Der Donaudeich. (Im Volksmund „Dammbau“)

Dr. Alfons Kraus, Archivar

 

Beeindruckt von Erfahrungen, die Hochwässer und Eisstöße hinterließen, brauchte man die Bevölkerung Abbachs und der umliegenden Orte an der Donau von der Notwendigkeit eines Deiches nicht erst lange zu überzeugen. Das Wasser stand  ihr im Wortsinn immer wieder bis zum Halse.

Am 25.02.1927 trifft der Gemeinderat von Abbach daher den definitiven Entschluss, „die alsbaldige  Inangriffnahme des „Dammbaues“ bei Kreis, Land und Reichsregierung durchzusetzen.“ Man erklärt sich auch bereit, die Kosten, die auf Grundstücke und Anwesen treffen, zu übernehmen, wenn ein Zuschuss von wenigstens der Hälfte der entstehenden Lasten  gewährt wird.1

Das Drängen der Gemeinde nach Realisierung des Projekts wurde schon im Winter des vorausgehenden Jahres sichtbar „Die (.) angerichteten Schäden sind allmählich unerträglich geworden. Viele Existenzen gehen zu Grunde. Die Bevölkerung erhofft daher Maßnahmen, durch die künftige Hochwasserschäden nach Möglichkeit ausgeschaltet werden. (...) Die Bevölkerung wünscht dringend, dass diese Projekte, die einen Aufwand von ½ Million Mark verursachen, baldigst ausgeführt werden. Im kommenden Frühjahr soll mit der Ausführung begonnen werden. Die Gemeinde ist bereit, das sie treffende ein Drittel zu übernehmen, unter der Voraussetzung, dass entsprechende Kreiszuschüsse gewährt werden (...)“2

Im November 1927 schien die Kuh vom Eis, weil es nun an die Lösung der nicht unwichtigen Frage ging: Wer darf die Kantine zum Dammbau betreiben. Die Konzession bekamen zwei einheimische Wirtschaftsbetriebe, Viktor Höign mit dem Pächter Ludwig Blenk und Alfons Schreiner  mit dem Pächter Josef Brachner.3

Die zugesagten Mittel aus dem Kreisfond ließen zunächst auf sich warten. Darum wurden im Februar 1930 Bürgermeister Meindl und der Gemeinderat Nikolaus Aumeier zu „Unterhandlungen“ nach Kelheim geschickt.4 Mit Elan ging man hinterher ans Werk, aber es galt immer wieder, neu auftretende Hemmnisse auszuschalten.

Wie meistens üblich, wenn es pressiert, steckte auch hier der Teufel im Detail: Im Jahre 1928 gab es zwischen der Marktgemeinde und dem Straßen- und Flussbauamt in Regensburg Zwistigkeiten wegen der Qualität des im Bau befindlichen Deiches. Im Vergleich mit den Maßnahmen in Kelheim sei der Damm sehr mickrig ausgefallen, man verlange eine Revision der Pläne, und überhaupt wolle man im Falle eines Durchbruchs keine Verantwortung tragen. Zudem schritten die Arbeiten viel zu langsam voran und man dränge auf Vollendung. Bei einer Katastrophe mache man die übergeordneten Behörden haftbar.5

Dann mussten zwischen den Badbesitzern und der Gemeinde Grundstücke getauscht werden.6 Bei der Vermessung stellte sich eine höhere Belastung für die Gemeinde heraus als  ursprünglich veranschlagt war. Weder die Gemeinde, noch das Land Bayern, wollte die Ausgleichssumme tragen.7

Dies brachte neuen Sand ins Getriebe. In der Frage eines Wirtschaftsübergangs zu den Donauwiesen über den Damm schien Verärgerung gegen die Herren Linxen und Höign die Ratsherren zu dem Beschluss geleitet zu haben: „Der Gemeinderat lehnt die Übernahme  der nächst dem Gemeindehaus befindlichen Treppe über den Damm sowie den Übergang, der zu der den alten Mühlkanal kreuzenden und den Badbesitzern gehörigen Brücke führt, ab. Der Gemeinderat hat keinen Antrag zur Erbauung der Übergänge gestellt und darum kein Interesse, und lehnt jede Haftung ab.“8

Ob es in dieser Frage in der Zeit des Dritten Reiches eine Einigung gab, ist den Ratsprotokollen nicht zu entnehmen. Die Brücke steht heute noch, und so wird es schon einmal zwischen Bad und Markt eine Einigung gegeben haben.

Der Deich  mit den zwei Schöpfwerken wurde in den Jahren 1927 bis 1929 errichtet. Die Sohle der Deichschüttung reicht  teilweise unter Niveau des Vorlandes. „Der bestehende Deich besteht (.) zum überwiegenden Teil aus fein-, gemischt- und grobkörnigen Mergel (kalkhaltige bindige Böden), vermutlich Abraummaterial aus den nahen, (.) aufgelassenen Steinbrüchen am Mühlberg. Das überwiegend kiesige Material zeigt in weiten Grenzen wechselnden Gehalt an Sand, Schluff und Steinen.“9

Wie sich öftere Male erwies, garantierte dieses Gemenge keine sichere Undurchlässigkeit und Standfestigkeit, ließ in den vergangenen Jahrzehnten einige Male sogar einen Dammbruch befürchten.

Die finanzielle Abwicklung der Dammbaulasten war im Jahr 1934 immer noch nicht abgeschlossen. Dies zeigt der Beschluss vom Juli 1934, als das Dritte Reich bereits angebrochen war:
„Der Gemeinderat beschließt einstimmig, dass eine Umschuldung  der Forderungen aus dem seinerzeit gewährten Hochwasserkredit (..) beim Umschuldungsverband deutscher Gemeinden auf den Marktgemeinderat Bad Abbach abgelehnt wird.“
Vorliegende Zinslisten weisen aus, dass die Gemeinde Abbach  bei der Zinszahlung und Tilgung permanent im Rückstand war. Am 31.12.1931 waren seit 1.1.1931 an Zinsen 4.722.67 RM und an Tilgungsraten 5.366,67 RM  aufgelaufen, insgesamt also eine Summe von 10.089, 34 RM, was den Bürgermeister zu dem Ansuchen an die Regierung veranlasste, alle Schulden niederzuschlagen, weil man sie wegen der Zahlungsunfähigkeit in Folge der Arbeitslosigkeit sowieso nicht mehr liquidieren könne.10

Der Deich wurde mit dem Ausbau der B 16 zwischen 1950 und 1958  zwar verbessert. Aber das Pfingsthochwasser 1999 hat dennoch im Bereich  der Marktgemeinde Bad Abbach zu massiven Schäden geführt. So zeigte sich, dass der bestehende Hochwasserschutzdeich nicht mehr dem neuen Ausbaustandard entspricht. Darum war für das Jahr 2005 an bestimmten Abschnitten eine Deicherhöhung und Verdichtung geplant. Die Deichkrone sollte drei Meter breit und befahrbar werden. Die Böschung sollte wasserseitig auf 1 : 2,5  bis 3,0 abgeflacht werden.11

Wegen der nun obwaltenden Finanznot wurde 2005 das Projekt nicht realisiert, auch 2009 ist es noch nicht realisiert. Ist es auf den St.Nimmerleinstag verschoben?

 PS.  Am 12.08.2010 wurde der erste sog. Spatenstich für die Realsierung der Deichpläne ausgeführt. Nun geht es endlich mit den Abbacher Arbeiten los, nachdem den Vorhaben in Neustadt a.D. und Weltenburg Priorität eingeräumt worden war.

1 RP v. 25.02.1927
2 RP v. 28.12.1926
3 RP v. 13.11.1927
4 RP v. 23.02.1930
5 RP v. 13.10.1928
6 RP v. 19.03.1931
7 RP v. 18.08.1932
8 RP v. 05.03.1932
9 Planvorlage für ein Ausbauprojekt des Deiches 2005
10 Bay. Staatshauptkasse an Gemeinde Abbach vom 31.12.1931. Archiv von Bad
     Abbach 8.6.1.a
11 Planvorlage s.o.!