a.O.